Gewalt ist geil? Warum mir manche Spiele zu weit gehen ...

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Kolumne Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 17,55 €
Gewalt ist geil? Warum mir manche Spiele zu weit gehen ...
Quelle: Computec Media GmbH

Gewalt in Videospielen, das ist ein Thema, welches jene, die sich mit dem Medium regelmäßig auseinandersetzen - und manchmal auch jene, die keine Ahnung davon haben -, regelmäßig beschäftigt. Redakteur Lukas Schmid findet sie als künstlerisches Ausdrucksmittel völlig in Ordnung, ha aber in vielen Fällen ein Problem mit der Darstellung.

Ich höre schon das Gestöhne: "Oh Mann, Gewalt in Videospielen? Hatten wir das Thema nicht schon oft genug?" Stimmt wohl, aber da ich inzwischen ja sehr regelmäßig meine Gedanken hier zum Besten gebe (jeden Samstag 9.00 Uhr, schalten Sie ein!), sei es mir verziehen, dass ich auch mal meinen Senf zur Diskussion beisteuern möchte; nicht zum gesamten Themenkomplex an sich, das würde für eine Kolumne deutlich zu weit gehen, sondern zu einem Teilaspekt.


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Außerdem hat mich ein via E-Mail bei mir eingelangter, sehr reflektierter Beitrag eines Hörers des Nintendo-Podcasts (jeden Mittwoch 15.00 Uhr, hören Sie rein - Schleichwerbung Ende!) dazu gebracht, dass ich in den letzten Tagen recht viel über das Thema nachgedacht habe. Patrick, so der Name es guten Mannes, schildert, dass er sich auf meinen und Kollegin Kathas Tipp hin Videos zu Bioshock angeguckt hat, um zu sehen, ob das Spiel etwas für ihn ist. Die in der Reihe sehr exzessive Gewaltdarstellung habe ihn aber davon abgehalten, das sei ihm zu detailliert. Auch im Vergleich zu Filmen hat er hier ein größeres Problem, denn er empfindet die Gewalt durch den interaktiven Charakter bei Spielen als noch intensiver.

Gut, das sind althergebrachte Diskussionspunkte, aber mir hat imponiert, dass Patrick hier nicht mit Allgemeinsätzen gearbeitet, sondern einfach sein subjektives Empfinden als solches dargelegt hat, und dass er diese Entscheidung für sich getroffen hat als jemand, der sich prinzipiell schon viel mit Spielen beschäftigt. Danke dafür, lieber Patrick!

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Der Beitrag hat mich mein eigenes Empfinden von Gewalt in Spielen überdenken lassen. Voraus seien zwei Punkte gesagt: Solange sich alles im rechtlichen Rahmen befindet und die Menschenwürde nicht verletzt wird, soll und darf jeder Entwickler machen, was er mag und es sollen Blut und Gedärme spritzen, bis der Raum rot ist, wenn das der Wunsch der Macher ist, künstlerische Freiheit und so. Und ich finde es zweitens nicht in Ordnung, entsprechende Spiele Kindern zugänglich zu machen - unsere Jugendschutzgesetze mögen nicht perfekt sein, aber ich empfinde es als richtig und wichtig, im Vergleich zu Erwachsenen eben doch deutlich beeinflussbarere Kinder nicht brutalen und potenziell verstörenden Eindrücken auszusetzen.

Blut um des Blutes Willen

Gewalt ist geil? Warum mir manche Spiele zu weit gehen ... (1) Quelle: PC Games Gewalt ist geil? Warum mir manche Spiele zu weit gehen ... (1) Zurück zum Thema: Mir ist aufgefallen, dass ich Gewalt zu wenig hinterfrage, und Bioshock ist ein gutes Beispiel. Wenn ich es spiele, vor allem den besonders brutalen Teil Bioshock Infinite, dann stechen durchbohrte Leiber, zertrümmerte Köpfe und Co. in meinem Empfinden gar nicht mehr als etwa Besonderes hervor. Ich glaube nicht, dass Abstumpfung zu gewalttätigen Handlungen im echten Leben führt, aber fiktive Gewalt lösen einfach irgendwann kaum noch eine Regung aus.

Und ich glaube, dass ich diese Regung gerne wieder fühlen würde. Gewalt sollte, und damit bin ich beim Kern meiner These angekommen, kein Mittel zum Zweck sein.

Warum spielen wir Spiele? Oft genug doch, weil wir in fremde Welten eintauchen, die Atmosphäre aufsaugen wollen. Bioshock Infinite hat meiner Meinung eine der am interessantesten gestalteten Spielwelten der jüngeren Geschichte des Mediums, in ihr werden herzzerreißende Schicksale erzählt, jeder Ort wurde so geschaffen, dass man versteht, warum er genauso aussieht wie er aussieht und nicht anders, subtile Details lassen einen vergessen, dass das alles nur Pixel und Polygone sind.

Und dann schlage ich einem Feind den Schädel ein und das Blut spritzt gegen die Wand.

Alles kann, alles muss?

Klar, Kontrastprogramm, Brutalität versus scheinbar heile Welt und so weiter und so fort, aber ich finde, diese Message funktioniert hier nicht und ist nicht mehr als eine Ausrede, damit es schön zur Sache gehen kann. Mit der subtilen Eleganz eines Schlagbohrers wird hier konterkariert, was das Spiel in anderen Momenten mit feiner Feder für tolle Szenen zeichnet.

Ich nehme an dieser Stelle Bioshock Infinite als Beispiel her, aber das, was ich gesagt habe, gilt in verschiedenen Ausprägungen für so, so viele Spiele. Sobald du als Entwickler einen 16er- oder noch eher einen 18er-Sticker auf deinem Spiel pappen hast, habe ich das Gefühl, geht damit der Drang einher, möglichst auch die Gewaltschraube nach oben zu drehen, weil es offenbar nach Meinung der Macher von den Spielern so verlangt wird.

Wenn überall das Blut spritzt, dann können solche Momente nichts Besonderes mehr sein, sie können nicht mehr schockieren und keine Emotionen mehr auslösen. Bleiben wir bei Infinite, und ich verweise, ohne jetzt groß zu spoilern, auf eine Szene, wo man einem NPC gegen Ende des Abenteuers sehr, sehr brutal und intensiv ins Jenseits befördert. Eine harte, aber brillant inszenierte Szene, die aber nach all dem Gemetzel, was ihm vorangegangen ist, niemals die Intensität haben kann, die sie hätte, würde sie in ihrer Brutalität für sich stehen.

In diesem Moment wird Gewalt genutzt, um die Geschichte voranzutreiben, und sie ist mit Blick auf die Motivationen der beteiligten Figuren sehr wichtig. In fast allen anderen Momenten ist sie plakatives Beiwerk.

Gewalt mit Mehrwert

Gewalt ist geil? Warum mir manche Spiele zu weit gehen ... (2) Quelle: Youtube Gewalt ist geil? Warum mir manche Spiele zu weit gehen ... (2) Klar, es gibt Beispiele, da ist extreme Gewalt auch als fortdauerndes Mittel wichtig, siehe etwa Spec Ops: The Line, welches gerade das von mir kritisierte Abstumpfen kritisiert und das Genre des stupiden Third-Person-Kriegsshooters dadurch dekonstruiert, dass es seiner Struktur auf Punkt und Komma folgt. Hier merkt man, die Entwickler von Yager haben eine sehr bewusste Entscheidung getroffen, als sie sich für die fortdauernde Brutalität entschieden haben. Höhepunkte werden nicht dadurch gesetzt, dass es sehr brutal zur Sache geht, sondern dadurch, dass diese scheinbar entproblematisierte Gewalt auf die Spielfigur und in Verlängerung auf den Spieler zurückfällt. Wer den Titel gespielt hat, wird wissen, was ich meine. An alle anderen: Spielt Spec Ops: The Line!

Und es muss nicht einmal so künstlerisch anspruchsvoll sein. Mortal Kombat zelebriert seine Gewalt und ist völlig überzogen, aber zumindest weiß ich da, dass die Entwickler eine ganz bewusste Entscheidung getroffen haben und nicht die Blutfontänen emporsteigen lassen nach dem Motto "ist halt so." Trifft nicht meinen Geschmack, aber ist auch legitim.

Wie geht es besser?

Gewalt ist geil? Warum mir manche Spiele zu weit gehen ... (5) Quelle: PC Games Hardware Gewalt ist geil? Warum mir manche Spiele zu weit gehen ... (5) Was wünsche ich mir also, was ist die Lösung? Wie eingangs erwähnt, geht es nicht darum, dass Entwickler nicht gestalterisch tun können sollen, was sie wollen. Wenn sie platte Metzeleien abliefern wollen, sei ihnen das unbenommen. Ich würde mir aber trotzdem wünschen, dass die Macher von "Erwachsenenspielen" lieber immer erst einmal abklopfen sollten, was an reißerischer Gewalt für ihr Spiel notwendig ist, beziehungsweise was ihm guttut und nicht sogar schadet. Das ohnehin leicht cartoonartig angelegte Bioshock Infinite wäre mit zurückgeschraubter Gewalt kein schlechteres Spiel, ganz im Gegenteil. Muss ich in Assassin's Creed Valhalla wirklich sehen, wie die Köpfe und Gliedmaßen meiner Feinde in alle Richtungen wegfliegen? Wird die neue Tomb-Raider-Trilogie dadurch interessanter, dass ich sehe, wie Lara gepfählt wird und durch einen See aus Blut und Leichenteilen stapft? Für meinen Geschmack verlieren die Dinge, welche die Spiele ansonsten an vielen Stellen atmosphärisch richtigmachen, dadurch an Wert.

Gewalt ist geil? Warum mir manche Spiele zu weit gehen ... (6) Quelle: PC Games Hardware Gewalt ist geil? Warum mir manche Spiele zu weit gehen ... (6) Nur weil man etwas tun kann, heißt das nicht, dass man es auch tun sollte, weswegen ich auch bei Filmfans die Stirn runzle, die in Ekstase verfallen, wenn eine Comic-Verfilmung in den USA die an Erwachsene gerichtete Jugendschutzeinstufung "R" bekommt. In vielen Fällen, so behaupte ich, wird ein Film nicht wirklich dadurch besser, dass die Figuren ab und an "Fuck" sagen und der rote Lebenssaft fließt. Anderes Thema, ähnlicher Zugang: Als im ebenso als "R" eingestuften X-Men-Abenteuer Logan, das ich ansonsten ziemlich gut fand und das seine der Gewaltdarstellung über weite Strecken sinnvoll nutze, auf einmal eine Frau völlig unmotiviert ihr Shirt hochhob und ihre Brüste zeigte, war die "Weil wir's können"-Notiz im Drehbuch fast schmerzhaft offensichtlich.

Man sieht also, nicht nur das Medium Videospiele muss noch erwachsen werden, und wer weiß, mit immer höherer gesellschaftlicher Akzeptanz kann das ja vielleicht eines Tages auch passieren. Und bis dahin träume ich von dem Tag, an dem ich bei einer intensiv-brutalen Stelle gebannt auf den Bildschirm starre und mitleide und nicht am Cola nippe, pausiere und gelangweilt auf die Toilette gehe.

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    • Kommentare (127)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von golani79 Mitglied
        Zitat von Nyx-Adreena
        Am Ende war ich wirklich ausgelaugt und nicht mehr willens, die Figuren das tun zu lassen, was das Spiel für sie vorsah, aber dennoch musste ich die Gewalt weiter eskalieren lassen, bis zum bitteren Ende.
        Ich denke, das war genauso gewollt .. ging mir nicht anders.
      • Von golani79 Mitglied
        Zitat von Nyx-Adreena
        Am Ende war ich wirklich ausgelaugt und nicht mehr willens, die Figuren das tun zu lassen, was das Spiel für sie vorsah, aber dennoch musste ich die Gewalt weiter eskalieren lassen, bis zum bitteren Ende.
        Ich denke, das war genauso gewollt .. ging mir nicht anders.
      • Von Nyx-Adreena Nerd
        Zitat von Holzkerbe
        So mutig ein Spiel wie TLoU II in seiner Inszenierung und Charakterzeichnung ist, so dermaßen stumpfsinnig und mitunter unterträglich ist es in seiner Gewaltdarstellung. Das war von Entwickler Naughty Dog zwar so gewollt, aber ob es auch notwendig war? Muss oder will ich mir so etwas denn eigentlich geben, frage ich mich? Gerade in Bezug auf TLoU bin ich nicht die einzige Person, welcher das "Spiel" emotional stark zu schaffen gemacht hat.
        Bei TLoU2 bin ich auch etwa hin- und hergerissen. Ich denke, dass der Titel durchaus Gewalt bis zum einem gewissen Punkt als Stilmittel einsetzen sollte, da die ganze Prämisse extrem finster und brutal ist. Aber das Spiel überspannt den Bogen dadurch, dass es einfach zu lang und erschöpfend ist.
        Am Ende war ich wirklich ausgelaugt und nicht mehr willens, die Figuren das tun zu lassen, was das Spiel für sie vorsah, aber dennoch musste ich die Gewalt weiter eskalieren lassen, bis zum bitteren Ende.
        Und ja, das war zu viel und ich werde das Spiel nie wieder spielen, aber irgendwie hat sie Gewalt damit auch ihren Zweck erfüllt.
      • Von Gast1692738601 Mitglied
        Was ich dazu erzählen kann ist, es war schon immer so. Der moderne Mensch liebt das Spiel mit dem Bösen, jeder von uns hat einen kleinen Teufen auf der Schulter sitzen. Und wenn du jetzt sagst, nein, in mir schlummert kein tiefer Abgrund, dann sage ich, du hast ihn bloß noch nicht entdeckt, weil die Situation dazu nicht oder noch nicht passiert ist. Unsere angeborene bzw anerzogene, anerlernte Moralvorstellung würde wohl in 99.9% aller Fälle reelle Gewaltanwendung für Konfliktlösungen in irgendeiner Form verhindern. Was machen wir, wir kompensieren es, in dem wir uns mit gewalttätigem Material auseinandersetzen. In dem Fall Medien wie Spiele oder Filme. Ironischerweise ist beides auch für die Erlernung von Moral und Ethik zuständig. Was früher Gott und die Bibel war, sind jetzt die Medien.
        Auch im Buch der Bücher gibts Gewalt. Und das die "Guten" auch gerne diese anwendeten, sieht man ja an unzähligen Glaubenskriegen. Das alte Spiel Gut gegen Böse. Also basiert dieses Gute und Böse und deren unendlichen Kämpfe gegeneinander, die einem in Spielen und Filmen vorgelegt werden, auf uralter Thematik.

        Was mich doch sehr beschäftigt ist die stetig steigende Abstumpfung bzw Tolerierung von immer härterer Gewalt, um das Böse zu besiegen. Das ist mMn allein dem Kommerz geschuldet. Nicht nur Sex sells, sondern auch Gewalt sells. Und man muss halt Jahr für Jahr eine Schippe drauf legen, um den Gewinn einer Produktion möglichst zu maximieren. Schließlich soll der Konsument sich beim Konsumieren nicht langweilen und mit Freude auf den nächsten Title warten. Die stetige steigende Abstumpfung ist wohl nur mit Tiefenpsychologischen Aspekt zu erklären, vor der selbst Wissenschaftler kapitulieren würden, denn man weiß, die Psyche eines Menschen ist mit keiner Formel oder Wissenschaft errechenbar. Man muss sich halt an Statistiken und Studien halten.
        Was mir auch sehr zu denken gibt, ist die Anzahl an Material und Inhalten heutzutage. Der Markt ist völlig überflutet mit Inhalte, in denen Gewalt angewendet wird, um etwas zu erreichen. Was soll man sagen, stell die The Last of us oder auch Doom Eternal vor, bei denen du die Bösewichte zuquatscht um sie von ihren bösen Machenschaften abzuhalten.

        Zusammen gefasst würde ich sagen, Gewalt gehört nun mal zum Leben dazu, seit Anbeginn der Zeit der ersten Menschen in Höhlen, geschweige den im Tierreich. Da die Menschheit sich heute zivilisiert hat um gewaltfrei Konflikte zu lösen, spielt man halt weiterhin damit. Denn wie gesagt, es steckt in jeden von uns. Man bedenke, auch im Packman steckt gewalttätiges Material.

        Das hier ist meine Meinung innerhalb einer halben Stunde zusammen gefasst. Um über solch umfassender Thematik zu diskutieren ist das bei Weiten zu wenig Zeit. Also nur oberflächliches Gedankengut.

        PS: Ich finde diese kritischen Artikel hier von Lukasschmid auch interessant und sehe mich in der meiner pers. Meinung und Wahrnehmung auch oft bestätigt. Gerne mehr davon.
      • Von Holzkerbe Mitglied
        LTTP, ich weiß, aber diese großartige Kolumne muss ich einfach kommentieren. Vorab, lieber [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen], gilt dir mein Dank für deine Kolumnen. Oftmals, aber nicht immer, erkenne ich mich in deinen Gedankengängen wieder und lese diese daher mit großer Freude. Danke dafür und weiter so!

        Du triffst mit diesem Thema bei mir einen Nerv, denn mir geht es schon lange ganz ähnlich mit der Gewalt in Spielen. Dabei bin ich zwar froh, das wir aus der BPjS/M Vergangenheit der 90er mit grünem Blut, Rauch und Robotern entflohen sind, aber heutzutage geht die Gewaltdarstellung auf ein völlig ungekanntes Niveau, welches bei mir entweder wie bei dir nur noch völlige Belanglosigkeit auslöst oder aber Entsetzen und Abstoßung bis hin zu negativen Gedanken und Emotionen. TLOU 2 hat mir dabei Anfang diesen Jahres in dieser Hinsicht endgültig den sinnbildlichen Gnadenstoß versetzt. Nicht zuletzt deshalb stelle ich fest, wie ich bevorzugt frohmutigere oder zumindest nicht explizit gewalttätige Titel deutlich bevorzuge, insbesondere (aber nicht nur) jene von Nintendo. Für dich und die anderen Kommentatoren möchte ich das gerne etwas ausführlicher darlegen:

        Ich bin aktuell 36 Jahre alt, voll berufstätig, habe Frau und Kinder. Als Familienvater verfolge ich das Weltgeschehen noch aufmerksamer als ohnehin schon und mit Klimakrise, Covid und all den sonstigen geopolitischen Spannungen bis hin zu den jüngsten Ereignissen in Afghanistan schlägt mir all das doch sehr aufs Gemüt. Um den Bogen nun zu unserem liebsten Hobby zu spannen: Seit Veröffentlichung der PS5 habe ich bis vor kurzem fast exklusiv auf dieser gespielt und da primär Titel wie The Last of Us + Part II, Demon's Souls, RE VIII, Returnal, Observer System Redux oder Oddworld New 'n Tasty. Alles klasse Spiele, doch allesamt düster, brutal, dreckig und mit mehr oder weniger dystopischen oder apokalyptischen Spielwelten. All das hat mich, so sehr mich die Spiele an sich unterhalten haben, nach monatelangem Konsum selbiger erst unterbewusst und zuletzt bewusst einfach zusätzlich belastet. Insbesondere The Last of Us II.

        Versteht mich an der Stelle aber bitte nicht falsch, auch wenn mein Beitrag das vielleicht suggeriert: Ich bin kein depressiver Mensch oder leide gar unter einer Depression (zu recht eine anerkannte psychische Erkrankung!), sondern bin im Gegenteil ein lebensfroher Optimist. Auch ist mir klar, dass die o.g. Spieleauswahl wohl unglücklich war, auch wenn ich diese getroffen hatte, weil ich halt einfach Lust auf diese Spiele hatte. Ohne mir deren möglicherweise negativer Auswirkungen auf mein Befinden bewusst zu sein oder diese überhaupt in Betracht zu ziehen. Sind ja nur "Spiele", oder?

        Und was hat das aus meiner Sicht mit Nintendo zu tun?

        Nachdem ich nach o.g. Zeit mit der PS5 meine Switch wieder angeschalten und Titel wie New Pokémon Snap, Super Mario 3D World oder aktuell The Legend of Zelda: Skyward Sword spiele, hebt sich meine Grundstimmung spürbar. Selbst ein Famicom Detective Club: The Missing Heir, obwohl es hier um einen Mord geht, trägt mit seiner bunten, hellen Präsentation und der, bis auf wenige Ausnahmen, nicht expliziten Darstellung dazu bei. Dann ist mir klar geworden, das viele AA- und AAA-Spiele sich nach wie vor primär über Gewalt und deren (möglichst realistischer) Darstellung profilieren. So mutig ein Spiel wie TLoU II in seiner Inszenierung und Charakterzeichnung ist, so dermaßen stumpfsinnig und mitunter unterträglich ist es in seiner Gewaltdarstellung. Das war von Entwickler Naughty Dog zwar so gewollt, aber ob es auch notwendig war? Muss oder will ich mir so etwas denn eigentlich geben, frage ich mich? Gerade in Bezug auf TLoU bin ich nicht die einzige Person, welcher das "Spiel" emotional stark zu schaffen gemacht hat.

        Hierzu möchte ich eine namentlich nicht genannte Nintendo-Führungskraft zitieren, welche folgenden meiner Ansicht nach denkwürdigen Satz bereits zu GameCube-Zeiten (und als einen der Gründe für dessen scheitern) zum Besten gab:

        Zitat

        Consumers don’t want fun anymore; they just want to kill people… in HD.
        Diese Aussage trifft auch heute den Nagel auf den Kopf, vielleicht sogar mehr denn je.

        Dabei ist mir klar, dass es auch auf allen anderen Plattformen nicht gewalttätige oder brutale, dafür aber fröhliche, helle und kinderfreundliche Titel gibt. Nur haben diese es nie geschafft mich persönlich abzuholen und so zu berühren, wie es die Titel von Nintendo machen. Ob es nun ein Mario, Zelda, Pikmin oder Kirby ist, für mich persönlich kommen da keine Crashs, Spyros oder wie sie sonst alle heißen ran. Vermutlich trägt ein großer Teil zu meinem Empfinden bei, dass ich mit all jenen Nintendo-Titeln aufgewachsen und von diesen maßgeblich geprägt wurde. So hat mir bereits als Kind die Flucht in die charmanten Welten von Nintendo dabei geholfen, so manch schwere Situation emotional wie seelisch einigermaßen stabil zu überstehen. Das gilt für mich auch heute noch, über 30 Jahre später. Nicht nur das, dank der familienfreundlichen Ausrichtung kann ich diese fröhlichen Figuren und Welten mittlerweile auch mit meinen Kindern teilen. Und für all das bin ich Nintendo zutiefst dankbar.
      • Von RedDragon20 Mitglied
        Zitat von THEDICEFAN
        Wenn der Artikel so gemeint war, ist er doch recht unnötig, oder nicht?
        Es ist mehrere 1000 Jahre her - geh nochmal in den Geschichtsunterricht.
        Mal davon abgesehen - seit einem läppischen Menschenleben ist mal Ruhe bei uns: Wenn es wieder Kracht können wir wieder altmodisch Nahrung besorgen gehen.
        Aber ich schweife wieder ab: Mir kommt es eher so vor als hätten Sie eher Kritik um der Kritik willen an dem Kommentar betrieben, als ihn sinnvoll unter die Lupe zu nehmen.
        Beim Thema abstumpfen geht es mir eher um zwei Themen:
        1. Gewalt am Bildschirm ist Gewalt am Bildschirm und wenn es keiner wollte, würde es keiner kaufen.
        2. Ist der Prozess der Abstumpfung nach wie vor wichtig: Ob die Rolle von Videospielen übernommen werden sollte, sei dahingestellt. Aber um mal ganz blöd zu fragen, was bringt Ihnen ein Unfallchirurg der den Anblick Ihres zerfetzten Arms von einem Motorradunfall nicht erträgt? :)
        Du verwechselst hier ganz klar "Abstumpfung" mit Selbstreflexion und bewusstem Umgang mit dem Thema Gewalt (in Medien). Das stünde so einigen mal gut.

        Sich ein "dickes Fell" aneignen, ist durchaus korrekt und hilfreich. Aber das hat mit Abstumpfung nichts zu tun. Abstumpfen ist eine emotionale Reaktion auf dauernde, bzw. intensive Konfrontation und eine extreme, jedoch keine erwünschte Haltung. Denn es fehlt der Bezug zum Thema und man empfindet dem Thema oder der Situation gegenüber lediglich Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit. Ein bewusster Umgang mit etwas findet nicht mehr statt. Das ist ein Prozess, der sich über einige Zeit hinzieht und für den man sich nicht entscheidet wie man sich für die Teesorte im Schrank entscheidet.

        Abstumpfung ist für einen Unfallchirurgen also eher nachteilig. ;)
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