Oddworld - Strangers Vergeltung HD: Gutes Switch-Remake des Shooters mit Lebendmunition
Genau 15 Jahre nach der Erstveröffentlichung des ungewöhnlichen Shooters auf der Xbox findet der Kopfgeldjäger mit der Lebendmunition in Form eines HD-Remakes endlich den Weg auf eine Nintendo-Konsole. Wir haben den kultigen Shooter getestet und verraten euch, ob Strangers Abenteuer auch heute noch einen Ausflug in die wilde Westernwelt wert ist.
Der Stranger ist ein absoluter Profi. Niemand weiß genau, wo er herkommt und wer er eigentlich ist. Sicher ist nur, dass man sich besser nicht mit ihm anlegt. Er streift durchs Land, schnappt flüchtige Verbrecher, kassiert das ausgesetzte Kopfgeld und verschwindet so schnell, wie er gekommen ist. Die einzige Person, die etwas mehr über ihn weiß, ist der Doc. Er soll den Stranger operieren, will dafür aber eine Menge Kohle sehen. Was das für eine Operation ist und wie viel Geld der Stranger dafür zusammenkratzen muss, wird an dieser Stelle noch nicht verraten. Allerdings können wir euch versichern, dass die Story von Strangers Vergeltung einige handfeste Überraschungen parat hat.
Strangers Vergeltung: Pelzige Patronen
Ziemlich verdutzt aus der Wäsche schauen dürften auch einige Spieler, die im ausführlichen Tutorial den Umgang mit den zahlreichen Munitionsarten erlernen wollen. Denn die patentierte und hochpräzise Armbrust des Strangers lädt nicht etwa gewöhnliche Bolzen, sondern lebendige Munition.
Quelle: Microids
Im Tante-Henna-Laden, den ihr in jedem Gebiet findet, könnt ihr Upgrades und Munition kaufen. Auf Strangers Armbrust warten Stechbiene und Zappfliege auf etwas Action.
Pausenlos quasselnde Eichhörnchen, gefräßige Fellknäuel und explosive Fledermäuse sind nur einige der ausgefallenen Geschosse, die ihr zusätzlich selbst innerhalb der Levels jagen und sammeln müsst. Diese Biester-Geschosse erinnern in ihrer Wirkungsweise zum Teil an handelsübliche Waffen aus anderen Ego-Shootern. Die zielsuchenden Bienen verschießt man beispielsweise mit hoher Geschwindigkeit und man hat dabei fast das Gefühl, mit einem Maschinengewehr mit schwarz-gelb gestreiften Kugeln um sich zu ballern. Ausgefallene Munition wie die Stunkz sorgt beim Gegner dagegen für spontane Übelkeit und man hat so die Gelegenheit, die Beute lebendig zu fangen. Ist ein Gegner bewusstlos, schweben Sternchen über seinem Kopf und signalisieren, dass man ihn mit einer Art Staubsauger für Banditen auf Hosentaschenformat zusammenschrumpfen und mit sich herumschleppen kann. Diese humane Vorgehensweise zahlt sich anschließend in barer Münze aus, denn für jeden einkassierten und abgelieferten Banditen regnet es Geld. Verfügt die Beute noch über eine spontane Selbstatmung und einen Puls, fällt die Belohnung entsprechend höher aus. Diese Kohle spart der Stranger für seine geheimnisvolle Operation, zudem lassen sich in Shops neben Munition viele Upgrades käuflich erwerben. Ob Schlagringe für effektivere Nahkampfattacken, Upgrades für die Lebensenergie oder schlichte Taschen, die mehr Munition aufnehmen können - der Besuch im Tante-Henna-Laden lohnt sich immer.
Quelle: Microids
Im letzten Spielviertel verschlägt es euch in eine Schneelandschaft. Dieser Level erinnert ein wenig an die Landung der Amerikaner am D-Day.
Nur Bares ist Wahres
Ebenfalls Pflicht sind die Besuche in der Kopfgeldstube Bounty Store. Dort kassiert man die entsprechende Belohnung für gefangene Schurken und erhält neue Aufträge. Pro Stadt warten vier schwere Jungs (und eine schwere Mutti) darauf, in den Knast oder die ewigen Jagdgründe geschickt zu werden. Hat man sich für ein lohnendes Ziel entschieden, macht man sich sogleich auf zu dessen Versteck und streckt auf dem Weg dorthin zahlreiche leichtere Gegner nieder. Dabei ist die Vorgehensweise besonders entscheidend: Natürlich darf man sich wagemutig mit offensiven Waffen auf die Gegner stürzen, doch häufig ist der taktische Ansatz wesentlich leichter und effektiver. In hohem Gras ist der Stranger nahezu unsichtbar und kann seine Feinde an die gewünschte Stelle locken. Die bereits erwähnten, unentwegt vor sich hinbrabbelnden Arschbackenhörnchen dienen hierbei als Köder. Einmal ausgelegt, nerven sie in der Nähe befindliche Gegner so sehr, dass diese sofort zum Störenfried hineilen, um ihn zu zertrampeln.
Quelle: Microids
Gestatten: Stranger ist mein Name und Kopfgeldjäger mein Beruf.
Eine günstige Gelegenheit für den Stranger, den abgelenkten Feind auszuschalten. Im Laufe des Spiels werden Verstecke für den Stranger aber immer seltener und speziell im letzten Drittel des Spiels sollte man den Umgang mit den anderen Waffen trainiert haben. Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind die Nahkampffähigkeiten des Strangers. In der Außenperspektive könnt ihr mit Faustattacken die Gegner schnell ausknocken und zur Gefangennahme vorbereiten. Letzten Endes muss man beide Angriffsvarianten und Perspektiven miteinander kombinieren, um Erfolg zu haben. Wer nur in der Ego-Sicht unterwegs ist, wird sich ebenso schwertun wie Spieler, die nur die Fäuste schwingen. Manch größerer Gegner ist gar nur durch die Kombination beider Angriffsvarianten bezwingbar.
Strangers Vergeltung: Gesucht, tot oder lebendig
Quelle: Microids
Gerade noch: Stranger schafft es, einer Explosion zu entkommen. In solchen Szenen sieht man trotz HD-Überarbeitung dem Spiel sein Alter an.
Noch mehr Einfallsreichtum erfordern die zahlreichen Bossgegner. Jeder dieser gesuchten Flüchtigen verschanzt sich in einer Art Festung, die mit bloßer Waffengewalt häufig nur schwer einzunehmen sind. Mal müssen zunächst Schutzschildgeneratoren deaktiviert werden, mal umgeben sich die Fieslinge mit todbringenden Scharfschützen oder Selbstschussanlagen. Allen Bossen gemein ist, dass sie nicht zu unterschätzende Gegner sind. Dank äußerst fairer Rücksetzpunkte sind diese Momente aber dennoch nicht frustrierend und mit der richtigen Vorgehensweise knackt man wirklich jeden Endgegner. Darüber hinaus gönnen euch die Entwickler neben einer Regenerationsfähigkeit für den Stranger im späteren Verlauf des Spiels aufgebohrte Versionen der Munition. So wird aus der explosiven Flederbombe dann eine Art zielsuchender Raketenwerfer und die pazifistischen Spinnenwesen Boarachniden fesseln gleich drei Gegner auf einmal. Häufig stehen Banditen - natürlich rein zufällig - in der Nähe von explosiven Fässern oder unter schweren Containern, was ihr mit einem gezielten Schuss zu euren Gunsten nutzen könnt.
Auf Indiana Jones' Spuren
Damit die Ballerei nicht langweilig wird, haben die Entwickler einige spaßige Levels der etwas anderen Art eingebaut. So darf man gleich mehrmals in eine Lore hüpfen und auf Schienen durch enge Canyons rauschen oder mit einem Kanu über die Flüsse und Seen von Oddworld schippern. Gerade bei diesen Wasserüberquerungen bekommt man auch die Gelegenheit, die stimmige Umgebung zu genießen. Erfreulicherweise kommt das Spiel trotz der vielen Action nicht ins Stocken. Richtig hochwertig ist das künstlerische Design des Titels. Die gesamte Spielwelt wirkt wie aus einem Guss und man kann regelrecht in den Alltag des Strangers eintauchen. Trotz der eigentlich recht linearen Levelstrukturen fühlt man sich nie eingeengt und darf sich innerhalb der Areale frei bewegen. Auch akustisch kann Strangers Vergeltung Bestnoten absahnen. Die Musik steigert die dichte Atmosphäre ungemein und die englische Vertonung ist witzig und sehr professionell. Aber so stimmig der Titel insgesamt ist, selbst die überarbeitete HD-Grafik kann nicht mit aktuellen Spielen mithalten. Glücklicherweise wirkt sich das nicht auf den Spielspaß aus.
