Für Kenner ein formidabler Mix aus harter Action und großen Gefühlen - mit ein paar der besten Schauspieler der Gegenwart!
Der Katalane Jaume Collet-Serra hat mit seinen Filmen Unknown Identity (2011) und Non-Stop (2014) dazu beigetragen, dass sich Liam Neeson im Actionfach etabliert hat. Ihr neuester gemeinsamer Film, Run All Night, ist diesmal noch mehr Charakterstudie denn Tempokracher. Mit der Hauptrolle in einer solchen Mischung aus Action, Drama und Film noir hätte man in den 1940er-Jahren Humphrey Bogart besetzt, in den 1970ern vielleicht Gene Hackman. In den 2010er-Jahren ist es nun eben Neeson, der Jimmy Conlon spielt, einen in die Jahre gekommenen Auftragskiller des irischstämmigen Gangsterbosses Shawn Maguire (Ed Harris). Conlon bereut jeden seiner Morde, und er sucht Vergessen im Alkohol. Sein eigener Sohn, Michael (Joel Kinnaman) hat für den Vater nur Verachtung übrig – bis Michael plötzlich selber ins Fadenkreuz des gnadenloses Maguire gerät. Er hasst zwar seinen Vater, hat aber keine andere Wahl als sich diesem anzuvertrauen, wenn er am Leben bleiben will. Und Jimmy muss, um seinen Sohn zu schützen, seinen besten Freund verraten ...
Was sich hier unter dem Deckmantel eines Actionfilms abspielt, ist im Grunde ein shakespearesches Drama. Die Schauspieler sind allesamt hervorragend und besonders die Szenen zwischen Neeson und Harris sind an emotionaler Wucht kaum zu überbieten. Wuchtig ist durchaus auch die Action, die zwar nicht so brachial übertrieben wird wie beispielsweise in Non-Stop, die dafür aber einen schmutzigen, blutigen und teilweise sehr verstörenden Realismus hat. In den USA ist der Film beim breiten Publikum durchgefallan, dafür aber bei älteren Kinogängern und überraschend bei Frauen gut angekommen, was beweist, dass das Genre nicht nur was für Jugendliche sein muss. Bei Run All Night kann man, wenn mal die Knarren schweigen, regelrecht den Puls und das Herz spüren.
(Autor: Emanuel Bergmann)
