Assassin's Creed, Battlefield 1 und Co.: Sind diese Spiele wirklich historisch korrekt?

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Special Stephan Petersen - Autor Paula Sprödefeld Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 17,55 €
Assassin's Creed, Battlefield 1 und Co.: Sind diese Spiele wirklich historisch korrekt?
Quelle: PC Games

Viele Computerspiele setzen auf historische Szenarien. Aber wie korrekt und realistisch ist das eigentlich, was uns die Entwickler da präsentieren? In unserem ausführlichen Special beleuchten wir die Geschichte in Spielen einmal genauer und zeigen euch, ob ihr vielleicht doch mal zu einem Buch greifen solltet!

Was für ein Ausblick! Nach einer waghalsigen Kletterpartie hat Meisterassassine Arno einen der Doppeltürme der Kathedrale Notre-Dame de Paris erklommen. Zur Belohnung gibt es eine cineastische Kamerafahrt über die französische Hauptstadt des späten 18. Jahrhunderts. Die wirkt absolut authentisch. Jedes Detail scheint hier zu stimmen. Nach einem beherzten Sprung in einen Heuhaufen befindet sich Arno wieder auf den Straßen des revolutionären Paris. In den Gassen brennen Holzbarrikaden. Ein wütender Mob zieht mit Mistgabeln und Tricolore-Flaggen ausgestattet durch die Straßen. Arno geht weiter seines Weges und betritt die gotische Kirche. Dort fallen sofort die wunderschönen Buntglasfenster ins Auge, durch die das Licht physikalisch korrekt in das Innere von Notre Dame fällt. Doch für Sightseeing bleibt Arno keine Zeit. In dem Sakralbau befinden sich feindliche Wachen, die Assassinen mit Vorliebe zum Frühstück verspeisen. Ab in den Schleich- und Meuchelmodus! Die Arbeit ruft.

Spiele mit historischen Szenarien

alt karte karte mehr Quelle: PC Games In Europa Universalis 4 schreibt ihr selbst Geschichte. Frust und Spaß liegen nicht selten eng beieinander. Schon seit der Frühzeit der Computer- und Videospiele gibt es Games mit historischen Szenarien. Der Vorteil für die Entwickler liegt auf der Hand. Sie müssen sich kein komplett neues Szenario ausdenken, sondern können auf ein vorhandenes zurückgreifen. Aber auch für Spieler haben historisch angehauchte Spiele ihren Reiz. Zum einen ergeben sich spannende "Was-wäre-wenn?"-Szenarien. Der Spieler greift aktiv in die Geschichte ein und kann sie verändern - wie beispielsweise in Europa Universalis 4 (2013) oder Panzer Corps (2011). Eine andere Möglichkeit: Der Spieler begibt sich auf eine virtuelle Zeitreise und erlebt hautnah eine historische Epoche - wie etwa im oben geschilderten Assassin's Creed: Unity (2014). Kurzum: Spiele mit historischen Szenarien können sehr spannend sein.

Eines der ersten Spiele dieser Art war Oregon Trail (1971). Dessen Entwicklungsgeschichte ist durchaus bemerkenswert. Der Geschichtslehrer Don Oregon Trail, eines der ersten Computerspiele mit historischem Szenario. Quelle: PC Games Oregon Trail, eines der ersten Computerspiele mit historischem Szenario. Rawitsch sah in Computern die Möglichkeit, seinen Schülern Geschichte auf interaktive und spannende Weise zu vermitteln. Daher überredete er Paul Dillenberger und Bill Heinemann, zwei Mathematiklehrer, zu seinem Projekt. Heraus kam dabei ein Spiel über die Pioniere, die Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihren Planwagen und Trecks aus der Mitte der heutigen USA über 3500 Kilometer bis in den Westen fuhren. Im Spiel übernehmen wir die Verantwortung über einen solchen Treck und kümmern uns um das Wohlbefinden unserer Siedler, indem wir etwa auf die Jagd gehen und Nahrung besorgen. Doch nicht alle Siedler werden die fruchtbaren Täler im Westen sehen. Denn Gefahren gibt es viele. Von Schlangenbissen über die Ruhr bis hin zu tödlichen Schusswunden. Oregon Trail war seinerzeit derart erfolgreich, dass in den kommenden Jahrzehnten zahlreiche Versionen und Ableger folgten.

alt meer mehr Quelle: PC Games Filme und Spiele mit historischem Setting prägen unser Geschichtsbild. Das stimmt nicht immer mit der historischen Realität überein. Ein Beispiel dafür ist Sid Meier's Pirates! Mit der voranschreitenden Technik nahm die Komplexität von Spielen zu. Und auch die Anzahl an Spielen mit umfangreichen historischen Szenarien. Pirates! (1987), Civilization (1991) und Historyline: 1914-1918 (1992) seien nur als einige Beispiele genannt. Auch zahlreiche Games neueren Datums setzen auf historische Szenarien: Assassin's Creed: Syndicate (2015), Battlefield 1 (2016) oder aber die zahlreichen Paradox-Strategietitel wie Crusader Kings 2 (2012) oder Hearts of Iron 4 (2016). Wenn geschichtlich angehauchte Games so beliebt sind, stellt sich die Frage: Wie historisch korrekt sind diese Spiele eigentlich? Halten sie sich wirklich an die Fakten und zeichnen ein authentisches Bild?

Auch Assassin's Creed ist nicht ganz historisch korrekt

Lasst uns dafür noch einmal auf die Assassin's-Creed-Reihe schauen. Kaum ein anderes Spiel erzeugt einen solch hohen Mittendrin-Faktor. Die Spielwelten wirken unglaublich realistisch. Das liegt nicht nur an der potenten Technik und den fähigen Entwicklern. In jedem Spiel steckt auch unglaublich viel Recherche zur jeweiligen zeitgenössischen Architektur, historischen Ereignissen und Persönlichkeiten, der Kleidung und vielen anderen Details, die schließlich zu einer stimmungsvollen, glaubwürdigen Spielwelt führen.

Aber ist hier alles wirklich historisch korrekt? Mal abgesehen von dem ganzen Abstergo-Garten-Eden-Erste-Zivilisation-Nonsens wird die gesamte alter mann alt meeer Quelle: PC Games Toller Mittendrin-Faktor. In Assassin's Creed: Syndicate trefft ihr auf historische Persönlichkeiten wie Karl Marx. Einige Freiheiten nehmen sich die Entwickler jedoch heraus, um dem Zielpublikum eine spannende Geschichte zu erzählen. Menschheitsgeschichte auf einen ewigen Kampf zwischen zwei Geheimbünden, den Templern und den Assassinen heruntergebrochen. So als ob die Geschichte der Menschheit nicht komplex, sondern ein simpler Kampf zwischen zwei Fraktionen im Hintergrund wäre, als ob es generell immer um "Ordnung" gegen "Freiheit" gehen würde. Schade übrigens, dass das Game den Spieler immer wieder aus der Illusion der historischen Spielwelt reißt, um die hanebüchene Hintergrundgeschichte fortzuführen.

Zudem hatten die richtigen Assassinen weder trendige weiße Kutten noch Gadgets im James-Bond-Stil. Auch bei der Darstellung historischer Persönlichkeiten lassen die Entwickler künstlerische Freiheit walten, wenngleich sie sich meistens relativ nah an der historischen Überlieferung bewegt. So ist in Assassin's Creed: Syndicate der Disput zwischen Charles Darwin und Richard Owen richtig dargestellt. Karl Marx aber wird zum ersten Hipster der Geschichte, der heutige junge Männer zu langen Bärten inspirierte und im Spiel sein Werk beginnt, als er es in der Realität bereits veröffentlicht hatte. Auch in der Spielwelt stimmt nicht immer alles. In Assassin's Creed: Unity sind beispielsweise eindeutig Nur drei Tage nach Steel Division Normandy 44 kam Life is Feudal: Forest Village heraus. Quelle: PC Games Nur drei Tage nach Steel Division Normandy 44 kam Life is Feudal: Forest Village heraus. zu wenige Kutschen auf den Straßen von Paris. Die Polizeiberichte der damaligen Zeit waren voll mit Anzeigen von Passanten, die rücksichtlose Kutschenfahrer anzeigten. Ein anderes Beispiel: Die Innenarchitektur der Kathedrale Notre-Dame stimmt nicht mit dem Original überein. Sämtliche Buntglasfenster sind zwar schick, aber frei erfunden. Aus Copyright-Gründen. Zudem gibt es im Spiel mehr Ebenen und Decken als in der originalen Kirche.

Battlefield 1: Richtige Requisiten, falsche Abläufe

Wie sieht es denn beim Ego-Shooter-Hit Battlefield 1 mit der historischen Korrektheit aus? Der Erste Weltkrieg war nicht nur ein sinnloses Abschlachten von Menschenleben. Zudem entschied oftmals das Glück über Leben und Tod. Sehr anschaulich verdeutlicht das der Prolog von Battlefield 1. Stirbt der Protagonist, gibt es eine Einblendung mit Namen sowie Geburts- und Sterbedatum, und das Spiel geht in der Rolle eines anderen Soldaten weiter. Auch stimmen Waffen, Fahrzeuge und Schauplätze grundsätzlich mit der historischen Wirklichkeit überein. Dennoch ist Battlefield 1 ein riesiger Abenteuerspielplatz. In den Teams laufen jeweils zu viele Soldaten mit halbautomatischen Waffen herum. Auf fast jedem Schlachtfeld donnern deutsche A7V-Panzer über die Schützengräben, während sie in Wirklichkeit gerade einmal auf eine Geschwindigkeit von sechs bis sieben km/h kamen, als extrem störanfällig galten und keine Gräben von mehr als zwei Meter Breite überwinden konnten. Außerdem haben die Kämpfe nicht viel mit dem tatsächlichen Stellungskrieg gemeinsam.

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    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von RedDragon20 Mitglied
        Zitat von Honigpumpe
        Ei der Daus, welch foine Wörter hier benutzt werden!

        Zum Gegenwartspart: Die Debatte ist wohl so alt wie "AC" selbst. Für mich gehört er bei diesem Spiel dazu. Das ist doch der Markenkern von "AC", der Bogen von der Antike zur Moderne. Ich finde auch nicht, daß der Wechsel groß die Immersion stört. Solange beide Epochen immersiv gestaltet sind, ist doch alles paletti.
        Naja, in AC 1 bis 3 waren die Gegenwarts-Szenarion ja noch echt gut umgesetzt. Aber danach? Nääähhh...
      • Von RedDragon20 Mitglied
        Zitat von Honigpumpe
        Ei der Daus, welch foine Wörter hier benutzt werden!

        Zum Gegenwartspart: Die Debatte ist wohl so alt wie "AC" selbst. Für mich gehört er bei diesem Spiel dazu. Das ist doch der Markenkern von "AC", der Bogen von der Antike zur Moderne. Ich finde auch nicht, daß der Wechsel groß die Immersion stört. Solange beide Epochen immersiv gestaltet sind, ist doch alles paletti.
        Naja, in AC 1 bis 3 waren die Gegenwarts-Szenarion ja noch echt gut umgesetzt. Aber danach? Nääähhh...
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Genau das ist ein Grund warum ich die AC-Reihe ja so liebe:
        Die verbinden besondere historische Eckdaten und Ereignisse mit einem eigens dazugedichteten Plot und machen daraus ein unterhaltsames Spielerlebnis, schaffen es damit aber auch Interesse an den geschichtlichen Hintergründen aufzubauen. Kein knochentrockenes Geschichtsspiel, und ja, natürlich nicht zu 100% im Detail genau überliefert, dennoch, die Art Fakten und Fiktion gekonnt zu vermischen vermag niemand so gut umzusetzen wie Ubisoft.
      • Von Honigpumpe Spiele-Enthusiast/in
        Zitat von linktheminstrel
        Man sollte nicht zuviel geschichtliche Akkuratesse in Medien erwarten, die der puren Unterhaltung dienen.
        Ei der Daus, welch foine Wörter hier benutzt werden!

        Zum Gegenwartspart: Die Debatte ist wohl so alt wie "AC" selbst. Für mich gehört er bei diesem Spiel dazu. Das ist doch der Markenkern von "AC", der Bogen von der Antike zur Moderne. Ich finde auch nicht, daß der Wechsel groß die Immersion stört. Solange beide Epochen immersiv gestaltet sind, ist doch alles paletti.
      • Von MrFob Nerd
        Ich fand die AC Teile immer gut, da sie mich dazu animiert haben, meine eigenen Recherche ueber die Epoche durchzufuehren. Klar sind die historischen Charaktere und Gegebenheiten meist sehr stark an das Spielerlebnis angepasst. Allerdings gibt es genug Schlagwoerter und historische Bezuege im Spiel, um den Spieler auf eine interessante Reise durch das Internet zu schicken.
        So habe ich zu Zeiten von AC2/Brotherhood viel ueber die Medicis, die toskanischen Stadtstaaten waehren der Renaissance und die Borgias gelernt. Bei Revelation habe ich mich etwas ueber das osmanische Reich eingelesen und zu Zeiten von Assassins Creed 3 dann ueber die amerikanische Revolution (und vor allem die davor stattfindenden Ereignisse, wie den French-Indian War, Sachen, die im Geschichtsunterricht oft etwas kurz kamen). Ich betrachte es als Teil der Spiel-Herausforderung auch rauszufinden, was bei Spielen wie AC historisch zumindest mehr oder weniger korrekt dargestellt ist und was dazu erfunden wurde. AC war hier uebrigens mit seinem in-game Kodex schon immer ziemlich vorbildlich. Ich habe zum Beispiel das gleiche waehren CoD: Black Ops mit dem Vietnamkrieg gemacht, da muss man aber im Spiel schon gut aufpassen, um sich die richtigen Schlagwoerter spaeter zusammensuchen zu koennen und zu rekonstruieren, auf welchen Ereignssen das Spielgeschehen eines Levels nun beruht. Ein Kodex oder eine Datenbank mit ein paar eher objektiven historischen Infos waere auch fuer so ein Spiel super gewesen.

        Was die Gegenwarts-Story von AC angeht, ich fand sie bis AC3 absolut klasse und wuerde sie nicht missen wollen. Stimme in der Hinsicht mit SirThomas70 ueberein. Es ist halt nur Schade, dass sie dann den Faden verloren haben. Ich haette z.B. gerade bei AC ueberhaupt nichts dagegen, wenn sie die Gegenwarts-Story einfach mal rebooten wuerden.
      • Von linktheminstrel Mitglied
        Man sollte nicht zuviel geschichtliche Akkuratesse in Medien erwarten, die der puren Unterhaltung dienen.
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