Second Sight
Kampf mit der Steuerung
Das Schöne an Second Sight ist, dass Sie niemand zum Schleichen zwingt: Ob leise Sohlen oder Dauerfeuer, lassen Sie Ihre Vorliebe entscheiden. Geschossen wird mit Betäubungspistolen, Maschinengewehren, Schrotflinten und Scharfschützengewehren - und mit einer Steuerung, die zum Haareraufen ist: Per Rechtsklick visiert Vattic automatisch sein Ziel an, auf dem daraufhin ein Fadenkreuz kreist. Sobald Sie das Fadenkreuz auf den Kopf des Gegners gebracht haben, sollten Sie mit der linken Maustaste abdrücken. Das funktioniert gut, vorausgesetzt Sie wollen das Ziel nicht wechseln. Hierzu schieben Sie die Maus mühsam in die entsprechende Richtung - in der Hoffnung, dass Vattic sein Ziel wechselt. Das geht manchmal, aber meistens geht es nicht. Weil es sich bei Second Sight um eine Konsolenumsetzung handelt, haben Sie mit Gamepad die bessere Kontrolle.
Wenn Sie die zähe Steuerung kurz vor einem Speicherpunkt das Leben kostet, dürfen Sie ohne Scham weinen: Sie müssen alles noch mal spielen. Trotz nicht vorhandener Quicksave-Funktion bleibt der Frust im erträglichen Rahmen. Die PSI-Fähigkeiten sind so mächtig, dass Sie auch mit Gegnerhorden spielend zurechtkommen.
Kraft der Gedanken
Im Star Wars-Universum wäre John Vattic längst Jedi-Chef. Mittels Gedankenkraft stellt er allerhand Schabernack an: Er lässt Gegenstände wie von Geisterhand getragen durch die Luft schweben, wirbelt tödliche Energie auf seine verdutzten Gegner und heilt Schusswunden mit ein bisschen Konzentration. Zwar gibt es nur fünf PSI-Fähigkeiten, aber jede davon ist nützlich. Und zwar so nützlich, dass sie den Schwierigkeitsgrad auf Einsteiger-Niveau herunterdrücken. Beispiel "Telekinese": Nicht nur Gegenstände sind greifbar, auch Feinde. Mit einem Würgegriff, der Darth Vader anerkennend nicken ließe, schleudern Sie Ihre Opfer auf andere Gegner, die dann wie Dominosteine umkippen. Die Physik-Engine ist ordentlich programmiert, hat aber keine Half-Life 2-Qualitäten: Kisten und Charaktere kullern, als wären sie mit Helium gefüllt.
Gottgleich auch die Fähigkeit "Projektion", die ein Abbild von Vattic erstellt. Als Lichtgestalt kommen Sie unbehelligt durch Laserschranken, legen Hebel um oder schlüpfen in den Körper Ihrer Feinde, um Verwirrung zu stiften. Bis auf wenige Ausnahmen meistern Sie sämtliche Stellen im Spiel mit Leichtigkeit - es empfiehlt sich also, auf "Schwer" zu starten, dem zweiten und letzten Schwierigkeitsgrad.
In den späteren Levels kämpfen Sie Seite an Seite mit anderen Figuren. Auch dann spielen die PSI-Fähigkeiten eine wichtige Rolle: Anstelle Medikits zu verteilen, zaubern Sie "Heilung" auf Ihre Helfer, wenn sich deren Energiebalken dem Ende zuneigen. Verliert ein Mitstreiter die Nerven, verleihen Sie ihm mittels "Verwirrung" neuen Mut.
Guter Shooter, kleine Fehler
Die Story ist nur zu ertragen, wenn man Second Sight als Parodie betrachtet. Auch die Steuerung spornt zum Zähneknirschen an. Doch Teamwork-Missionen und PSI-Hokuspokus machen den Titel empfehlenswert.
