PS5, Grafikkarten und Co - Wie funktioniert das irre Geschäft der Scalper?
Wer eine PS5 oder eine neue Grafikkarte kaufen wollte, kennt sie: nervige Scalper. Cleveres Einnahmemodell für das schnelle Geld oder unmoralische Fan-Abzocke? Wir erklären die Arbeitweise von Scalpern - und wie Industrie und Community jetzt gegen sie vorgehen.
Lieferschwierigkeiten, Produktionsprobleme und Bauteileknappheit: Wer im Jahr 2021 eine Playstation 5, eine Xbox Series X/S oder auch Grafikkarten auf Basis von Ampere- oder RDNA2-Technologie kaufen möchte, benötigt Glück, Geduld und einen langen Atem. War der Einkauf neuer Hardware bereits in früheren Zeiten ein Lotteriespiel, verkommt er in der Corona-Pandemie zu einem Tanz auf dem Vulkan. Nicht nur, dass die Hersteller nicht mehr mit der Produktion ihrer Waren hinterherkommen - Reseller und sogenannte Scalper wittern das Geschäft ihres Lebens.
Der organisierte An- und Wiederverkauf von Videospielkonsolen oder Grafikkarten nahm in den vergangenen Monaten eine neue Dimension an. Die fehlende Aussicht auf eine Playstation 5 (jetzt kaufen 637,90 € ) ermutigte viele Spieler dazu, ihr Glück bei Ebay oder anderen Verkaufsplattformen zu versuchen.
Quelle: Ebay
Auch auf der deutschen Seite des Online-Auktionshauses Ebay tummeln sich hochpreisige Reseller-Angebote. Wie wäre es etwa mit einer PS5 für 1.100 Euro?
Doch die Verkäufer dort halten sich nicht an unverbindliche Preisempfehlungen, und so steigen die Kosten für neue Konsolen oder Grafikkarten immer weiter. Eine Nvidia Geforce RTX 3080 geht dort anstatt für die üblichen 700 US-Dollar gerne mal für 2.000 Dollar über die virtuelle Ladentheke. Und auch die Playstation 5 bekommt man kaum zum eigentlichen Ladenpreis, sondern muss bisweilen das Doppelte bezahlen.
Scalper gelangten dadurch über die vergangenen Monate zu trauriger Berühmtheit. Das einstmals vor allem aus der Sneaker-Szene bekannte Geschäftsmodell machte sich jetzt auch im Gaming-Bereich breit. Die Folgen: Wucherpreise, aufgekaufte Hardware-Bestände, chaotische Vorverkaufsstarts - und vor allem jede Menge enttäuschte Fans. Doch wie funktioniert das irre Spiel der Scalper? Und wie verdienen Reseller Geld mit unserem Hobby?
So arbeiten Scalper
Scalping funktioniert grundsätzlich über das Prinzip des geringen Angebots einer Ware und der dazugehörigen großen Nachfrage der potenziellen Käufer. Denn nur, wenn die Bedürfnisse des Markts nicht befriedigt werden können, sind Kunden bereit, auch höhere Preise für die entsprechenden Güter zu bezahlen. Das Marketing-Zauberwort lautet hier "künstliche Verknappung". In der Sneaker-Szene etwa boten Marken wie Nike bestimmte Kollektionen in limitierter Auflage an und schufen so "Sammlerobjekte". Dass nicht jeder Interessent die Ware erhält, ist hier einkalkuliert und steigert nicht nur den emotionalen, sondern auch den tatsächlichen Wert der Produkte.
Quelle: CrepChiefNotify
Reseller-Netzwerke wie CrepChiefNotify bewerben das eigene Geschäftsmodell im Internet und streichen mit kostenpflichtigen Mitgliedschaften sogar feste Einnahmen ein.
Jetzt kommen Scalper ins Spiel. Heutzutage erfolgen die "Drops" neuer Waren in erster Linie online - mit einem begrenzten Kontingent, versteht sich. Getreu dem Motto "First come, first served" erhalten die ersten Käufer den Zuschlag. Scalper organisieren sich in Netzwerken wie beispielsweise CrepChiefNotify oder The Lab. Diese Gruppen verwenden unter anderem die Chat-Plattform Discord, um Neulinge anzulernen und gemeinsame Aktionen wie etwa den Vorverkaufsstart der Playstation 5 zu koordinieren. Informationen über Verkaufsstarts erhalten diese Dienste häufig über Händlerzugänge oder Insider-Tipps. Die Mitgliedschaft in diesen Netzwerken ist allerdings nicht kostenlos: Bei CrepChiefNotify kostet der Monatspass rund 30 und die lebenslange Mitgliedschaft rund 400 britische Pfund.
Der Kaufprozess erfolgt aber nicht manuell, sondern mit Hilfe programmierbarer und superschneller Bots. Diese sind in der Lage, etwaige Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen und platzieren Bestellungen im Sekundentakt. The Lab verwendet unter anderem die E-Commerce-Software
Quelle: Twitter
Auch andere Netzwerke wie etwa The Lab positionieren sich klar im Netz. Neben dem Geschäft mit Spielekonsolen dreht sich hier vieles um den Handel mit limitierten Sneakers und Kleidungsstücken.
Velox, die nicht nur 3D-Secure-Prozesse ausbremst, sondern Orders innerhalb von zwei Sekunden raushaut. Waren derartige Programme früher nur über dubiose Kanäle im Darknet zu erstehen, findet man sie inzwischen ganz bequem per Google-Suche. Änderungen und Anpassungen kommunizieren die Netzwerke via Discord oder über andere Dienste. Das Organisieren dieser "Kaufangriffe" sorgt nicht selten dafür, dass die Systeme der Anbieter zusammenbrechen. Der normale Kunde bleibt frustriert vor dem Bildschirm zurück, während die Bots das Feld bereits im ersten Anlauf abgegrast haben.
Nicht illegal, aber unmoralisch
Die Umsätze abzuschätzen, die Scalper-Gruppierungen beispielsweise durch den Verkauf von PS5-Konsolen erzielten, fällt schwer. Wo fängt ein kleiner Nebenverdienst eines Einzelnen an und wo hört der organisierte An- und Verkauf auf? Die Grenzen sind häufig fließend und oft kaum nachzuvollziehen. Eines muss hier aber klar sein: Scalping ist keine Straftat - zumindest noch nicht. Die Wege zum Einkauf der Güter liegen in einer rechtlichen Grauzone, sind aber per se nicht illegal. Dadurch können Netzwerke wie CrepChiefNotify ihre Dienste auch ganz öffentlich bewerben und auf der offiziellen Seite anbieten.
Vielmehr ist Scalping ein moralisches Problem. Gerade in Pandemie-Zeiten ist das Geld knapp und der Bedarf nach Eskapismus groß. Da ist es ganz egal, ob man sich mit Pokémon-Sammelkarten eine Freude macht oder sich gar eine neue Konsole gönnt. Diese Waren jedoch in organisierten Gruppen und unter Zuhilfenahme von Bots aufzukaufen, nur um sie dann später wieder zu höheren Preisen weiterzuverkaufen, ist vor allem moralisch problematisch. Hier wird Geld mit der blanken "Fan-Liebe" gemacht.
Im Zuge der aufkommenden Diskussion rund um Scalper meldeten sich auch Verantwortliche zu Wort und erklärten die Beweggründe für ihr Handeln. Einige kleinere Fische begründeten den An- und Verkauf von PS5-Konsolen beispielsweise damit, dass sie in der Pandemie ihren Job verloren hätten und ihre Rechnungen bezahlen müssten. Gegenüber Forbes stellte sich Jordan, ein Mitbegründer der Scalper-Gruppe The Lab, schlichtweg als Mittelsmann dar, der in Produkte investiert und sie anschließend mit Gewinn weiterverkauft. Er verglich diesen Prozess sogar mit der britischen Supermarktkette Tesco, die Milch ebenfalls bei Bauern für wenig Geld ankauft und später zu einem höheren Preis anbietet. Dass sich diese Prozesse allein darin unterscheiden, dass Hersteller wie Sony oder Nike einen derartigen Absatzmarkt nicht unterstützen, scheint hier keine Rolle zu spielen.
Trotzdem beklagte sich Jordan über die "schlechte Presse", die seit dem Verkaufsstart von Playstation 5 und Xbox Series X/S über Scalper hereingebrochen ist. War das Geschäft nämlich bis dato eher ein Nischenprodukt, gelang Scalping so in den Mainstream. Jordan selbst erhielt sowohl Hass- als auch Droh-Mails. Er bestätigte aber auch, dass er allein im Januar 25 Playstation-5-Konsolen zum Preis von 450 britischen Pfunde erstanden hatte und sie später für 700 Pfund verkaufte. Das macht einen Gewinn von 6.250 Pfund (aktuell rund 7300 Euro) in kürzester Zeit!
Quelle: Sony
Mit jeder weiteren Charge sinken auch die Preise der Reseller-Angebote: Zumindest in den USA waren die Kosten für eine Playstation 5 (im Bild: Demon’s Souls) zuletzt auf Talfahrt.
Einnahmen in Millionenhöhe
Das schnelle Geld lockt natürlich gerade in unruhigen Pandemie-Zeiten allerlei Trittbrettfahrer an. Das hat man zuletzt übrigens auch bei Pokémon-Karten gesehen, die im Zuge der McDonald's Happy Meals verkauft wurden. Vielerorts erstanden Menschen Dutzende Happy Meals bei der Fast-Food-Kette - in der Hoffnung, einige der wertvollen und raren Sammelkarten zu erhalten. Doch das ist nur eine Nebenbaustelle.
Quelle: Nvidia
Leistungsstarke Grafikkarten sind nicht nur für Gamer attraktiv. Man benötigt sie auch für das Mining von Kryptowährungen.
Besagter Wiederkauf von Grafikkarten und Konsolen entpuppte sich Ende 2020 und im laufenden Jahr 2021 als wichtiges Geschäftsfeld. Kein Wunder, kündigten Netzwerke doch vielerorts an, teils 2.000 und mehr Konsolen "erbeutet" zu haben. Highend-Grafikkarten stiegen nicht allein durch Scalper im Preis. Auch der Bitcoin-Hype ließ die Nachfrage nach leistungsstarker Hardware zwecks Mining von Kryptowährungen sprunghaft in die Höhe schnellen. Das sorgte für eine weitere Verknappung der zur Verfügung stehenden Grafikkarten und spielte der Preisgestaltung der Scalper in die Karten.
Im Dezember 2020 erklärte Datenanalyst Michael Driscoll anhand von Ebay in den USA, dass Scalper von Mitte September bis Anfang Dezember einen Umsatz von 82 Millionen Dollar bei einem Gewinn von 39 Millionen Dollar erzielt haben sollen. In dieser Rechnung spielen vor allem Grafikkarten und Spielekonsolen eine entscheidende Rolle. Der Wiederverkauf von Xbox Series X/S belief sich demnach auf 23,5 Millionen US-Dollar, der Umsatz mit der Playstation 5 auf 35 Millionen Dollar. Driscoll vermerkte aber auch, dass Ebay und Paypal ebenfalls kräftig durch Gebühren an dem Geschäft mitverdienten.
Quelle: Sony
Dem Verkaufserfolg der Playstation 5 tut das Geschäft der Reseller natürlich keinen Abbruch. Sony feierte erst kürzlich sechs Millionen verkaufte Konsolen – trotz Corona-Pandemie.
In einer späteren, erweiterten Studie weitete er seine Datenerhebung bis Anfang Februar 2021 aus und stellte dabei unter anderem fest, dass gut sieben Prozent aller in den USA verkauften PS5-Konsolen über Portale wie Ebay oder StockX wiederverkauft wurden und dass der Preis bei der Digital Edition über 200 Prozent, bei der regulären Konsole um 170 Prozent über der unverbindlichen Preisempfehlung lag. Ähnliche Erhebungen führte er auch zur Xbox Seris X/S oder Ampere- und RTX-30-Grafikkarten durch.
Kampf gegen Scalper
Scalper sind für die Branche, aber vor allem für die Nutzer ein gewaltiges Problem. Deshalb suchen Hersteller, Anbieter und sogar Politik nach Lösungen, um diesem nach den neusten Entwicklungen Herr zu werden. Die Handelskette Gamestop kündigte noch Mitte März 2021 an, PS5-Konsolen künftig nicht mehr online, sondern ausschließlich in ihren Filialen zu verkaufen. Kommende Lieferungen würden nur mit vorheriger Terminvergabe und unter strengen Hygienemaßnahmen direkt an den Kunden abgegeben. Dass Einzelne ihre Konsole im Nachgang zu höheren Preisen verkaufen, ist damit natürlich nicht gänzlich ausgeschlossen. Allerdings verhindert man so zumindest das ganz große Geschäft, bei dem Konsolen in höhere Stückzahl ein- und anschließend verkauft werden. Die Rückkehr zu diesem altmodischen Modell scheint zumindest auf dem Papier ein durchaus probates Mittel zu sein.
Quelle: Microsoft
Die Xbox Series X/S erfreute sich bei Scalpern ebenfalls großer Popularität, die Nachfrage war jedoch nicht ganz so stark wie bei der Playstation 5. Trotzdem erzielten Reseller damit bis Anfang Dezember laut Datenanalyst Michael Driscoll einen Umsatz von 23,5 Millionen US-Dollar.
In Indien dagegen verbünden sich "ehrliche Fans" und gehen gemeinschaftlich gegen den Online-Handel auf der Verkaufsplattform OLX vor. Die Fans melden Angebote sofort, sobald sie über der unverbindlichen Preisempfehlung von 50.000 Rupien (umgerechnet rund 585 Euro) für die Konsole mit Laufwerk liegt. Die Scalper-Gegner sind online in Gruppen organisiert und teilen Wucherangebote, sodass möglichst viele Nutzer in kurzer Zeit eine Meldung bei der Plattform einreichen können. Diese Bewegung weitet ihre Aktivitäten inzwischen auch auf weitere Handelsdienste aus und zeigt, dass auch eine eingeschworene Gemeinschaft etwas gegen das Geschäft mit dem Spielspaß tun kann.
Anderenorts hat die Politik das Thema zumindest auf dem Schirm. Im Dezember 2020 schlug Douglas Chapman, Abgeordneter der Scottish National Party eine "Gaming Hardware (Automated Purchase and Resale) Bill" vor. Anfang Februar 2021 fand der Gesetzesentwurf seinen Weg ins Parlament, wo er präsentiert und für die Debatte im Unterhaus vorbereitet wird. Kurzum: Die Mühlen der Politik mahlen langsam. Doch zumindest arbeitet man in Großbritannien daran, dass das Treiben von Scalpern womöglich in Zukunft als Straftat verfolgt werden kann.
Quelle: Sony
Die großen Exklusivspiele wie beispielsweise Marvel's Spider-Man: Miles Morales entfachten zum PS5-Start eine Welle der Euphorie um die Konsole. (
Für den Augenblick aber gibt es nur eine Lösung: Der Käufer selbst muss sich gegen Scalper richten. Ganz egal, ob Konsolen, Grafikkarten, Sneaker oder anderer Schnickschnack - sobald niemand mehr bereit ist, überteuerte Preise zu zahlen, bricht für die Scalper das gesamte Geschäftsmodell zusammen. Aber wird ein "Wiederverkäufer-Boykott" passieren? Natürlich nicht. Wer das Geld hat, kauft auch Scalper-Ware. Am Ende vom Tag kann das Geschäft mit dem "Fan-Dasein" nur durch ausreichend Stückzahlen der gewünschten Waren und einem Ende der künstlichen Verknappung gestoppt werden. Sobald ausreichend Playstation-5-Konsolen oder Highend-Grafikkarten im Umlauf sind, werden auch Scalper das Interesse an diesen Produkten verlieren, da sie zu wenig Gewinn abwerfen. Dieser Trend zeigte sich bereits Anfang März 2021: In einigen Scalper-Gruppen fiel bereits der Verkaufspreis für eine PS5 von 800 auf 700 Dollar.
Doch die beste Lösung bleibt immer noch: Übt euch in Geduld, erliegt nicht dem Kaufreflex und wartet einfach ab. Ob Konsole, Grafikkarte, Sneaker oder Sammelkarten - keines dieser Unterhaltungsprodukte ist es wert, sich dafür sehenden Auges über den Tisch ziehen zu lassen. Gebt Scalpern keine Chance - und erst recht nicht euer Geld!

Und Arbeitslose gibt es genug, auch gut Qualifizierte, das sehe ich eher als das kleinere Problem.
Das Größte Problem ist eben das die Großen Firmen alle an der Börse sind und deren Geldgeier verzichten eben auf keinen Cent Gewinn. Das ist das Hauptproblem, oder sagen wir es so wie es ist, es ist das einzige Problem, sonst hätten wir die ganze Weltweite Auslagerung ja nicht.
Aber man kann nicht für Umweltschutz und gegen Ausbeutung und gegen Kinderarbeit sein und dann losgehen und ein Shirt für 3€ kaufen gehen. Das ist leider eine ganz Große Scheinheiligkeit in unserer Gesellschaft.
Aber man kriegt eben auch Shirts in Trigema Qualität für den halben Preis. Und das ist ja letztlich nur eine Branche. Viele Güter würden sich nun mal im Preis merklich erhöhen und ich denke, unsere Gesellschaft ist nicht bereit das zu zahlen.
Davon ab, dass man dann auch erst Mal die Arbeiter dafür finden muss.
Aber man kann nicht für Umweltschutz und gegen Ausbeutung und gegen Kinderarbeit sein und dann losgehen und ein Shirt für 3€ kaufen gehen. Das ist leider eine ganz Große Scheinheiligkeit in unserer Gesellschaft.
Das drumherum wird dann via Selbstverpflichtung des Lieferanten geregelt und man schreibt sich ein gutes Gewissen auf die Fahne.
Die Käufer davon natürlich auch.
Aber man kann nicht für Umweltschutz und gegen Ausbeutung und gegen Kinderarbeit sein und dann losgehen und ein Shirt für 3€ kaufen gehen. Das ist leider eine ganz Große Scheinheiligkeit in unserer Gesellschaft.
So etwas betreiben idR meist Traditions-/Familienunternehmen deren Bodenhaftung noch nicht verloren ist und die Mitarbeiter auch noch einen Wert darstellen.