Quelle: 20th Century Fox
Stallones sechste Rückkehr in den Ring ist gelungen.
Rocky ist am Ende. Der Ruhm vergangener Tage scheint endgültig verblasst zu sein. Zurückgezogen lebt der alte Mann Balboa in einem schäbigen Viertel Philadelphias. In seinem Restaurant lässt er die alten Boxzeiten immer wieder aufleben, schwelgt in Erinnerungen und trauert der Vergangenheit nach. Denn auch Adrien, die wichtigste Person in seinem Leben, hat er inzwischen verloren. Gegen den Krebs war selbst Rocky machtlos. Doch tief in seiner Brust schlägt noch immer das Herz eines Kämpfers, das ihn noch einmal in den Ring treibt.
Der Kreis schließt sich
Auch Sylvester Stallone ist in die Jahre gekommen. Am 06. Juli feierte er seinen 61. Geburtstag. Seine Karriere war geprägt von sensationellen Erfolgen und mindestens genauso vielen Tiefschlägen. Doch er wollte es noch einmal allen beweisen. Die Figur des Rocky weist rückblickend extrem viele Parallelen zu Sly auf. Als völliger Underdog stieg Stallone 1976 mit dem ersten Rocky-Streifen über Nacht zum Superstar auf. Es folgten Rückschläge und erfolgreiche Comebacks. Stallone gab nie auf und mit 60 kehrte er schließlich mit der Rolle, die sein Leben verändert hatte, in den hart umkämpfen Kino-Ring zurück. Viele glaubten, dass er mit seinem sechsten Rocky-Film schon in den ersten Runde K.O. gehen würde. Aber Stallone hatte sich Zeit für das Drehbuch gelassen, ließ im Grunde das wahre Leben darauf Einfluss nehmen und landete damit einen Sieg nach Punkten.
Das Leben als Geschichtenschreiber
Quelle: 20th Century Fox
Rockys (S. Stallone) Entscheidung ist nicht unumstritten.
Rocky steht im Grunde wieder dort, wo er vor 30 Jahren einmal angefangen hat: Ganz unten. Finanziell muss er sich zwar keine Sorgen machen, aber gesellschaftlich und vor allem seelisch ist der Italian Stallion in ein tiefes Loch gefallen. Sein Umfeld erachtet ihn als Relikt aus alten Tagen, einen alten Mann, ein Denkmal des Boxsports, neben dem man sich zwar gerne fotografieren lässt, das aber ansonsten unbeachtet sein Dasein fristet. Was ihm blieb ist sein alter Kumpel Paulie, dem ebenfalls die Altersdepression zu schaffen macht, sein Restaurant und sein Sohn, der sich dem übermächtigem Schatten seines Vaters lieber entzieht und ihm fern bleibt.Ein virtueller Boxkampf eines Fernsehsenders, aus dem Rocky gegen den derzeitigen Schwergewichtschampion Mason Dixon als Sieger hervorgeht, bringt schließlich einen Stein ins Rollen, der Rocky, aber auch sein ganzes Umfeld aus der Lethargie reißt. Hitzkopf Dixon kommt mit der Schmach gegen einen Dinosaurier der Boxgeschichte - wenn auch nur im Computer - verloren zu haben, nicht klar. Sein Manager glaubt indes an einen enormen Imagegewinn für seinen unbeliebten Schützling, den ein Schaukampf mit Rocky bringen könnte. Doch sie haben ihre Rechnung ohne Rocky gemacht, der noch einmal seinen Siegeswillen findet, die alten Knochen und Arthritis geplagten Gelenke bis zur absoluten Schmerzgrenze trainiert, um sich ein letztes Mal dem Kampf seines Lebens zu stellen.
Sylvester Stallone ließ in das Drehbuch zu Rocky Balboa viel eigene Lebenserfahrung einfließen. Er machte keinen Hehl aus seinem Alter oder dem Alter Rockys. Er griff die Probleme, die sich daraus ergeben auf, und schuf um dieses Gerüst herum eine weitere Geschichte seines Underdog-Kämpfers. Und auch wenn Rocky Balboa vor Pathos, Nostalgie und Schwelgen in Vergangenem strotz, brachte Stallone als Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller die Rocky-Reihe zu einem versöhnlichen Ende für alle Seiten. Allerdings sollte man sich von vornherein klar darüber sein, dass Rocky Balboa kein fulminanter Box-Streifen ist (wirklich geboxt wird nur in den letzten 20 Minuten), sondern vielmehr ein anrührendes, melancholisches und vor allem gelungenes Drama über einen ehemaligen Box-Star, das ein junges Publikum vermutlich eher als kitschige Schwelgerei abtut. Unter einer etwas gereifteren Betrachtungsweise, verleiht aber gerade das Rocky Balboa eine besondere Aura.
