Trading-Card-Game gegen PC-Spiel: World of Warcraft unter der Lupe
Thomas Böttge:
WoW-Trading-Card-Spieler
"Auf jeden Fall. Vor allem bezüglich der Spielmechanik."
PC Games: Wären andere Kartenspiele wünschenswert - etwa zu Warhammer Online oder Herr der Ringe Online?
Thomas Böttge: "Na ja, Warhammer schlägt ja genau den anderen Weg ein, vom Table-Top zum Online-Spiel."
PC Games: Könnte man dann von dort aus wieder "zurück" zum Trading-Card-Game gehen?
Thomas Böttge: "Könnte man sicherlich, aber ich glaube nicht, dass es passiert. Es kommt ja nun mal aus der Richtung Table-Top. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass Games Workshop (Hersteller der Table-Top-Spiele, Anm. d. Red.) Warhammer zusätzlich als Kartenspiel umsetzt."
Oliver Gehrmann: "Außerdem vergrault der Hersteller dann vielleicht auch die Fans, weil diese sicherlich kein Trading-Card-Game wollen, sondern weiterhin ihr Table-Top."
Thomas Böttge: "Bei Herr der Ringe gab es ja die Bücher, dann den Film und zeitgleich dazu kam ein Kartenspiel. Das habe ich vor World of Warcraft gespielt. Da wird wohl auch nichts mehr kommen, weil der Boom, den die Filme auslösten, vorbei ist."
PC Games: Gibt es denn eine Spiellizenz, die als Sammelkartenspiel umgesetzt werden sollte?
Oliver Gehrmann: "Es muss einfach etwas Langlebiges sein ..."
Thomas Böttge: "... richtig, das Problem ist, dass Blizzard das Warcraft-Universum seit zehn Jahren aufbaut und Geschichten darum herum baut. Es ist eine eigene Welt mit eigener Zeitlinie."
Oliver Gehrmann: "Es ist auch keine Grenze gesetzt: Man kann so tief in Warcraft einsteigen, dass man den ganzen Tag damit verbringt. Da geht es nicht nur um das Online-Spiel. Man kann die Legenden und Sagen studieren, um die Figuren kennenzulernen. Das ist es, was Warcraft ausmacht. Es ist ein riesiges Universum, aus dem man schöpfen kann - das reicht für ein Trading-Card-Game. Bei Starcraft etwa - wofür es zwar auch viel Material gibt, aber längst nicht so viel - fehlen vielleicht schon nach zwei Jahren die Inhalte. Somit kann es nicht langlebig sein. Bis bei Warcraft alle Dinge, die es im Online-Spiel gibt, umgesetzt werden, vergehen etwa fünf Jahre. Zusätzlich entwickeln die Macher des Kartenspiels neue Fähigkeiten und andere Sachen, die es im Online-Spiel nicht gibt. So hat man mindestens für zehn Jahre Material."
PC Games: Es ist also wichtig, dass ein Sammelkartenspiel langlebig ist, dass neue Karten erscheinen, etc.?
Oliver Gehrmann: "Ja. Es gibt Trading-Card-Games, die zwar gut gelaufen sind, aber eingestellt wurden, weil kein Material mehr da war. Diese Gefahr besteht aber bei Warcraft nicht, weil es jetzt schon zu groß ist. So ist das WoW-Sammelkartenspiel vom Potenzial her auf jeden Fall ganz vorne."
PC Games: Es kommt somit nicht nur aufs Spielen an, wichtig ist auch der Sammelfaktor?
Oliver Gehrmann: "Ja, der kommt noch hinzu."
