Ronin im Test: Kill Bill trifft auf Gunpoint und Mark of the Ninja - mit Video

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Test Stefan Weiß - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Ronin ist ein klassischer 2D-Platformer, bietet jedoch Rundenkämpfe statt des gewohnten Echtzeitgeklicke im Genre.
Quelle: Devolver Digital

Ronin im Test: Kultregisseur Quentin Tarantino schickte 2003 Uma Thurman als "Die Braut" mit Overall und Katana auf Rachefeldzug. Ein polnischer Entwickler namens Tomasz Wacławek greift das blutige Szenario auf und bastelte daraus im Alleingang einen 15-Levels umfassenden Plattformer mit Retro-Grafik. Wie gut sich die martialische Schnetzelorgie spielt und ob sich der Kauf des Download-Titels lohnt, verrät unser Test.

Ronin im Test: Hersteller Devolver Digital ist bekannt dafür, Spiele mit reichlich Schnetzel- und Actiongehalt anzubieten. Dabei darf es gerne auch pixelblutig und retro-stylish zugehen, wir denken da zum Beispiel an die Hotline Miami-Reihe, dessen zweiter Teil eine wahre Orgie an Gewalt bot. Der Action-Platformer Ronin kommt zwar mit weniger rotem Saft aus, ist aber immer noch ein derbes 2D-Meuchel-Spiel für Ninja-Fans.

Story in fünf Sätzen

Eure weibliche Spielfigur hört auf den Namen Ronin und hat Rache für den Mord an ihrem Vater geschworen. Dafür verantwortlich sind fünf Mitglieder eines mächtigen Konzerns, irgendwo in der nahen Zukunft angesiedelt. Euer Ziel ist, diese fünf Zielpersonen im Rahmen von 15 Missionen auszuschalten, pro Opfer absolviert ihr drei Levels. Das war's auch schon mit der Story – ein bisschen dünn. Hintergründe zu den Charakteren gibt's nur ansatzweise. Dialoge, Zwischensequenzen oder sonstiges Erzähler-Gedöns fehlen.

Design mit Déjà-vu

Um Fertigkeiten einzusetzen, baut ihr Zug um Zug Kombo-Punkte auf, was nicht immer ganz einfach ist. Um Fertigkeiten einzusetzen, baut ihr Zug um Zug Kombo-Punkte auf, was nicht immer ganz einfach ist. Der polnische Entwickler Tomasz Wacławek dürfte ein großer Fan von Gunpoint sein, ebenfalls ein 2D-Platformer, der 2013 erschien und von uns mit einen Spielspaßwert von 80 abstaubte. Der Levelaufbau der Gebäude in Ronin ähnelt dem von Gunpoint in vielen Details. Auch die Steuerung geschieht fast identisch. Mit den Tasten W, A, S, D bewegt ihr eure Figur in Echtzeit, mit einem Rechtsklick scrollt ihr den Levelabschnitt und mit der linken Maustaste lässt sich ein Sprung platzieren. Auffällig bei Ronin ist allerdings, dass das Spiel automatisch pausiert, wenn ihr einen Sprung platzieren möchtet. Das gilt auch für den Kampf, der rundenbasiert abläuft und sich damit von Genrekollegen wie Mark of the Ninja oder Gunpoint abhebt.

Frustrunden gehören dazu

Die Kämpfe in Ronin fallen mitunter bockschwer aus. Wenn die Gegner es schaffen, auch nur einen Treffer zu landen, ist der Auftrag für das Motorradmädel vorbei. Ihr schlagt euch mit unterschiedlich zusammengestellten Gruppen von Wachsoldaten, Agenten, MG-Schützen und Samurai herum. Daher gilt es zunächst, ähnlich wie bei einer Partie Mikado, erst mal herauszufinden, welche Gegner man am besten zuerst ausschaltet. Versuch und Irrtum heißt hier das Motto – anstrengend.

Mithilfe der Maus platziert ihr den gewünschten Zielpunkt, zu dem eure Figur hüpfen soll. So könnt ihr direkt beim Gegner landen oder diesen auch per Sprung kurz betäuben oder durch Fenster schleudern. Mithilfe der Maus platziert ihr den gewünschten Zielpunkt, zu dem eure Figur hüpfen soll. So könnt ihr direkt beim Gegner landen oder diesen auch per Sprung kurz betäuben oder durch Fenster schleudern. Im Kampfmodus versucht ihr in eurem Zug, eine Aktion beim Gegner zu landen. Dazu müsst ihr in dessen unmittelbare Nähe gelangen, um mit dem Katana zuzuschlagen. Alternativ setzt ihr Sprünge oder Schwungmanöver mit einem Greifhakenseil ein. Solange der angezeigte Sprungweg weiß gefärbt ist, erreicht ihr den Zielpunkt in der aktuellen Runde, einen rot gefärbten Abschnitt erst in der Runde darauf. Die Gegner reagieren auf eure Bewegung und zielen in die Richtung, die ihr einschlagt. Rote Linien zeigen an, wo die Feinde ballern oder springen werden. Bestimmte Gegner feuern über zwei Runden Salven ab, deren Schussbahn ihr nicht kreuzen dürft. Um sie zu erkennen, sind sie mit weißen Linien gekennzeichnet.

Durch die abwechselnde Zug­reihenfolge entsteht ein äußerst anspruchsvolles Katz-und-Maus-Spiel. Ausweichen, Gegner betäuben, im richtigen Moment erwischen – dabei können sich recht schnell häufige Frustmomente einstellen. Zum einen steigt der Schwierigkeitsgrad mit zunehmendem Level deutlich an und zum anderen enden schon kleinste Fehler in einem Zug meist tödlich – nichts für Ungeduldige!

Neben dem jeweiligen eigentlichen Missionsziel gilt es, möglichst keine Zivilisten umzuhauen und keinen Alarm auszulösen. Das ist zwar optional, aber stellt ein Muss dar, wenn ihr an Skills für Ronin gelangen wollt, was wir dringendst empfehlen. Neben dem offenen Kampf könnt ihr auch schleichend vorgehen. Unbeleuchtete Abschnitte lassen sich beispielsweise nutzen, um Gegner im richtigen Moment unbemerkt zu erledigen oder sich ungesehen daran vorbeizuschleichen. Leider verpasst es das Tutorial, darauf hinzuweisen.

Überlebenswichtig: Das Skill-System in Ronin!

Mitten in der Luft bringen wir uns mit unserem Greifhaken in Sicherheit. Mitten in der Luft bringen wir uns mit unserem Greifhaken in Sicherheit. Um mit den immer stärkeren Herausforderungen im Spiel fertig zu werden, lassen sich bis zu zehn Skills in Ronin freischalten, was dringend nötig ist. Doch nur wenn ihr eine Mission perfekt abschließt, erhaltet ihr einen Skillpunkt, den ihr frei verteilen könnt. Ohne Skills zu spielen ist zwar möglich, aber das grenzt an Selbstkasteiung, denn mit jedem Auftrag wird es kniffliger. Skills ermöglichen es Ronin, sich blitzschnell auf einen Gegner zu stürzen, Ablenkungshologramme und Teleport-Punkte zu erzeugen, das Katana-Schwert durch die Luft zu werfen, um damit Gegner aus der Ferne auszuschalten. Dadurch gewinnt Ronin deutlich an taktischen Möglichkeiten, was erheblich zum Spielspaß beiträgt. Ein paar mehr Skills wären schön gewesen, um Ronin einen höheren Wiederspielwert zu verleihen.

Retroflair mit Designmängeln

Grafisch setzt Ronin auf 2D-Retro-Look und die Pixelmännchen bewegen sich hübsch animiert durch die düsteren Levels. Ein paar mehr Details und vor allem optische Abwechslung hätte dem Spielerlebnis jedoch gut getan. Stattdessen ähneln sich viele Elemente zu sehr und wirken auf Dauer eintönig. Das gilt vor allem für die stets gleich wirkende Hintergrundkulisse. Dafür sorgt der gelungene Cyberpunk-Soundtrack für eine tolle Akustik und sorgt für eine schöne Atmosphäre.

Checkpoints helfen euch beim Levelfortschritt, allerdings gibt es immer nur einen solchen Speicherpunkt, der ständig überschrieben wird. Das führte im Test auch schon mal zu Sackgassen-Situationen. In der letzten Mission gibt es sogar nur einen Checkpoint zu Beginn des Levels, ein ärgerlicher Design-Schnitzer, der uns viele Nerven kostete. Ab und zu glitchte Heldin Ronin im Test bei langen Sprüngen sogar durch Levelbegrenzungen, was für zusätzlichen Frust sorgte. Trotzdem stellte sich ein äußerst befriedigendes Spielgefühl ein, wenn sich ein Level am Ende dann doch perfekt abschließen ließ und wir einen neuen Skill freischalten konnten. Als Zwischendurchmahlzeit bietet Ronin ganz ordentliche Unterhaltung, zumal das Spiel für schlanke 12,99 € auf Steam oder komplett ohne DRM-Maßnahmen auf GOG erhältlich ist.

Meinung

Wertung zu Ronin (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Anspruchsvolle RundenkämpfeGelungenes Retro-DesignHervorragender SoundtrackLeicht erlernbare SteuerungDie vielen Gefahrensituationen lassen sich aufgrund der Skills abwechslungsreich lösen.Verschiedene Gegnertypen fordern spezielle TaktikenGeringe Hardware-AnforderungenFairer Preis
Teilweise unfair schwer designte Levelabschnitte sorgen für FrustDie Missionsinhalte jedes der fünf Kapitel sind stets gleich: je zwei Level lang nur Computer hacken, im dritten Level Zielperson ausschalten, das ist etwas enttäuschend.Zu oft ist „Trial & Error“ nötigLevelelemente wiederholen sich zu oft und wirken daher monotonEinige Spielelemente wie etwa Gegnersichtlinien und Schleichmechanik werden nicht erklärtKaum vorhandene StoryTeils unfair gesetzte CheckpointsAuftretende Grafik-Glitches sorgen für SackgassensituationenKeine SprachausgabeNur ein Speicherplatz verfügbar
Fazit

Was für ein Wechselbad der Gefühle, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mal sind wir total euphorisch, wenn unsere Aktionen wie am Schnürchen klappen und Ronin einen weiteren Level perfekt abgeschlossen hat. Doch dann kommt es auch immer wieder zu frustrierenden Momenten. Etwa dann, wenn das Gamedesign gnadenlos kleinste Fehler bestraft, Ronin durch eine Wand glitcht oder wir uns anderweitig in einer Sackgasse befinden.

Bildergalerie

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