Die Kunst des Ekelns - Training für die Nackenhaare - Seite 2
Sich so richtig zu ekeln, ist keine schöne Sache. Übelkeit, Schwindel, das Rümpfen der Nase und verkrampfte Körperteile sind nur einige der Symptome, wenn wir starken Widerwillen verspüren. Warum wir uns manchmal trotzdem ekeln wollen und was das mit uns macht, erklären wir euch in unserem Special und stellen euch einige der "ekelhaftesten" Spiele vor. Mit Video!
Ekel und Sex
Besonders übel sind Bilder, die wir mit Verletzungen und Krankheiten unseres eigenen Körpers verbinden. Während Outlast in dieser Disziplin königlich stark vorlegt und wir anschauen müssen, wie Richard Trager uns ein paar Finger abschneidet, küren wir Dante's Inferno im Bereich Verstümmelung zum alleinigen Ekel-Sieger. Nicht nur sehen wir Dante im Intro dabei zu, wie er sich ein Kreuz in die nackte Brust näht, sondern kämpfen später gegen die Personifizierung aller Geschlechtskrankheiten. Im zweiten Kreis der Hölle regiert Kleopatra als Königin der Lust - so ansehnlich, wie sie zu Lebzeiten war, ist sie es jetzt leider nicht mehr, stattdessen hat sie Ausschlag im Gesicht und verfärbte Fingernägel. Wollust und Ekel passen nicht nur überhaupt nicht zusammen, sondern unterdrücken sich jeweils gegenseitig.
In diesem Artikel
Wo man sexuelle Lust verspürt, unterdrückt man Gedanken über unangenehme Körperflüssigkeiten, und in Dante's Inferno kommt im Umkehrschluss kein Wunsch nach einer Nacht mit Kleo auf. Das Konzept Ekel und Horror mit Erotik zu verbinden, wurde dennoch schon einige Male erprobt.
Quelle: PC Games
Cassus Vicus aus Clive Barker’s Jericho hängt nicht etwa unfreiwillig an der Decke. Der BDSM-Bezug soll dadurch ins Abartige gelenkt werden, dass er fett ist. Auch neuere Titel schaffen selten eine weniger plumpe Metapher.
Titel wie Lust for Darkness oder Agony werben mit einer Mischung aus pulsierendem Gewebe, verstörenden Sexfantasien und erotischen Frauenbildern. Leider fehlt es diesen Spielen fast immer an Innovation: Wo echter Ekel und sexuelle Reize verschmelzen könnten, bleibt beides auf der Strecke. Die eigentlich abstoßende Umgebung tritt aufgrund ihrer Redundanz in den Hintergrund und Brüste als einziges Sexsymbol geben einfach zu wenig her. Nach dem Vorbild von Cassus Vicus aus Clive Barker's Jericho entstehen die immer gleichen "Erwachsenen-Horror-Spiele", die schon längst nicht mehr schockieren. Die Story bleibt dabei stets auf der Strecke, sexistische Klischees geben sich die Klinke in die Hand und Furcht empfindet man nur angesichts ödem Gameplays.
Ekel um des Ekels willen
Der siebte Teil der Resident-Evil-Reihe schreckt vor nichts zurück, wenn es um Ekel geht. Insekten, Tentakel, Gedärme und Schleim sind nur eine kleine Auswahl, die uns in Biohazard erwarten. Wer schon jemals in den Körper einer kopflosen Leiche greifen wollte und sich gefragt hat, wie Berge von verdorbenen Essen aussehen, der fühlt sich in diesem Spiel pudelwohl. Mit einem harten Magen darf man sich zusätzlich ins Schlafzimmer-DLC wagen: Eingesperrt in einem kleinen Raum habt ihr die simple Aufgabe zu fliehen. Marguerite wird dabei immer überprüfen, dass ihr im Zimmer nichts verändert habt und füttert euch nebenbei mit dem Ekelhaftesten, was die Horrorküche zu bieten hat.
Quelle: PC Games
Der Horror für Trypophobiker und alle Menschen, die Brustwarzen haben … Diese Szene ist mit das Ekelerregendste, was die Spielwelt so zu bieten hat.
Capcom traut sich mit diesem Titel, Ekel so drastisch darzustellen, dass er auch abseits vom Horrorsetting funktionieren würde. Bis wir technologisch irgendwann so weit sind, dass wir beim zocken bestimmte Gerüche in der Nase haben, ist die Aversion gegen ekelhafte Dinge in Spielen zumeist nur ein Abklatsch gegenüber echten Erfahrungen. Wir denken aber, dass wir dankend auf eine gesteigerte Immersion verzichten, wenn wir dafür niemals an einem verwesenden Leichnam schnuppern müssen.
Die hohe Kunst des Ekelns schreibt sich zuletzt Scorn auf die Fahne: Seit acht Jahren in der Entwicklung soll der Debüttitel von Ebb Software ein Fest des Sich-Schüttelns werden. Missgestaltete Kreaturen, die dynamisch auf den Spieler reagieren, jagen uns durch Komplexe aus organischen Gebilden. Knochige Strukturen, die mit dünner Haut überzogen scheinen; arterienartige Wurzeln, die sich über Boden und Wände ziehen; gepaart mit termitenartigen Krabblern präsentieren die Welt als kranken Organismus, der uns abstoßen will. Etliche Schläuche und Mechaniken erinnern uns hingegen an eine beklemmende Alien-Dystopie und grausame Experimente. Dass wir Türen und Wände bedienen, indem wir unsere Arme in pulsierende Geflechte stecken und sogar unsere Waffe ein Eigenleben hat, steigert unsere Faszination für das Abartige fast ins Grenzenlose.
Natürlich lässt sich die Liste von ekelhaften Begegnungen in Spielen beliebig ausweiten und vor allem im Horrorgenre werden wir nicht müde, immer neue Beispiele auszugraben. Das ist gar nicht so verwunderlich, schließlich zielen viele Gruselspiele auf bestimmte Phobien ab, die zwar primär mit Angst zusammenhängen, aber auch Ekel triggern können. Dass so ziemlich jedes Horrorspiel wenigstens ein paar Zombies integriert und warum dieser Monster-Typ so gut funktioniert, hat man in Studien ebenfalls herausgefunden: Wer sich ekelt, hat stärkere Gedanken an den Tod und an sein eigenes Ableben. Zombies erfüllen somit eine Doppelfunktion und schüren Angst vor sich selbst - der ideale Mob-Gegner!

Die Forschung ist sich übrigens nicht ganz einig, bis zu welchem Grad was anerzogen und was angeboren ist. Das ist bereits ein Unterschied, wenn man Psychologen, Soziologen und Biologen befragt. Die Wahrheit liegt also dazwischen und ist nicht bei den Ansichten einzelner Forscher zu suchen.
Daher möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Artikel von seiner recherche über die einfache Google-Suche hinausgeht.
Trotzdem werde ich in zukünftigen Artikeln darauf achten, dass ich mich nicht so schwammig ausdrücke!
Beachte den fett markierten Text.
Und genau das meinte ich. Unser Körper ist schlauer, als man manchmal meint zu glauben. Angst ist natürlich subjektiv und situationsabhängig, aber vor gewissen Dingen warnt uns unser Körper nunmal ganz instinktiv.
Das Gefühl des Ekels an sich ist natürlich angeboren. Dem widerspreche ich gar nicht. Aber wovor wir uns ekeln, ist eben ganz individuell. Tatsächlich können bestimmte Dinge eventuell angeboren sein, im Sinne von "weiter vererbt". Aber gut, das geht schon in die Genetik und da bin ich nicht ganz drin.
Vor allem aber ist es eine Frage der Persönlichkeit der Person, deren gemachte Erfahrungen und der Erziehung, wovor genau man sich ekelt. Bei Ängsten sieht es schon etwas anders aus.
Abgesehen davon, dass das doch meiner Aussage überhaupt nicht widerspricht. Im Gegenteil.
Aber auch da muss man, was das Abtrainieren angeht, im Hinterkopf behalten, das viele Ängste oder Ekel auf Instinkten beruhen, die man eben nicht einfach ausknipsen oder überlisten kann...
Ekel an sich ist angeboren. Auch Angst. Ich hab das Gegenteil nie behauptet. Aber WOVOR man sich ekelt und wovor man Angst hat, ist doch ein anderes Paar Schuhe und das ist ansozialisiert oder beruht zumindest auf anderen Faktoren als Instinkten.
Dein Wiki-Eintrag definiert ja auch gar nicht, wovor man sich von Natur aus ekelt. Man ekelt sich eben nicht "von Natur aus" vor Spinnen oder nem Haufen Kot.
Beachte den fett markierten Text.
Und genau das meinte ich. Unser Körper ist schlauer, als man manchmal meint zu glauben. Angst ist natürlich subjektiv und situationsabhängig, aber vor gewissen Dingen warnt uns unser Körper nunmal ganz instinktiv.
Der Vergleich mit dem Kot und dem Baby ist übrigens unpassend, weil Babys generell nicht in der Lage sind, Emotionen einzuordnen und damit auch gar nicht umgehen können. Das ist ein Lernprozess, der je nach Kind gut und gerne 3-4 Jahre dauert. Erst dann ist ein Mensch in der Lage, Emotionen überhaupt einzuordnen und entsprechend darauf zu reagieren, bei Kleinkindern zB schlagen oder treten, um Wut auszudrücken.
Ich stimme Dir übrigens auch bedingt zu, was das "Erlernen" von Ängsten oder Ekel angeht, sei es nun durch Erziehung oder zB. die Gesellschaft (in China essen sie Hunde..).
Aber auch da muss man, was das Abtrainieren angeht, im Hinterkopf behalten, das viele Ängste oder Ekel auf Instinkten beruhen, die man eben nicht einfach ausknipsen oder überlisten kann...
Ein ganz wiederliches Beispiel dafür ist zB. Waterboarding. Damit kann man gezielt den Instinkt des Opfers manipulieren.. ich habe mal ein Video gesehen, in dem sich das Jemand freiwillig angetan hat, um zu demonstrieren, was dabei passiert. Es war ein Arzt anwesend und der Testproband wusste ganz genau, dass nur eine Handbewegung reicht, um das ganze abzubrechen. Das Experiment wurde dann nach 5 Sekunden beendet, weil der Körper eben unabhängig vom Bewussten agiert, was die Instinkte angeht
Nein, nicht vermutlich.
Instinkte sind NICHT ansozialisiert, sondern angeboren.
Was Du meinst, ist eine emotionale Reaktion auf diese Instinkte, also wie ein Mensch ab einem gewissen Alter damit umgeht. Das ist ein himmelweiter Unterschied.
Aber selbst das bedeutet nicht, dass Menschen ihre Phobien mal eben einfach abtrainieren können. Es gibt Menschen, die nur beim Anblick einer Spinne eine Pulsfrequenz haben, die jenseits von gut und böse ist. Erzähl solchen Leuten mal, dass sie sich das abtrainieren sollen.
Denn genau wie Ekel ist auch Angst ein Instinkt, der den Steinzeitmenschen in Gefahrensituationen Kräfte zur Flucht mobilisiert.
Instinkte trainiert man auch nicht ab, man ändert höchstens die emotionale Reaktion auf den Instinkt. Das geht aber weder mit jeder Phobie noch kann das jeder Mensch. Denn die Instinkt-Reaktion (physisch) lässt sich nicht so einfach überlisten. Und während Du ne Vogelspinne in 10 Meter Entfernung auf die Hand nimmst, schüttet der Körper eines Phobie-Patienten bereits Adrenalin aus, um eine Flucht zu ermöglichen. Sowas kann übrigens auch zu Kreislaufversagen und Herzanfällen führen, das bilden sich die Leute nicht einfach ein.
Ekel an sich ist angeboren. Auch Angst. Ich hab das Gegenteil nie behauptet. Aber WOVOR man sich ekelt und wovor man Angst hat, ist doch ein anderes Paar Schuhe und das ist ansozialisiert oder beruht zumindest auf anderen Faktoren als Instinkten.
Dein Wiki-Eintrag definiert ja auch gar nicht, wovor man sich von Natur aus ekelt. Man ekelt sich eben nicht "von Natur aus" vor Spinnen oder nem Haufen Kot.
Der Ekel vor Spinnen ist anerzogen. Es gibt zig Kinder, die keinen Ekel vor Spinnen haben.
Gewisse Dinge sind vermutlich in der Tat angeboren. Aber das meiste - ebenso wie Angst - ist anerzogen. Auch der Ekel vor Kot ist anerzogen. Kleinkinder ekeln sich davor nicht. Die fassen dann auch mal rein und oder drücken einem eiskalt die vollgekackte Windel in die Hand.
Hier spielen die Bezugspersonen ne ganz große Rolle als Vorbilder.
Nein, nicht vermutlich.
Instinkte sind NICHT ansozialisiert, sondern angeboren.
Was Du meinst, ist eine emotionale Reaktion auf diese Instinkte, also wie ein Mensch ab einem gewissen Alter damit umgeht. Das ist ein himmelweiter Unterschied.
Aber selbst das bedeutet nicht, dass Menschen ihre Phobien mal eben einfach abtrainieren können. Es gibt Menschen, die nur beim Anblick einer Spinne eine Pulsfrequenz haben, die jenseits von gut und böse ist. Erzähl solchen Leuten mal, dass sie sich das abtrainieren sollen.
Denn genau wie Ekel ist auch Angst ein Instinkt, der den Steinzeitmenschen in Gefahrensituationen Kräfte zur Flucht mobilisiert.
Instinkte trainiert man auch nicht ab, man ändert höchstens die emotionale Reaktion auf den Instinkt. Das geht aber weder mit jeder Phobie noch kann das jeder Mensch. Denn die Instinkt-Reaktion (physisch) lässt sich nicht so einfach überlisten. Und während Du ne Vogelspinne in 10 Meter Entfernung auf die Hand nimmst, schüttet der Körper eines Phobie-Patienten bereits Adrenalin aus, um eine Flucht zu ermöglichen. Sowas kann übrigens auch zu Kreislaufversagen und Herzanfällen führen, das bilden sich die Leute nicht einfach ein.