Quake Champions bei id gespielt: Erste Eindrücke & Interview mit dem Chef
Ein kostenloses Quake und zwölf Champions mit Spezialfähigkeiten: Will id Software Overwatch & Co. Konkurrenz machen oder das immergrüne Quake-Spielprinzip mutig modernisieren? Wir besuchten die Entwickler in Texas, um es herauszufinden.
Overwatch, League of Legends und Dota 2 - teambasierte Action- und Strategiespiele fesseln die weltweite Spielergemeinde an die Monitore. Nur um den Action-Urvater Quake blieb es lange Zeit merkwürdig still. Zwar gab es mit Quake Live eine Online-Wiedergeburt des dritten Serienteils, doch groß angelegte Unterstützung für E-Sportler und Turniere? An die millionenschweren Invitationals anderer Publisher kam id Software bislang nicht heran. Doch das soll sich ändern: Mit Quake Champions wollen die Texaner alte und neue Fans der Shooter-Serie begeistern und zu zünftigen Team-Partien locken. Wir besuchten deutschlandexklusiv das id-Hauptquartier in Richardson nördlich von Dallas, um den neuesten Quake-Teil unter die Lupe zu nehmen.
In diesem Artikel
Voll auf die Zwölf
Die größte Änderung des neuesten Quake verrät der Titel: Statt eines einzigen Helden gibt es nun ein Dutzend sogenannter Champions, die gegeneinander antreten. Acht davon enthüllte id Software bislang, die sich nicht nur in ihren Werten für Gesundheit, Rüstung und Geschwindigkeit unterscheiden. Jeder Champion besitzt aktive und passive Fähigkeiten, um die Kontrahenten aufzumischen. Der Ranger aus dem ersten Quake verschießt einen sogenannten Dire Orb - einen Energieball, der nach kurzer Zeit explodiert oder zu dem er sich zuvor teleportieren kann. Aus dem dritten Quake bekannt sind der Punk Anarki, die Reptilienmutter Sorlag, Rollschuh-Queen Slash und der russische Cyber-Klon Visor. Anarki heilt sich per Injektion, Sorlag verspuckt Säure auf Mensch und Material, Slash hinterlässt eine detonierbare Plasmaspur - und Visor kann durch Wände hindurch Gegner erspähen.
Neuzugänge in der Champion-Runde sind die unheilige Paladin-Dame Galena, deren Totem Freunde heilt und Feinde verwundet, Agentin Nyx, die sich eine Zeitlang unsichtbar machen kann, der galaktische Kriegsherr Scalebearer, der seine Gegner einfach niederwalzt, und Roboter Clutch mit einem praktischen Schutzschirm. Der Fairness halber besitzen alle Spezialaktionen eine Abklingzeit. Permanent aktiv sind hingegen die ein bis zwei passiven, weniger spielentscheidenden Fähigkeiten jedes Champions, darunter Wall Jump (Nyx), Strafe Jump (Visor), geschwindigkeitssteigernde Bunny Hops (Sorlag) oder enge Kurven mit dem Hoverboard (Anarki).
Quelle: Bethesda
Quake Champions: die nächste Rückkehr zu einer alten Marke für id Software (16)
Quake für lau?
Zweite große Neuerung: Das Spiel kostet keinen einzigen Cent, denn id Software bietet Quake Champions als Free-to-Play-Titel an. Allerdings ist zu Beginn dann nur der Ranger verfügbar - alle anderen Champions lassen sich entweder freischalten, mieten oder kaufen. Wer gleich zu Beginn mit allen zwölf Recken in den Kampf ziehen will, erwirbt sie im Sammelpack. Das soll, so verrät uns Studio Director Tim Willits, "weniger als ein reguläres Vollpreisspiel" kosten. Wer knapp bei Kasse ist oder die Katze nicht im Sack kaufen will, erledigt tägliche Herausforderungen wie "Töte einen Gegner mit Hilfe einer aktiven Fähigkeit" oder "Assistiere einem anderen Spieler sechs Mal". Dafür gibt es dann die Spielwährung "Favor", mit der sich Champions einen Tag lang mieten lassen. Außerdem kann sie in Loot-Rucksäcke investiert werden.
Quelle: Bethesda
Quake Champions: die nächste Rückkehr zu einer alten Marke für id Software (14)
Platinum heißt die Währung, die ihr im Tausch gegen harte Euro erhaltet. Damit kauft ihr Champions oder Loot-Kisten beziehungsweise -Reliquien. Beide gibt's auch als Belohnungen im Spiel, doch nicht zu oft: Denn verglichen mit den Rucksäcken, die meist nur Farb-Shader für die Champions enthalten, lauern in Kisten und Reliquien Teile von drei Rüstungs-Sets sowie kultige Waffen-Skins aus früheren id-Spielen. Auf das Spielgeschehen haben diese allerdings keinen Einfluss, es handelt sich um rein optische Verbesserungen. Zieht ihr zufallsgesteuert mehrere Ausgaben des gleichen Brustpanzers, verschönert ihr ihn mit bis zu drei sogenannten Attachments. Habt ihr auch die gesammelt, zerlegen sich weitere Doppelungen automatisch in Scherben, aus denen ihr Rüstungen und Waffen-Skins selbst herstellen können. Mit letzteren verwandelt ihr beispielsweise den Raketenwerfer in die Version des ersten Quake oder geben die Schrotflinte den Look der Variante aus dem letztjährigen Doom. Dazu kommen noch Jux-Items wie etwa eine E-Gitarre für Anarki, ein Riesen-Ei für Sorlag oder Laser-Engelsflügel für Nyx.
Feuer frei!
Bei den Waffen machte id Software keine Experimente: Quake-Kenner freuen sich über Heavy MG, Super Shotgun, Super Nailgun, Lighting Gun, Rocket Launcher und Railgun. Vor dem Spielbeginn wählt ihr eine der drei ersten Knarren, dürft diese jedoch nach dem Start beliebig gegen aufgelesene Ballermänner wechseln. Unterwegs findet ihr ebenfalls serientypische Rüstungs-Upgrades, Gesundheitspakete, Munition und natürlich das Quad-Damage-Symbol, das allen Waffen den vierfachen Schaden beschert - wohl dem, der in diesem Moment den Raketenwerfer sein Eigen nennt. Eine kleine, aber sinnvolle Neuerung: Alle Timer der Respawn-Punkte werden jetzt grafisch dargestellt. Tim Willits: "Die Profis wissen das natürlich instinktiv, die brauchen keine Timer. Doch für alle, die eine bestimmte Map oder deren Timer noch nicht so gut kennen, sind sie eine prächtige Einstiegshilfe - und den Profis entsteht dadurch kein Nachteil."
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Im Vergleich zu Quake ist Overwatch laaaangsam und legt einen viel geringeren Fokus auf die Shootermechanik. Die Spiele kommen sich nicht ins Gehege und sprechen völlig unterschiedliche Zielgruppen an.
Bei den Fast-pace-Shootern fehlt bislang ein echter Platzhirsch. Vielleicht holt sich ja id damit den Thron.