Silent Hill 2 im Retro-Check: Horror, der das Herz bricht - Seite 4

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Silent Hill 2 im Retro-Check: Horror, der das Herz bricht - Seite 4
Quelle: Konami

Passend zur schaurigen Herbstzeit werfen wir einen Blick zurück auf den Survival-Horror-Klassiker Silent Hill 2. Ein Remake des Titels, der erstmals vor mehr als 20 Jahren für die Playstation 2 erschien, wurde erst vor wenigen Tagen angekündigt und befindet sich angeblich bereits seit drei Jahren in Entwicklung. Bevor wir Hand an die Neuauflage legen können, nehmen wir uns noch einmal das Original zur Brust und checken, ob das alte Teil trotz angerosteter Optik und Mechaniken auch heute noch begeistern kann.

Dieses vielschichtige Design hebt die Team-Silent-Spiele und besonders Silent Hill 2 von vergleichbaren Horrortiteln ab. Statt einfach nur irgendwie ekelhaft auszusehen, speist sich das Aussehen der Kreaturen aus Ereignissen und Gedanken im Leben der Figuren, die womöglich sogar grässlicher sind als jedes Monster. Das offensichtlichste Beispiel wäre wohl Angelas Peiniger "Abstract Daddy".

Storytelling par excellence

Die Narrative ist eine der größten Stärken des Spiels, obwohl darin gar nicht mal so viel gesprochen wird. Im Gegensatz zu vielen modernen Protagonisten hält James Sunderland über weite Strecken des Spiels seine Schnauze. Es gibt Momente, in denen wir unten am Bildschirm kurz lesen können, was er über eine Situation denkt, ein großer Redner ist allerdings nicht an ihm verloren gegangen. Auch seine Reaktionen auf die Scheußlichkeiten von Silent Hill sind bis auf wenige Ausnahmen sehr untertrieben. Durch diese Passivität scheint es fast, als würde sich der Schrecken direkt an uns vor dem Bildschirm richten. Ein Trick, der in den ersten vier Silent-Hill-Spielen immer wieder aufgegriffen wird.

Der Großteil der Geschichte wird in Briefen sowie Audio- und Videoaufnahmen erzählt. Die Dialoge mit anderen Figuren treiben ebenfalls die Handlung voran und haben mit ihrer - möglicherweise bewusst - hölzernen Vertonung einen traumähnlichen Charakter, stemmen die Erzählung aber glücklicherweise nicht allein. Angela und der 'Abstract Daddy' Quelle: PC Games Angela und der "Abstract Daddy"

Silent Hill 2 ist ein Paradebeispiel dafür, dass Videospiele andere Wege finden können, ihre Geschichte zu erzählen als beispielsweise Filme oder Bücher. Cutscenes, Rätseldesign, Worldbuilding, Figuren- und Umgebungsdesign, Sound und Actionsequenzen greifen ineinander, um ein Gesamtwerk zu schaffen, das unterhält, verstört und zum Nachdenken anregt. Selbst 20 Jahre nach Release führen Fans immer noch Diskussionen über die Handlung, teilen ihre Interpretationen bestimmter Stellen und decken versteckte Anspielungen auf.

Es ist eigentlich eine Schande, dass Silent Hill 2 derzeit offiziell auf keinem modernen System erhältlich ist. Wir sind für dieses Special tatsächlich mit der klassischen Playstation 2 Version losgezogen, der alte "Director's Cut" PC Release wird heute nicht mehr unterstützt. Die 2012 erschienene, neu vertonte Silent Hill HD Collection gilt unter Fans als absolutes Machwerk und spiegelt nicht die ursprüngliche Vision von Team Silent wider.

Wie so oft, sind diejenigen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Spiel für die Nachwelt zu konservieren, nicht die Rechteinhaber, sondern passionierte Fans. Unter dem Titel Silent Hill 2 Enhanced Edition existiert eine Liste von Mods, die den Abandonware Director's Cut wieder spielbar machen und verschönern. Da womöglich schon 2023 ein offizielles Remake von Bloober Team erscheint, ist es unwahrscheinlich, dass Konami derzeit irgendwelche Pläne hat, die Original-Version mit all ihren Ecken und Kanten neu zu veröffentlichen. Je nachdem, ob das Remake überragend gut oder horrend schlecht wird, werden die Rufe nach so einem Re-Release womöglich wieder lauter werden. Wir würden es uns zumindest wünschen, dass der Klassiker auch in Zukunft noch in seiner ganzen matschigen Pracht gespielt werden kann.

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    • Kommentare (2)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von ZgamerZ Gelegenheitsspieler/in
        Ein super Artikel, hat wirklich viel Spaß gemacht zu lesen! Und ich habe sogar noch was neues dazugelernt.

        Wie es um das Studio hinter dem Spiel und seinen Machern bestellt war, hat mich bis jetzt noch nie gekümmert. Das ganze liest sich beinahe schon selber ein bisschen so, als wären sie Protagonisten in ihrem eigenen Spiel. Hat finde ich aber erstaunliche Parallelen zu FINAL FANTASY.

        Interessant wäre vielleicht auch noch zu erwähnen, dass im Original des Spiels die Voiceactors allesamt KEINE PROFIS waren, sondern wohl teilweise irgendwelche Leute, die halt gerade Zeit und Lust hatten, sich ein bisschen was dazuzuverdienen. Das hat man dann in den späteren Versionen geändert, und nicht wenige Fans sind der Meinung, die Amateure vor den Micros haben damals eine überzeugendere Performance hingelegt, als die Pros.

        Zitat:
        Die Narrative ist eine der größten Stärken des Spiels, obwohl darin gar nicht mal so viel gesprochen wird. Im Gegensatz zu vielen modernen Protagonisten hält James Sunderland über weite Strecken des Spiels seine Schnauze. Es gibt Momente, in denen wir unten am Bildschirm kurz lesen können, was er über eine Situation denkt, ein großer Redner ist allerdings nicht an ihm verloren gegangen. Auch seine Reaktionen auf die Scheußlichkeiten von Silent Hill sind bis auf wenige Ausnahmen sehr untertrieben. Durch diese Passivität scheint es fast, als würde sich der Schrecken direkt an uns vor dem Bildschirm richten. Ein Trick, der in den ersten vier Silent-Hill-Spielen immer wieder aufgegriffen wird."


        James ist, zumindest in der originalen Fassung ein sehr introvertierter Mensch, der zwar irgendwo Gefühle zeigt, aber selbst diese ein ganzes Stück immer wieder in sich hineinfrisst. Und stellenweise hätte man sich vielleicht schon gewünscht, dass er hier und dort mal den Mund aufmacht oder einfach zeigt, dass er ein Mensch und keine... Videospielfigur ist. Aber das ist halt sein Charakter, das meiste passiert in seinem Kopf oder versandet in ihm. Außer in ganz wenigen Momenten, wie in der, als er das kleine Mädchen anschimpft, als diese eine Äußerung über Mary von sich gibt, die ihm allzusehr schmerzt.

        Und das wird vermutlich der Knackpunkt sein, den ich beim Bloober-James kommen sehe:
        Dieser James ist in der Lage seine Gefühle auszuleben und er tut es auch. Das zeigt der Trailer bereits zu Genüge. Ich habe schon Kommentare gelesen von Leuten die das nicht gut finden, aber genauso von anderen, die gerade das vermisst haben. Weil der neue James zwar immer noch dieselbe Pein erlebt, sich aber nun irgendwo dagegen wehrt, in dem er notfalls laut ausschreit.

        Und als jemand, der LAYERS OF FEAR alleine dreimal durchgespielt hat, nicht weil das Gameplay gut ist, das Spiel hat kaum Gameplay, nur son bisschen was, das wie Gameplay aussieht... Möchte ich FÜR MICH sagen, dass das Schauspiel der Figuren großartig ist, ich war von der Heldin und ihrem kleinen Bruder wahrlich begeistert. Und wenn das von Bloober auch nur einigermaßen auf Silent Hill übertragen wird, kann das Spiel sehr viel dazugewinnen. Allerdings könnte damit auch ein Stück weit das stille, subtile verlorengehen. Und eventuell die Fans spalten, die sich dann endlose Diskussionen liefern werden, ob Silent Hill 2 heute nicht mehr so funktioniert wie damals, oder eben doch und ob die vorhandenen Veränderungen notwendig waren oder nicht.

        Ich muss wirklich sagen, ich war schon sehr lange nicht mehr so gespannt auf ein Game, vor allem auf eine Neuauflage wie hier. Was aber, wenn man alleine die Klickzahl auf dem YT-Kanal von SONY zum Trailer anschaut, sehr viele Leute sind.

        Dass es keine aktuell lauffähige Version vom Original gibt, ist wirklich schade, das ist wahr. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.

        Die Hoffnung stirbt nur in Silent Hill immer zu erst.
      • Von ZgamerZ Gelegenheitsspieler/in
        Ein super Artikel, hat wirklich viel Spaß gemacht zu lesen! Und ich habe sogar noch was neues dazugelernt.

        Wie es um das Studio hinter dem Spiel und seinen Machern bestellt war, hat mich bis jetzt noch nie gekümmert. Das ganze liest sich beinahe schon selber ein bisschen so, als wären sie Protagonisten in ihrem eigenen Spiel. Hat finde ich aber erstaunliche Parallelen zu FINAL FANTASY.

        Interessant wäre vielleicht auch noch zu erwähnen, dass im Original des Spiels die Voiceactors allesamt KEINE PROFIS waren, sondern wohl teilweise irgendwelche Leute, die halt gerade Zeit und Lust hatten, sich ein bisschen was dazuzuverdienen. Das hat man dann in den späteren Versionen geändert, und nicht wenige Fans sind der Meinung, die Amateure vor den Micros haben damals eine überzeugendere Performance hingelegt, als die Pros.

        Zitat:
        Die Narrative ist eine der größten Stärken des Spiels, obwohl darin gar nicht mal so viel gesprochen wird. Im Gegensatz zu vielen modernen Protagonisten hält James Sunderland über weite Strecken des Spiels seine Schnauze. Es gibt Momente, in denen wir unten am Bildschirm kurz lesen können, was er über eine Situation denkt, ein großer Redner ist allerdings nicht an ihm verloren gegangen. Auch seine Reaktionen auf die Scheußlichkeiten von Silent Hill sind bis auf wenige Ausnahmen sehr untertrieben. Durch diese Passivität scheint es fast, als würde sich der Schrecken direkt an uns vor dem Bildschirm richten. Ein Trick, der in den ersten vier Silent-Hill-Spielen immer wieder aufgegriffen wird."


        James ist, zumindest in der originalen Fassung ein sehr introvertierter Mensch, der zwar irgendwo Gefühle zeigt, aber selbst diese ein ganzes Stück immer wieder in sich hineinfrisst. Und stellenweise hätte man sich vielleicht schon gewünscht, dass er hier und dort mal den Mund aufmacht oder einfach zeigt, dass er ein Mensch und keine... Videospielfigur ist. Aber das ist halt sein Charakter, das meiste passiert in seinem Kopf oder versandet in ihm. Außer in ganz wenigen Momenten, wie in der, als er das kleine Mädchen anschimpft, als diese eine Äußerung über Mary von sich gibt, die ihm allzusehr schmerzt.

        Und das wird vermutlich der Knackpunkt sein, den ich beim Bloober-James kommen sehe:
        Dieser James ist in der Lage seine Gefühle auszuleben und er tut es auch. Das zeigt der Trailer bereits zu Genüge. Ich habe schon Kommentare gelesen von Leuten die das nicht gut finden, aber genauso von anderen, die gerade das vermisst haben. Weil der neue James zwar immer noch dieselbe Pein erlebt, sich aber nun irgendwo dagegen wehrt, in dem er notfalls laut ausschreit.

        Und als jemand, der LAYERS OF FEAR alleine dreimal durchgespielt hat, nicht weil das Gameplay gut ist, das Spiel hat kaum Gameplay, nur son bisschen was, das wie Gameplay aussieht... Möchte ich FÜR MICH sagen, dass das Schauspiel der Figuren großartig ist, ich war von der Heldin und ihrem kleinen Bruder wahrlich begeistert. Und wenn das von Bloober auch nur einigermaßen auf Silent Hill übertragen wird, kann das Spiel sehr viel dazugewinnen. Allerdings könnte damit auch ein Stück weit das stille, subtile verlorengehen. Und eventuell die Fans spalten, die sich dann endlose Diskussionen liefern werden, ob Silent Hill 2 heute nicht mehr so funktioniert wie damals, oder eben doch und ob die vorhandenen Veränderungen notwendig waren oder nicht.

        Ich muss wirklich sagen, ich war schon sehr lange nicht mehr so gespannt auf ein Game, vor allem auf eine Neuauflage wie hier. Was aber, wenn man alleine die Klickzahl auf dem YT-Kanal von SONY zum Trailer anschaut, sehr viele Leute sind.

        Dass es keine aktuell lauffähige Version vom Original gibt, ist wirklich schade, das ist wahr. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.

        Die Hoffnung stirbt nur in Silent Hill immer zu erst.
      • Von ZgamerZ Gelegenheitsspieler/in
        Edit: Der techn. Fehler ist weg, hat sich erledigt
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