Die Zukunft der PC-Spiele: #5 Gelegenheitsspieler
Casus Belli aut Casus Ludendi?
Ich persönlich (hui, neue Einleitung für einen Absatz!) glaube ja, dass Solitär und Minesweeper eigentlich ausreichen, aber eine Vielzahl von existierenden Spielen zeugt vom Gegenteil. Ich kenne die Namen dieser ganzen Casual Games nicht, wozu auch? Mein Anliegen beim Spielen ist es, eine gute Geschichte zu erleben, nicht simples Irgendwie-unterhalten-werden.
Aber da die Zahl der Menschen, die sich solo oder zusammen lieber kurz und oberflächlich als lang und intensiv mit dem Rechner auseinandersetzen, steigt, sind die Auswirkungen sichtbar. Electronic Arts arbeitet mit dem Spielzeugriesen Hasbro zusammen. Ubisoft spannt Yvonne Catterfeld und Annett Louisan vor den Karren und trimmt die Siedler (Sie haben es kommen sehen!) auf Leute, die offensichtlich nebenbei abwaschen oder mit ihrer Mutter telefonieren. Statt eines "Leicht zu lernen, schwer zu meistern" nur noch Light-Produkte. Eine grimmige Zukunft?

Ich möchte zum Thema Casual Games noch etwas ergänzen:
Früher - zu Gammelstudenten-Zeiten mit Semesterferien etc. - hab' ich auch "richtig" gespielt, mit Eintauchen, die Story selber leben etc.. Aber irgendwann ist einfach mal Schluss. Wenn man nicht das Glück (?) hat, bei einer Computerspielezeitschrift o. ä. zu arbeiten, dazu noch mit einem Partner zusammenlebt und gar ein Kind hat, geht das überhaupt nicht mehr.
Trotzdem spielt man natürlich noch sehr gerne, allerdings kommen bei diesen Rahmenbedingungen Dinge zum Tragen, die vorher nicht so wichtig waren.
Z.B. der Schwierigkeitsgrad und die Komplexität. Nichts ist schlimmer, als wenn man merkt, dass das Spiel eigentlich Spass machen könnte, wenn man sich mal 24h am Stück damit beschäftigen würde. Oder man im ersten Viertel des Spiels stecken bleibt, weil man zu schlecht ist. Das Ding wird heute bei mir ruckzuck deinstalliert.
Ebenso die Hardwareanforderungen. Wenn ich mir die Debatten über die letzten Neuerscheinungen im Forum angucke, kann ich echt nur schmunzeln. Patch hier, Treiber da, Bugs dort, AA, SLI, XYZ...was soll der Quatsch? Das Ding muss heute für mich schnell einwandfrei laufen, ansonsten ist die Freizeit rum.
Trotzdem hab ich natürlich keinen Bock auf Yvonne Catterfeld-Spielchen.
Um diese Bedürfnisse zu bedienen (und ich glaube ich bin nicht allein) braucht es etwas mehr als die Arroganz von Herrn Burtchen à la "Ich persönlich glaube ja, das(!) Solitär und Minesweeper eigentlich ausreichen", sondern gute Ideen und saubere Arbeit von Seiten der Produzenten. Sowohl Casual Games wie beschrieben (weniger Ressourcen, Programmierung, Design, Testing), als auch Hardcorespiele mit Telefonbuch-dickem Handbuch für pickelige Schulschwänzer können mir (und nicht nur mir) gestohlen bleiben - schade!
Ich weiss nicht, ob die Industrie dies schon erkannt hat.
Natürlich spiele ich am liebsten richtig komplexe Computerspiele, gerne epische wie Oblivion oder packende Shooter wie HL2, Farcry oder Fear. Sonst wäre ich nicht hier. Aber Spiele wie Tetris, Pacman, Breakout oder die ganzen Knobelspielchen haben auch Ihre Daseinsberechtigung. Gerade diese bieten eher mal frische Spielideen gemäß "einfach zu erlernen, schwierig zu meistern". Böse ausgedrückt lässt sich die Spielidee aller oben genannten PC-Spiele mit "WASD + Anklicken oder Totklicken" ganz gut beschreiben. Aber Casualgames sind oftmals eher so, wie Computerspiele früher waren: Null Story aber durch ihr Spielkonzept unterhaltsam. Das Tetris Prinzip.
Genauso, wie die Kurzgeschichte neben dem Roman existiert, konkurrieren Youtube-Clips nicht mit der Herr-Der-Ringe Triologie. Daher freue ich mich sowohl über die Casual Games auf meinem Handtelefon als auch auf den Witcher nach Absenden dieses Kommentars.
PS: Über Gothic3 Mobile breite ich natürlich lieber den Mantel des Schweigens.
Lieber ein Casual-Game, das sich nicht ernst nimmt und klar definiert, dass man nur seichte Unterhaltung für 30 Minuten bekommt, als ein ödes und nach Muster X aufgezogenes Core-Game (Gears of War z.B.), welches kreativ und toll sein will, aber am Ende weder eine Geschichte ordentlich erzählen kann und / oder nur von der Grafik lebt.
Ergo: Lieber ein gutes und kleines Casual-Game für die Pause, als etwas Großes und Ödes zum Vollpreis. Die Nummer der echten und guten Core-Games kann man doch an einem Finger abzählen. Und ehe ich ein schlechtes oder mittelmäßiges Core-Game anfasse, spiele ich lieber ein Casual-Game für die Zielgruppe 12+. Am Ende machen mir beide Varianten Spaß.
Regards, eX!