Gehasst und geliebt: Hypes in Spielen: Interviews zum Thema
Unter Spielern rangiert das Wort Hype auf der Liste der unerquicklichsten Begriffe scheinbar noch vor Festplattencrash, BPjM und Analthrombose. Warum das so? PC Games liefert die Antwort.
Quelle: PC Games
Heinrich Lenhardt begann 1984 bei der Zeitschrift Happy Computer, aus der drei Jahre später die Power Play hervorging.
"Wir brauchen Hypes!"
Heinrich Lenhardt ist der wohl bekannteste Spielejournalist Deutschlands und gründete zum Beispiel mit Boris Schneider die Zeitschrift PC Player. Er sagt: Hypes sind klasse, wir sollten uns darüber freuen.
pcgames.de: Hast du Beispiele für Spiele-Hypes aus deiner Anfangszeit als Journalist?
Heinrich Lenhardt: Ein Hype-Klassiker ist Ghostbusters für den Commodore 64, das bald nach dem Kinostart herauskam und von David "Pitfall" Crane entwickelt wurde, einem bekannten Designer. Es entstand ein erfreulich solides Spiel. In den Achtzigern waren auch Umsetzungen von erfolgreichen Spielhallen-Automaten ein riesiges Thema, die dem Hype oft alleine wegen der bescheideneren Heimcomputer-Hardware nicht gerecht wurden. Wer erinnert sich zum Beispiel noch an das Gauntlet-Fieber? Die Mutter aller Hype-Katas-trophen ist das Spiel zum E.T.-Film fürs Atari VCS, das unsäglich schlecht war und sich kaum verkaufte – man sollte nie die Intelligenz seiner Kunden unterschätzen.
pcgames.de: Leser werfen Spielemagazinen schnell Bestechlichkeit vor. Woran liegt's?
Heinrich Lenhardt: Was Spiele-Fans gern übersehen: Im Laufe einer jahrelangen Entwicklung ändern sich Dinge. Da haben dann weder Entwickler noch Journalisten gelogen, wenn ein Feature aufgrund von Zeit-, Budget- oder Feedback-Gründen gestrichen wird. Eine Teilschuld tragen die Medien aber schon, da sie immer mehr zu wertenden Vorschauen übergegangen sind: Hit-Potenzial, Vorabtest, erster Eindruck … da kann man als Leser schon irritiert sein, wenn in der finalen Rezension dann alles viel negativer klingt.
pcgames.de: Wie erklärst du einem Hype-Kritiker, warum ein Magazin den neunten Teil von Spiel XY in drei bis acht Vorschauen lobpreist?
Heinrich Lenhardt: Computerspiele sind ein Hobby. Also etwas, das man gern und freiwillig betreibt. In einem Spielemagazin will ich deshalb primär Positives lesen, nicht seitenlange, zynische Miesepeterei. Hype ist ein negativ besetztes Fremdwort: Ersetze es durch "vorfreudige Aufgeregtheit", schon geht einiges vom schlechten Beigeschmack verloren. Die meisten Spieler wollen nun mal wissen, wie es mit den ihnen bekannten Serien weitergeht und worauf sie sich freuen können. Wenn ein Magazin diese Tatsache ignoriert, sind Auflagenschwund und Existenzsorgen programmiert.
pcgames.de: Wäre ein Leben ohne Hypes besser?
Heinrich Lenhardt: Ohne Hypes wäre die Spielebranche schlichtweg langweiliger. Wir brauchen die Superstars, die milde Hysterie, die Spekulationen und schwärmerischen Fantasien, den Glauben an eine bessere Zukunft. Es gibt ohnehin immer weniger große PC-Spieleproduktionen, freuen wir uns über die Hype-Quellen, die wir noch haben.
Quelle: PC Games
Boris Schneider-Johne kam in die Spielebranche, weil er 1984 für den C64 das bekannte Programm Hypra Load entwickelte.
"Es gibt keine Hypes!"
Boris Schneider-Johne hat Klassiker wie Maniac Mansion, Zak McKracken und Monkey Island 2 übersetzt, war Spielejournalist und arbeitet heute als Produktmanager bei Microsoft. Er sagt: Es gibt keine Hypes, es gibt nur Publikumsinteresse.
pcgames.de: Wenn du dir Foren anschaust, hast du da manchmal auch das Gefühl, dass Spieler auf Hypes fast hasserfüllt reagieren?
Boris Schneider-Johne: Hasserfüllte Proteste gegen sogenannte Hypes kann ich nicht erkennen, sondern nur den klassischen Internet-Effekt: Wer zufrieden ist, sagt nichts, wer unzufrieden ist, wird im Schatten vermeintlicher Anonymität recht laut. Ab und zu lösen diese Nörgler Lawinen aus, wenn ihre Meinung unreflektiert übernommen wird und selbst Journalisten darauf reinfallen, dass 20 sehr lautstarken Protestlern vielleicht zehntausende hochzufriedene Benutzer entgegenstehen. Der wahre Hype ist nicht der, dass Zeitschriften oder Webseiten zu viel über etwas berichten, sondern dass sie aus Versehen negative Stimmen, die eigentlich gar keine Resonanz oder große Bedeutung hätten, durch sensationsheischende Berichterstattung nach oben spülen.
pcgames.de: Hast du dafür ein allgemeines Beispiel?
Boris Schneider-Johne: Wie dramatisch so etwas werden kann, zeigt das Beispiel des Autoherstellers Toyota in den USA, der monatelang attackiert wurde, weil seine Autos angeblich klemmende Gaspedale hatten, offizielle Studien aber bewiesen, dass es sich in jedem Fall um Fahrfehler gehandelt hat. Das ist ein Beispiel für Medienhypes, die sogar echten Schaden anrichten können. Wenn ein Magazin 15 weitere Seiten über die siebte Fortsetzung einer beliebten Spieleserie schreibt, ist das kein Hype, sondern tatsächlich das, was eben die meisten Leser haben wollen.
pcgames.de: Gibt es heutzutage mehr Spiele-Hypes?
Boris Schneider-Johne: Der Effekt hat sich dank der Rückmeldemöglichkeiten des Internets vervielfacht. Zeitschriften testen, welche Titelthemen am meisten Hefte verkauft haben, führen Statistiken über die Leserwünsche und zählen auf ihren Webseiten jeden Klick.
pcgames.de: Von welchen Spielen fühlst du dich gehypt?
Boris Schneider-Johne: Ich bin nicht gehypt – ich bin so lange im Geschäft, dass ich mir eine eigene Meinung bilde und Vorlieben habe, die manchmal nicht dem Mainstream entsprechen. Daher kann ich keine Titel nennen. Ich sehe das Thema einfach nicht: Einige Leute beschweren sich, wenn über ein Spiel, das sie nicht interessiert, viel berichtet wird. Das aber eben, weil es viele andere Leute interessiert. Anders ausgedrückt: Es gibt keine Hypes, es gibt nur Publikumsinteresse.
Galerie: Die Hype-Top-10
Wir wollten von Spielern wissen: Welches is das Hype-Spiel unter den Hype-Spielen? Unsere Liste basiert auf Eigenumfragen in Foren sowie via Twitter und Facebook. Wir haben weder Titel noch eine Definition des Wortes Hype vorgegeben.

Ich kann die Leute auch nicht verstehen, die Spiele nur der Grafik wegen zocken, aber naja ...
Eine negative Wertschätzung fand meinerseits nicht statt.
"Für misch? NON!!! " :B
Oh ich bin berühmt *freu*. Jetzt steht Haralds Artikel hier auch nochmal - zwar n halbes Jahr später als in der Powerplayer aber immerhin. Zum Hype hat jeder seine Meinung , doch es gibt nur eine Wahrheit. Und die wurde versucht zu finden. Natürlich meint jeder Gamer, dass seine Wahrheit am wahrsten ist....
:D
Also für Leute die zwischen Farbtönen (hell und dunkel) unterscheiden können dürfte es nicht so schwer sein in einer Liste auis hellen und dunklen Überschriften sich nur auf die hellen zu konzentrieren ;)
Ich steh auch auf Übersichtlichkeit und ich hatte schon wesentlich schlimmere Questlogs in meinem Leben (Morrowing *hust*)
Ich gebe Dir natürlich sofern Recht dass es nicht optimal gelöst ist und man es sehr viel Übersichtlicher hätte machen können. Dafür wird einem in der Karte genau angezeigt wo man jeder Quest machen soll, also vom Quest erledigen her ist es schon sehr "übersichtlich'" :D
den wert eines spiels ausschließlich an der der qualität des questlogs festzumachen, halte ich für reichlich überspannt. außerdem finde ich den questlog von tw2 zwar auch unübersichtlich, aber doch verwertbar. auf meinen fortschritt im spiel (hab jetzt 30 stunden runter) hat das kaum bis keinen einfluss. wenn das spiel deiner meinung nach wg. solcher nichtigkeit in die grabbelkiste gehört, dann müssten da folgerichtig alle games landen: solche nickligkeiten gibt´s in jedem spiel.
die vorschau zu tw2 fand ich übrigens informativ und realitätsnah, was man nicht von allen vorschauen bei pcg behaupten kann - aber doch von vielen.
ich kann mich leider nicht der friede-freude-eierkuchen-mentalität anschließen, was hype angeht. es geht bei hype eben nicht darum, dass "ein paar millionen die köpfe zusammenstecken" und sich wie die kinder über etwas neues kommendes freuen.
hype ist in kurzlebig dasselbe, was eine marke auf dauer ausmacht: ein bewusst gesteuerter, positiv wirkender (massen-)eindruck von einem verkaufsobjekt, der wenig bis nichts mit dessen realen eigenschaften zu tun hat. dieser eindruck wird durch ansprechen von unbewussten reizen erzeugt, deren wirkung sich die zielperson (der potenzielle käufer) bewusst nicht entziehen kann. bestes beispiel dafür sind die apple-produkte wie ipad oder iphone, die von den allermeisten nicht gekauft werden, weil sie besser sind als konkurrenzprodukte, sondern weil man sich damit (angeblich) so schön von der breiten masse abheben kann (wir sind anders, wir sind modern: angespielt wird auf den individualisierungstrieb) - ein hype eben.
mittlerweile haben auch die publisher von spielen gemerkt, dass sich ihre (oft - aber nicht immer - nur durchschnittlichen) produkte über die erzeugung von hype deutlich besser verkaufen lassen. bsp dragon age (1 und 2): man muss nur die publikationskanäle oft genug wiederholen lassen, dass dies ein spiel in bester tradition (anspielung auf eine alte marke wie baldur´s gate) mit viel klassischem rollenspieltiefgang und gleichzeitig hohem wiederspielwert ist, dann wird das irgendwann geglaubt. angespielt wird dabei auf den unterbewussten wunsch, testierte qualität zu kaufen. das kann zwar objektiv keiner von den potenziellen käufern beurteilen, aber das testat wird trotzdem geschluckt. erst nach dem schlucken dieser marketing-pille findet die aktive beteiligung der spieler durch weitererzählen des hörensagens statt. in szene gesetzt wurde der hype aber von publishern im verbund mit den medien.
auch wenn´s euch vll. nicht so gefällt: an der entstehung von hype seid ihr redakteure sicher deutlich mehr beteiligt als eure konsumenten. das hat mit der vermutung, dass redakteure "mit goldbarren blutig beworfen werden" rein gar nichts zu tun - der ausdruck im artikel war wohl eine typische schutzbehauptung. dass der hype dann von der breiten spielermasse "weitergepflegt" wird, ist unbestritten.