Trotz Startproblemen: das Review-Bombing beim MS Flight Simulator 2024 geht zu weit
Manche Leute kommen nicht ins Spiel, bei anderen fehlen Inhalte. Der Start des Microsoft Flight Simulator 2024 ist mehr als holprig. Aber die Verantwortlichen arbeiten dran.
Die Steam-Seite des Microsoft Flight Simulator 2024 sieht einen Tag nach Release gar nicht gut aus. "Äußerst negativ" ist die Einschätzung der User, die sich das Spiel über Steam gekauft haben. Ganze 84 Prozent haben einen Daumen runter gegeben, während ich meinen Text schreibe und mich frage, ob so ein Review-Bombing wirklich nötig ist.
Das Problem liegt eigentlich klar auf der Hand. Das Team hinter dem Flugsimulator hat nicht ansatzweise mit einem solchen Andrang gerechnet und deswegen viel zu kleine Server bereitgestellt. Die Folge daraus ist, dass Leute stundenlang in einer Warteschlange sitzen und teilweise in ein Spiel laden, in dem einzelne Teile fehlen.
Zu hohe Nachfrage
Wie viele Leute tatsächlich aktuell versuchen, in den Flugsimulator zu kommen, habe ich bei Xbox direkt angefragt. Da man aber gerade alles daran setzt, die Server zum Laufen zu bringen, hat man mich mit einer Antwort auf später vertröstet. Ein offizielles Statement gibt es aber doch, in dem die Entwickler kurz das Problem erklären, bevor sie sicherlich zurück an ihre Rechner geflitzt sind, um weiter an einer Lösung zu arbeiten.
Dort erklären die Entwickler, dass es einen bestimmten Server gibt, auf dem einige der neuen Inhalte liegen, wie beispielsweise der Karrieremodus. Während der Testläufe hat das Studio mit rund 200.000 Leuten gleichzeitig den Server betreten, ohne auf Probleme zu stoßen. Und das ist auch die Zahl, auf die man nach den ersten Abstürzen gestern bei Release die Server beschränkt, damit der Cache nicht dauerhaft vollläuft.
Das ist auch der Grund, warum Leute ins Spiel laden und fehlerhafte Inhalte vorfinden - oder eben nicht vorfinden: Der Server ist überfordert und kommt nicht hinterher, die richtigen Daten durchzugeben, und es kommt zu Fehlern, die das Spielerlebnis nervig bis unerträglich machen.
Verständlicher Unmut
Ich selbst habe es gestern Abend und heute Morgen zu Unzeiten um 6 Uhr früh versucht, ins Spiel zu laden. Da ich genug anderes zu spielen habe, habe ich mich aber recht schnell abgewendet und den Start meiner Pilotenkarriere auf später verschoben. Trotzdem will ich nicht sagen, dass die Frustration nicht auch irgendwo angebracht ist. Immerhin gibt es Leute, die sich für den Release einer solchen Simulation extra Urlaub nehmen, man hat feste Zeiten eingeplant, vielleicht sogar extra Geld für Peripherie ausgegeben, etc.
Ihrer Frustration machen manche Leute bereits unter dem Video der Flight-Sim-Entwickler Luft und fragen, ob den Devs nicht klar war, dass mehr als 200.000 Spieler am Release-Tag in die Lüfte starten wollen. Immerhin war der Hype riesig um den nächsten Teil der Reihe.
Genau da möchte ich einhaken. Denn die Entwickler haben nicht behauptet, dass der Server nicht für mehr Leute ausgelegt wäre, sondern dass sie eben maximal mit 200.000 Leuten getestet haben. Einerseits ist das natürlich Haarspalterei von mir, andererseits haben Playtests natürlich auch ihre Grenzen. So melden sich nicht unendlich viele Leute im Vorfeld, um mitzumachen, und natürlich sind auch die Anforderungen bei einem Playtest recht hoch.
Begrenzte Möglichkeiten
Besagter Playtest Ende Oktober fand beispielsweise nur auf PCs statt und hat Xbox-Spieler gar nicht einbezogen - und die Anforderungen für die PC-Hardware waren ordentlich, wie meine Kollegen bei der PC Games Hardware bereits im Vorfeld meldeten. Dass die Server jetzt also den riesigen Spielermassen nicht standhalten, war nicht so offensichtlich, wie es jetzt im Nachhinein wirkt.
Dementsprechend irritiert mich das aktuelle Review-Bombing auf Steam, immerhin haben die wenigsten das Spiel schon richtig starten können. Zunächst ist also Abwarten angesagt, bis die Entwickler mit dem Ansturm hinterherkommen und die Server bestenfalls schnell erweitern. Dass das nicht unmöglich ist, hat die Konkurrenz zum Release von Helldivers 2 bewiesen, das mit ähnlichen Problemen gestartet ist. Auch für den Shooter hat man nicht mit dem Ansturm in den ersten Tagen gerechnet und musste erst einmal nachrüsten. Mit diesem Vorbild im Kopf, das positiv ausging, hat auch der Microsoft Flight Simulator 2024 (jetzt kaufen 105,90 € ) etwas Karenzzeit verdient, bevor man ihn auf Bewertungsplattformen abstraft.
Da steckt Herzblut drin
Denn auch, wenn hinter dem ganzen Projekt prominent der Name Microsoft steht, ist das Team hinter dem Flugsimulator ein eigenes, das nicht unendlich viel Geld vom Mutterschiff abbekommt. Im Gespräch mit Jörg Neumann und auch mit anderen Entwicklern zur Sim (im Rahmen meiner Vorschau) hatte ich vor allem einen Eindruck: Hinter diesem Spiel sitzen Nerds, die richtig Bock auf Fliegen, Flugzeuge und Physik haben. Und die Teams können teilweise selbst nicht glauben, dass sie von Microsoft tatsächlich freie Hand bekommen und sich auf das konzentrieren können, was sie interessiert. Das ist nicht etwa Geld scheffeln, sondern eine gute Flugsimulation machen, die realistisch ist, Spaß macht und viele andere Aeronautik-Fans erreicht.
Dass die Server zum Start nicht funktionieren, ist also blöd, aber keine böse Absicht, sondern fällt eher in die Kategorie dumm gelaufen. Etwas, was man einem gigantischen Unternehmen wie Microsoft vielleicht vorwerfen kann, aber in diesem Falle vor allem die Entwickler trifft, die ihr Herzblut in den Flight Simulator stecken.

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Aus meiner Sicht ist ein Spiel ein Gesamtpaket und wenn man jetzt mal als Kontrast dazu die verteurte Version von Star Wars Outlaws nimmt, um 3 Tage früher spielen zu können - also wo man noch drauf zahlt, weil man früher spielen möchte - und diese dann so verbuggt ist, dass sämtlicher Fortschritt nach 3 Tagen weg ist, dann würde man mit dem "na ja, dann gehen die Server halt die ersten Wochen über meistens nicht", genau das billigen.
Ob das ein Daumen runter wert ist, für mich nicht, aber ich kann's verstehen wer's dennoch macht. Wie ich schon sagte, in jedem anderen Bereich unseres Lebens wäre sowas nicht akzeptabel.
Letztendlich sehe ich auch, wie sich das bei manchen Konsumenten wiederspiegelt, die dann denken Kritik muss immer sachlich sein. Man könnte auch sagen, das was du ansprichst, die negative Haltung spiegelt sich in der Presselandschaft nicht mehr wieder, was sie umso mehr einheitlich und auch parteiisch wirken lässt. Man sieht es auch schon seit quasi immer an den Wertungsspiegeln. Von der Skala wird beinahe nur das letzte Fünftel ausgenutzt 80-90. Ab und zu verirrt sich hier auch mal eine 7.X dazu aber schon seltener. Das was anderswo normal ist, hat hier Seltenheitswert.
Und was ist schon dabei, wenn Hogwarts Legacy ein paar ätzende Bewertungen von Konsumenten wegen Rowling bekommt? Anders als in deinem Beispiel geht dabei ja nichts kaputt. Niemanden entsteht dadurch ein Schaden. Hogwarts Legacy war ein Superhit gewesen. Andere Dinge sind keine Superhits und auch das ist okay, dann scheitert etwas halt und Leute sehen die Bewertungen, stimmen zu, dass es für sie nichts ist aus welchem Grund dann auch immer und behalten das Geld in der Tasche oder geben es an anderer Stelle aus. Eine negative Bewertung oder ein ätzender Kommentar ist keine Gewalt.
Wie auch immer, zum Thema: Kritik ist wichtig und richtig, sollte aber natürlich berechtigt und sachlich formuliert sein. Das ist dann auch kein Review-Bombing. Wenn es technische Probleme zum Release gibt, dann sollten die auch bewertet werden. Wenn die dann allerdings gefixt werden, sollte anschließend auch das negative Review überarbeitet werden. Leider machen das viele Leute nicht.
Richtig schlimm finde ich es, wenn negative Reviews geschrieben werden, die rein gar nichts mit dem eigentlichen Spiel zutun haben, sondern sich an den Publisher richten oder ähnliches. Ein Beispiel wäre da z. B. Hogwarts Legacy, das wegen der Aussagen von J. K. Rowling zum Release viel Hass abbekommen hat, der sich auch gegen die Spieler gerichtet hat. Da haben dann oft die Entwickler überhaupt nichts mit zutun. Ich schlage ja auch nicht beim Mercedes meines Nachbarn die Scheibe ein, wenn mich ein Mercedeshändler im Autohaus unfreundlich behandelt hat.