Gehasst und geliebt: Hypes in Spielen - Nichts ist perfekt
Unter Spielern rangiert das Wort Hype auf der Liste der unerquicklichsten Begriffe scheinbar noch vor Festplattencrash, BPjM und Analthrombose. Warum das so? PC Games liefert die Antwort.
Nichts ist perfekt
Quelle: Ion Storm
Platz 8 der Hype-Top 10: Daikatana - Von John Romero als DER Ego-Shooter schlechthin angepriesen, sprang nicht nur die Presse auf den Hype-Zug auf, auch die Spieler glaubten dem vermeintlichen Programmier-Gott.
Auch wenn Michael Bonke aus Saarbrücken zugibt, dass das Wort "Hype" für ihn negativ belegt ist ("Ich übersetze es mit ‚viel Lärm um nichts'.") und immer mal wieder gepushte Rohrkrepierer erscheinen (Daikatana, Wertungsschnitt: 54 Punkte*), sehen es die meisten Spieler so: Hypes haben nicht deshalb einen schlechten Ruf, weil am Ende immer "Schrott" herauskommt, es geht allein um Ernüchterung. "Ein gehyptes Spiel wird immer ein bisschen enttäuschen, weil es sich jeder als perfekt vorstellt und es Perfektion nicht gibt", betont der Österreicher Florian Weiss (20).
Ausgerechnet die Spiele, die viele als unbegründet gehypt empfinden, bezeichnen andere ausdrücklich als zu Recht mit Vorschusslorbeeren bedacht. Im Fall von Crysis (Wertungsschnitt: 90*), dem das Stigma eines "Grafikblenders" anhaftet, teilten besonders viele Spieler mit, dass es mehr biete als sein schlechter Ruf. "Leider hat der Begriff Hype einen negativen Beigeschmack, der oft mit extremen Erwartungen einhergeht", weiß Franzsika Lehnert, Pressesprecherin beim Frankfurter Entwickler Crytek. Deren PR-Spezialisten ist wichtig, dass die Zielgruppe hinsichtlich des zweiten Teils mehr erfährt als nur von den Vorzügen der Cry-Engine 3. Entscheidend wird ebenso sein, wie viel Vorfreude die Spieler wegen des neuen Nanosuits, des Szenarios New York und der von Romanautor Richard Morgan (Das Unsterblichkeitsprogramm) geschriebenen Story entwickeln.
Platz 4 der Hype-Top 10: Crysis - Konnte bereits im Vorfeld mit seiner Optik überzeugen und ließ Spieler auf eine Ego-Shooter-Offenbarung hoffen.
Franziska Lehnerts Kollege Jens Schäfer ergänzt: "Einen Hype kann man eigentlich nur kanalisieren, erzeugt wird er durch Konsumenten. Häufig generiert er sich sogar eher aus einem Informationsmangel, da er das Interesse steigert." Der Erfolg des Vorgängers mache die Arbeit etwas leichter, weil man angesichts einer breiten Fan-Basis nicht von vorne beginnen müsse. Witzige Randnotiz: Bewerten wir einen Film, ein Buch oder ein Spiel positiv und wird dadurch auch unsere Wahrnehmung einer Fortsetzung positiv verfälscht, nennen Psychologen das "Halo-Effekt". Hat nichts mit dem Microsoft-Shooter zu tun!
Wer ist schuld?
Bei der Frage, wer Hypes verursacht, gibt es unter Spielern unterschiedliche Meinungen. Einige sehen es sogar wie das Crytek-PR-Team. "Die Community ist der stärkste Faktor", meint Student Tobias Kuhles (19) aus Bad Langensalza in Thüringen. Der Dortmunder Marc Oliver Schmale (37) sagt: "Jeder Marketingstudent lernt in den ersten Stunden, dass Mundpropaganda kostenlos und unbezahlbar ist." Größtenteils herrscht die Ansicht, die auch Michael Weber aus Schriesheim bei Heidelberg vertritt: Dass Hypes aus einem "Abhängigkeitsverhältnis und der Wechselwirkung zwischen allen Parteien entstehen" (Publisher, Medien und Spieler) und kaum nachvollziehbar sei, wo sie beginnen – ergo handelt es sich um ein typisches Henne-Ei-Problem, sodass eigentlich keiner schuld ist. Prima, oder?
In diesem Artikel
Galerie: Die Hype-Top-10
Wir wollten von Spielern wissen: Welches is das Hype-Spiel unter den Hype-Spielen? Unsere Liste basiert auf Eigenumfragen in Foren sowie via Twitter und Facebook. Wir haben weder Titel noch eine Definition des Wortes Hype vorgegeben.

Ich kann die Leute auch nicht verstehen, die Spiele nur der Grafik wegen zocken, aber naja ...
Eine negative Wertschätzung fand meinerseits nicht statt.
"Für misch? NON!!! " :B
Oh ich bin berühmt *freu*. Jetzt steht Haralds Artikel hier auch nochmal - zwar n halbes Jahr später als in der Powerplayer aber immerhin. Zum Hype hat jeder seine Meinung , doch es gibt nur eine Wahrheit. Und die wurde versucht zu finden. Natürlich meint jeder Gamer, dass seine Wahrheit am wahrsten ist....
:D
Also für Leute die zwischen Farbtönen (hell und dunkel) unterscheiden können dürfte es nicht so schwer sein in einer Liste auis hellen und dunklen Überschriften sich nur auf die hellen zu konzentrieren ;)
Ich steh auch auf Übersichtlichkeit und ich hatte schon wesentlich schlimmere Questlogs in meinem Leben (Morrowing *hust*)
Ich gebe Dir natürlich sofern Recht dass es nicht optimal gelöst ist und man es sehr viel Übersichtlicher hätte machen können. Dafür wird einem in der Karte genau angezeigt wo man jeder Quest machen soll, also vom Quest erledigen her ist es schon sehr "übersichtlich'" :D
den wert eines spiels ausschließlich an der der qualität des questlogs festzumachen, halte ich für reichlich überspannt. außerdem finde ich den questlog von tw2 zwar auch unübersichtlich, aber doch verwertbar. auf meinen fortschritt im spiel (hab jetzt 30 stunden runter) hat das kaum bis keinen einfluss. wenn das spiel deiner meinung nach wg. solcher nichtigkeit in die grabbelkiste gehört, dann müssten da folgerichtig alle games landen: solche nickligkeiten gibt´s in jedem spiel.
die vorschau zu tw2 fand ich übrigens informativ und realitätsnah, was man nicht von allen vorschauen bei pcg behaupten kann - aber doch von vielen.
ich kann mich leider nicht der friede-freude-eierkuchen-mentalität anschließen, was hype angeht. es geht bei hype eben nicht darum, dass "ein paar millionen die köpfe zusammenstecken" und sich wie die kinder über etwas neues kommendes freuen.
hype ist in kurzlebig dasselbe, was eine marke auf dauer ausmacht: ein bewusst gesteuerter, positiv wirkender (massen-)eindruck von einem verkaufsobjekt, der wenig bis nichts mit dessen realen eigenschaften zu tun hat. dieser eindruck wird durch ansprechen von unbewussten reizen erzeugt, deren wirkung sich die zielperson (der potenzielle käufer) bewusst nicht entziehen kann. bestes beispiel dafür sind die apple-produkte wie ipad oder iphone, die von den allermeisten nicht gekauft werden, weil sie besser sind als konkurrenzprodukte, sondern weil man sich damit (angeblich) so schön von der breiten masse abheben kann (wir sind anders, wir sind modern: angespielt wird auf den individualisierungstrieb) - ein hype eben.
mittlerweile haben auch die publisher von spielen gemerkt, dass sich ihre (oft - aber nicht immer - nur durchschnittlichen) produkte über die erzeugung von hype deutlich besser verkaufen lassen. bsp dragon age (1 und 2): man muss nur die publikationskanäle oft genug wiederholen lassen, dass dies ein spiel in bester tradition (anspielung auf eine alte marke wie baldur´s gate) mit viel klassischem rollenspieltiefgang und gleichzeitig hohem wiederspielwert ist, dann wird das irgendwann geglaubt. angespielt wird dabei auf den unterbewussten wunsch, testierte qualität zu kaufen. das kann zwar objektiv keiner von den potenziellen käufern beurteilen, aber das testat wird trotzdem geschluckt. erst nach dem schlucken dieser marketing-pille findet die aktive beteiligung der spieler durch weitererzählen des hörensagens statt. in szene gesetzt wurde der hype aber von publishern im verbund mit den medien.
auch wenn´s euch vll. nicht so gefällt: an der entstehung von hype seid ihr redakteure sicher deutlich mehr beteiligt als eure konsumenten. das hat mit der vermutung, dass redakteure "mit goldbarren blutig beworfen werden" rein gar nichts zu tun - der ausdruck im artikel war wohl eine typische schutzbehauptung. dass der hype dann von der breiten spielermasse "weitergepflegt" wird, ist unbestritten.