Knackarsch & Strapse in Bayonetta und Nier Automata - Kolumne zum hypersexuellen Frauenbild
Nier Automata und Bayonetta am PC sind nur zwei von vielen Japan-Produktionen, die 2017 mit der Konkurrenz den Boden aufwischen. Doch Redakteur Peter Bathge hat keinen Spaß an diesen herausragenden Titeln. In seiner Kolumne erklärt er, warum es ihm schwer fällt, sich auf die Welt und insbesondere auf die zwei weiblichen Hauptcharaktere einzulassen.
Die japanische Spieleindustrie trumpft 2017 groß auf. Mit The Legend of Zelda: Breath of the Wild, Persona 5 und Nier Automata erschienen innerhalb weniger Wochen allein drei Spiele, die für viele Fans ein ernstes Wörtchen bei der Wahl zum Spiel des Jahres mitreden werden. Und dann ist da ja auch noch die PC-Version von Bayonetta, acht Jahre zu spät zwar, aber immer noch gesegnet mit einem fantastischen Kampfsystem, das seinesgleichen sucht, verpackt in spektakuläre Inszenierung. Der einzige Haken an der Sache für mich: Das für mein westliches Empfinden "seltsame", man könnte auch sagen typisch japanische Design dieser Titel hat jegliches Interesse meinerseits an den vielfach beschworenen Qualitäten der Spiele komplett gekillt. Und wer sind schuld? Die Frauen! Oder eher die Männer hinter den Frauen ...
Muss das sein?
Quelle: Platinum Games
In Bayonetta dient das Haar der Protagonistin als Kleidungsersatz - bei Spezialattacken lässt die Dame (fast) alle Hüllen fallen.
Die Hexe Bayonetta aus dem gleichnamigen Spiel ist eine interessante Figur, eigenständig und willensstark, eine erfahrene Kämpferin und Dämonenbändigerin. Sie wartet nicht darauf, von männlichen Helden gerettet zu werden, sondern greift selbst hart gegen die diversen Feinde durch. Doch das war Entwickler Platinum Games (das Studio zeichnet auch für Nier Automata und dessen Babydoll-Look bei Hauptcharakter 2B verantwortlich) wohl nicht genug, die Dame muss sich auch noch ständig ohne jede Notwendigkeit vor der Kameralinse räkeln. Und weil das immer noch nicht genug ist, wird ihr magisches Haar, das üblicherweise wie eine zweite Haut ihren Körper bedeckt, bei Spezialangriffen zu riesigen Gebilden aufgetürmt - und kann derweil natürlich nicht mehr die Nacktheit der Hexe verhüllen. Was zur Hölle?
Was möglicherweise als Witz gedacht ist, löst bei mir Kopfschütteln aus. Ich bin wahrlich der Letzte, der etwas gegen schöne Frauen hat oder sexy Posen verbieten will. Und natürlich ist Bayonetta eine Polygonfigur, ein virtuelles Alter Ego für den Spieler, das in der realen Welt allenfalls eine (negative?) Vorbildfunktion erfüllen kann. Aber warum muss dieser tolle Charakter denn derart auf einen knackigen Po und Rundungen reduziert werden? Und warum steuere ich in Nier Automata (zumindest beim ersten Durchspielen) einen Androiden, der gegen Roboter kämpft - aber ganz zufällig wie eine junge Frau mit Traummaßen aussieht, deren Modeberater offensichtlich in einer Mischung aus Kostümladen (für den an Dienstmädchen erinnerenden Rock) und Sex-Fetisch-Geschäft (schwarze Augenbinde, hohe schwarze Lackstiefel) eingekauft hat?
Quelle: Square Enix
Nier Automata-Heldin B2 (Mitte) kann ich in ihrer Rolle als tougher Cyborg einfach nicht ernst nehmen, sieht sie doch aus, als wäre sie hauptberufliche Domina.
Es gibt einen DLC zu Nier Automata, der noch freizügigere Outfits freischaltet, dann läuft 2B gleich in Unterwäsche herum - normalerweise muss man dafür ihren Rock in einer Explosion zu Asche verbrennnen lassen. Bin ich der einzige, der sowas als latent pervers und jenseits allen guten Geschmacks empfinde? Über die Zusammensetzung des Entwicklerstudios Platinum Games kann ich nur spekulieren, aber auf Anhieb würde ich vermuten, dass dort mehr Männer an Videospielen arbeiten als Frauen - denn könnten Frauen wirklich so unsensibel bei der Erstellung von virtuellen Identifikationsfiguren sein wie das andere Geschlecht?
Es scheint eine Frage des japanischen Nationalstolzes zu sein, dass bloß kein Videospiel entwickelt wird, in dem die weiblichen Charaktere nicht mindestens eine von mehreren Bedingungen erfüllen:
a) Sie haben große Kulleraugen.
b) Ihr Outfit besteht aus einer engen Schulmädchen-Uniform/einem Nachtkleid/irgendwas mit möglichst wenig Stoff.
Man kann froh sein, dass die bei Konami entstehende Winning Eleven-Serie (hierzulande besser bekannt als Pro Evolution Soccer) anders als Konkurrent FIFA noch keine Frauenmannschaften enthält. Ansonsten würden deren Fußballerinnen wohl auch von japanischen Designern in viel zu knappe Kleidungsstücke gesteckt und in lasziven Posen vor der Kamera abgelichtet. Jetzt mag man sagen: Das gehört zur japanischen Kultur, das ist nunmal eben so, die Japaner finden hier Ausgleich für ihre sonstige sexuelle Verklemmtheit in einer sehr strikten, regelorientierten Gesellschaft. Ich kenne die Argumente. Und ich möchte mir kein Urteil über einen mir komplett fremden Kulturkreis erlauben, meine Wertvorstellungen nicht auf eine andere Nation übertragen. Aber ich kann sagen: Ein Spiel mit solchen Charakteren spiele ich nicht. Nicht weil ich mich über vorhandenen oder eingebildeten Sexismus aufrege. Sondern weil ich befürchte, dass ich mich erst gar nicht auf die so hochgelobte Nier Automata-Story, auf das als grandios beschriebene Bayonetta-Kampfsystem einlassen könnte - zu abgelenkt wäre ich von der absurden Gestaltung ihrer weiblichen Charaktere.
Aufgesetzte Sexualität
Letztes Jahr habe ich an gleicher Stelle für mehr Sex in Videospielen plädiert. Erotik, Liebe, Leidenschaft: Immer her damit! Aber es muss passen. Ansonsten reißt mich der Anblick eines im wahrsten Sinne des Wortes offenherzigen Outfits, bei dem die Reaktion des sabbernden, hormongesteuerten männlichen Videospielers ("Jippie, nackte Haut!") von Entwicklerseite knallhart einkalkuliert scheint, mich unversehens aus dem Spiel. Die so oft beschworene Immersion (in meiner Jugend nannte man das noch "Atmosphäre") geht dabei völlig zu Bruch, wie ich finde. Statt das Spiel zu genießen, der Story zu folgen oder in die Welt einzutauchen, mache ich mir Gedanken darüber, wer wohl bei den japanischen Entwicklern derartig Lustmolch-kompatible Designs immer wieder durchwinkt. Und wie wohl die Öffentlichkeit im Land der aufgehenden Sonne tickt, dass derlei rigorose Frauenfeindlichkeit mit einem Schulterzucken hingenommen wird oder gar auf Begeisterung stößt.
Quelle: PC Games
Posieren für die Kamera: Dafür hat Hexe Bayonetta immer Zeit.
Bei vielen japanischen Spielen habe ich immer wieder den Eindruck, die gewagten Outfits, die ausgestreckten Hinterteile und großen Oberweiten der weiblichen Charaktere sind kein Ausdruck von Mut und einem Wunsch nach mehr Sinnlichkeit in Videospielen. Sondern schlichte, vielleicht durch Anime- und Manga-Kultur längst unreflektierte Pflicht nach Vorschrift. "Ich habe da eine Idee für ein Videospiel", sagt Videospiel-Designer Nummer 1. "Die Heldin ist weiblich und auf keinen Mann angewiesen!" Entgegnet Videospiel-Designer 2: "Das finde ich super. Aber sie trägt schon ein hautenges Kostüm oder zumindest einen Minirock, nicht wahr?" Da rollt Nummer 1 mit den Augen: "Na logisch, was denn sonst?"Die Geschichte der Menschheit ist ebenso wie die Historie des noch jungen Mediums Computerspiel voll von Beispielen ungleicher Behandlung der Geschlechter. Welche Rollen Frauen und Männer einnehmen, wie sich die Menschen mit XX- oder XY-Chromosomenpärchen zu kleiden haben, um in den Augen der Öffentlichkeit begehrenswert und sexy zu erscheinen, was die von der Masse vorgeschriebenen akzeptablen Körperformen sind - all das sorgt zurecht immer wieder für Diskussionen, auch in der Fan-Gemeinde von Videospielen. Mit durchaus erfreulichen Konsequenzen: Lara Croft, einst verschrien für ihre anatonomisch unrealistischen Riesenbrüste, hat in jüngsten Tomb Raider-Auftritten ein natürlicheres (und wie ich finde besseres) Aussehen verpasst bekommen. Die sympathische Aloy aus Horizon: Zero Dawn ist weit entfernt vom unterschwellig sexistischen Idealbild der Videospiel-Heldin, das in der Branche lange gängig war. Star Wars: Battlefront 2 bekommt eine Soldatin mit dunkler Hautfarbe als Kampagnen-Avatar.
Quelle: Square Enix
Schade: Die inneren Werte vieler japanischer Spiele werde ich wohl nie selbst erleben, zu sehr schreckt mich der Rest ab. Bin ich vielleicht zu oberflächlich?
Die westlichen Entwickler, sie haben die Zeichen der Zeit erfolgreich gedeutet und sich für mehr Inklusion und Gleichberechtigung engagiert. Ich fände es unendlich schön, wenn ihre Kollegen aus dem Fernen Osten nachziehen würden - gerade in Anbetracht der Erfolgswelle japanischer Spiele und der begrüßenswerten Entwicklung hin zu regelmäßigen PC-Releases auf Steam. Denn so toll die inzwischen gewährleistete Verfügbarkeit dieser einstmals konsolenexklusiven Top-Titel ist - mit ihren aufgesetzten Frauen-Figuren der Marke Nerdfantasie kommen mir Bayonetta, Nier Automata & Co. vorerst nicht auf die Festplatte.
Aber das ist nur meine Meinung! Wie steht ihr zum Thema? Schreibt es mir in den Kommentaren!

Die Microschildtechnologie verbindet sich hier mit der maximalen Bewegungsfreiheit. :-B
Geschrieben von Peter Bathge, der leider nicht mehr hier tätig ist. Also solltest auch du wissen (dein Regdatum ist immerhin 2013)wer das ist und das jener für seine knackigen Artikel bekannt ist/war und auch gerne mal das ein oder andere anders formuliert hat.
Wir, oder sagen wir mal zumindest ich vermisse ihn hier sehr. Das gab immer Artikel die zu Kommentaren geführt haben. Offen, teils sehr Explosiv und sehr oft neben der allgemeinen Welle und immer scharf geschrieben. Das gibt es hier leider nicht mehr. Jetzt ist nur noch Langeweile.
Hat er eben mal gegen knackige Ärsche gewettert, na und. Liest man sich alles richtig durch, hat er doch sogar recht. Andere Kulturen hin oder her. Der Artikel ist einer den man lesen mag, und auch jetzt nach 2,5 Jahren tust du das auch wieder. Also hat er es genau getroffen.
Er trifft genau genommen gar nichts auf den Kopf sondern quatscht den prüden "Körperfeinden" (sowohl Links als auch Rechts, sie haben andere Gründe aber die Forderung und das Ergebnis sind das Gleiche) nach, die in den letzten 10 bis 20 Jahren dafür gesorgt haben, dass wir hier langsam die Zustände haben, über die wir früher immer über das Ami-Land gelästert haben, nämlich "Gewalt gut, nackte Haut schlecht". Ich finde beide Entwicklungen ehrlich gesagt zum Kotzen. Lieber endlich wieder mehr Sex und weniger Blut!
Geschrieben von Peter Bathge, der leider nicht mehr hier tätig ist. Also solltest auch du wissen (dein Regdatum ist immerhin 2013)wer das ist und das jener für seine knackigen Artikel bekannt ist/war und auch gerne mal das ein oder andere anders formuliert hat.
Wir, oder sagen wir mal zumindest ich vermisse ihn hier sehr. Das gab immer Artikel die zu Kommentaren geführt haben. Offen, teils sehr Explosiv und sehr oft neben der allgemeinen Welle und immer scharf geschrieben. Das gibt es hier leider nicht mehr. Jetzt ist nur noch Langeweile.
Hat er eben mal gegen knackige Ärsche gewettert, na und. Liest man sich alles richtig durch, hat er doch sogar recht. Andere Kulturen hin oder her. Der Artikel ist einer den man lesen mag, und auch jetzt nach 2,5 Jahren tust du das auch wieder. Also hat er es genau getroffen.