PC Games Logbuch: Mein 300-Stunden-Nischenspiel - und warum's keiner versteht

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Kolumne Sascha Lohmüller - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
PC Games Logbuch: Mein 300-Stunden-Nischenspiel - und warum's keiner versteht
Quelle: Twice Circled / PC Games

Gaming-Dauerbrenner hat wohl jeder - RPGs, Online-Rollenspiele, 4X- und Aufbautitel, Mehrspieler-Shooter. Aber habt ihr auch eins, bei dem anderen Leuten nur Fragezeichen im Gesicht stehen?

Dass Spieler in ihre Lieblings-Genres oder -Spielereihen mittlerweile eine drei- oder vierstellige Anzahl an Stunden versenken, das ist ja heutzutage nichts Besonderes mehr. Ein modernes, offenes Rollenspiel nimmt gerne mal 200 Stunden in Anspruch, Civ-Jünger denken sich Hunderte und gar Tausende Stunden lang "Nur noch eine Runde" und MMOs sind ja eh so konzipiert, dass man die Spielzeit nicht mehr in Stunden, sondern in Tagen angibt. Aber des Spaßes halber: In WoW haben meine Charaktere mittlerweile rund 14.000 Stunden auf dem Tacho, bei Everquest waren es bis 2005 etwas über 9.000 - auf einem einzelnen Charakter wohlgemerkt.

Und Ähnliches höre ich auch immer wieder von den Kollegen. Der eine steckt halt Hunderte Stunden in 4X-Spiele, der nächste Tausende in Anno und Co. und ein anderer wiederum Hunderte in Call of Duty oder Battlefield. Aber wie zuvor erwähnt: Das sind alles Mainstream-Spiele, die eben Dauermotivation allein durch das Spieldesign bieten.

Doch dann und wann hört man dann in den Gesprächen einen Spielenamen, bei dem man denkt: "Du hast WIE VIELE Stunden da reingesteckt??" Sei es, weil der Titel objektiv gesehen eigentlich gar nicht so gut ist. Oder weil er eigentlich superschnell abgehakt ist. Oder sogar weil man den Namen noch nie gehört hat. Und genau um diese Spiele soll es hier heute gehen. Gaming-Guilty-Pleasures, Nischentitel, unbekannte Indie-Perlen, in die man dermaßen viel Zeit versenkt hat, dass einen das Gegenüber bei der Erwähnung anschaut, als hätte man ihm gerade seine Vorliebe für Gurken mit Nutella oder das Sammeln von Parkhaus-Tickets gestanden.

In meinem Fall wäre das wohl: Megaquarium.

Ein kleines Indie-Spiel von einem 1-Mann-Entwickler, in dem man - wie der Name es vielleicht vermuten lässt - ein Aquarium aufbaut. Jetzt nicht so ein kleines für Zuhause - da gibt's auch diverse Spiele für -, sondern ein großes, mit Zigtausend-Liter-Tanks, Lagunenanlagen, Zackenbarschen und Haien. Eben eines, für das man Eintritt zahlt. Im Grunde handelt es sich bei Megaquarium um eine relativ simple Wirtschafts-Simulation mit ein bisschen Fischpflege. Meine geschätzte Ex-Kollegin Katha hat das Spiel damals sogar getestet.

Zieht man nun Howlongtobeat heran, dürfte ein Durchgang durch alle zehn Missionen des Hauptspiels rund 30 Stunden lang beschäftigen, per DLC kamen noch mal zwei kurze Kampagnen hinzu, und dann gibt's ja auch noch einen Sandbox-Modus. Insofern ist es nicht mal verwunderlich, wenn die Spielzeit sich am Ende bei stolzen 50-60 Stunden einpendelt.

Bei mir sind es jetzt mittlerweile knapp 263 Stunden. Und ich habe gerade erst die Kampagne noch mal neu gestartet.

263 Stunden Megaquarium - was ist euer Mammut-Nischenspiel? Quelle: PC Games 263 Stunden Megaquarium - was ist euer Mammut-Nischenspiel? Warum mich das Spiel so abholt? Kann ich nicht mal genau sagen, die Grafik ist es zumindest schon mal nicht, denn die ist eher zweckmäßig. Charmant, aber zweckmäßig. Und auch der WiSim-Aspekt ist eher vernachlässigbar - Geldprobleme gibt es nur selten, mit etwas Geduld kriegt man jedes noch so schlecht designte Aquarium ans Laufen. Ein weitaus größerer Grund dürfte die kleine, aber aktive Community hinter dem Spiel sein, die regelmäßig im Workshop neue Tank-Designs, Deko-Gegenstände, aber vor allem Fische nachliefert. Hinzu kommt, dass der Entwickler auch acht Jahre nach Release noch fleißig patcht, mit der Community kommuniziert und kürzlich sogar noch mal einen kleinen DLC nachgeliefert hat.

Grafisch haut das Spiel niemanden vom Hocker. Aber es hat Fische. Quelle: Twice Circled Grafisch haut das Spiel niemanden vom Hocker. Aber es hat Fische.

Außerdem: Aquarien beziehungsweise Fische haben mich schon immer fasziniert, auch jetzt gerade, als ich diese Zeilen im Home Office schreibe, blubbert neben mir die Pumpe meines 200-Liter-Beckens beruhigend vor sich hin. Und in Zoos sind meine Highlights regelmäßig die schummrig beleuchteten Aqua-Höhlen statt der Tiger-Fütterung oder des Elefanten-Geheges.

Das Spiel trifft also wohl vor allem thematisch bei mir irgendeinen Nerv, und der stete Nachschub an frischen Deko-Gegenständen und neuen, abwechslungsreichen, bunten Fischen, die ich in meine Tanks packen kann, lässt mich regelmäßig meine Save-Files löschen, um einen neuen Kampagnen-Run zu starten - selbst wenn ich die Missionen mittlerweile in- und auswendig kenne. Aber dafür sind dann jedes Mal meine Tanks etwas hübscher designt und die Fischvielfalt ist größer. Megaquarium wird also noch eine ganze Weile auf meiner Platte bleiben und mich regelmäßig an Tanks basteln lassen - bis irgendwann eine bessere Aquarien-Sim kommt. Planet Zoo 2 sieht zum Beispiel schon mal vielversprechend aus ...

Wie ist das bei euch? Habt ihr Megaquarium schon mal ausprobiert? Habt ihr selbst solche Spiele, die ihr monate- oder gar jahrelang immer mal wieder anwerft, obwohl sie es eigentlich gar nicht hergeben? Werdet ihr von euren Freunden oder Arbeitskollegen schräg angeguckt, wenn ihr ihnen von eurem neuen Lieblings-Nischenspiel berichtet? Schreibt's gerne in die Kommentare! Und jetzt erst mal ein schönes Wochenende!

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