Neo Cab im Test: Ausgebremst von Budget-Restriktionen, dennoch unterhaltsam

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Test Katharina Pache - Autorin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Neo Cab im Test: Ausgebremst von Budget-Restriktionen, dennoch unterhaltsam
Quelle: Fellow Traveller

Lina fährt Taxi, und zwar in der riesigen Metropole Los Ojos in Kalifornien. Im Indie-Adventure Neo Cab haben wir Lina mehrere Abende durch ihr Leben in der Cyberpunk-Stadt begleitet und dabei einen Vermisstenfall gelöst. Ob wir Spaß dabei hatten, lest ihr im Test zu Neo Cab.

Selbstfahrende Autos, Kapselhotels, Armbänder, die die Stimmung des Trägers mit Farben anzeigen - so weit entfernt von unserer Gegenwart scheint die Zukunft nicht zu sein, die in Neo Cab gezeichnet wird. Heldin Lina ist Taxifahrer und beschließt, sich in der kalifornischen Mega-Metropole Los Ojos niederzulassen und dort zu arbeiten. Der Konzern Capra hat in der Stadt Politik und Gesellschaft im Griff und plant, menschliche Autofahrer komplett abzuschaffen - angeblich aus Sicherheitsgründen. Dass Lina gerade an diesem Ort ihre Brötchen verdienen will, hat einen Grund und Namen: ihre beste Freundin Savy, die sie viele Jahre aus den Augen verloren hatte, bietet an, mit ihr zusammenzuziehen. Doch das erste Treffen verläuft nicht wie geplant, und Lina muss sich zunächst alleine durchschlagen, nachdem Savy unter mysteriösen Umständen verschwindet.

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Lieber drüber reden

Vorsicht: In Neo Cab geht es nur nebensächlich ums Taxifahren. Ihr wählt zwar die Gäste auf der Karte aus, kutschiert sie herum, lasst euch bezahlen, müsst (Strom) tanken und ein Hotelzimmer für die Nacht buchen, aber im Vordergrund steht die Geschichte. Dementsprechend lässt sich Neo Cab eher im Bereich Visual Novel oder Adventure ansiedeln, ihr müsst keine Straßenpläne studieren, das Gaspedal drücken oder gar euer Fahrzeug reinigen. Lina findet ganz automatisch ihr Ziel. Stattdessen haltet ihr in bewährter Multiple-Choice-Manier einen Plausch mit dem oder den Insassen eures Taxis. Eure Kunden bewerten euch nach der Fahrt mit Sternen, wenn eure Gesamtbeurteilung zu lang unter der magischen Vier-Sterne-Grenze verharrt, verliert Lina die Lizenz. Und wenn sie keine Kohle mehr hat, ist natürlich auch Schluss mit dem Abenteuer Los Ojos. Aber keine Sorge: Das lässt sich ziemlich leicht vermeiden.
Zu viel Emotion! Regelmäßig dürft ihr eure favorisierten Antworten nicht geben, weil euer Gemütszustand dies nicht zulässt. Quelle: PC Games Zu viel Emotion! Regelmäßig dürft ihr eure favorisierten Antworten nicht geben, weil euer Gemütszustand dies nicht zulässt. Das Frage-Antwort-Spiel funktioniert bis auf eine schlimme Macke gut: Regelmäßig gaukelt Neo Cab dem Spieler Entscheidungsfreiheit vor, die sich als Trugschluss herausstellt. Das hängt mit dem Emotionsarmband zusammen: Wenn Lina etwa zu wütend ist, werden manche Optionen - besonders ärgerlich! - erst nach dem Anklicken als nicht möglich markiert. Auf diese Art lernt man recht schnell, Gespräche so zu führen, dass wenig emotionaler Aufruhr entsteht und sich die Kunden nicht auf den Schlips getreten fühlen. Insofern bildet das Dialogsystem in Neo Cab vielleicht sogar ganz gut die Kommunikationsstrategie eines echten Taxifahrers ab.

Neo Cab ist kein langes Spiel. In zwei bis drei Stunden seht ihr das Ende eures Ausflugs nach Los Ojos. Durch unterschiedliche Enden und die Fahrgäste, die fortlaufende Storys haben und mehrmals auftauchen, aber nicht alle in einem Durchgang abgefertigt werden können, lohnt sich ein zweiter Blick. Die kleinen Geschichten neben der Hauptstory sind interessant, nett geschrieben und dabei komplett auf Deutsch verfügbar (vertonte Dialoge gibt's jedoch nicht). Auch die Übersetzung ist gut gelungen. Passend zum Setting werden viele soziale und gesellschaftliche Themen angesprochen, etwa die Datensammelei und Überwachung durch große Konzerne, Korruption, Whistleblowing, aber auch die zwischenmenschlichen Konflikte kommen nicht zu kurz.

Kein Geld für die Kulisse

Die Erzählung leidet an vielen Stellen unter dem knappen Budget, das Neo Cab offensichtlich zur Verfügung stand. Zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, in einer richtigen Cyberpunk-Metropole unterwegs zu sein, die Straßen sind menschenleer, die Umgebungen austauschbar, von den Treppcheneffekten und detailarmen Modellen ganz zu schweigen. Zwar haben sich die Entwickler bemüht, den Figuren eine Mimik zu verleihen, die zu ihrer Stimmung passt - und ein paar Animationen sind auch schön umgesetzt -, aber meistens wirken die Charaktere ziemlich mechanisch. Da passt es tatsächlich, dass ein Fahrgast-Paar im Spielverlauf davon überzeugt ist, Lina sei ein Roboter. Allgemein durchbricht Neo Cab gerne mal die vierte Wand, gelegentlich zwinkert Lina dem Spieler sogar zu.
Nix los in Los Ojos: Die Metropole scheint wie ausgestorben, keine Menschenseele ist unterwegs. Quelle: PC Games Nix los in Los Ojos: Die Metropole scheint wie ausgestorben, keine Menschenseele ist unterwegs.

Neo Cab dürfte allen gefallen, die Spaß mit dem Cyberpunk-Bartender-Adventure VA-11 Hall-A hatten, auf storylastige Spiele stehen und von der schlichten Präsentation und den Einschränkungen bei der Dialogauswahl nicht aus der Atmosphäre gerissen werden. Ein Lob haben wir aber noch: die Electro-Musikuntermalung von Obfusc (der Künstler arbeitete bereits an der Sound-Kulisse von Monument Valley) passt perfekt zu den ewigen Neon-Nächten in Los Ojos.

Meinung & Wertung

Meinung

Wertung zu Neo Cab (NSW)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Komplett deutsche TexteWiederspielwert dank unterschiedlicher Enden und FahrgästeZum großen Teil gut geschriebene (und übersetzte) DialogePassende Musikuntermalung
Atmosphäre leidet unter schwacher Technik: menschenleere Straßen, tote Spielwelt, hölzerne AnimationenEntscheidungsmöglichkeiten werden immer wieder eingeschränktKeine SprachausgabeEin paar Logiklücken
Fazit

Cyberpunk-Adventure mit interessantem Setting, netter Erzählung und schwacher Technik

Bildergalerie

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    • Kommentare (4)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von fud1974 Mitglied
        Zitat von MrFob
        Dem Olli hat's auch ganz gut gefallen. Der hat vor einer Woche im PCGC Podcast ueber seine Eindruecke erzaehlt.
        Ja, hab ich! ;)

        Zum Test... Hmm...

        >>"Das Frage-Antwort-Spiel funktioniert bis auf eine schlimme Macke gut: Regelmäßig gaukelt Neo Cab dem Spieler Entscheidungsfreiheit vor, die sich als Trugschluss herausstellt. Das hängt mit dem Emotionsarmband zusammen: Wenn Lina etwa zu wütend ist, werden manche Optionen - besonders ärgerlich! - erst nach dem Anklicken als nicht möglich markiert."

        "Macke" klingt nach Versehen. Das ist ja so gewollt, dass man liest was man sagen KÖNNTE.. aber aufgrund der mentalen Verfassung nicht sagen KANN. Sie kommentiert das im Spiel ja auch entsprechend. Das finde ich eigentlich als ziemlich genialen Kniff.

        Die Grafik ist finde ich, weniger statisch als sie aussieht, die Lichteffekte beim Fahren sind schön, generell finde ich dass sie alles für das geringe Budget sehr schön hinbekommen haben. Ich fand die Mimik der Figuren zwar stilisiert, aber expressiv. Selbst dass die Stadt nun nicht "wuselig" wirkt hat mich nie großartig gestört.. es fiel mir nicht mal richtig auf, sie fährt ja nur nachts, und die "Leere" kam mir eher vor wie eine Beschreibung ihres inneren Zustandes (und sie fühlt sich ja definitiv etwas leer und verloren), dass es dem Team auch in den Kram passte dass sie dann den Aufwand zurückfahren konnten ist klar.

        Aber 7 von 10 ist schon in Ordnung. Wie er auch für Greedfall durchaus okay ist (obwohl ich da dann eher schon für eine 8 von 10 bin.... aber Peanuts). Denn für mich sind auch 7er immer Anwärter auf meine Top 10 des Jahres, persönlich können diese Titel ja immer noch Highlights für einen sein, ganz abseits des Bewertungsverfahrens.
      • Von fud1974 Mitglied
        Zitat von MrFob
        Dem Olli hat's auch ganz gut gefallen. Der hat vor einer Woche im PCGC Podcast ueber seine Eindruecke erzaehlt.
        Ja, hab ich! ;)

        Zum Test... Hmm...

        >>"Das Frage-Antwort-Spiel funktioniert bis auf eine schlimme Macke gut: Regelmäßig gaukelt Neo Cab dem Spieler Entscheidungsfreiheit vor, die sich als Trugschluss herausstellt. Das hängt mit dem Emotionsarmband zusammen: Wenn Lina etwa zu wütend ist, werden manche Optionen - besonders ärgerlich! - erst nach dem Anklicken als nicht möglich markiert."

        "Macke" klingt nach Versehen. Das ist ja so gewollt, dass man liest was man sagen KÖNNTE.. aber aufgrund der mentalen Verfassung nicht sagen KANN. Sie kommentiert das im Spiel ja auch entsprechend. Das finde ich eigentlich als ziemlich genialen Kniff.

        Die Grafik ist finde ich, weniger statisch als sie aussieht, die Lichteffekte beim Fahren sind schön, generell finde ich dass sie alles für das geringe Budget sehr schön hinbekommen haben. Ich fand die Mimik der Figuren zwar stilisiert, aber expressiv. Selbst dass die Stadt nun nicht "wuselig" wirkt hat mich nie großartig gestört.. es fiel mir nicht mal richtig auf, sie fährt ja nur nachts, und die "Leere" kam mir eher vor wie eine Beschreibung ihres inneren Zustandes (und sie fühlt sich ja definitiv etwas leer und verloren), dass es dem Team auch in den Kram passte dass sie dann den Aufwand zurückfahren konnten ist klar.

        Aber 7 von 10 ist schon in Ordnung. Wie er auch für Greedfall durchaus okay ist (obwohl ich da dann eher schon für eine 8 von 10 bin.... aber Peanuts). Denn für mich sind auch 7er immer Anwärter auf meine Top 10 des Jahres, persönlich können diese Titel ja immer noch Highlights für einen sein, ganz abseits des Bewertungsverfahrens.
      • Von MrFob Nerd
        Dem Olli hat's auch ganz gut gefallen. Der hat vor einer Woche im PCGC Podcast ueber seine Eindruecke erzaehlt.

        Mein Spiel ist es glaub ich nicht. Ich brauch dann doch etwas mehr Gameplay als visual novels so bieten und die low budget Technik sagt mir auch nicht so zu. Aber zumindest der Cyberpunk Vibe gefaellt mir auch.
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Bin auch vor Tagen über die Gamestar-Geheimtips darauf gestoßen. Für Visual Novels bin ich immer zu haben, und Neo Cab gefällt mir trotz Low-Budget-Optik auf Anhieb. Für nen schmalen Taler... Warum nicht.
      • Von heinz-otto Mitglied
        Danke für den Test. Habs schon auf meiner Steam-Wishlist und hoffe eigentlich, dass es noch auf GOG veröffentlicht wird. Die Atmosphäre und Setting gefallen mir ziemlich gut.
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