Ori and the Blind Forest im Test: Gameplay à la Metroid
Nie war hüpfen schöner: Mit fantastischer 2D-Grafik und aufwühlender Musik geht Ori glatt als modernes Kunstwerk durch. Doch auch die inneren Werte stimmen: Hinter der Pracht-Fassade steckt ein knackiger Metroidvania-Plattformer, der sich ähnlich gut spielt wie er aussieht. Ori and the Blind Forest im Test für PC und Xbox One.
Action-Adventure à la Metroid
Im Kern ist Ori and the Blind Forest ein typisches Metroidvania-Spiel. Die zeichen sich vor allem dadurch aus, dass man wichtige Upgrades in der Spielwelt sammelt, um damit weitere Levelabschnitte zu erreichen und Secrets zu entdecken. Ori hält sich streng an diese Formel und so erbeuten wir nach und nach neue Fertigkeiten und Upgrades, beispielweise einen Doppelsprung, eine Kletterfunktion oder eine Stampfattacke,
Quelle: PC Games
An solchen Bäumen lernt Ori neue Fertigkeiten, etwa einen Doppelsprung oder eine Stampfattacke.
mit der Ori poröse Böden zerdeppern kann. Der Großteil dieser Fähigkeiten gewinnt leider keinen Innovationspreis, doch immerhin ein Skill ist ziemlich originell: Mit einem Dash-Manöver kann Ori sich an gegnerischen Geschossen und bestimmten Objekten "entlangschleudern", was für ein paar aufregende Geschicklichkeitspassagen sorgt.
In diesem Artikel
In einer Vulkanhöhle soll Ori beispielweise von einem Feuerball zum nächsten hechten, natürlich ohne dabei in die tödliche Lava zu fallen, während Ori nebenbei noch Geschosse zu ihren Gegnern zurückzulenken muss – ein hübsch vertrackter Mix aus Rätsel und Jump & Run, der dank der hervorragenden Steuerung prima von der Hand geht. Ebenfalls schön: Je mehr Upgrades wir erbeuten, desto flotter kommen wir auch vorwärts – ehemals unüberwindbare Abgründe überquert Ori dann in Windeseile, so kann das Geisterkind die Welt immer gründlicher erforschen und nach weiteren Verbesserungen absuchen, die seinen Lebenskraft- und Manavorrat erweitern. Dadurch hält sich auch das Backtracking (ein typisches Metroidvania-Merkmal) in erträglichen Grenzen.
Quelle: PC Games
Im Talentemenü schalten wir mächtige Verbesserungen für Ori frei.
Zusätzlich sammelt Ori Erfahrungspunkte, die ab einer bestimmten Menge in Fähigkeitenpunkte umgerechnet werden. Letztere stecken wir in drei kleine Talentbäume, mit der sich Oris Eigenschaften stark verbessern lassen. So schalten wir beispielweise einen stärkeren Funkenangriff frei oder erhalten Markierungen auf der Karte, die uns zu unentdeckten Secrets führen. Am Ende eines Talentbaumes lernt Ori sogar einen Dreifachsprung, den man so früh wie möglich freischalten sollte – er macht viele Geschicklichkeitspassagen im späteren Spielverlauf bedeutend einfacher.
Tipp: Was ist ein "Metroidvania"? Die Antworten gibt's in unserem Special.
Checkpoints in Eigenregie
Stachelige Wände, Lavagruben, tödliche Strahlen - es gibt massenhaft Gelegenheiten, um in Ori draufzugehen, insbesondere in einigen der vertrackteren Sprungpassagen. Darum haben sich die Entwickler ein schlaues System ausgedacht: Wir drücken einfach die A-Taste, um unser Spiel an diesem Ort zu speichern. Sollte Ori sterben, wird er dann in Sekundenbruchteilen an genau diesem Punkt wiederbelebt. Das System ist großzügig, denn zum Speichern benötigt man lediglich einen Energiepunkt, von denen man aber jede Menge in der Spielwelt findet. Natürlich sind Quicksaves für PC-Spieler nichts Neues, doch in einem Jump & Run ist das Konzept sehr ungewöhnlich.
Auf der Flucht droht Frustgefahr
Quelle: PC Games
Gegen Spielende warten die kniffligsten Umgebungspuzzles. Unfair wird das aber nie.
Trotz selbstgemachter Speicherpunkte spielt sich Ori angenehm fordernd, der Schwierigkeitsgrad ist über weite Strecken fair. Lediglich in drei besonderen Szenen haben wir herzlich geflucht: Ori muss im Spielverlauf drei "Tempel" erkunden und dort die jeweiligen Energiequellen aktivieren. Ist das erledigt, folgt jedes Mal eine rasante, unbarmherzige Fluchtsequenz, in der Ori so schnell wie möglich das Weite suchen muss. Egal ob man vor riesigen Wassermassen flüchtet, durch eine brennende Höhle hetzt oder herabstürzenden Trümmern ausweicht: wer hier einen Fehler macht, wird erbarmungslos bestraft. Die Schnellspeicher-Funktion ist dabei abgeschaltet, was bedeutet: Wenn Ori hier stirbt, wird die Fluchtsequenz komplett zurückgesetzt und beginnt von Neuem. Man hat also keine Wahl, als einen Versuch nach dem nächsten zu starten und den Abschnitt auswendig zu lernen und, bis man den Bogen raus hat. Für die letzte Fluchtsequenz haben wir locker 20 Anläufe gebraucht – da schlägt die Freude dann schnell in Frust um.

Nur 268 Tode xD
Diesem Spiel würde ich nichtsdestotrotz eine Chance geben.