Mortal Kombat 11 im Test: Ed Boons Kult-Prügelserie diesmal mit brutal gutem Storymodus
Wo gehobelt wird, da brechen Zähne. Ed Boons neue Schlachtplatte bettet seine ultrabrutalen Kämpfe in einen überraschend guten Story-Modus. Dass die Blutfontänen aber nicht frei von Unreinheiten sind, zeigt unser Test zu Mortal Kombat 11.
Gut, dass es Prügelspiele wie Mortal Kombat 11 gibt, so braucht man seine Aggressionen nicht im Real Life auszuleben - wovon wir ohnehin ausdrücklich abraten möchten. Während das echte Leben nun mal jede Menge Tabus bietet, ist dieser Begriff im Wortschatz des Mortal-Kombat-Entwicklerteams um Ed Boon schlichtweg nicht vorhanden. Knochen brechen auseinander, Organe verlassen ihren angestammten Platz, Gliedmaßen nehmen unfreiwillig Reißaus. Mit jedem Serienteil und mit jedem Anstieg der grafischen Möglichkeiten werden die Splatter-Darstellungen in Mortal Kombat immer expliziter.
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Da steckt eine Geschichte dahinter
Mortal Kombat 11 (jetzt kaufen 39,80 € / 4,31 € ) packt bei der Brutalität dem Vorgänger nur ein kleines Schippchen drauf, war Mortal Kombat X doch bereits ein kompromissloses Schlachtfest. Die Prügeleien werden erneut in einen Story-Modus gepackt, dieser knüpft direkt an die Geschehnisse des vorherigen Teils an.
Die rund sechsstündige Kampagne stellt dabei einen überraschend kräftigen Motivationsfaktor dar, zumindest wenn ihr ein Faible für typische Superhelden-Klischees habt. Handwerklich und dramaturgisch sind die zahlreichen Cut-Scenes erstklassig gestaltet. Auch audiovisuell hat Entwickler Netherrealm Studios in den vier Jahren seit Mortal Kombat X die Messlatte deutlich höher angelegt. Die Mimik der 25 Kämpfer ist wesentlich ausdrucksstärker, wodurch Witz, Drohungen oder Charme deutlich besser transportiert werden als früher.
Quelle: Computec Media GmbH
Meistens mögen sich die aktuellen und die früheren Ichs nicht. Doch es gibt Ausnahmen, wie bei den beiden Kanos.
In puncto Dialogen dürft ihr zwar keine philosophischen Wunderwerke erwarten, doch das wäre bei einem Prügelspiel auch zu viel des Guten. Die Mortal-Kombat-Macher spielen geschickt mit verschiedenen Zeitebenen, die Zeithüterin Kronika erschaffen hat. So kommt es immer wieder zu Begegnungen eines früheren Ichs mit seinem späteren Ebenbild, was für reizvolle Situationen und Dialoge sorgt. Die deutschen Synchronsprecher machen dabei einen guten Job.
Jeder darf mal ran
Die Geschehnisse hüpfen von Schauplatz zu Schauplatz, in jedem Areal finden mehrere Kämpfe statt. Zumeist bekommt ihr einen bestimmten Charakter zugeteilt, in einigen Situationen dürft ihr aus zwei Recken wählen. Auf den Storyverlauf wirkt sich diese Entscheidung jedoch nicht aus. Besiegt ihr euren Gegner, ist dieser nicht tot, sondern nur außer Gefecht gesetzt. Tötungsaktionen finden ausschließlich in Cut-Scenes statt, weshalb es im Story-Modus auch keine Fatalities gibt, sondern so genannte Fatal Blows. Die rauben eurem Gegner zwar rund ein Drittel der Lebensenergie, lassen ihn aber eben noch am Leben.
Quelle: Computec Media GmbH
Der Liu Kang aus der Gegenwart kämpft gegen sein jüngeres Ich, das durch die Zeit gereist ist. Derart reizvolle Konstellationen erwarten euch im Story-Modus häufiger.
Aktivieren dürft ihr einen Fatal Blow, sobald sich eure Energieleiste dem Ende zuneigt. Die dann folgende Kombo steht einem klassischen Fatality in puncto Brutalität kaum nach. Kung Lao verwendet seinen Hut zum Beispiel als Kreissägeblatt und lässt die Wirbelsäule seines Widersachers "durchmassieren" und dann gleich noch das Gesicht - autsch ...
So wird's gemacht
Wie ihr Fatal Blows, Fatalities, Kombos, Basis-Schläge oder Interaktionen mit der Umgebung ausführt, zeigt euch der umfangreiche "Lernen"-Bereich. Sowohl Einsteiger als auch Fortgeschrittene finden hier die passenden Lektionen. Zum Beispiel gibt es für jeden Kämpfer eigene Spezialangriffe, die sich üben lassen. Voyeure dürfen ihre Schaulust in der Sektion Fatality-Training ausleben, wo man auf direktem Wege die Tötungsaktionen der einzelnen Kämpfer ausprobieren darf.
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Quelle: Computec Media GmbH
Baraka setzt gerade zu einem Fatality an. Da der Glatzkopf mit den riesigen Zähnen ein Kannibale ist, trachtet es ihm nach einem ganz bestimmten Organ ...
Im Vergleich zu Mortal Kombat X wurde das Spieltempo ein klein wenig verringert, zudem haben die Macher die Sprintfunktion entfernt. Dadurch steigt die taktische Komponente der Kämpfe, was wir begrüßen. Überzeugen kann uns auch die nahezu perfekte Kollisionsabfrage. Insgesamt sind das komplexe Kampfsystem, die vielen Spezialattacken der abwechslungsreichen Kämpferriege und die Umgebungsaktionen so motivierend, dass wir uns auf jedes "Fight" des markanten Ringsprechers gefreut haben.
Den Turm hinauf
Abseits der Story-Kampagne und des Zwei-Spieler-Modus' erwarten euch noch zwei Turm-Spielvarianten, in denen der Schwierigkeitsgrad allerdings zu unausgewogen ausfällt. Zusätzlich dürft ihr in der Krypta allerlei Schatztruhen durch Investments von Ingame-Währung öffnen. Die Inhalte wie Charakterzeichnungen oder Kostüme sind leider zufällig ausgewählt. Skins könnt ihr auch im Shop kaufen, wo es auch den 25. Kämpfer zu erwerben gibt: Für Shao Kahn, den Kaiser der Außenwelt, müsst ihr allerdings stolze 5,99 Euro löhnen. Auch bei den Skins wird kräftig zugelangt.
Quelle: Computec Media GmbH
In der Krypta lauft ihr in der Third-Person-Ansicht umher und öffnet Schatztruhen gegen Ingame-Währung. Ein netter Zeitvertreib, aber nicht mehr.
Kritisieren müssen wir auch die gelegentlichen Lags im Online-Modus, was in einem Prügelspiel den Spielspaß deutlich mindern kann. Selbst wenn die angezeigte Online-Verbindung im grünen Bereich lag, litten unsere Probe-Matches unter Verzögerungen. Dies war in den Vorgängern aber nicht besser, hier sollte Netherrealm langsam mal seine Hausaufgaben machen. Immerhin werden Rage Quitter bestraft.
Die Hausaufgaben wurden ansonsten weitestgehend zu unserer Zufriedenheit erledigt. Die vier Jahre Wartezeit seit Mortal Kombat X haben die Macher in einen wirklich gelungenen Story-Modus investiert, der in Verbindung mit dem leicht verbesserten Kampfsystem das Highlight von Mortal Kombat 11 darstellt.
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Und ja es stimmt, der DoA 6 Storymode ist nicht das gelbe vom Ei, er ist "nur" drei bis vier Stunden lang und besteht aus einem komischen "Tree", den man recht durcheinander spielt. Die Aufteilung des Trees ist nach Reihe, also 1. Kapitel, 2. Kapitel etc. und dann nach Spalte, eine Spalte ist ein zusammenhängender Story-Strang. Nur spielt man halt nicht nach Spalte sondern mehr oder minder komplett durcheinander, weil die Sachen komisch freigeschaltet werden. Wobei eben die Hauptstory ist Spalte 1, dann gibt es eine Nebenstory die beschäftigt sich mit dem DoA Turnier und die restlichen Spalten sind halt so kleine Charakter-Storys. Dadurch ist das Gesamtbild halt einfach unglaublich konfus und es ist denke ich auch inhaltlich der schlechteste Story-Mode seit Jahren.
Nur das ändert nichts daran, dass das halt immer eine nette Zugabe ist, in den meisten Prügelspielen ist die Story ja nicht sonderlich lang oder gar "intelligent". Der Hauptfokus liegt schon bei Arcade und Online und da ist DoA 6 fantastisch. Nur was macht das jetzt aus Mortal Kombat 11, wenn das außer dem Storymode kaum noch was spannendes zu bieten hat, weil das Kampfsystem ohnehin eines der schwächsten im Bereich Prügelspiele ist?
Ansonsten, den besten Storymode hat Soul Calibur 6 (auch 8 von 10), eigentlich hat der sogar 2. Die werden zwar nur in stilistischen, gezeichneten Standbildern erzählt allerdings kann man bei einem seinen eigenen Charakter erstellen (das ist genial, der Editor ist super) und fängt bei Level 1 an, dann geht es über eine Karte und das Ganze ist aufgezogen wie ein Rollenspiel. Man kann bei Händlern Nahrung (gibt diverse Boni im Kampf) und bessere Waffen kaufen, Quests erledigen und so langsam hochleveln (unter anderem macht man mehr Schaden und erhält mehr Lebenspunkte) und dann der Hauptstory folgen. Das ist durchaus mal innovativ im Bereich Prügelspiele.
Kleines Edit, gerade noch mal den Test von SC VI durchgelesen. Er ist mir ehrlich gesagt auch viel zu oberflächlich (wie eigentlich alle drei Tests). So wird z.B. nicht auf das teils schlechte Balancing der einzelnen Charaktere eingegangen. Gaststar Geralt von Riva ist übermächtig, mit dem kommt selbst ein Einsteiger auf höheren Schwierigkeitsgeraden problemlos durch, dem konträr ist z.B. Ivy, wer die nicht richtig gut beherrscht sieht selbst auf leichten Schwierigkeitsgeraden kein Land.
Etwas unfair finde ich die Kritisierung des Story Modus, es wird im Test selbst gesagt, dass er unheimlich Spaß macht aber eben gleichzeitig kritisiert, dass man hier keine tollen CGI Zwischensequenzen etc. hat. Nun muss ich mich fragen, wer hätte die bezahlen sollen? Der Story-Modus geht unglaublich lange, es ist halt ein quasi RPG und Prügelspiele verkaufen sich inzwischen ja nicht mehr sonderlich gut (mit Ausnahme von, leider, Mortal Kombat, Gewaltexzesse ziehen halt besser als Gameplay).