Nightdive Studios: Vier Remaster pro Jahr als neues Ziel erreicht
Nightdive bringt Klassiker zurück wie kein anderes Studio - vier Remaster pro Jahr, technische Perfektion und viel Respekt fürs Original. So schaffen sie, was andere Entwickler neidisch macht.
Die Einladung klang vielversprechend: "Remaster eines ikonischen Shooters aus den 90ern" - das schrie förmlich nach Nightdive. Kein Wunder, schließlich hat sich das Studio einen Namen damit gemacht, Klassiker der FPS-Geschichte in hochwertigen Remaster-Versionen zurückzubringen. Entsprechend groß war unsere Neugier, was auf der Gamescom präsentiert werden sollte.
Doch dann die Ernüchterung auf der QuakeCon: Ausgerechnet dort kündigte Nightdive Heretic & Hexen als Shadowdrop an. Ein Bundle, das alte Raven-Software-Klassiker zurückholt - und das Publikum jubelte. Für uns bedeutete das allerdings: Auf der Gamescom würden wir wohl ein Spiel sehen, das schon längst in den digitalen Bibliotheken der Fans gelandet war.
Denkste. Die Entwickler wiegelten sofort ab: "Nein, nein - auf der Gamescom zeigen wir etwas völlig anderes." Ein weiteres Projekt also? Kaum zu glauben, denn mit Heretic und Hexen hatte Nightdive gerade erst zwei große Remaster veröffentlicht. Und damit nicht genug: Das Studio plant tatsächlich, vier Spiele pro Jahr herauszubringen. Wie schaffen sie dieses Pensum?
In diesem Artikel
Von Guatemala zur Gründung - die ungewöhnliche Nightdive-Story
Auf der Gamescom konnten wir mit Larry Kuperman sprechen, dem Vice President of Business Development von Nightdive. Er gehört seit den ersten Tagen zum Studio und kennt die Anfänge noch aus Portland, als Nightdive im Grunde nur aus ein paar Leuten bestand. Aus dem Gespräch wurde klar, dass Nightdive schon früh mit viel Pragmatismus, Leidenschaft - und erstaunlich wenig Personal - große Projekte stemmen konnte.
Die Geschichte von Nightdive beginnt weit weg von Büros, Meetings und Messen - auf einer neunmonatigen Reise durch Mittelamerika. Stephen Kick, damals noch Charakter-Artist bei Sony, hatte seinen Job gekündigt, um mit seiner Verlobten Alix - ebenfalls Ex-Sony - die Welt zu erkunden. Im Rucksack: ein Netbook und eine Handvoll alter Spieleklassiker.
In einem Hostel in Guatemala wollte Kick den Kult-Klassiker System Shock 2 starten - doch die CD-ROM lief nicht mehr. Weder Fan-Patches noch ein Kauf bei GOG halfen: Das Spiel war schlicht nicht mehr legal erhältlich. Kicks Recherche ergab, dass die Markenrechte bei Electronic Arts lagen, die eigentlichen Verwertungsrechte aber kurioserweise bei einer Versicherungsgesellschaft - Star Insurance Company.
Anstatt frustriert aufzugeben, schrieb Kick im Oktober 2012 eine Mail an den Rechteinhaber. Unerwartet schnell erhielt er eine Antwort: "Was wollen Sie mit der Marke anfangen?" Kick pitchte die Idee, System Shock 2 für moderne Plattformen neu aufzulegen - und argumentierte mit über 34.000 Wishlist-Einträgen auf GOG. Der Vorschlag überzeugte. Noch auf der Reise, kurz vor dem Panamakanal, kehrte das Paar in die USA zurück, sammelte Geld im Freundeskreis und kaufte die Lizenz.
Am 7. November 2012 gründeten Stephen und Alix Kick schließlich Nightdive Studios. Stephen übernahm den CEO-Posten, Alix wurde CFO. Der Name war eine Hommage an ihre Leidenschaft fürs Tauchen - speziell eine nächtliche Tauchgang-Erfahrung im Great Barrier Reef. Seitdem haben sie etliche Klassiker aufpoliert, erweitert und vor allem konserviert und 45 Mitarbeiter eingestellt.
Outlaws: Disney verbot Treffer im Gameplay
Larry war einer der Ersten bei Nightdive. Auf der Gamescom zeigte er uns das frisch angekündigte Remaster von Outlaws. Oder besser gesagt: Er ließ ein Video ablaufen. Doch das wirkte seltsam - der Spieler im Clip schoss ständig daneben. Absicht? Ja, tatsächlich. "Das liegt an Disney", erklärte uns Larry.
Quelle: Nightdive / Lucasfilm Games
Schon wieder daneben! Das ist doch Absicht!
Outlaws, ursprünglich 1997 von LucasArts entwickelt (heute Lucasfilm Games), gehört inzwischen zu Disney Entertainment. Für das Messe-Material galt dort die Vorgabe: kein Blut, keine Treffer, keine sichtbaren Erschießungen. In einem Shooter! Im eigentlichen Spiel ist das natürlich vorhanden, aber in Köln wollte Disney es nicht zeigen. "Wir stellen es ja in Deutschland vor, und hier sieht man das nicht so gern", meinte Larry mit einem Augenzwinkern.
Anscheinend hat Disney niemand gesagt, dass sich die Zeiten seit Doom (2016) drastisch geändert haben. Heute wird kaum noch indiziert - und in Präsentationen wie der Gamescom Opening Night Live sieht man regelmäßig haufenweise Gore. Schönen Gruß an dieser Stelle an den Trailer von Resident Evil Requiem.

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