10 Jahre Spec Ops: The Line - Wie der Militär-Shooter wichtige Grenzen überschritt - Seite 3

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Special Olaf Bleich - Autor Benedikt Plass-Fleßenkämper - Autor Katharina Pache - Autorin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
10 Jahre Spec Ops: The Line - Wie der Militär-Shooter wichtige Grenzen überschritt - Seite 3
Quelle: Yager

Ein Spiel, das zum Nachdenken anregt und Emotionen erzeugt: Yagers Militär-Shooter Spec Ops: The Line war ein finanzieller Flop, doch aufgrund seines ungewöhnlichen Narrativs hallt der Ruf des Antikriegsspiel auch zehn Jahre später noch nach.

Richard Pearsey führte diesen Punkt anhand eines prägenden Abschnitts des Spiels aus. An einer Stelle wird das Delta-Team getrennt. Walker hat in dieser Szene lediglich Funkkontakt mit seinem Kollegen John Lugo, während er sich auf den Weg zu seinem Kameraden macht. Er hört, wie sein Wegbegleiter kämpft und von wütenden Zivilisten attackiert wird. Am Ort des Geschehens angekommen, zeigte sich Spec Ops: The Line von seiner härtesten Seite: Die Zivilisten haben Lugo schwer verletzt und anschließend aufgeknüpft. Mit einer Salve schießt Walker das Seil durch. Während er versucht, seinen Mitstreiter vergeblich wiederzubeleben, hält 1st Lieutenant Alphonso Richard den Mob zurück. Das Spiel inszenierte den Tod von Lugo mit viel Kraft und einem deutlichen Close-up auf dessen zerschundenem, lebloses Gesicht.

Nach dieser Filmsequenz übernahmt ihr Walker. "Du bist umringt von Zivilisten. Sie werfen Steine. Es werden immer mehr und sie drohen auch dich anzugreifen. Was tust du? Wir sagen es dir nicht. Für mich ist es genau das, was das Spiel auszeichnet. Es setzt dich in intensiven Situationen unter Druck, eine Entscheidung zu treffen, aber es verrät nicht, was die richtige Lösung ist", fasste Pearsey dieses Gameplay-Element zusammen.

Verstörende Momente

Wie nur wenige Spiele führte Spec Ops: The Line Spielern die Konsequenz des eigenen Handelns eindrucksvoll vor Augen. In einer anderen Szene etwa zur Mitte des Spiels verwenden Walker und sein Team einen Mörser, um damit Feinde auszuschalten. Was wie eine anonyme Drohnen-Sequenz beginnt, endet mit einem Marsch durch das Feld der Zerstörung nach dem Napalm-Bombardement - vorbei an verbrannten Leichen, Verwundeten und Ruinen. Das letzte Bild aus dieser Szene ist besonders eindrücklich: Eine Mutter hält ihr Kind im Arm - beiden ist die Haut weggeschmolzen, nackte Muskelstränge halten das tote Duo aufrecht, die Augen sind weiße Knöpfe.

"Leute haben diesen Abschnitt getestet ... und sie haben das Spiel pausiert und den Raum verlassen. Einige haben durchgehalten, weitergespielt und darauf gewartet, dass diese Szene vorbei ist. Sie waren beinahe verärgert über das, was geschehen war", beschreibt Autor Walt Williams diese Augenblicke gegenüber Polygon. Spec Ops: The Line erzeugte mit seinen drastischen Bildern und Momenten starke Emotionen. "Die Produzentin des Spiels wendete sich damals an den Verantwortlichen der Produktentwicklung und sagte: Das ist gute Kunst. Die Frage ist: Willst du ein Spiel haben, welches diese Art von Kunst ist? Diese Frage beantwortete 2K damit, dass sie es verstünden und man weitermachen sollte", ergänzte Williams.

Bildergalerie

Der an den David-Fincher-Kultfilm Fight Club (1999) erinnernde Twist zum Ende des Spiels passt zu diesem Anspruch: Wie sich später herausstellt, beging Konrad schon vor geraumer Zeit Suizid. Walker findet nämlich dessen Leiche. Der Hauptcharakter hatte sich also die unzähligen Gespräche und Funksprüche nur eingebildet. Das gesamte Himmelsfahrtkommando war also von Beginn an umsonst. "Es gibt nicht viele Spiele, die die Spielerfahrung am Ende derart ändern. Die meisten möchten, dass du als Held oder Haudegen herausgehst. Das machen viele und das ist gut. Es ist eine Art Entertainment. Der andere Ansatz ist 'Lasst uns einige Dinge in ihrem Kopf verdrehen', aber nicht auf die bösartige Art und Weise", führte Pearsey diese Erzählweise aus. Spec Ops: The Line lässt den Spieler mit vier Enden zurück; in einem davon erschießt sich Walker sogar selbst.
Das Risiko zu scheitern, war bereits während der Entwicklung immer wieder spürbar und greifbar. Auch das Team von Yager war überrascht, wie viele Freiheiten man ihnen ließ und dass der Publisher bereit war, Geld in das Projekt zu investieren. Der Mut, in Spec Ops: The Line zu investieren, wurde in diesem Fall jedoch nicht belohnt. Das Antikriegsspiel erschien am 26. Juni 2012 für PC, Playstation 3 und Xbox 360. Die Fachpresse verteilte ordentliche, aber keine überragenden Wertungen. Denn so beeindruckt viele Medien von dem Narrativ waren, so blieb der Third-Person-Shooter spielerisch hinter den Möglichkeiten zurück und war längst nicht das beste deckungsbasierte Actionspiel auf dem Markt.

Schlecht verkauft und trotzdem wichtig

Spec Ops: The Line war ein finanzieller Fehlschlag - und das ist noch milde ausgedrückt. Gemeinsam mit dem ebenfalls gefloppten Max Payne 3 sorgte es im Jahr 2012 für enttäuschende Zahlen bei Publisher Take-Two. Beide Titel blieben hinter den Erwartungen zurück. Doch während bei Max Payne aufgrund der starken Lizenz noch Hoffnung auf einen weiteren Ableger besteht, dürfte dies bei Spec Ops: The Line nicht der Fall sein. Die unkonventionelle Fortsetzung der Shooter-Serie setzte einen gleichermaßen interessanten wie traurigen Schlusspunkt.

Allerdings muss man sich auch fragen: Was sollte denn an dieser Stelle noch kommen? Spec Ops: The Line steht für sich und entfaltete für sich seine Wirkung, die über ein Jahrzehnt später noch nachhallt. Auch Director Cory Davis hat Jahre später keine Zweifel an der Qualität des Titels: "Wenn ich zurückblicke, dann hätten wir sicherlich einige Entscheidungen treffen können, um das Spiel besser zu verkaufen. Aber das ist nicht, was ich bereue. Ich liebe das, was wir gemeinsam als Team kreiert haben und all die Schwierigkeiten, die damit einhergehen. Bis heute sehne ich mich danach: Diese Charaktere, diese Erfahrung mit dem Team, das Beobachten, wie alles entsteht und der Rückblick auf diese Zeit. (...) Ich bin wirklich stolz auf das, was wir geschaffen haben."

Yager und 2K Games gingen mit dem Konzept und der Umsetzung von Spec Ops: The Line ein Risiko ein. Anstatt einfach den nächsten "Call-of-Duty-Killer" zu erschaffen, wich man vom Weg ab. Das brachte ihnen zwar keinen Reichtum, wohl aber viel Ansehen und Langlebigkeit ein. Spec Ops: The Line gehört definitiv zu den wichtigsten Actionspielen aller Zeiten. Wie erging es euch beim Spielen von Spec Ops: The Line? Wie erinnert ihr euch an den Shooter?

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    • Kommentare (7)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von bide Spiele-Novize/Novizin
        Story hin oder her. Am Ende ist es immer noch ein Spiel. Und hier versagt es mMn auf ganzer Linie. Billigstes Gunplay, ödes Leveldesign. Abwechslung gleich null.

        Ich hab mich damals auch von den Lobpreisungen bezüglich Story einlullen lassen, es mir geholt und auch durchgespielt. Aber auch hier blieb es hinter meinen Erwartungen zurück. Die Dialoge hab ich sogar als extrem klischeelastig in Erinnerung.

        Gehört für mich klar in die Kategorie überbewertet.
      • Von bide Spiele-Novize/Novizin
        Story hin oder her. Am Ende ist es immer noch ein Spiel. Und hier versagt es mMn auf ganzer Linie. Billigstes Gunplay, ödes Leveldesign. Abwechslung gleich null.

        Ich hab mich damals auch von den Lobpreisungen bezüglich Story einlullen lassen, es mir geholt und auch durchgespielt. Aber auch hier blieb es hinter meinen Erwartungen zurück. Die Dialoge hab ich sogar als extrem klischeelastig in Erinnerung.

        Gehört für mich klar in die Kategorie überbewertet.
      • Von Gast1697404202 Mitglied
        Zitat von Garfield1980
        Oder du bist innerlich tot ;(
        maybe - für mich als millenial gab es noch nie was anderes als Krisen,Kämpfe,Rezessionen seit 2001
      • Von Garfield1980 Mitglied
        Spiel punktet in erster Linie von der Story und Atmo und weiß hier zu begeistern. Es gab mehrere Stellen wo ich ziemlich schlucken musste. Fands auch gut das es mal ein Spiel ohne Helden und Happy End gab. Gameplay war dagegen bis auf das Sand Feature schon damals ziemlich 08/15.

        Zitat von Wynn
        Die Mechanik mit den Sand wurde zuwenig genutzt fand ich.

        Ansonsten habe ich ich als ich es gespielt habe nichts gefühlt - selbst bei der "weissen phospor szene" da war mehr drumherum und screenshots bei steam forum als ich es gespielt habe. Vielleicht habe ich es wie bei dead space zu spät gespielt das es nicht aktuell von der grafik rüberkam und damit der schock fehlte oder ich trenn spiele von echten leben unbewusst *shrug*
        Oder du bist innerlich tot ;(
      • Von Gast1697404202 Mitglied
        Die Mechanik mit den Sand wurde zuwenig genutzt fand ich.

        Ansonsten habe ich ich als ich es gespielt habe nichts gefühlt - selbst bei der "weissen phospor szene" da war mehr drumherum und screenshots bei steam forum als ich es gespielt habe. Vielleicht habe ich es wie bei dead space zu spät gespielt das es nicht aktuell von der grafik rüberkam und damit der schock fehlte oder ich trenn spiele von echten leben unbewusst *shrug*
      • Von Gast1661893802 Mitglied
        Zitat von McDrake
        Beim zweiten Mal ist eigentlich nicht schlechter, wenn man die Geschichte kennt.
        Wobei es dann nur noch ein sehr linearer Shooter ohne viel Überraschung ist.
        Ich denke da würde ich andere Shooter dem Vorzug geben. ?
      Direkt zum Diskussionsende
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