Xbox-Entlassungen: So reagiert die Spielebranche auf 3.200 Jobverluste
Xbox streicht tausende Stellen und gibt mehrere Studios ab. In der Spielebranche reagieren Entwickler mit Schock, Frust und Sorge um die Zukunft.
Die jüngste Xbox-Umstrukturierung trifft die Spielebranche wie ein Asteroideneinschlag. Laut mehreren Berichten sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027 rund 3.200 Stellen wegfallen, davon ein großer Teil bereits kurzfristig. Wo führt das alles noch hin?
Die Entwickler verlieren trotz Projekte ihre Jobs
Die Umstrukturierung ist bitter, weil einige betroffene Studios nicht einfach verschwinden, sondern aus Xbox herausgelöst werden. Compulsion Games und Double Fine sollen unabhängig weiterarbeiten und ihre Marken sowie laufenden Projekte behalten. Ninja Theory und Undead Labs sollen unter neuer Eigentümerschaft fortgeführt werden, damit Projekte wie Senua und State of Decay 3 weiterentwickelt werden können. Zunächst ist das besser als eine Schließung, aber viele tausende Menschen verlieren trotzdem ihre Jobs.
Einige Entwickler äußerten sich kürzlich zur Situation. Griffin DeClaire von Bethesda Game Studios schrieb auf LinkedIn, dass ihn die Entlassung völlig überraschend getroffen habe, weil ihm kurz zuvor noch eine Gehaltserhöhung in Aussicht gestellt worden sei. Man kann wirklich sagen, dass die Branche mittlerweile so tückisch ist wie ein Assassine aus dem Hinterhalt. Es kann noch so gut aussehen und trotzdem erwischt euch ein Dolch von hinten.
Auch Obsidian blieb nicht unberührt. Nachdem zunächst unklar war, ob das Studio von den Einschnitten verschont bleibt, schrieb Narrative Lead Kate Dollarhyde auf Bluesky, dass Obsidian "viele hervorragende Entwickler und wunderbare Menschen" verloren habe. Unter den Betroffenen soll auch Daniel Alpert gewesen sein, der seit 2005 bei Obsidian arbeitete und zuletzt als Art Director an The Outer Worlds beteiligt war.
Alpert äußerte sich ebenfalls zur Lage. Er schrieb, die Branche befinde sich eindeutig an einem Wendepunkt. Die vergangenen Monate seien für viele talentierte Menschen schwer gewesen, und leider sehe es nicht so aus, als seien die Herausforderungen vorbei. Ja, es scheint wie ein mieser Keim zu sein, der sich durch die Spielindustrie zieht.
Xbox-Entlassungen: Die Branche kann nicht alle Betroffenen auffangen
Ein weiteres Problem ist die schiere Menge der Entlassenen. Mike Kern, der nach fast 14 Jahren bei ZeniMax Online Studios seinen Job verlor, sprach einen Punkt an, über den viele Betroffene nur vorsichtig reden: Die Spielebranche kann diese Zahl an erfahrenen Entwicklern kaum wieder aufnehmen. Wenn gleichzeitig viele große Firmen sparen, offene Stellen einfrieren oder Projekte streichen, entsteht kein normaler Arbeitsmarkt, der diese Menschen einfach auffängt.
Damit droht ein massiver Verlust an Erfahrung. Wenn Senior-Entwickler, Artists, Narrative Leads, Produzenten, QA-Teams, Designer und technische Spezialisten aus der Branche gedrängt werden, verschwindet Wissen, das nicht schnell ersetzt werden kann. Studios verlieren nicht nur Arbeitskräfte, sondern auch Erinnerungen an Produktionsprozesse, Tools, Fehler, Workflows und Teamkulturen. Natürlich sind einige Entlassungen in manchen Bereichen vielleicht sogar nötig. Nicht jedes Studio liefert gute Arbeit, da muss man sich nichts vormachen. Trotzdem ist es heftig, wohin sich die Branche entwickelt.
Die Kritik fällt auch deshalb so hart aus, weil Microsoft nebenbei weiter massiv in andere Bereiche investiert, besonders in KI. Mehrere Branchenstimmen verweisen darauf, dass Spieleentwickler ihre Jobs verlieren, während das Unternehmen Milliarden in KI-Infrastruktur und neue Strategien steckt. Ironischerweise sind aber selbst KI-nahe Mitarbeiter nicht automatisch sicher. Kevin Flynn, ein Commerce-Growth- und KI-Produktmanager, schrieb auf LinkedIn, dass auch er entlassen wurde, obwohl er zuvor an interner KI-Adoption gearbeitet habe. Was sagt ihr zu der gesamten Lage?
Quelle: PC Gamer
