Editorial: Keine Bange vor der 19
Keine Bange vor der 19
Dienstag 21. November 2006
"Guten Tag, hier ist der Radiosender Welle Hinterwald, wir bräuchten jemanden, der sich mit ,Killerspielen auskennt ..." - "Können Sie uns bewegte Bilder von diesem Counter-Strike liefern?" - "Haben Sie einen Experten, der uns zeigen könnte, wie man eine Schule im Editor nachbaut?" Der Tag 1 nach Emsdetten erinnert fatal an den April 2004, an die Hysterie nach Erfurt. Wie Medien wirklich ticken und wie unattraktiv sachliche Argumente sind, erleben wir tagtäglich im Umgang mit Funk und Fernsehen: Zwar wird artig registriert, dass in den PC-Charts auf den vorderen Plätzen harmlose Fußballmanager, Aufbau- und Rennspiele stattfinden, doch gemütlich schaukelnde Anno-Pötte oder bunte World of Warcraft-Zauberereien sind nicht interessant genug für Kamera und Mikrofon: Stattdessen sollen wir Headshots, Waffenauswahl-Menüs und blutverschmierte Kacheln vorführen. Wäre "instrumentalisieren" der richtige Begriff dafür? Geduldig und gebetsmühlenartig erklären wir, dass es so etwas wie die USK gibt. Dass gewaltverherrlichende Spiele längst verboten sind. Dass gerade hochrangige Politiker nicht den Hauch einer Ahnung von der Materie haben. Immer wieder wird uns bewusst, wie vielfältig die finanziellen und persönlichen Interessen sind, die die Verbotsforderung am Köcheln halten - etwa bei Zeitungen und Zeitschriften (das Schlagwort "Killerspiel" ist Auflagengarant). Bei Instituten und Verbänden (auch Forschungsprojekte wollen finanziert sein). Bei "Experten" und Politikern (schärft das Profil und garantiert Präsenz). Und nicht zuletzt Fernsehsender, die durch die "Killerspiel"-Debatte den Blick weglenken von der Kritik an brutalen Serien und Filmen im Vormittags- und Nachmittagsprogramm. Der PC-Games-Report ab Seite 22 liefert Fakten.
Donnerstag 30. November 2006
Einen Vormittag nimmt sich Command & Conquer 3-Designer Mike Verdu Zeit für die angereiste Presse. Der Nachmittag gehört dann exklusiv PC Games: Für die Titelstory spielen wir erstmals die Solokampagne inklusive der bislang streng gehüteten Aliens - mehr auf Seite 44.
Freitag 15. Dezember 2006
Wenn zum 1. Januar die Mehrwertsteuer in Deutschland auf 19 Prozent steigt, gilt das auch für Computerspiele. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass die 3 Prozent an Sie, die Kunden, weitergegeben werden - was bei einem 50-Euro-Spiel rein rechnerisch einen Aufschlag von rund 1,30 Euro bedeuten würde. Harter Wettbewerb sorgte schon im abgelaufenen Jahr dafür, dass Neuheiten wie Anno 1701 vielerorts zu Kampfpreisen von unter 40 Euro angeboten wurden. Von höheren Steuern auf Druck- und Papiertarife ist natürlich auch PC Games betroffen; dennoch liegt der Preis der DVD-Ausgabe seit sechs Jahren stabil bei unter 5 Euro - und daran wird sich auch 2007 nichts ändern.
Viel Spaß mit der aktuellen Ausgabe und ein fantastisches Spielejahr 2007 wünscht Ihnen
Ihr PC-Games-Team