Die Kunst des Ekelns - Diese Spiele sind anziehend und abstoßend zugleich - mit Video
Sich so richtig zu ekeln, ist keine schöne Sache. Übelkeit, Schwindel, das Rümpfen der Nase und verkrampfte Körperteile sind nur einige der Symptome, wenn wir starken Widerwillen verspüren. Warum wir uns manchmal trotzdem ekeln wollen und was das mit uns macht, erklären wir euch in unserem Special und stellen euch einige der "ekelhaftesten" Spiele vor. Mit Video!
Spinnen, Maden, Exkremente - alles Dinge, vor denen wir uns in der Regel sehr ekeln. Tatsächlich hängt diese Abwehrreaktion aber nicht nur mit anderen Gefühlen wie Angst oder Freude zusammen, sondern fasziniert auch sehr viele Menschen. Eine ganz eigenwillige Wirkung haben abstoßende Bilder auf Liebhaber von Gore- und Slasher-Filmen. Gerne ziehen sich diese Gruppen entgleisende Gewalt, abartige Verstümmelungen und schlimmeres rein. Der Reiz dieser Genres ist die körperliche Reaktion auf das Gezeigte. Wie bei Horror, Comedy oder Tragödien reagiert der Körper eigenständig auf das erlebte und wir sind nur Beifahrer, während sich unsere Brust zusammenschnürt und wir unwillkürlich die Nase rümpfen.
In diesem Artikel
Ekel als Emotionsverstärker
Dass sich nicht alle Menschen vor den gleichen Dingen ekeln, liegt daran, dass Ekel keine angeborene Eigenschaft ist. Zwar verziehen Neugeborene das Gesicht, wenn sie bittere oder saure Sachen probieren, das braune Zeug in der Hose ist deshalb aber noch lange nicht abstoßend. Ekel ist
Quelle: PC Games
Alleine das Thema eines totgeborenen Babys ist schon ein Tabubruch, aber mit der expliziten Darstellung eines Albtraum-Fötus überrascht uns The Witcher 3 dann doch.
stattdessen anerzogen und je sozialisierter eine Gesellschaft, desto mehr Ekelreize existieren. Das Schlachten eines Tieres oder das Leeren eines Nachttopfs sind erst widerlich, seitdem die Stadtbevölkerung dies nicht mehr nötig hat: Erst das Tabu etabliert eine körperliche Abwehrreaktion.
Und wo ein Tabu existiert, gibt es auch immer einen Spieleentwickler, der es brechen will. There's Poop In My Soup und Genital Jousting sind dabei nur die offensichtlichsten Vertreter dieser Strömung. So richtig eklig wird es aber meistens erst in Horrorspielen und genrenahen Titeln. In The Witcher 3 haben wir angesichts der Muhmen und halbverrottenden Leichen zum Beispiel gedacht, es wird schon nicht schlimmer - bis wir uns mit einem Botchling auseinandersetzen mussten.
Eine verwaiste Frühgeburt und ungewollte Schwangerschaft sind für CD Project wohl nicht genug gebrochene Tabus, stattdessen präsentiert man uns eine blutsaugende, halbverweste rote Masse. Der Schockmoment wirkt und es fällt uns zunächst schwer, mit der Kreatur mitzufühlen. Doch gerade die körperliche Aversion gegenüber dem Frühchen lässt das Geschehen umso tragischer erscheinen, wenn der blutige Baron das Kind schließlich anerkennt.
Moralische Bedenken
Als Geralt erwischt uns der eklige Moment recht kalt, immerhin wirken die Welt und die vielen Menschen darin gar nicht so düster und abschreckend, wie in anderen Spielen, die eine richtige Erwartungshaltung aufbauen. Das recht harmlose Bioshock etabliert zum Beispiel früh das Gedankenspiel, was passierte, wenn ein Schönheitschirurg sich zum nächsten Picasso ausruft. Der Kunstkenner sollte an dieser Stelle zusammenzucken und tatsächlich ähneln die Resultate nicht wirklich unseren gängigen Schönheitsidealen.
Quelle: PC Games
Auch eine Schönheitsoperation kann unter den Tabubruch fallen. Die Frage, was Schönheit ist und die grauenvollen Konsequenzen daraus dürfen wir in Bioshock näher betrachten.
Untermalt wird die Szenerie mit einer Audiospur zur genannten OP - Wahnsinn, Ekel, Kunst und Schönheit bringt 2K Games hier in perfekte Harmonie und würzt das Ganze mit einer Prise Gänsehaut. Dass die operierten Frauen starken Widerwillen in uns auslösen, ist unbestreitbar. Und die entstellten Gesichter sind Beispiele für moralischen Ekel. Wir reagieren nicht auf unsere Sinnesreize, sondern dem Widerspruch zu unseren Vorstellungen von "richtigem" Handeln.
Natürlich kann jedes Souls-like mit einzelnen ekligen Monstern aufwarten und lacht über das bisschen Blut, Schweiß und Tränen anderer Titel. Doch während die Bosse in Dark Souls vor allem "badass" und einschüchternd sind, achten wir in Bloodborne penibel darauf, uns nicht zu viele Details der Albtraum-Kreaturen einzuprägen. Hitzige Debatten darüber, welcher Boss für größeren Schrecken sorgt, sind noch lange nicht beigelegt: Obwohl der halbverweste Mutantenkadaver von Ludwig sehr verstörend ist, schafft die Spinne Rom es als deformierte Tarantel jedem Arachnophoben das Blut in den Adern gefrieren zu lassen.
Apropos Horrorspinnen
In The Evil Within erleben wir nicht nur einige gehörige Jumpscares, sondern zucken auch regelmäßig zusammen angesichts der expliziten Darstellungen von Gedärmen, Körperflüssigkeiten und mutiertem Gewebe. Zum Ekelfaktor Spinne, Eiter und Kettensäge gesellt sich Psychoterror und der Schreckmoment einer fraulichen Arachnengestalt, die sich aus einer Blutpfütze erhebt. Laura mag eine schöne Frau gewesen sein, bevor sie im
Quelle: PC Games
Alleine die Idee eines untoten Stativs, dass aus mehreren Menschen zusammengesetzt ist, widert uns an. Die umgesetzte Version herumstolzieren zu sehen, macht es leider nicht besser.
Spiel ihr Wiedererwachen als sechsarmige Kreatur erlebt. Nun sind ihre verbrannte Haut und ihre überlangen Fingernägel ein deutliches Signal an uns: Eklig - nicht anfassen. Dabei ist Laura nicht einmal das deformierteste und abartigste Wesen in der Spiele-Reihe, denn in The Evil Within 2 darf Obscura ihr Debut feiern. Die lebendige Kamera besteht aus drei zusammengenähten Beinen und unzählbar vielen Metallstäben.
Die Ballerinaschühchen und der grausame Geist dieses Konstrukts sind Symbol für die toten Frauen, aus denen Obscura entstand und ihrer Perversion.Obwohl wir auch moralischen Widerwillen empfinden, rufen die Spinnenbewegungen ganz eigene Abwehrreaktionen hervor. Denn Ekel entwickelt sich oft durch Assoziationen - Apfelsaft aus Urinprobegläschen und Schokopudding in Kotform würde niemand freiwillig konsumieren. Und etwas, das wie eine Spinne krabbelt, hat im Zweifelsfall acht Augen und einen großen Kiefer. Laura? Nein, Danke.

Die Forschung ist sich übrigens nicht ganz einig, bis zu welchem Grad was anerzogen und was angeboren ist. Das ist bereits ein Unterschied, wenn man Psychologen, Soziologen und Biologen befragt. Die Wahrheit liegt also dazwischen und ist nicht bei den Ansichten einzelner Forscher zu suchen.
Daher möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Artikel von seiner recherche über die einfache Google-Suche hinausgeht.
Trotzdem werde ich in zukünftigen Artikeln darauf achten, dass ich mich nicht so schwammig ausdrücke!
Beachte den fett markierten Text.
Und genau das meinte ich. Unser Körper ist schlauer, als man manchmal meint zu glauben. Angst ist natürlich subjektiv und situationsabhängig, aber vor gewissen Dingen warnt uns unser Körper nunmal ganz instinktiv.
Das Gefühl des Ekels an sich ist natürlich angeboren. Dem widerspreche ich gar nicht. Aber wovor wir uns ekeln, ist eben ganz individuell. Tatsächlich können bestimmte Dinge eventuell angeboren sein, im Sinne von "weiter vererbt". Aber gut, das geht schon in die Genetik und da bin ich nicht ganz drin.
Vor allem aber ist es eine Frage der Persönlichkeit der Person, deren gemachte Erfahrungen und der Erziehung, wovor genau man sich ekelt. Bei Ängsten sieht es schon etwas anders aus.
Abgesehen davon, dass das doch meiner Aussage überhaupt nicht widerspricht. Im Gegenteil.
Aber auch da muss man, was das Abtrainieren angeht, im Hinterkopf behalten, das viele Ängste oder Ekel auf Instinkten beruhen, die man eben nicht einfach ausknipsen oder überlisten kann...
Ekel an sich ist angeboren. Auch Angst. Ich hab das Gegenteil nie behauptet. Aber WOVOR man sich ekelt und wovor man Angst hat, ist doch ein anderes Paar Schuhe und das ist ansozialisiert oder beruht zumindest auf anderen Faktoren als Instinkten.
Dein Wiki-Eintrag definiert ja auch gar nicht, wovor man sich von Natur aus ekelt. Man ekelt sich eben nicht "von Natur aus" vor Spinnen oder nem Haufen Kot.
Beachte den fett markierten Text.
Und genau das meinte ich. Unser Körper ist schlauer, als man manchmal meint zu glauben. Angst ist natürlich subjektiv und situationsabhängig, aber vor gewissen Dingen warnt uns unser Körper nunmal ganz instinktiv.
Der Vergleich mit dem Kot und dem Baby ist übrigens unpassend, weil Babys generell nicht in der Lage sind, Emotionen einzuordnen und damit auch gar nicht umgehen können. Das ist ein Lernprozess, der je nach Kind gut und gerne 3-4 Jahre dauert. Erst dann ist ein Mensch in der Lage, Emotionen überhaupt einzuordnen und entsprechend darauf zu reagieren, bei Kleinkindern zB schlagen oder treten, um Wut auszudrücken.
Ich stimme Dir übrigens auch bedingt zu, was das "Erlernen" von Ängsten oder Ekel angeht, sei es nun durch Erziehung oder zB. die Gesellschaft (in China essen sie Hunde..).
Aber auch da muss man, was das Abtrainieren angeht, im Hinterkopf behalten, das viele Ängste oder Ekel auf Instinkten beruhen, die man eben nicht einfach ausknipsen oder überlisten kann...
Ein ganz wiederliches Beispiel dafür ist zB. Waterboarding. Damit kann man gezielt den Instinkt des Opfers manipulieren.. ich habe mal ein Video gesehen, in dem sich das Jemand freiwillig angetan hat, um zu demonstrieren, was dabei passiert. Es war ein Arzt anwesend und der Testproband wusste ganz genau, dass nur eine Handbewegung reicht, um das ganze abzubrechen. Das Experiment wurde dann nach 5 Sekunden beendet, weil der Körper eben unabhängig vom Bewussten agiert, was die Instinkte angeht
Nein, nicht vermutlich.
Instinkte sind NICHT ansozialisiert, sondern angeboren.
Was Du meinst, ist eine emotionale Reaktion auf diese Instinkte, also wie ein Mensch ab einem gewissen Alter damit umgeht. Das ist ein himmelweiter Unterschied.
Aber selbst das bedeutet nicht, dass Menschen ihre Phobien mal eben einfach abtrainieren können. Es gibt Menschen, die nur beim Anblick einer Spinne eine Pulsfrequenz haben, die jenseits von gut und böse ist. Erzähl solchen Leuten mal, dass sie sich das abtrainieren sollen.
Denn genau wie Ekel ist auch Angst ein Instinkt, der den Steinzeitmenschen in Gefahrensituationen Kräfte zur Flucht mobilisiert.
Instinkte trainiert man auch nicht ab, man ändert höchstens die emotionale Reaktion auf den Instinkt. Das geht aber weder mit jeder Phobie noch kann das jeder Mensch. Denn die Instinkt-Reaktion (physisch) lässt sich nicht so einfach überlisten. Und während Du ne Vogelspinne in 10 Meter Entfernung auf die Hand nimmst, schüttet der Körper eines Phobie-Patienten bereits Adrenalin aus, um eine Flucht zu ermöglichen. Sowas kann übrigens auch zu Kreislaufversagen und Herzanfällen führen, das bilden sich die Leute nicht einfach ein.
Ekel an sich ist angeboren. Auch Angst. Ich hab das Gegenteil nie behauptet. Aber WOVOR man sich ekelt und wovor man Angst hat, ist doch ein anderes Paar Schuhe und das ist ansozialisiert oder beruht zumindest auf anderen Faktoren als Instinkten.
Dein Wiki-Eintrag definiert ja auch gar nicht, wovor man sich von Natur aus ekelt. Man ekelt sich eben nicht "von Natur aus" vor Spinnen oder nem Haufen Kot.
Der Ekel vor Spinnen ist anerzogen. Es gibt zig Kinder, die keinen Ekel vor Spinnen haben.
Gewisse Dinge sind vermutlich in der Tat angeboren. Aber das meiste - ebenso wie Angst - ist anerzogen. Auch der Ekel vor Kot ist anerzogen. Kleinkinder ekeln sich davor nicht. Die fassen dann auch mal rein und oder drücken einem eiskalt die vollgekackte Windel in die Hand.
Hier spielen die Bezugspersonen ne ganz große Rolle als Vorbilder.
Nein, nicht vermutlich.
Instinkte sind NICHT ansozialisiert, sondern angeboren.
Was Du meinst, ist eine emotionale Reaktion auf diese Instinkte, also wie ein Mensch ab einem gewissen Alter damit umgeht. Das ist ein himmelweiter Unterschied.
Aber selbst das bedeutet nicht, dass Menschen ihre Phobien mal eben einfach abtrainieren können. Es gibt Menschen, die nur beim Anblick einer Spinne eine Pulsfrequenz haben, die jenseits von gut und böse ist. Erzähl solchen Leuten mal, dass sie sich das abtrainieren sollen.
Denn genau wie Ekel ist auch Angst ein Instinkt, der den Steinzeitmenschen in Gefahrensituationen Kräfte zur Flucht mobilisiert.
Instinkte trainiert man auch nicht ab, man ändert höchstens die emotionale Reaktion auf den Instinkt. Das geht aber weder mit jeder Phobie noch kann das jeder Mensch. Denn die Instinkt-Reaktion (physisch) lässt sich nicht so einfach überlisten. Und während Du ne Vogelspinne in 10 Meter Entfernung auf die Hand nimmst, schüttet der Körper eines Phobie-Patienten bereits Adrenalin aus, um eine Flucht zu ermöglichen. Sowas kann übrigens auch zu Kreislaufversagen und Herzanfällen führen, das bilden sich die Leute nicht einfach ein.