Pirates of the Caribbean - Salazars Rache: Filmkritik zum bildgewaltigen Finale der Piraten-Saga
Zum fünften Mal torkelt Johnny Depp als dauerbesoffener Captain Jack Sparrow über die Leinwand. Gejagt von einem alten Feind, muss er sich von einer jungen Astronomin und Henry Turner zum Dreizack des Poseidon führen lassen.
Schon seit seiner frühesten Kindheit liest Henry Turner alles, was er über die Legenden der See in die Hände bekommt. Nichts will er lieber, als den Fluch zu lösen, der seinen Vater Will an das Geisterschiff Flying Dutchman bindet. Auch wenn er weiß, wie hoffnungslos die Sache scheint, klammert er sich voller Energie an den Strohhalm, der da heißt: Der Dreizack des Poseidon. Angeblich kann mit dessen Macht auch der stärkste Fluch gebrochen werden. Es gibt da nur zwei Probleme: Um ihn zu finden benötigt er den sagenhaften Kompass des Piraten Jack Sparrow; zudem muss er die Karte entziffern, die kein Mann lesen kann. An dieser Stelle kommt Carina Smith ins Spiel: Eine toughe Astronomin, die zum Glück aller kein Mann ist und den Burschen mal zeigt, wo's lang geht. Schon ihr ganzes Leben lang ist sie auf der Suche nach demselben Artefakt. Dummerweise haben ihr wissenschaftlicher Ehrgeiz und emanzipiertes Auftreten ihr den Ruf als Hexe eingebracht. Am Galgen treffen die beiden Jungspunde schließlich auf Jack Sparrow ...
Inhaltlich überrascht die Story wenig. Jack Sparrow befindet sich auf der Suche nach einem magischen Artefakt, das seinen Hals aus der Schlinge ziehen soll, und wird dabei von einem Wust verschiedener Parteien verfolgt. Klingt wie eine Umschreibung der Teile 2-3? Ist genau das, was in "Salazars Rache" auch geboten wird, wobei manche Wendungen doch reichlich unlogisch oder vorhersehbar daherkommen. Aber mal ganz ehrlich: Wer in "Fluch der Karibik" ins Kino geht, tut das nicht, um zwei Stunden ausgeklügelten Plot zu sehen. Die Fans der Reihe erwarten Spaß, Action und sympathische Charaktere und das ist es auch, was sie größtenteils geboten bekommen.
Gerade das Motiv des Waisenkindes ist in Filmen schon lange überstrapaziert. Was das angeht, kann sich Carina hinter Will Turner, Luke Skywalker, Batman und Harry Potter einreihen. Und dass es sich bei Carina tatsächlich um die Tochter eines alten Bekannten handelt, scheint schon ein bisschen zu viel des Zufalls. Wenigstens wird - wenn auch nicht Carina selbst gegenüber - das Rätsel aufgelöst, sobald es sich als solches entpuppt. Das erspart das zähe Warten auf einen Plot-Twist, den sowieso schon jeder hat kommen sehen.
Positiv fällt dafür der Tod eines bekannten Charakters ins Gewicht, den man als Zuschauer so nicht kommen sieht. Dass eine derartig haarsträubende Mission tatsächlich Opfer fordert, die sich danach nicht auf wundersame Weise unverletzt wieder an Bord hieven, rettet ein ganzes Stück weit das Ende.
Zu den letzten fünf Minuten des Films bleibt - ohne zu viel zu verraten - folgendes zu sagen: Sie befinden sich doch sehr hart an der Kitsch-Grenze, sind aber letztendlich ein befriedigender, runder Abschluss, den Disney bitte so stehen lassen sollte. Jetzt, wo alle Fragen geklärt sind, würde eine Fortsetztung (über die ja angeblich schon spekuliert wird) einfach überhaupt nicht passen. Die After-Credits-Szene, in der die mögliche Rückkehr eines tot geglaubten Schurken angekündigt wird, ist daher fast schon störend. Bitte nicht, Disney!
Ein direkter Anschluss an Teil vier ist übrigens nicht gegeben. Über das Schicksal von Jacks alter Flamme Angelica wird der Zuschauer im Unklaren gelassen. Einzig die geschrumpfte Black Pearl, die in ihrer Buddel müde vor sich hin dümpelt und Captain Barbossas Meere beherrschender Säbel deuten darauf hin, dass die Macher die Handlung von "Fremde Gezeiten" nicht schon völlig vergessen haben.
Optisch ist "Pirates of the Caribbean 5" absolut zu empfehlen, auch 3D lohnt sich hier sehr. Das authentische Wogen des Meereswassers versetzt fast schon in Urlaubsstimmung und das bedrohliche Schnappen der untoten Monsterhaie bleibt auch nach dem Verlassen des Kinosaals noch im Gedächtnis. Einige Szenen, wie beispielsweise Jacks wildes Herumwirbeln an der Guillotine, bei dem er mehrfach fast den Kopf verliert und das Zu-Wasser-Lassen seines brüchigen Schiffes erinnern gar an die Freizeitpark-Vergangenheit des Franchise.
Depp selbst spielt seine Paraderolle weiterhin wie gehabt, allerdings nicht ohne eine gewisse Routine. Er liefert das, was man von ihm erwartet,
Quelle: Disney
Die Neuzugänge: Carina Smyth (Kaya Scodelario) und Henry Turner (Brenton Thwaites) sollen frischen Wind ins Franchise bringen.
mehr aber nicht. Überhaupt rückt die Figur des Captain Jack eher aus dem Fokus der Handlung. Das ist vor allem Miss Carina Smyth geschuldet, die die eigentliche Heldin von Teil fünf darstellt. In vielerlei Hinsicht wirken Henry Turner und die junge Wissenschaftlerin noch wie Will und Elizabeth 2.0., erreichen allerdings nicht ganz Blooms und Knightleys Leinwandchemie. Als starker weiblicher Charakter allerdings legt Kaya Scodelario noch eine kleine Schippe drauf. Genau wie die Gouverneurstochter aus Teil eins ist auch sie eine sture, aufmüpfige Unruhestifterin, steckt ihre Ziele aber noch höher. Carina zeigt sich emanzipiert, kämpft als gebildete, intelligente Frau für die Anerkennung ihrer Forschungen. Leider mit wenig Erfolg. Trotzdem wirkt Brenton Thwaites Henry Tuner neben ihr recht blass.
Quelle: Disney
Captain Salazar (Javier Bardem) hat ein persönliches Motiv für seine Rache an Jack Sparrow. Durch seine Schuld muss der Spanier ein ewiges Dasein als Untoter fristen.
Dass Javier Bardem ein begnadeter Bösewichts-Darsteller ist, weiß die Welt spätestens seit "Skyfall". Wo er im Bond-Fanchise als sadistischer Ex-Agent Jagd auf 007-Chefin M macht, tut er sich eher schwer, der Rolle des Salazar Leben einzuhauchen. Neben Davy Jones und Blackbeard ist der spanische Piratenjäger einfach ein weiterer Gegner, der Rachegelüste gegenüber Sparrow hegt. Die Gegenspieler werden zwar mit jedem Film allmächtiger, origneller aber leider nicht. Bardem tut sein Bestes, so richtig überzeugen kann der Charakter des Salazar aber trotzdem nicht.
Fazit
Wer komplexen Inhalt möchte, soll sich lieber ein Abenteuer wie Inception ansehen. Für Fans des Pirates-Franchise und solche, die einfach nur Spaß haben wollen, ist der Kinobesuch aber ein Muss.
