Faszination Trophy-Hunting: Auf der Jagd nach Platin - Seite 3
Wir gehen dem Thema Ingame-Erfolge auf den Grund: Woher kommen Achievements? Wie denken sich Entwickler Trophäen aus? Und warum Sammeln wir die Dinger?
Glücklicherweise wartet das Internet heutzutage mit zahllosen Communitys auf, die sich nur diesem Wetteifern um die Krone der Achievement beziehungsweise Trophy Hunter widmen. Sei es nun auf Reddit, TrueAchievements oder PSNProfiles, für jede Plattform gibt es mittlerweile die passende Seite, auf der ihr euch einen praktischen Überblick über die eigenen Erfolge verschaffen und sie in ellenlangen Ranglisten mit der ganzen Welt vergleichen könnt.
Auch ich habe den Sprung mal gewagt mit meinen 4700 Trophäen. Und ich habe es immerhin noch unter die besten 10.000 in Deutschland geschafft, beziehungsweise 124.000 weltweit. Besser, als ich dachte. Bis zur Spitze fehlt mir dann aber doch noch ein gutes Stück. Die Zahlen innerhalb der Top 100 sind nämlich, um es mal sachte auszudrücken, krass. Hier bewegen wir uns teilweise bei über 3500 Platin-Trophäen. Nochmal zum Mitschreiben: Drei. Tausend. Fünf. Hundert! Um das in Relation zu setzen, hier mal ein kurzes Rechenbeispiel: Um eine solche Zahl zu erreichen, müsste man seit Einführung des Trophäen-Systems vor ungefähr 14 Jahren alle anderthalb Tage ein Spiel zu 100 Prozent komplettieren. Eine fast unmenschliche Aufgabe. Wie schaffen die Leute das? Und warum tut man sich so einen Stress freiwillig an?
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Quelle: PSNProfiles.com
Das PSN-Profil der Autors: Seit Beginn der Recherche für diesen Artikel sind ein paar Trophäen dazugekommen. Natürlich rein zufällig.
Aus dem Leben eines Trophy Hunters
"Das ist, glaube ich, der Perfektionismus in mir", erklärt mir Christian Saathoff im persönlichen Gespräch. Der 37-Jährige ist unter seinem Alias Quetschboy aktuell die Nummer 39 der PSN-Rangliste in Deutschland, die Nummer 261 weltweit. Zwar mit "nur" 1.498 Platin-Trophäen, aber auch das ist schon eine ziemlich beachtliche Zahl.
Angefangen hat damals alles mit Resident Evil 5. Da schlich sich die Trophäenjagd so langsam ein. Mittlerweile kommen bei Christian tagtägliche neue Erfolge dazu - und das, obwohl er die ganze Sache nur semi-kompetitiv betreibt und sich realistische Ziele setzt. Ein Angriff auf die globale Top 100 gehört nicht dazu. Da sei der Druck viel zu hoch. Man macht quasi nichts anderes, als Spiele spielen.
"Ich spiele im Prinzip nur nach der Arbeit zum Runterkommen, bis zum Abendessen. Es ist also nicht so, dass ich da wirklich tagtäglich mehrere Stunden vorsitze", stellt Quetschboy klar. Der zeitliche und finanzielle Aufwand bleibt also überschaubar. Christian wird von seiner Leidenschaft nicht arm, wie er schmunzelnd verrät. Und es bleibt genügend Zeit für andere Dinge übrig: den Job, die Familie, die Freundin. Das Privatleben bleibt wichtiger als die Trophäenjagd. Entsprechend gibt es auch durchaus mal Tage, an denen die Konsole komplett aus bleibt.
Wenn aber mal gezockt wird, dann eben richtig. Christian geht beim Trophy Hunting beinahe schon strategisch vor: Zu Beginn eines jeden Spiels wird sich zuerst die Trophäenlisten durchlesen, danach der entsprechende Guide. Dann wird die optimale Route geplant, um den Zeitaufwand möglichst gering zu halten.
Für The Witcher 3 hat sich der 37-Jährige sogar extra frei genommen, um mit Geralt einmal den perfekten Spieldurchlauf hinzulegen - auf der höchsten Schwierigkeitsstufe und mit allen verpassbaren Erfolgen. Klingt fast schon nach Arbeit.
Im Zweifel hilft das Gummiband
"Auf der einen Seite ist es kein zwangloses Spielen mehr", so Saathoff. "Auf der anderen Seite macht es mir aber trotzdem noch Spaß. Denn selbst wenn die Spiele selbst nicht so toll sind, fühlt sich das Erreichen der Platin-Trophäe immer noch gut an." Das sorgt dafür, dass Christian einfach nicht aufhören kann.
Und es sorgt auch dafür, dass mal ein paar seltsame Entscheidungen getroffen werden: Manche Triple-A-Spiele wie zum Beispiel ein Elden Ring fasst er zum Beispiel gar nicht erst an, weil 100 Prozent darin ohnehin nicht erreichbar sind. Bei anderen grindlastigen Spielen hilft er auch mal mit ein paar Gimmicks nach. Um in Final Fantasy 9 1000 Seilsprünge für die Trophäe Königshopser zusammenzubekommen, ließ er das Spiel zum Beispiel per Remote Play auf dem PC laufen und dann einfach ein Skript im Hintergrund die Arbeit machen.
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Klar, es ploppt hier und da beim spielen mal eine Nachricht auf, dass ich irgendeine Trophäe erhalten hätte.
Manchmal ganz witzig, manchmal auch Trophäen wie: „Erledige mindesten 10 Gegner mit Kopfschüssen“ .
Naja, kann man jetzt stolz auf die eigenen Shooting Skills sein, aber länger drüber nachdenken sollte man da auch nicht wirklich.
Mir persönlich sind die Trophäen/Erfolge komplett unwichtig. Wenn welche kommen, dann sind sie halt da, aber auf die Jagd danach gehe ich nicht.
Wer will, soll es machen und wenn es nur der Selbstbeweihräucherung dient. ;)
Schlimmer aber finde ich Online Erfolge in eigentlich überwiegend SIngleplayer spielen. Wo man dann auch noch Level 50 oder so erreichen soll. Gabs bei AC gerne mal..
Habe aber das Gefühl das sich Entwickler langsam wieder kreativere Erfolge einfallen lassen die nebenbei durchaus spaßig sind.
In Simulatoren/Buildern gibt es halt Milestones, um Fortschritt freizuschalten, was völlig ok ist. Aber jedes "Story Game" wäre für mich ohne Achievements besser.
Besonders toll ist immer "Quest: beeile dich, um die Welt zu retten", aber "durchsuche noch jede einzelne Schublade nach Sammel-Fotos"...
Das dies bei den meisten Spielen (gerade abseits von wettkampfbasierten Multiplayer-/Spielen) aber garnicht so ist zeigt nicht nur das Video. Wenn ich heute bereits eine Trophäe dafür bekomme nur um den ersten Standartgegner erledigt, eine Kiste geöffnet, oder den allerersten Level irgendwie halbwegs geschafft zu haben, zeigen sich vielleicht nicht-Gamer bei ihren ersten Versuchen im Pixeluniversum begeistert, aber ich fühl mich da eher veralbert. Das wäre wie wenn mein Chef sagen würde: "Toll, du hast den Mülleimer getroffen.".
Anfangs waren die Erfolge/Trophäen/Archievments ja irgendwie noch etwas aufregendes, da man insgeheim ja schon immer nach etwas wie dem "Highscore" im Spiel schielte - zumindest wenn man sich untereinander verglich. Wo ich wieder bei wettkampfbasiert wäre. Denn für mich selbst würde ich auch auf keinen Highscore schielen. Aber ehrlich gesagt hoffte zumindest ich das die Erfolge mit der Zeit besser oder zumindest kreativer werden, aber größtenteils eben auch eher nur für wirkliche "Errungenschaften" basieren. Stattdessen muss man immer mehr nur seinen Spielstiel umstellen, Dinge beabsichtigt tun, die man normalerweise nicht gemacht hätte, und wird für bald jede Standartsituation ingame mit "Erfolgen" zugeballert, was mehr als oft nur halt kein wirkler "Erfolg" ist (wie den ersten Level in einem AAA-Spiel gemeistert, und es schon traurig wenn hinter sowas dann steht: "Seltener Erfolg - Nur 5% aller Spieler haben diesen erreicht").
Kann hier dann eher nur die verstehen die durch das sammeln der Trophäen wirklich einen Gegenwert bekommen, wie in den USA. Nur wenn sich Firmen jetzt geradezu schon auf die Fahne schreiben: "Hier, kauft unser Müllgame, kostet jedoch ganz wenig, und dafür hat es aber sehr einfach zu bekommende Trophäen", sorry dann treibt es die Sache nur noch weiter nach Absurdistan. Kann da Nintendo verstehen wenn sie das eben nicht wirklich einfügen.
Aber soll jeder gerne seinen Spaß daran haben. Letztendlich braucht eben jeder einen anderen Ansporn.
Ich habe in meinem Leben noch nie nach geguckt, was da ab und zu in der Bildschirmecke auf plöppt.
Kann persönlich überhaupt nicht nachvollziehen, wie Erfolge etc motivieren sollten...