Gut oder böse? Moralsysteme in Videospielen - Seite 2

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Kolumne Christian Fussy - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Gut oder böse? Moralsysteme in Videospielen - Seite 2
Quelle: PC Games

Viele moralische Entscheidungen in Spielen lassen sich darauf herunterbrechen, ob wir gut oder böse sein wollen. Das ist zu wenig, findet Redakteur Chris.

Wenn ich das negative Karma von meinem letzten Völkermord einfach ausgleichen kann, indem ich bei meinen nächsten drei Quests auf eine Belohnung verzichte, ist die Illusion einer lebendigen und reagierenden Welt ziemlich schnell gebrochen. Zumal Gut und Böse ja ohnehin von jedem auf andere Art definiert werden und sich nicht sämtliche Entscheidungen in zwei Kategorien einteilen lassen.

Jeder ist ein Kritiker

Etwas besser funktionieren Systeme, bei denen sich die Handlungen unserer Hauptfigur in den Reaktionen unserer Mitstreiter und NPCs und in der Spielwelt selbst widerspiegeln. Viele RPGs verfügen über ein Einfluss-System, bei dem wir NPCs durch bestimmte Beschlüsse oder Aufmerksamkeiten auf unsere Seite ziehen können. Immersion geht allerdings auch hier verloren, wenn unsere Begleiter über sämtliche Entgleisungen hinweg befriedet werden können, solange man ihnen gelegentlich ein Stück Kuchen anbietet. Die besten Systeme verzichten auch hier auf Graphen oder Punkte und zeigen uns die Konsequenzen unserer Handlungen stattdessen durch die Story. Ein klassisches Beispiel ist hier die Witcher-Reihe, insbesondere Teil 3. Geralts Welt ist nicht schwarz und weiß, sondern tatsächlich ein Geflecht aus verschiedenen Interessen, Ideologien und Systemen, die sich nicht in ein solch simples Schema pressen lassen. Selbst schurkische Charaktere können sympathisch sein und gut gemeinte Aktionen fatale Konsequenzen haben.

Das sorgt dafür, dass wir wirklich über unsere Handlungen nachdenken müssen und uns nicht einfach eine gewünschte Konsequenz aussuchen können. Wir können Geralts Entscheidungen fast immer nachvollziehen, egal, wie sie ausfallen, weil das Spiel sich weigert, uns einen klaren Weg zu unserem Wunschergebnis zu zeigen. Außerdem liegt sein Charakter nicht auf einem Spektrum zwischen Heiligenschein und Hitler-Satan.

Er kann klar definierte Grenzen haben, wenn es darum geht, seine Waffe gegen Menschen zu richten - oder eben nicht. Er kann jedem Übel in der Welt widersprechen oder sich zynisch damit abfinden, er kann auf eine ordentliche Bezahlung und seinen Witcher-Kodex bestehen, oder Ausnahmen machen und wir verstehen immer komplett, warum jemand in seiner Situation so denken würde.
The Witcher 3 Quelle: PC Games The Witcher 3

Es hilft natürlich, dass Geralt bei seinem Abenteuer alleine unterwegs ist. So sind seine Beziehungen zu den wichtigen Figuren auf einige Quests und Dialoge begrenzt. Der Blutige Baron muss nicht zu jeder Entscheidung Geralts eine differenzierte Meinung haben. Sein Verhältnis zum Hexer richtet sich nach direkten Interaktionen mit ihm. Die Konsequenzen dieser Interaktionen betreffen dann aber nicht nur ihn alleine, sondern auch andere Figuren, von denen wir zu diesem Zeitpunkt möglicherweise noch gar nichts wissen.

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    • Kommentare (18)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Gast1661893802 Mitglied
        Zitat von MarcHammel
        Eine entsprechende Formulierung wäre in dem Fall hilfreicher gewesen. :P
        Nach Deinem Post ist es mir auch aufgefallen.?

        Zitat von MarcHammel
        Aber der ist dann halt nur ein A-Loch. Ein spielbares Böse gibt es meist überhaupt nicht.
        Wobei es auch bei den Guten idR keine Schattierung gibt.
        Letztendlich kann ein kalter Auftragskiller auch durchaus alte Leute über die Straße geleiten und selbst die Herzensgüte eines Guten kennt Grenzen.

        Was bleibt ist das starr vorgegebene Korsett der Entwickler (zumeist wie der Level eines Schlauchshooters) und eben die zärtlichen Ausnahmen vereinzelter Titel die zeigen das es nicht unmöglich ist.
      • Von Gast1661893802 Mitglied
        Zitat von MarcHammel
        Eine entsprechende Formulierung wäre in dem Fall hilfreicher gewesen. :P
        Nach Deinem Post ist es mir auch aufgefallen.?

        Zitat von MarcHammel
        Aber der ist dann halt nur ein A-Loch. Ein spielbares Böse gibt es meist überhaupt nicht.
        Wobei es auch bei den Guten idR keine Schattierung gibt.
        Letztendlich kann ein kalter Auftragskiller auch durchaus alte Leute über die Straße geleiten und selbst die Herzensgüte eines Guten kennt Grenzen.

        Was bleibt ist das starr vorgegebene Korsett der Entwickler (zumeist wie der Level eines Schlauchshooters) und eben die zärtlichen Ausnahmen vereinzelter Titel die zeigen das es nicht unmöglich ist.
      • Von Gast1730761802 Mitglied
        Zitat von LesterPG
        Ich meinte bei den Studios angekommen ...
        Besagte Ausnahmen sind Eben genau Diese und die Masse macht es sich einfach.?
        Eine entsprechende Formulierung wäre in dem Fall hilfreicher gewesen. :P
        Zitat von LesterPG
        ... und langweilt Erwachsene die wissen das die Regel nicht nur entweder schwarz oder weiß ist ...
        Darum kommt es zu solche Artikel.?
        Jetzt sind wir aber beim Problem, dass man in Videogames eben (fast) nie einen bösen Charakter spielt. Und selbst wenn, ist er meist so gestaltet, dass man irgendwie doch Sympathie für ihn hegt. Wenn man die Wahl hat, dann führen alle Wege dennoch zu einem mehr oder weniger guten Ende.

        Letztlich spielt man, wenn man "böse" spielt, einfach nur einen Charakter, der für sein Ziel alles tut. Nicht mehr, nicht weniger. Aber der ist dann halt nur ein A-Loch. Ein spielbares Böse gibt es meist überhaupt nicht.
      • Von Gast1661893802 Mitglied
        Zitat von MarcHammel
        Eigentlich ist das in der Masse schon angekommen. Es geht ja nicht wirklich um "gut" und "böse", sondern einfach um völlig unterschiedliche Ansichten. Der Begriff "böse" fällt in der Regel erst, wenn es um Extreme geht (Mord, sexueller Missbrauch o.ä.).
        Ich meinte bei den Studios angekommen ...
        Besagte Ausnahmen sind Eben genau Diese und die Masse macht es sich einfach.?

        Zitat von MarcHammel
        Das Gut-Böse-Schema ist allerdings per se nichts schlechtes. Dieses Schema gibt vor allem Kindern Orientierung im Leben und zeigt ihnen eine moralische Basis auf, aus der sie ihre eigenen Moralvorstellungen entwickeln werden.
        ... und langweilt Erwachsene die wissen das die Regel nicht nur entweder schwarz oder weiß ist ...
        Darum kommt es zu solche Artikel.?
      • Von Sephiroth86 Mitglied
        der Screenshot ist doch von Black & White :D
      • Von Gast1730761802 Mitglied
        Zitat von LesterPG
        Wie schon erwähnt geht da deutlich mehr als nur gut/böse, nur das ist bei der breiten Masse einfach noch nicht angekommen ,weil einfach halt immer einfacher ist. ?
        Eigentlich ist das in der Masse schon angekommen. Es geht ja nicht wirklich um "gut" und "böse", sondern einfach um völlig unterschiedliche Ansichten. Der Begriff "böse" fällt in der Regel erst, wenn es um Extreme geht (Mord, sexueller Missbrauch o.ä.).

        Das Gut-Böse-Schema ist allerdings per se nichts schlechtes. Dieses Schema gibt vor allem Kindern Orientierung im Leben und zeigt ihnen eine moralische Basis auf, aus der sie ihre eigenen Moralvorstellungen entwickeln werden.

        Ich möchte mal behaupten, was Gut oder Böse ist, bzw. was gut oder schlecht ist, liegt weniger im Auge des einzelnen Betrachters, sondern vielmehr in der Kultur, Erziehung und der Zeit begründet. Aktuell erleben wir ja auch einen starken Wertewandel. Ein solcher Wertewandel ist auch immer von Konflikten geprägt, weswegen sowas auch mal die ein oder anderen seltsamen Blüten tragen kann.

        Zitat von hunterseyes
        Wie schnell die eigenen werte über den Haufen geworfen werden, sieht man, sobald man den gewohnten Lebensstil bzw das Niveau absenkt. Je tiefer man nach unten kommt, desto mehr wird geduldet, um zu überleben.
        Dafür muss man nicht mal nach unten kommen. Es reicht schon, wenn Leute sich in ihrem Wohlstand vermeintlich bedroht fühlen und jemand im Vorbeigehen versehentlich an ihrem Thron aneckt.
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