Shapez 2: Die Quadratur des Kreises

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Special Dominik Pache - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Shapez 2: Die Quadratur des Kreises
Quelle: tobspr Games

Fabrikbausimulationen sprechen besonders Menschen an, die gut im sogenannten Systemdenken sind. Shapez 2 bietet jedoch eine großartige Möglichkeit, auch "normalen" Leuten die Faszination von Automatisierung näherzubringen.

Mit Formen beschäftigen wir uns schon, seitdem wir im Kindergarten mit Bauklötzen gespielt haben. In Shapez 2 dreht sich nach seinem minimalistischen Vorgänger mal wieder alles um Formen und Farben. Nur katapultiert uns das süchtig machende Prinzip der Automatisierungsspiele diesmal ins Weltall, wo wir einen nimmersatten Vortex füttern müssen, der alles verschlingt, was wir ihm in den Schlund werfen.

Factory Builder können überwältigend sein. Kilometerlange Anlagen, in denen geschnitten, gepresst und zusammengebaut wird, wirken auf Außenstehende oft abschreckend, weshalb sich manche Spieler nie an dieses Genre heranwagen. Für viele erinnern die zahllosen Fließbänder an Arbeit, und sie können sich nicht vorstellen, wie man an so einem Spiel Spaß haben kann.

Shapez änderte das mit seinem einfachen Design, das sich auf das Wesentliche beschränkte. Hier wurde nicht nach Erzen gegraben, die dann geschmolzen und weiterverarbeitet wurden. Stattdessen konzentrierte sich das Spiel auf einfache Formen, wodurch der Einstieg viel leichter war als bei anderen Automatisierungsspielen.

In Shapez 2 (jetzt kaufen 25,99 € ) bekommt dieses Spielprinzip eine neue Dimension. Ihr baut eure Fabrik nicht in einem klinischen, weißen Raum, sondern im weiten Weltall. Um eure formbaren Waren zwischen den Plattformen zu verschieben, könnt ihr diesmal sogar Karriere als Zugführer machen. Die unendlichen Weiten müssen ja irgendwie überwunden werden, damit am Ende alles zur rechten Zeit ankommt.

Doch bevor ihr stolzer Besitzer eurer eigenen interstellaren Formenfabrik werdet, müsst ihr zunächst eine Lizenz erhalten. Hier muss schließlich alles seine Richtigkeit haben! Das ist auch schon die erste Neuerung in Shapez 2: Das Spiel bietet ein umfangreiches Tutorial, das euch nach und nach die Werkzeuge eurer Fabrik näherbringt.

Habt ihr das Tutorial abgeschlossen, dürft ihr euch zwischen zwei Fabrikarten entscheiden. Das ist die zweite Neuerung, denn Shapez 2 bietet nun auch Schwierigkeitsgrade. In der normalen Fabrik werdet ihr langsam an das Thema herangeführt, während ihr in der Fabrik für Automatisierungsprofis ziemlich abgefahrene Formen zusammenbasteln könnt.

Das funktioniert nach dem immer gleichen Prinzip: Euch wird eine Zielform vorgegeben, und ihr müsst auf der Karte nach einem geeigneten Rohstoffvorkommen suchen. Manchmal ist das recht einfach, denn einige Formen kommen tatsächlich in der "Natur" vor, sodass ihr sie einfach durch Formengräber aus dem Boden heben könnt.

Doch was, wenn eure Aufgabe eine Form verlangt, die ihr nicht einfach so, wie sie aus der Erde kommt, an den Vortex liefern könnt? Dann beginnt das eigentliche Spiel! Jetzt gilt es, Fertigungsstraßen aufzubauen, um möglichst effizient Quadrate, Kreise, Sterne und alle möglichen Formen dazwischen auseinanderzuschneiden, zu drehen, wieder zusammenzusetzen, zu färben, aufzubocken und am Ende sogar mit Kristallen zu garnieren.

Am Ende erhaltet ihr das gewünschte Produkt, das euch der Vortex in der Mitte der Karte gierig aus den Händen reißt. Allerdings ist das bodenlose Loch sehr anspruchsvoll und verlangt gigantische Mengen. Es genügt also nicht, nur eine Fertigungsstraße aufzubauen - ihr müsst eure Fabrik auf astronomische Höhen skalieren, um den Vortex zufriedenzustellen.

Shapez 2 Schneiden Quelle: Shapez 2 Screen 01 Auf eurer Startplattform geht euch irgendwann aber der Platz aus, und manche Rohstoffe sind nur in den Tiefen des Raums zu finden. Daher müsst ihr euch auf Expeditionen ins All begeben, um die gewünschten Formen liefern zu können. Das Spiel skaliert dabei die vorhandenen Mittel in die Höhe. Platziert ihr auf Plattformen normale Fließbänder und verlegt Rohre für Flüssigkeiten, verwandeln sie sich im Weltall in gigantische Weltraumbänder und -rohre. Ab einer gewissen Länge brauchen die jedoch ziemlich lange, um ihre Fracht bei eurer Fabrik abzuliefern. Deshalb errichtet ihr irgendwann Bahnstrecken, um die ganze Logistik auf die Schiene zu verlagern und mit einem Affenzahn durch das All zu sausen.

Das Spiel bringt euch das nach und nach bei. Nachdem ihr eure Lizenz als stolzer Fabrikbesitzer erhalten habt, setzt euch Shapez 2 immer wieder neue Meilensteine vor die Nase, die sich auf das gerade freigeschaltete Werkzeug beziehen. Damit das aber nicht zum Idle-Game verkommt, nachdem ihr Produktion und Logistik gelöst habt, erhaltet ihr zusätzliche Nebenaufgaben, mit denen ihr neue Forschungspunkte freischalten könnt.

Geforscht wird an immer komfortableren Lösungen, um eure Fabrik bis ins letzte Detail zu optimieren. Ihr könnt eure Fließbänder, Formenschneider und Färber schneller laufen lassen und neue Plattformen im Weltall errichten, um eure Produktion direkt vor Ort abzuschließen. Dann müsst ihr nur noch das fertige Produkt direkt an den hungrigen Vortex liefern. Später im Spiel könnt ihr sogar Abschussrampen nutzen, um eure Züge direkt in den Schlund des wirbelnden Kreises zu katapultieren. So spart ihr euch den gesamten Bahnhof, der sonst zum Entladen der Formen benötigt würde.

Wenn eure Fabrik dann so richtig brummt, ist das äußerst befriedigend. Es ist einfach wunderbar zu sehen, wie Formen möglichst reibungslos in die Fertigungsstraßen gelangen und als fertige Produkte am Ende wieder herauskommen. Dabei müsst ihr natürlich auch das perfekte Timing gewährleisten. Formenschneider brauchen eine gewisse Zeit, um einen Kreis in zwei Hälften zu schneiden. Daher solltet ihr für ein Fließband gleich mehrere Schneider bauen, um einen ungehinderten Fluss sicherzustellen. Das gilt genauso für alle anderen Produktionsstätten im Spiel. Es macht unglaublich viel Spaß, das ideale Verhältnis zwischen Fließbandschnelligkeit und Verarbeitung zu ermitteln und zu optimieren.

Wer das noch weiter verfeinern möchte, kann in Shapez 2 Logikketten anlegen. Damit könnt ihr beispielsweise bestimmte Formen auf andere Fließbänder umleiten oder auch gleich komplexe Schaltungen erstellen, um Platz zu sparen. Damit ihr das gesamte All nämlich nicht mit Plattformen zupflastert, sind eure Weltraum-Teile begrenzt. Meilensteine schalten aber mehr als genug davon frei. So geratet ihr eigentlich nie in Platznot, solange ihr nicht mehr benötigte Fabriken nach getaner Arbeit wieder abreißt.

Bei den finalen Formen der Meilensteine solltet ihr allerdings das genaue Gegenteil tun. Hier ist es von Vorteil, auch nach der Erfüllung der Aufgabe weiterhin die alten Formen zu liefern und die Produktion sogar noch auszubauen. Mit den Meilensteinformen erhöht ihr euer Operator-Level, was euch zusätzliche Forschungspunkte und Weltraum-Teile einbringt. Außerdem dürft ihr euch mit anderen Spielern auf der ganzen Welt vergleichen und ins Rennen um das höchste Operator-Level einsteigen.

Shapez 2 Vortex Quelle: Shapez 2 Screen 01 Um euren Vortex mit unglaublichen Mengen an Formen zu versorgen, müsst ihr übrigens nicht jedes Gebäude einzeln platzieren. Das Zauberwort lautet: Blaupausen. Wenn ihr eine Fertigungsstraße erstellt habt, auf die ihr richtig stolz seid, weil ihr beispielsweise auf kleinem Raum eine perfekt funktionierende Produktion aufgebaut habt, könnt ihr das komplette Konstrukt als Vorlage speichern und später wiederverwenden. So werdet ihr trotz der immer komplexer werdenden Formen schneller, da ihr Färbereien, Farbmischer, Bahnhöfe und Formgräber einfach mit einem Klick platzieren könnt.

In Shapez 2 greift einfach alles perfekt ineinander. Der typische Sog von "Ich baue das nur noch schnell fertig" und der Aquariumseffekt, bei dem ihr minutenlang eure ausgeklügelte Anlage beim Arbeiten beobachtet, sorgten bei uns für durchgezockte Nächte.

Dazu trägt auch das hervorragend abgestimmte Fortschrittssystem bei. Nicht nur die Meilensteine und Nebenaufgaben motivieren enorm, sondern auch die durchdachte Steuerung. Sie ermöglicht es uns, in Windeseile durch unsere Fabrik zu navigieren und neue Fertigungsstätten in Sekunden zu errichten. Wenn wir beispielsweise gerade auf einer Plattform unterwegs sind und herauszoomen, wechselt das UI automatisch zum Werkzeugkasten für Weltraumbauten. So spart man sich zusätzliches Geklicke, da die Entwickler hier wunderbar mitgedacht haben.

Ein paar Dinge mussten wir allerdings selbst herausfinden. Die Waggons der Züge haben beispielsweise drei Ebenen, von denen wir zunächst nur die vorderste beladen haben. Wir wunderten uns, wie man die anderen beiden Fächer nutzen kann. Hier mussten wir erst Fließbänder auf verschiedenen Ebenen in den Weltraum leiten, damit der Zug optimal ausgelastet wird.

Außerdem stellten wir fest, dass sich die Ladung unseres Zuges manchmal immer wieder zurücksetzte und vermuteten sogar einen Bug. Das lag aber schlichtweg daran, dass wir zwar dieselbe Form anlieferten, die jedoch in verschiedene Richtungen gedreht war. Dem Vortex ist es nämlich egal, in welche Richtung die Formen gedreht sind, doch Züge bestehen anscheinend auf die richtige Ausrichtung, um die Ladung anzunehmen.

Das sind alles Punkte, die durch zusätzliche Texte im Tutorial leicht geklärt werden könnten. Obwohl das Spiel ansonsten extrem polished ist, befindet sich Shapez 2 aber noch im Early Access. Die Entwickler möchten zunächst Stimmen aus der Community sammeln, um neue Features im weiteren Verlauf einzubauen. Deshalb haben sie bewusst keine Roadmap für die Zukunft des Spiels aufgestellt.

Fabrikbausimulationen sprechen besonders Menschen an, die gut im sogenannten Systemdenken sind. Diese Fähigkeit umfasst das Betrachten eines Systems als Ganzes und das Verständnis, wie die Teile zusammenarbeiten. Shapez 2 bietet jedoch eine großartige Möglichkeit, auch "normalen" Leuten die Faszination von Automatisierung näherzubringen.

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