Geschnittene Games: Indizierung, Beschlagnahme und eure Rechte
"Pfui Spinne! Ein geschnittenes Game kommt mir nicht ins Haus", brüllt ein erwachsener Spieler und schimpft auf die deutsche Politik. Doch scheinbar kennt er seine Rechte nicht. PC Games klärt auf, zeigt euch welche aktuellen Spiele in Deutschland geschnitten sind und wie ihr als Erwachsener trotzdem zur eurer Uncut-Version und damit zu eurem Recht kommt.
Allerdings hat die USK erheblichen Einfluss auf den Handlungsspielraum der BPjM. Sobald ein Spiel nämlich eine Altersfreigabe erhält, kann es nachträglich nicht mehr indiziert werden. Das erklärt auch, warum Hersteller oft dafür kämpfen, eine USK-Kennzeichnung zu erhalten. Dead Space beispielsweise wurde drei Mal geprüft, ehe es eine Freigabe bekam. Electronic Arts legte seinerzeit also zwei Mal Berufung ein. Das dürfen sie von Rechtswegen. Komplizierter wurde es bei Dead Space 2. Als bekannt wurde, dass die USK – ebenfalls nach mehrfacher Prüfung – das Siegel "keine Jugendfreigabe" zücken würde, legte das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen Einspruch ein. Ein Appellationsverfahren wurde eingeleitet, zum ersten Mal in der Geschichte der USK. Dead Space 2 wurde somit zum Präzedenzfall. Bayern wollte mit dem Einspruch eine engere Abstimmung zwischen USK und BPjM erreichen, um so die Möglichkeit einer nachträglichen Indizierung zu gewährleisten. Zehn Tage lang haben die Länder nach Bekanntwerden der Freigabe Zeit, Einspruch zu erheben. Wer das Appelationsverfahren gewann ist bekannt, schließlich ist Dead Space 2 so gut wie ungeschnitten in Deutschland erhältlich – lediglich das Friendly Fire ist im Multiplayer-Modus deaktiviert. Das rote 18er-Siegel prangt auf der Packung.
Sobald ein Spiel allerdings indiziert ist, lohnt sich der Vertrieb in Deutschland kaum mehr. Werbung und die offene Auslage bei den Händlern ist tabu. Auch die Berichterstattung in den Medien wird zurückgefahren, da jeglicher Bericht im Zweifelsfall als Werbung ausgelegt werden kann. Viele Magazine halten sich dementsprechend zurück oder formulieren bei Erwähnungen vorsichtig. Über eine kritische Berichterstattung von derlei jugendgefährdenden Medien wird noch gestritten, eine einheitliche Rechtsprechung gibt es nicht. Berichten Magazine wie PC Games also darüber, bewegen sie sich in einer Grauzone.
Quelle: Activision
In Call of Duty: Black Ops fehlt eine Folter-Sequenz, Splattereffekte wurden zensiert und der Song Sympathy for the Devil von den Rolling Stones wurde entfernt.
Während gewöhnliche Händler indizierte Spiele an Erwachsene "unter der Ladentheke", also auf Nachfrage, verkaufen dürfen, ist der Versandhandel verboten – zumindest dann, wenn keine Vorkehrungen getroffen werden, um sicherzustellen, dass der Kunde tatsächlich volljährig ist. Das gilt auch für Produkte mit dem Siegel "keine Jugendfreigabe". Amazon beispielsweise nutzt hierfür den kostenpflichtigen Spezialversand für Artikel ohne Jugendfreigabe. Die Übergabe der Sendung erfolgt ausschließlich eigenhändig. Das bedeutet, dass der Empfänger bei der Übergabe selbst vor Ort sein und sich ausweisen muss. Ferner muss der Name im Personalausweis exakt mit der Lieferadresse in der Bestellung übereinstimmen. Die Indizierung eines Spieles ist übrigens nicht für immer gültig. Nach spätestens 25 Jahren wird das Medium aus der Liste gestrichen oder muss erneut geprüft werden.
Übrigens kann ein Hersteller auch einen Antrag auf Listenstreichung bei der BPjM einreichen, so geschehen beispielsweise bei den Ego-Shootern Doom und Doom 2. Daraufhin tagte der Rat der BPjM und beriet über das Für und Wider der Indizierung. Am Ende kam man zu dem Schluss, dass von den beiden Spielen, wie von Bethesda behauptet, tatsächlich keine Jugendgefährdung durch gezeigte Gewaltdarstellung mehr ausginge. Eine 2/3-Mehrheit reicht übrigens aus, um die Listenstreichung durchzuführen.
Wenn es in Spielen noch heftiger zugeht, sind weder die USK, noch die BPjM zuständig. Die Strafverfolgungsbehörden greifen dann ein und können ein Spiel beschlagnahmen. Die BPjM kennt zwei Listen. In Liste A finden sind die oben beschrieben Werke. In Liste B finden sich Spiele, die alle oben genannten Punkte erfüllen und darüber hinaus strafrechtlich relevant sein können, beispielsweise durch die Abbildung von Hakenkreuzen. Dann muss ein Gericht entscheiden. Wenn der Richter entscheidet, dass eine Beschlagnahe nicht notwendig ist, wird das Spiel in Liste A umgetragen. Ist das jedoch nicht der Fall, wird das Medium beschlagnahmt. Zwar dürfen Händler derlei Spiele nicht mehr anbieten, der Besitz ist allerdings nicht strafbar. Im Extremfall kann die Polizei das Werk beim Hersteller sicherstellen, um so zu verhindern, dass das Medium weiterhin vertrieben wird. Solange keine strafrechtliche Relevanz festgestellt wurde, werden Spiele aus der Liste B übrigens genauso behandelt wie Spiele in Liste A.
Dementsprechend haben die erwachsenen Spieler recht, wenn sie von Bevormundung sprechen. Doch diese Bevormundung ist – zumindest bei indizierten Spielen – selbstgemacht Wer nämlich die Rechtslage kennt, kann auch in Deutschland an indizierte oder ausländische und damit ungeschnittene Spiele gelangen. Unangenehm ist die Situation in Deutschland sicher. Aber für erwachsene Spieler längst nicht aussichtslos.

Daher ist das ganze eh zu übertrieben.
ist in der dt. Version das schnelle Verschwinden der Leichen die einzige Änderung des Spiels oder kann man in der Uncut-Version da z.B. Gegner Arme/Beine/Köpfe abtrennen :-O ?
Diese Seite sollte all deine Fragen beantworten: Klick
"Verblöden und verrohen" sind hier wiederum Polemik der Politik. Im Endeffekt musst du von der (Lern)psychologischen Seite her argumentieren, wie ich es eben oben versucht habe. Diese Ergebnisse stehen allesamt auf solider wissenschaftlicher Basis und können so nicht von der Hand gewiesen werden, auch wenn Leute die gegen die Zensur von Gewalt argumentieren das gerne ignorieren. Es gibt natürlich keinen direkt kausalen Zusammenhang zwischen einer Gewalttat und einem Videospiel oder Film oder was auch immer. Aber es geht darum, dass der Konsum dieser Medien bei Kindern und Jugendlichen eben eine genrelle Bereitschaft zur Gewalt auslösen kann. Die Gewalttat an sich, lässt sich dann natürlich nicht direkt auf eben diesen Konsum zurückführen, die generelle Einstellung zur Gewalt aber zu Teilen schon.
http://www.amazon.de/Vors...
Manfred Spitzer – Wikipedia
Um mal den Bekanntesten Anzuführen mit seinen zwei umfassenden Werken zu eben diesem Thema. Des weiteren wäre die Pädagogik und die pädagogische Psychologie (insbesondere Lernpsychologie) noch weitere Felder mit denen man sich beschäftigen kann. Und eben diese Leute die richtige Wissenschaft betreiben kommen eben zu dem Schluss, das sowas durch aus einen Einfluss hat. Wie ich dir oben am Beispiel des Modelllernens schon demonstriert habe. Da auf "zig Studien" und einen kurzen Artikel in einem Onlinegamermagazin zu verweißen bekräftigt deine Argumentation nicht im geringsten.