Das beste RPG aller Zeiten hat ein Remake bekommen - und ist unser absoluter Geheimtipp
Für unseren wöchentlichen Geheimtipp stellen wir euch heute das Remake des besten RPGs aller Zeiten vor.
In den vergangenen Jahren hat sich ein bestimmtes Genre breitgemacht. Ein Genre, zu dem Spiele wie Tunic, Outer Wilds und Animal Well gehören. Fortschritt wird darin nicht primär durch fehlende Gegenstände oder Upgrades begrenzt, sondern durch das eigene Wissen über die Spielwelt und ihre Mechaniken.
In Tunic gibt es beispielsweise mehrere Momente, in denen man etwas Neues lernt und plötzlich erkennt, dass sich ein vermeintlich unerreichbares Gebiet schon ganz am Anfang hätte betreten lassen. Für solche "knowledge-gated games" hat sich in Teilen der Community der etwas sperrige Begriff "Metroidbrainia" eingebürgert. Und genau so ein Spiel möchte ich euch heute vorstellen.
Ihr kennt das vermutlich: Man legt ein Spiel aus irgendeinem Grund beiseite und kehrt erst Wochen, Monate oder sogar Jahre später zurück. Dann stellt man fest, dass man keinen blassen Schimmer mehr hat, was das Spiel eigentlich von einem will.
Genau in diese Situation versetzt euch The Remake of the End of the Greatest RPG of All Time, im Folgenden einfachheitshalber TRotEotGRPGoAT genannt. Wie der Titel bereits verrät, startet das Spiel in den letzten Stunden eines gigantischen Rollenspiels und ihr müsst zunächst herausfinden, was hier überhaupt vor sich geht.
Das Spiel ist deshalb kein "richtiges" RPG, sondern eher ein Deduktions- und Puzzlespiel. Zwar gibt es Ausrüstung, Charaktere und Kämpfe, doch bei all diesen Elementen geht es nicht darum, in Stufen aufzusteigen oder seine Charaktere perfekt auszurüsten, sondern darum, die richtige Lösung für ein Problem zu finden.
Entdeckt ihr etwa eine Truhe, weist euch das Spiel freundlich darauf hin, dass ihr sie mit einem Gegenstand aus eurem Inventar öffnen könnt. Welcher das ist, müsst ihr jedoch völlig auf euch alleingestellt herausfinden und dabei stellt sich selbst die Navigation durch die Menüs aus recht knifflig heraus.
An anderer Stelle realisiert ihr wiederum, dass der Besitzer des Speicherstands allen Helden verfluchte Rüstungen angelegt hat. Dadurch schaden euch Heiltränke, anstatt eure Lebenspunkte wiederherzustellen. Um die Kämpfe trotzdem zu überstehen, müsst ihr die Schwächen der Gegner aufdecken und gezielt ausnutzen.
Die verschiedenen Gameplay-Elemente funktionieren somit größtenteils als kleinere Logikrätsel, die nach und nach ein großes Ganzes aufdecken.
Wie Entwickler Lucas Immanuel erklärte, war Tunic eine der wichtigsten Inspirationsquellen für das Spiel. Theoretisch ließe sich TRotEotGRPGoAT (ich hatte euch gewarnt) vermutlich innerhalb kürzester Zeit abschließen, wenn man von Anfang an alle Lösungen kennen würde. Seinen Reiz zieht es jedoch aus den ständigen "Aha!"-Momenten. Immer wieder erkennt man, dass man die Antwort längst vor Augen hatte, was für ein angenehm belohnendes Spielgefühl sorgt - selbst wenn man zuvor peinlich lange an einem Rätsel festhing.
Um die Geheimnisse des Spiels zu entschlüsseln, müsst ihr auf die Bedienungsanleitung des "Originalspiels", Kommentare der Entwickler und Ausschnitte aus einem angeblich unveröffentlichten Amateurdokumentarfilm und natürlich eure eigene Erfahrung mit Videospielen zurückgreifen. Nach und nach sollt ihr hierdurch herausfinden, was das beste RPG aller Zeiten eigentlich ist.
Dabei schreckt das Spiel auch vor einem Wechsel auf die Metaebene nicht zurück. Einerseits beschäftigt es sich mit der Frage, was ein Videospiel-Remake überhaupt sein sollte. Lucas Immanuel erklärte in einem Interview, dass ihn an aktuellen Remakes vor allem alternative Ansätze interessieren, die über eine rein modernisierte Präsentation wie bei einem Final Fantasy 7 hinausgehen.
Spannend fand ich außerdem die Frage, was von einem Spiel übrig bleibt, wenn sein gesamter ursprünglicher Kontext verloren gegangen ist. In einer Zeit, in der kaum ein Tag ohne die Ankündigung eines weiteren Remakes vergeht, fand ich es recht ansprechend, quasi gezwungenermaßen über meine eigenen Erwartungen an solche Neuauflagen nachzudenken.
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Eine weitere Metaebene gibt es durch Elemente wie den "Log Off"-Button im Menü des Spiels. Betätigt man ihn aus Neugier, was der in einem Offline-Spiel zu suchen hat, zoomt die Kamera aus dem vermeintlichen RPG heraus. Plötzlich zeigt sich, dass man sich gewissermaßen in einem Spiel innerhalb des Spiels befindet. Anschließend kann man in der Ego-Perspektive durch eine Umgebung laufen, bei der es sich möglicherweise um das Wohnzimmer des Entwicklers handelt.
Bei TRotEotGRPGoAT handelt es sich übrigens um ein Studentenprojekt. Der Entwickler wollte unbedingt einen an Octopath Traveler erinnernden HD-2D-Stil verwenden, für das fiktive Originalspiel hätte diese moderne Optik jedoch wenig Sinn ergeben. Also wurde das Projekt als Remake inszeniert, wodurch die visuelle Gestaltung auch innerhalb der Handlung kohärent bleibt. So kohärent das bei einem Spiel dieser Art eben möglich ist.
Allzu lang ist TRotEotGRPGoAT zwar nicht, schließlich spielt ihr lediglich das Ende eines angeblich viel größeren Rollenspiels, während der ungefähr vier bis sechs Stunden langen Spielzeit kommt jedoch kaum Langeweile auf. Falls ich euer Interesse mit dieser so gut es geht spoilerfreien Beschreibung des Spiels wecken konnte, findet ihr The Remake of the End of the Greatest RPG of All Time zum Preis von 18,25 Euro auf Steam.
