Moonlight: Filmkritik zu Berry Jenkins Oscar-Gewinner-Ausnahmefilm
"Wer bist du?" wird Chiron einmal gefragt. Die Frage rührt am Kern des Dramas, das in drei Kapiteln einen schwarzen Außenseiter porträtiert. Als 9-Jähriger lebt Chiron, Spitzname Little, bei seiner cracksüchtigen Mutter in Miami. Im Dealer Juan und dessen Freundin Teresa findet er Ersatzeltern. Sieben Jahre später macht der Teenager eine erste schwule Erfahrung und wird an der Schule drangsaliert. Mit Ende 20 versteckt er sich hinter einer harten Schale, bis ihn die Vergangenheit einholt.
Das Kinodebüt von Regisseur und Autor Barry Jenkins basiert auf dem Theaterstück "In Moonlight Black Boys Look Blue", ist aber betont filmisch inszeniert. Die Handkamera umkreist die grandios gespielten Figuren und riskiert dafür auch Wackler und leichte Unschärfen. So entwickelt "Moonlight" einen impressionistischen Sog, doch zugleich zeigt Jenkins mit Zeitlupen oder klassischer Musik viel Stilwillen. Im Ergebnis triumphiert das mehrfach mit Filmpreisen bedachte Erstlingswerk als wahres Kinogedicht.
Fazit
Ein homosexueller Schwarzer strauchelt durchs Leben - was leicht ein dröges Problemdrama hätte werden können, entzückt als intensiver Coming-of-Age-Film.
