Magrunner: Dark Pulse im Test - Portal-Klon mit kniffligen Rätseln, aber dünner Story
Unser Test zu Magrunner: Dark Pulse ist eingetroffen. Warum Ego-Puzzles und Horrorliteratur im Stil von Cthulhu nicht so recht zusammenpassen, erklären wir in unserer Review. Denn dieser Knobel-Shooter unterscheidet sich doch ein wenig vom offensichtlichen Vorbild Portal.
Magrunner: Dark Pulse im Test: Dieser Cthulhu ist schon ein Schlingel. Der uralte und furchtbar böse Tentakelgott taucht nämlich immer da auf, wo wir ihn am wenigsten erwarten. Kein Wunder, ist der um ihn herum aufgebaute Mythos, einst ersonnen von Horror-Autor H. P. Lovecraft, doch längst allgemeines Kulturgut: Jedermann darf sich eigene Geschichten über Cthulhu und dessen Pläne zur Unterjochung der Menschheit ausdenken und für kommerzielle Zwecke nutzen. So wie die Entwickler von Magrunner: Dark Pulse.
Glados, wo bist du?
Auf den ersten Blick wirkt Magrunner wie eine 1:1-Kopie von Valves Puzzle-Hit Portal: Aus der Ego-Perspektive rätseln Sie sich durch 40 Levels, wobei Sie zuerst in klinisch sterilen Testkammern agieren, später aber durch immer verwahrloste Hallen einer riesigen Anlage stromern, bis es Sie schließlich in den Weltraum verschlägt. Die abwechslungsreichen Örtlichkeiten haben Sie dem großen Alleinstellungsmerkmal des Spiels zu verdanken: dem Cthulhu-Szenario. Denn ein blutdürstiger Kult versucht, den "Alten" und seine Schergen zu beschwören, und kehrt dabei die Testanlage von innen nach außen.
Der ungewöhnliche Ansatz macht aus der Handlung von Magrunner aber noch lange keinen Anwärter auf einen Literaturpreis: Der Plot mit seinen klischeehaften Charakteren und Dialogen sowie den vorhersehbaren Wendungen hätte Herrn Lovecraft wohl nur ein geringschätziges Lächeln entlockt. Noch viel schwerer wiegt aber die vollkommene Abwesenheit jedweder Gruselstimmung: Wo den Leser in den von Wahnsinn handelnden Cthulhu-Romanen oftmals das nackte Grauen packt, steht sich Magrunner mit seiner behäbigen Inszenierung selbst im Weg. Zwischensequenzen und Musik erzeugen keine Gänsehaut und die diversen Tentakelmonster in den gelegentlichen, zeitkritischen "Action"-Sequenzen bewegen sich derart unnatürlich, dass ihr Anblick eher für plötzliche Lachanfälle als für Gruselstimmung sorgt.
Anziehend anspruchsvoll
Glücklicherweise bietet Magrunner mehr als eine maue Geschichte, nämlich physikbasierte Puzzles. Die nutzen allesamt das Prinzip des Magnetismus: Mit einem Spezialhandschuh verpassen Sie herumliegenden Kisten oder schwebenden Plattformen eine von zwei elektrischen Ladungen (rot oder grün). Objekte mit der gleichen Farbe ziehen sich an; bei unterschiedlicher Färbung stoßen sie sich ab. Das mag zwar anders sein als in der Realität, ist aber leicht verständlich und erlaubt immer komplexere Rätselketten, bei denen Spiegel, Geschütztürme und mit Würfeln zu aktivierende Schalter eine Rolle spielen.
Wer auf der Suche nach neuem Futter für die grauen Zellen ist, hat mit Magrunner seinen Spaß: Die anfangs sacht ansteigende Lernkurve macht nach etwa vier Stunden einen großen Satz und viele der folgenden Kopfnüsse erfordern minutenlanges Ausprobieren und Nachdenken. Das sorgt gelegentlich für Frust, besonders bei Einsteigern. Es bedarf schon einer gehörigen Portion Selbstdisziplin, um die Lösung einiger der größeren Räume mit ihren zahllosen Fahrstühlen und Hindernissen nach einer halben Stunde des fruchtlosen Experimentierens nicht einfach auf Youtube nachzuschauen.
