Online-Sucht: Interview mit einem ehemals Online-Süchtigen

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PC Games: Kennst du andere Spieler aus deinem Umfeld, deiner Gilde, etc. denen es ähnlich geht? Wie hoch würdest du die Zahl der Süchtigen schätzen?

Volker: Mehr als genug. Immer wieder las ich von Verabschiedungen aus dem Spiel, weil jene zu arg vom Spiel ergriffen wurden und zu schnell reale Verluste dadurch einstreichen mussten. Selbst in meinem persönlichen Umfeld kenne ich drei Leute, deren schulische Leistung wegen WoW auf ein Katastropales Niveau gesunken ist. Ich schätze das 30% der WoW-Spieler süchtig sind oder gar ein suchtähnliches Verhalten aufweisen.

Es hat nicht unbedingt etwas mit der Spielzeit derjenigen zu tun. Die Suchtmerkmale sind nicht unbedingt an der Spielzeit zu erkennen - oft aber durch aggressives Verhalten bei Spielstörungen von Außen. Oder gar durch Gewichtsstörungen durch schlechte Ernährung.

PC Games: Glaubst du, dass das Gefahrenpotenzial von Onlinespielen unterschätzt wird?

Volker: Absolut, das liegt aber auch teilweise an den Medien. Berichten zum Beispiel Computerzeitschriften über dieses Thema, werden meist kurz danach die Redaktionen massiv von Beschwerdemails überschwemmt. Spieler fühlen wieder auf sich "rumgehackt". Die "normalen" Spieler sehen in diesem Moment eine Verallgemeinerung und eine "Schlechtmache" des Spiels und deren Nutzer.

Dabei trifft es ja nicht alle - sondern eben nur die diejenigen, bei denen das Spiel zum Problem geworden ist. Das ist im Bereich Alkohol genauso: Es gibt Menschen die einmal im Monat etwas über die Strenge schlagen und jene bei denen es sich um eine lebensbedrohliche Alkoholsucht handelt. Fakt ist aber, dass es Spielsucht gibt, auch wenn das viele nicht war haben wollen. In China darf man nur noch eine vom Staat bestimmte Zeit lang am Tag WoW spielen.

Elternschutz wurde von Blizzard integriert. Immer mehr Psychologen und Beratungsstellen bekommen Anfragen von Betroffenen oder deren Angehörigen. Diese Sucht herunter zu spielen oder gar zu verneinen, zeigt Engstirnigkeit und Respektlosigkeit jenen gegenüber, welche viel dadurch verloren haben. Und davon gibt es genug: www.onlinespielesucht.de

PC Games: Was können Familie, Eltern oder Freunde deiner Meinung nach Unternehmen, um Betroffenen zu helfen?

Volker: Das ist sehr schwer zu beantworten und oft Thema Nummer 1 in unserem Forum. Klar ist, dass es keine allgemeine Lösung gibt. Oft verweise ich direkt zu einer Suchtberatungsstelle, wenn bereits massive Spielsuchterscheinungen auftreten.

Diese Spielsuchterscheinungen stellen sich zum Beispiel so dar: Spricht ein Angehöriger den Partner auf dessen Spielzeit an, wird der Spieler aggressiv und versucht, sich zu verteidigen. Auch die Antwort "Ich Spiel nur noch kurz" und drei Stunden später ist "kurz" immer noch nicht vorbei, ist ein Anzeichen von Kontrollverlust. Spieler, die mehr als zehn Stunden täglich in solchen Spielen verbringen und das über mehrere Wochen, haben definitiv ein Problem. Diesen Spielern rate ich dazu, sich selbst Grenzen zu stecken und diese dann auch versuchen sollen, einzuhalten. Meist ist das schwerer als man denkt, weil das Zeitgefühl der Betroffenen verzogen ist.

Angehörige sollten mit Vorwürfen aufhören, weil das meist alles nur schlimmer macht. Oft haben wir auch erfahren, dass Trennung nicht unbedingt hilf. Es ist zwar eine Möglichkeit, den Süchtigen zum Nachdenken anzuregen, aber es gab auch Fälle, in denen die Spieler sich dann noch extremer ins Spiel vertieft haben, um die Trauer nicht an sich heranzulassen.
Ich glaube aber, dass die meistens automatisch irgendwann begreifen, was mit Ihnen passiert und was Sie beherrscht.

WoW wird ja auch irgendwann langweilig. Schade ist dann nur, dass dann der Partner oft schon das Weite gesucht hat oder gar ein Schuldenberg das Leben erdrückend macht. Ich rede hier durchaus von einem Teufelskreis. Die reale Unzufriedenheit lässt einen oft in solche Spiele zu flüchten.

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    • Kommentare (4)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von antoniuspius Stille/r Leser/in
        Apropos MMORPG

        wollt ih HdRO Buch 11 eigentlich völlig ignorieren?
      • Von antoniuspius Stille/r Leser/in
        Apropos MMORPG

        wollt ih HdRO Buch 11 eigentlich völlig ignorieren?
      • Von Zockmock Mitglied
        Joar, komischerweise hatte es mich damals auch mit WOW erwischt. War einfach geil. Aber ich habe es dann samt Account verkauft, zum Glück für mich war ich auf einem PVP Server auf Seiten der Horde und das Verhältnis damals Horde zu Allys war ca.1:4 ! Das nervte tierisch obwohl die Horde immer im PVP gerockt hat !

        Letzten Endes, nachdem ich das Spiel verkauft habe, hatte ich echte Sucht nach dem Game. Aber nach zwei Wochen war es vorbei.
        Beim Erscheinen des Addons musste ich aber mal wieder einsteigen, einfach so um zu schauen wie es ist.. aber es hat mich nie wieder so gepackt wie früher. War auch nur lvl 48 mit nem Blutelfen Pala... langweilig ! Nun mach ich in der Richtung nix mehr, ab und zu mal CS:S aber sehr unregelmäßig.
      • Von WeberSebastian Mitglied
        Danke.
      • Von Nogger45 Anfänger/in
        Guter Artikel !
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