Shenmue 1 & 2 im Test: Einst Meilensteine, heute eher frustrierend
In unserem Test zur Shenmue 1 & 2 Collection erfahrt ihr, warum diese einstigen Meilensteine der Videospielgeschichte schlecht gealtert und eigentlich nur noch Nostalgikern zu empfehlen sind. Dabei gehen wir auf Steuerung, Kamera und einige weitere Gameplay-Features ein, die trotz der weiterhin tollen Atmosphäre heute einfach nicht mehr zeitgemäß sind.
Als der erste Shenmue-Teil Ende 1999 in Japan und ein Jahr später in Europa sowie Nordamerika für den Sega Dreamcast erschien, wurde das damals mit 47 Millionen US-Dollar Produktionskosten teuerste Videospiel aller Zeiten mit Lob überhäuft, verkaufte sich jedoch eher schleppend. Obwohl Shenmue 1 und 2 mit einer Mischung aus Action, Adventure, Lebens-Simulations-Anleihen und einer für damalige Verhältnisse belebten offenen Welt überzeugten, griffen zu wenig Spieler zu und Sega hatte sich schwer verkalkuliert. Das Ende ist bekannt: Sega zog sich kurze Zeit später aus dem Hardwaregeschäft zurück und Shenmue wurde trotz eines harten Cliffhangers nicht fortgesetzt. Erst im Jahr 2015 wurde Shenmue 3 angekündigt, musste jedoch zuvor über Kickstarter von den Fans finanziert werden. Angeblich soll der Titel im nächsten Jahr erscheinen, doch zuvor haben jüngere Spieler in Form einer Remaster-Variante nun die Chance, die beiden Klassiker nachzuholen und Fans der ersten Stunde können in Nostalgie schwelgen. Doch will man das heutzutage überhaupt noch? Der Zahn der Zeit nagt schließlich auch an einstigen Meilensteinen der Videospielgeschichte.
Schönes Flair
Die Neuauflage von Shenmue 1 und 2 präsentiert sich technisch als gelungenes Remaster. Natürlich ist die alte Dreamcast-Grafik mittlerweile ziemlich blockig und grob, doch dank einiger Kniffe besteht auch heutzutage keine Augenkrebsgefahr und man kann erahnen, wie beeindruckend die Optik im Jahr 2000 war. Das Spiel selbst läuft absolut flüssig und wird in 16:9 dargestellt, Zwischensequenzen laufen jedoch im Letterbox-Format. Bei beiden Teilen erkennt man auch recht schnell, warum die wenigen Käufer damals begeistert waren.
Die emotionale Geschichte des jungen Ryo Hazuki, der sich aufmacht, den Tod seines Vaters zu rächen und somit in ein großes mysteriöses Abenteuer stolpert, wird ruhig und angenehm erzählt. Die (semi-)offene Welt ist hübsch gestaltet, Passanten und Verkäufer brabbeln durcheinander und man kann jeden Charakter anquatschen, kleine Nebenquests erledigen oder Mini-Spiele in der Arcade zocken. Zudem ist Ryo versiert im Kampfsport und gibt bösen Buben beherzt aufs Fressbrett. Damals eine unglaubliche Mischung und auch heute klingt das noch alles recht gut. Allerdings ist das Gameplay mittlerweile so unfassbar altbacken, dass man starke Nerven braucht, um beide Teile zu beenden.
Quelle: PC Games
Um den Tod seines Vaters zu rächen, muss Hauptcharakter Ryo viele Tugenden lernen.
Hoffnungslos veraltet
Schon allein die Steuerung ist so hakelig und ungenau, dass man in den Controller beißen möchte. Ryo muss genau richtig positioniert sein, um Treppen hinunterzugehen und die Kamera dreht sich oft so unvorteilhaft, dass man gerade in Kämpfen die Übersicht verliert und dadurch sogar noch mehr danebenschlägt. Die Dialoge zwischen Ryo und anderen Figuren sind oftmals hirnzersprengend blöd und voller Logiklöcher und manche Quests laufen sogar vollkommen ins Leere. Zudem ist die seltsam blechern klingende Vertonung nicht mehr zeitgemäß und wirkt mittlerweile oft stümperhaft.
Quelle: PC Games
Dank der oftmals miserablen Kamera und der hakeligen Steuerung werden Kämpfe zur Geduldsprobe.
Jüngere Spieler werden außerdem damit Probleme haben, dass einem das Spiel oftmals zu wenig sagt. Das meiste muss man selbst herausfinden, indem man Leute befragt. Dies ist auch ein Makel der eigentlichen Hauptquest. Zumeist läuft man hin und her, von Laden zu Laden, von Nebenfigur zu Nebenfigur und erfährt nur, wer einem als Nächstes weiterhelfen kann. Wo sich diese Person befindet, muss man wieder erfragen, indem man hin und her läuft. Besonders nervig ist hierbei, dass einige Dinge nur zu einer gewissen Tageszeit erledigt werden können, man die Zeit aber nicht überspringen kann. So kommt es durchaus vor, dass man gute 20 Minuten warten muss, bis man endlich weiterspielen kann, da die Mini-Spiele und Ryos Training nicht lange unterhalten. Man wird sogar jeden Tag gezwungen, um 23 Uhr ins Bett zu gehen.
Quelle: PC Games
Wer nicht arbeitet, landet auf der Straße. Okay. Aber müssen die Jobs denn so unfassbar langweilig sein?
Im zweiten Teil wird der Lebens-Sim-Anteil sogar noch ausgebaut, sodass man vormittags arbeiten gehen muss, um die Miete zu bezahlen. Man muss Tage im Spiel also nicht nur durchplanen, um überhaupt gewisse Missionsziele erfüllen zu können und am Ende doch wieder irgendwo vor verschlossener Tür zu stehen, sondern auch noch stinklangweilige, einen spielerisch unterfordernde Jobs wie "Kisten über Umwege von A nach B tragen", Gabelstaplerfahren oder Schriftrollen-Sortieren ausführen. Teilweise gehen die Aufgaben sogar auf Zeit - bei dieser hakeligen Steuerung! Shenmue 1 & 2 sind heututage immer noch irgendwie faszinierend, aber eben auch verdammt frustrierend.

das mit den saublöden Dialogen ist bei Videospielen ebenfalls so ein Thema, das ich bei so vielen games behaupten könnte... ich für meinen teil finde die spielwelt grandios und immer noch lebendiger als wie in 90% der anderen spiele.
shenmue ist nach heutigen Maßstäben in sachen inzenierung und Kameraführung sicherlich kein ausnahmetitel mehr, allerdings hat das spiel viel revolutioniert, lebt von einer glaubwürdigen Spielwelt und toller beat em up Action.
Anders als sagen wir mal Openworld Games wie Oblivion, Skyrim und Fallout 3 4, wo man klar formulierte Missionen mit exakten Standorten bekommt, wohin man direkt schnellreisen kann, ist hier genau das Gegenteil der Fall, ihr müsst euch aber auch in Ryo hineinversetzen.
Ryo ist ein Teenager. Auch wenn seine Statur der eines Erwachsenen gleicht, wird er dennoch vor Bars gefragt, ob er denn auch alt genug ist, wenn er hereinkommen möchte. Er wird ständig von seinen Herausforderern als "Boy" genannt. Er ist aber auch nur ein Schuljunge und müsste eigentlich in die Schule. Das bekommt man auch z.B. in einigen Konversationen einer in etwa gleichaltrigen Freundin von ihm mit. Aber nach dem Mord seines Vaters will er die Sache in die eigene Hand nehmen, wagt es nicht, sich an die Polizei zu wenden (Telefon 110 wählen!), versichert seinen Nahestehenden, er würde ganz sicher nichts im Schilde führen und fragt nur so nach den Tätern.. aber tappt natürlich ohne jegliche Hilfe im Dunkeln, denn er hat niemanden, der ihm bei der Sache zur Seite steht. Er ist nur auf sich ganz allein angewiesen. Zu dem will seine Tante ihn jeden Tag spätestens um 23 Uhr wieder Zuhause sehen, er soll sich nicht rumtreiben. In der Zwischenzeit, in der er das Haus verlassen kann, muss er sich selbst auf die Spuren der Mörder begeben.
Er ist nur darauf angewiesen, Leute aus der gleichen Stadt zu befragen, ob sie denn was gesehen haben an diesem regnerischen, stürmischen Tag. Von 95% aller Leute bekommt ihr eine negative Antwort. Wie halt auch im wahren Leben. Man muss sich mühselig durchfragen, bis man interessante Namen bekommt und so den weiteren Verlauf der Untersuchung fortsetzen kann.
Das Spiel möchte dem Spieler vermitteln, wie es ist, wenn man quasi auf dem Boden liegt und ohne fremde Hilfe aufstehen muss und wie man seinen Alltag planen und beweltigen muss. Es gibt nun mal keine "Map", die anzeigt, wo ihr gerade seid und Smartphones mit Google Maps gab es 1988 nicht. Deshalb seid ihr darauf angewiesen, Stadtkarten am Rand von einigen Straßen genau anzuschauen und sich die Straßen und Umgebung mal zu merken. Etwas, was man in heutigen Spielen nicht mehr machen muss, weshalb man sich überhaupt nicht in irgend einer Stadt auskennen muss (so auch zb im Meisterwerk Witcher 3, im Gegensatz dazu musste man sich zb in Gothic 2 in den Siedlungen sehr gut auskennen, sonst sucht man sich einen Wolf bis man die richtige Kneipe findet).
Ich muss zugeben, ich gehöre auch zu denjenigen, die das Spiel nachholen. Ich hatte damals 99/2000 das Spiel bei einem Freund gesehen, aber nie richtig gespielt. Jetzt wo ich die PC Version spiele, verstehe ich zwar dass es veraltet ist, aber man muss fair damit sein!
Ja, es ist eine Panzersteuerung und Dialoge sind nicht immer sinnig, aber im großen und ganzen muss man erkannt haben, was sas Spiel von einem will und warum. Und ja, man ist zu Fuß unterwegs, später wahrscheinlich auch mal mit dem Bus, aber größtenteils passiert im Spiel alles Step by Step, weil es einen steinigen Weg darstellt, den der Protagonist gehen muss