Review: Self/less - Der Fremde in mir
Perfekt inszenierte Genre-Unterhaltung: Tarsem Singh liefert den zu erwartenden Thriller mit Denkanstößen.
Der schwerreiche Bauspekulant Damian Hale (Ben Kingsley) hat ein Problem: Er hat Krebs. Die Krankheit ist bereits im fortgeschrittenen Stadium und daher nicht mehr zu heilen. Er muss Abschied nehmen, aber selbst das will nicht gelingen. Seine erwachsene Tochter will mit ihrem Vater nichts mehr zu tun haben. Hale ist einfach kein besonders netter Mensch, und es gibt niemanden, der ihn vermissen wird. Da taucht plötzlich der mysteriöse Dr. Albright (Matthew Goode) auf und verspricht Abhilfe in Form eines neuen Körpers – jung und frisch, und im Labor gezüchtet. Hale sagt Ja, und bald ist es soweit: Hales Geist – seine Persönlichkeit, seine Erinnerungen – wird in den Körper des jungen "Edward" (Ryan Reynolds) geladen. So fängt Hale sprichwörtlich ein neues Leben an. Doch es gibt auch eine Schattenseite: Hale leidet an immer wiederkehrenden Albträumen und Visionen. Als er eines Tages beschließt, der Spur zu folgen, überschreitet er ohne es zu wissen eine Grenze, und bald gibt es für ihn kein Zurück mehr...
Zugeben, besonders originell ist die Idee, die hinter Self/Less steht, nicht. Schon der gute alte Rock Hudson fand sich in Der Mann der zweimal lebte (1966) in einer ganz ähnlichen, ja fast identischen Situation. Doch das tut dem Film keinen Abbruch. Regisseur Tarsem Singh (The Cell) inszeniert den futuristischen Thriller mit selbstsicherer Hand, mit großartigen Bildern, hervorragenden Schauspielern, moralischer Abgründigkeit und viel Herz. Sein Film ist in jedem Moment ein spannendes Vergnügen. Die Darsteller agieren durch die Bank hervorragend, aber besonders Ben Kingsley brilliert in seiner Rolle als reicher, fieser und einsamer Mann. Zwar bietet die Handlung leider wenig bis gar keine Überraschungen, aber immerhin kann sich der Zuschauer im zweiten Akt auf eine der besten Actionszenen der letzten Jahre freuen. Neues wird also nicht geboten, aber auch Altes in Neuem Gewand kann ja gut funktionieren.
Autor: Emanuel Bergmann
