Sid Meier's Colonization: Inoffizielles Remake 1492 bleibt auf Steam verschwunden
Das an Sid Meier's Colonization angelehnte Spiel 1492 - Colonization of the New World bleibt nach einem kurzen Intermezzo auf Steam verschwunden.
PC Games berichtete bereits im März über das offensichtliche Remake zum Strategieklassiker Colonization von Sid Meier, das aber keinen offiziellen Segen hat. Tatsächlich ging 1492 - Colonization of the New World nach einer Last-Minute-Verschiebung am 25. April an den Start, nur um kurze Zeit später wieder zu verschwinden.
Zu nah dran?
Die Produktseite des Spiels war nach wenigen Tagen im Verkauf nicht mehr erreichbar, wohl aber der Community-Hub auf Steam. Dort gaben sich die Entwickler positiv, dass es sich nur um ein temporäres Problem handle.
Seit dem 30.4. sind nun schon zwei Wochen vergangen und die Shopseite ist weiter nicht aufrufbar. Der Entwickler hat mittlerweile eine Namensänderung auf "1492 - Die Neue Welt" verkündet; offenbar war der Zusatz "Colonization" zu nah dran am Original. Auf Steam schreibt ein Entwickler: "Wir arbeiten noch daran. Wie die meisten von euch sehen können, haben wir den Namen des Spiels geändert und einige Anpassungen an der Benutzeroberfläche vorgenommen". Ob das reicht, um die rechtliche Beschwerde beizulegen, kann nicht seriös beurteilt werden. Die ursprünglichen Käufer des Spiels haben weiter Zugriff auf das Strategiespiel.
So richtig konnte der Titel die ersten Käufer ohnehin nicht überzeugen. Spieler lobten bei 1492 das vertraute Gameplay: Erkunden, Siedlungen aufbauen, Handel treiben oder den Weg zur Unabhängigkeit wählen; dieses Grundprinzip funktioniere auch heute noch. Wer damals das alte Colonization mochte, wird dieses "Feeling" wiederfinden können, bestätigte etwa ein Nutzer. Technische Probleme oder größere Bugs gab es offenbar nicht. Die Nähe zum Colonization-Vorbild wurde von anderen Käufern als eher problematisch beurteilt. Kritik gibt es da vor allem an den zufälligen Kämpfen. Selbst klar überlegene Einheiten konnten durch unglückliche Würfelergebnisse verlieren. Ein solches Design wirkt für manche Spieler nicht mehr zeitgemäß. Statt taktischer Tiefe dominiert hier "Frust pur". Auch bei der altbackenen Grafik gab es Kritik.
Sollte Colonization ein Remaster bekommen? Nutzt gerne die angebotene Kommentarfunktion und teilt uns eure Meinung zum Thema mit. Beachtet beim Kommentieren aber bitte die Forenregeln und die allgemeine Netiquette im Internet. Solltet ihr noch keinen Account haben, könnt ihr über eine Registrierung nachdenken, die viele Vorteile mit sich bringt. Unsere Video-Inhalte findet ihr bei Youtube, Instagram und Tiktok.

A) Warum hat Steam das Spiel sofort und ohne Frist aus dem Vertrieb genommen? Die juristische Tragweite dieses DMCA-Takedowns ist viel problematischer und nicht das, was die Entwickler (Salty Olives) gegenüber ihrer zahlenden Kundschaft behaupten.
B) Hinter den Kulissen versucht Salty Olives mit allen Mitteln - mit Zensur - gegen diese unbequeme Wahrheit vorzugehen: Auf der offiziellen Steam-Community-Seite werden kritische, aber unbequeme Beiträge kommentarlos gelöscht und Nutzer mit fadenscheinigen Begründungen permanent gebannt.
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A) Was für ein juristisches Damoklesschwert hängt wirklich über "1492 Colonization"? Und ist das Spiel damit faktisch tot?
Das können wir anhand der Kommentare der Entwickler, dem Ablauf bei Steam und den technischen Beweisen und dem US-Bundesrecht erkennen. Spoiler: Es ist nicht das, was Salty Olives behauptet.
Schauen wir uns zunächst die offizielle Stellungnahme des Entwicklers vom 30.04. an:
"Die Shop-Seite für '1492: Colonization of the New World' ist derzeit aufgrund einer rechtlichen Mitteilung nicht verfügbar. Wir prüfen die Situation und arbeiten daran, das Problem so schnell wie möglich zu beheben. Das Spiel wird wieder im Shop verfügbar sein, sobald dieser Vorgang abgeschlossen ist. Vielen Dank für eure Geduld..."
1. Wer hat da eigentlich abgemahnt - und warum?
Der Entwickler behauptet, der Strike von Take-Two sei ein "Missverständnis" oder ein "KI-Irrläufer", da historische Fakten ("Public Domain") nicht geschützt seien. Das hat keine juristische Grundlage und führt gegen das US-Bundesrecht ins Leere. Dazu gleich mehr.
Zuallererst: Take-Two ist der Rechteinhaber von Sid Meier's Colonization - und es wird weiter kommerziell auf Steam vertrieben:
https://store.steampowere...
Take-Two besitzt also alle Rechte (Spiel-Architektur, Mechaniken, Ressourcen-Kreisläufe, Kolonie-Aufbau) des Originals. Wenn also ein Einheit "Elder Statesman" Freiheitsglocken in einer Kolonie produziert, dann ist das zu 100 Prozent geschützt. Sogar der Boost um 50 Prozent durch den Bau einer Druckerpresse wurde "übernommen". Man könnte das jetzt Seite um Seite immer weiter so fortsetzen, bis von der Spielmechanik nichts Eigenes mehr übrig bleibt.
Herrje, sie "übernahmen" sogar die Eigenschreibweise "Colonization" statt Colonisation im Namen!
Wir müssen aber nicht darüber diskutieren, ob das Spiel von Salty Olives wirklich ein 1:1-Klon ist - denn das ist ein Streit, der jetzt vor einem US-Bundesgericht geführt werden muss:
2. Auf dem Spiel lastet ein DMCA-Takedown
Der Entwickler Salty Olives schrieb in seinem Statement:
"Take-Two Interactive has sent a legal notice to Valve Corporation regarding alleged IP concerns."
Valve hat das Spiel sofort offline genommen.
Das war reiner Eigenschutz: Valve agiert unter der "Safe Harbor"-Klausel. Diese schützt eine Plattform wie Steam davor, für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer verklagt zu werden – aber nur, wenn Valve beanstandetes Material nach Eingang einer formellen Beschwerde "unverzüglich" (expeditiously) entfernt. Würde Valve das Spiel nach der Take-Two-Notice online lassen und einen "Kompromiss" aushandeln, würden sie ihre rechtliche Immunität verlieren und könnten von Take-Two auf Schadensersatz verklagt werden - in den USA. Stichwort: in Millionenhöhe
3. So müsste Salty Olives jetzt rechtlich konform reagieren:
Um das Spiel jemals wieder auf Steam zu bringen, lässt das US-Urheberrecht nur einen einzigen, extrem riskanten Weg zu: Salty Olives muss bei Valve eine formelle Gegenanzeige (Counter-Notice) einreichen.
Darin müssten die Entwickler – unter Androhung der Meineidsstrafe (penalty of perjury) – schwören, dass der Takedown ein Fehler war und sie die vollen Rechte an der Spielarchitektur besitzen. Reichen sie diese Counter-Notice ein, ist Take-Two gesetzlich gezwungen, innerhalb von 10 bis 14 Tagen eine Klage vor einem US-Bundesgericht einzureichen, um den Re-Release zu blockieren.
Salty Olives müsste also nicht einfach nur einen Urheberrechts-Prozess, sondern eine millionenschwere Zivilklage gegen den Grand-Theft-Auto-Publisher provozieren.
Wie aussichtsreich ist das? Salty Olives schiebt ein "Public Domain"-Argument vor (die Behauptung, historische Settings seien nicht schützbar). Das zerfällt vor Gericht in Sekunden. Jeder Laie kann die 1:1 kopierten Spielmechaniken und Ressourcen-Kreisläufe auf den Tisch legen. Das wissen die Entwickler selbst. Eine Counter-Notice wird es deshalb sehr wahrscheinlich niemals geben.
Das Spiel ist rechtlich auf Steam "tot": Valve wird sich auf keinen "Kompromiss" einlassen, denn über dem Konzern lastet dann selbst das Damoklesschwert einer millionenschweren Klage von Take-Two.
4. Und so reagiert Salty Olives: Löschen, Bans & Kosmetik heilen kein Plagiat
Der Entwickler erklärt nicht die harte, existenzbedrohende Realität des formalen DMCA-Takedowns von Take-Two. Er lässt nicht einmal die Erwähnung dieses Namens zu. Er löscht betreffende Beiträge dazu auf der Stream-Community-Seite (dazu in einem eigenen Post mehr).
Die Spieler haben ein Spiel gekauft - und sollen offenbar nicht einmal erfahren dürfen, was mit dem Spiel nicht stimmt.
Stattdessen bekommen sie kryptische zwei Zeilen von einem temporären "Public Domain"-Missverständnis - das sich mit kosmetischen Updates beheben ließe. In den Patchnotes (1.0.9) erklärt der Entwickler, dass die Änderungen "primarily visual and do not affect gameplay" seien. Ein neues UI und ein anderer Name heilen aber nicht die Urheberrechtsverletzung an der tiefliegenden Software-Architektur.
Was würde vom Spiel übrig bleiben, wenn der Entwickler alle Spiel-Mechaniken aus Sid Meier's Colonization entfernt?
Die spannende Frage ist jetzt: Was bedeutet das für die Spieler, die 25 Euro für ein digitales Geisterschiff ausgegeben haben? Und warum greift der Entwickler im eigenen Steam-Forum aktuell zu drastischen Zensurmaßnahmen und permanenten Bans gegen jeden, der genau diese juristischen Fakten ausspricht?
(Dazu im nächsten Post mehr, um den Rahmen hier nicht zu sprengen).