Solo: A Star Wars Story in der Filmkritik - so gut ist das Outlaw-Abenteuer
Am 24. Mai kommt mit Solo die zweite Spinoff-Star-Wars-Story nach Rogue One ins Kino. Dieses Mal dreht sich alles um den ikonischen Outlaw, seine Wurzeln und sein vielleicht wichtigstes Abenteuer vor den Ereignissen von Krieg der Sterne (1977). Wie gut der Film trotz all der Probleme im Vorfeld geworden ist, erfahrt ihr in unserer spoilerfreien Kritik.
Solo: A Star Wars Story in der Filmkritik - so gut ist das Outlaw-Abenteuer
Zu viele Köche verderben den Brei - das gilt nicht nur für die Küche, sondern auch für jedes Filmset. Wie Stückwerk wirkten phasenweise zum Beispiel Justice League und Suicide Squad, weil nachträglich noch unter neuer Verantwortlichkeit Szenen rausgenommen, neu gedreht und anders zusammengeschnitten wurden. Das Ergebnis sind mittelprächtige Filme, bei denen man das Gefühl nicht loswird, sie hätten sehr viel besser sein können.
Dieses Szenario ist auch für Solo: A Star Wars Story (jetzt kaufen 9,99 € ), der bereits am 24. Mai in die Kinos kommt, ein durchaus realistisches. Schließlich mussten die Regisseure Phil Lord und Chris Miller noch während der Dreharbeiten ihren Hut nehmen. Laut Lucasfilm-Chefin Kathleen Kennedy sollen die beiden Filmemacher absolut unorganisiert und mit dem Projekt überfordert gewesen sein. Oscar-Preisträger Ron Howard sollte das zweite Star-Wars-Spinoff nach Rogue One retten, und produzierte mit ordentlich Zeitdruck im Nacken mal eben 70 Prozent des Films neu. Ist das Solo-Soloabenteuer trotz der turbulenten Entstehungsgeschichte ein guter Star-Wars-Streifen geworden? Wir verraten es euch!
Solo in der Filmkritik - Aller Anfang ist schwer
Wie wurde aus Han Solo der - wir zitieren Prinzessin Leia - "aufgeblasene, schwachsinnige, miese, widerwärtige Wookie-Treiber"? Genau diese Frage soll Solo: A Star Wars Story beantworten. Und typischer könnte ein Film über Han Solo nicht anfangen: Der junge Schmuggler will einen Auftraggeber um die Beute eines Coups bringen, scheitert damit natürlich und muss sich im Anschluss aus der selbst eingebrockten Bredouille herausschlawinern, während zig Blaster auf ihn gerichtet sind. Bei der sich daraus ergebenden Flucht gelingt es ihm zwar, von seinem Heimatplaneten Corellia zu entkommen, doch seine Gefährtin Qi'ra wird im letzten Moment erwischt. Hans verzweifelter Plan: Er will sich bei der imperialen Armee zum Piloten ausbilden lassen, mit einem Schiff zurückkehren und Qi'ra retten.
Quelle: Disney
Solo: A Star Wars Story in der Filmkritik - Alden Ehrenreich gibt einen guten Outlaw ab, doch eine Entwicklung macht die Figur leider nicht durch.
Das Imperium spielt im Folgenden jedoch nur eine kleine Rolle, auch machtbegabte Jedis und Sith tauchen - bis auf eine kleine Ausnahme - nicht auf. Genau wie in Rogue One schlägt Disney im zweiten Spinoff nämlich in eine andere Kerbe als die normalen Trilogien. Nur habt ihr es dieses Mal nicht mit einem Kriegsfilm zu tun, sondern mit einem Outlaw-Abenteuer, in dem sich Piraten, Syndikats-Schurken und Schmuggler die Klinke in die Hand geben.
Was mit Blick auf Solos Karriere absolut passt, kommt zu Beginn des Films leider nur langsam in Fahrt. Echte Begeisterung wollte beim Zusehen in den ersten 30 bis 45 Minuten nicht aufkommen. Die Chemie zwischen Han (Alden Ehrenreich) und Qi'ra (Emilia Clarke) passt hier noch nicht (wird später aber besser), dazu kommt die eine oder andere Länge sowie Fan-Service der eher plumpen Art, wenn wir beispielsweise erfahren, woher Han seinen Nachnamen hat oder wie er an seinen ikonischen Blaster gekommen ist. Selbst eigentlich dramatische Ereignisse wie der heroische Selbstmord einer Nebenfigur lassen uns zu Beginn kalt, der Funke will nicht so richtig überspringen. Das sah in Episode 7 oder Rogue One noch ganz anders aus.
Solo in der Filmkritik - Die Lando-Show
Solo wird jedoch besser. Zum einen, weil mehr auf der Leinwand passiert und die Action auf Star-Wars-typische Art beeindruckend in Szene gesetzt wird. Zum anderen, weil Figuren zu Han dazustoßen, die dem Schmuggler in Teilen sogar ein wenig die Show stehlen. Nein, Woody Harrelson meinen wir nicht. Bei dem erfahrenen Schauspieler, der im Film mit Beckett eine Art Mentor für Solo verkörpert, wirkt es sogar so, als würde er mit angezogener Handbremse spielen, eben damit er sich nicht zu sehr in den Vordergrund drängt.
Genau das gelingt jedoch Donald Glover, der Lando Calrissian mindestens genauso lässig-charmant verkörpert, wie seinerzeit Originaldarsteller Billy Dee Williams, und dem Droiden L3-37, der mit der Stimme der britischen Schauspielerin Phoebe Waller-Bridge bei jeder Gelegenheit gleiches Recht für alle Roboter verlangt und eine ganz besondere Beziehung zu Calrissian pflegt. Gut gefallen hat uns übrigens auch Paul Bettany, der aus der sehr eindimensionalen Rolle des Syndikatsanführers Dryden Vos doch einiges herausholt.
Quelle: Disney
Solo: A Star Wars Story in der Filmkritik - Wir erfahren, wie sich Chewbacca und Han Solo kennengelernt haben.
Und was ist mit Alden Ehrenreich? Die Besetzung von Han Solo wurde im Vorfeld ja heiß diskutiert. Uns hat das Ergebnis unterm Strich gut gefallen. Wir hatten zwar anfangs Schwierigkeiten, in ihm wirklich Han Solo wiederzuerkennen, doch als vorwitzig grinsender, etwas zu sehr von sich selbst überzeugter, aber dennoch sympathischer Outlaw macht er eine gute Figur. Und im Laufe der Zeit blitzte dann doch ein bisschen Harrison Ford aus ihm heraus, auch wenn er nie das Charisma seines Vorgängers ausstrahlt. Aber gut, daran wären wohl die meisten Jungschauspieler gescheitert.
Schade finden wir vielmehr, dass Han im Laufe des Films keine Entwicklung durchmacht, er ist am Ende genau die Person, die wir zu Beginn kennenlernen: Ein Gute-Laune-Schmuggler mit dem Herz am rechten Fleck, der mindestens noch ein weiteres Abenteuer davon entfernt ist, der Solo zu werden, den wir in Krieg der Sterne kennenlernen. Dass es eine Fortsetzung geben wird, dafür drücken wir die Daumen. Wegen des - mit Blick auf eine der Hauptfiguren - unbefriedigend offenen Endes, aber auch, weil das zweite Drittel des Films durchaus Spaß gemacht hat. Den lahmen Einstieg können sich die Verantwortlichen dann aber gerne schenken.
Solo in der Filmkritik - Unser Fazit
Auch wenn der Film zu Beginn nicht so richtig aus den Puschen kommen will, die Chemie zwischen Han und seiner Gefährtin nicht stimmt und zwei Nebenfiguren dem namensgebenden Helden zeitweise die Show stehlen, können wir unterm Strich dennoch ein positives Fazit ziehen: Solo wirkt keineswegs wie das befürchtete Stückwerk, wird im Laufe der Zeit immer besser und zeigt eine neue, übrigens sehr dreckig inszenierte Facette des Star-Wars-Kino-Universums, von der wir gerne mehr sehen würden. Auch, weil das Klamauk-Level im Vergleich zu Episode 8 wieder spürbar gesenkt wurde. Der eine oder andere Schmunzler ist dennoch drin, versprochen!
Letzter Service: Es gibt keine Post-Credit-Szene. Mehr zu Solo: A Star Wars Story erfahrt ihr auf unserer Themenseite.
