Livelock im Test: Roboter-Radau mit gewaltigem Blechschaden
Im Review des Top-Down-Shooters Livelock retten wir die Menschheit und verschrotten dabei tonnenweise Blechkameraden. Ein unkomplizierter Roboter-Kracher für Koop-Freunde und Ballerfans, die weder Überraschungen noch Tiefgang erwarten.
Quelle: PC Games
Mit seinem Schild blockt der Vanguard die gefährlichen Strahlen der Gegner ab.
Wer seinen Kopf einige Male gegen ein Stück Wellblech schlägt, der bekommt eine ganz gute Vorstellung von dem, was einen in Livelock erwartet: Ein hohles, wenn auch weitestgehend gelungenes Ballerfest, in dem wir ganze Armeen von Robotern zu Metallschrott verarbeiten. Damit ist Livelock zwar sicher kein Spiel-des-Jahres-Anwärter, aber vielleicht genau das Richtige für Fans unkomplizierter Koop-Schießereien.
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Livelock im Test: Schrottreife Story
Quelle: Perfect World
Die schwache Story wird in wenigen, völlig spannungsfreien Zwischensequenzen erzählt.
Anders als Alienation oder Alien Swarm legt Livelock verhältnismäßig großen Wert auf seine Story. Die fällt allerdings so miserabel aus, dass man sich zeitweise wünscht, sie abschalten zu können: Als übermächtiger Roboter, der sogenannte Hauptintellekt, erwachen wir in einer finsteren Zukunft, in der die Menschheit von Robotern plattgemacht wurde. Um den Homo Sapiens wiederzubeleben, ist es unser Job, uns durch eine gigantische Menge an bösartigen Maschinenwesen zu ballern. Stets wird das Geschehen von der nervigen Stimme Satcoms begleitet, einer künstlichen Intelligenz, die uns mit einschläfernden Kommentaren wie "Mach dich bereit, Intellekt." oder "Sieh dich vor, Intellekt." durch die Handlung scheucht. Dazwischen gibt's ein paar langweilige Cutscenes, in denen nicht nur die blassen Oberschurken, sondern auch unsere drei Heldenklassen zu Wort kommen - leider! Denn die spielbaren Figuren kommentieren den Ablauf mit elendigen Sprüchen wie "U mad bro!?" oder "Ohhh, wohltuender Schmerz" - das weckt unschöne Erinnerungen an das nervtötende Sacred 3. (Auch wenn Livelock längst nicht so schlimm gerät, Sacred 3 spielt schließlich doch in einer ganz anderen Schmerzliga. Vergessen warum? Die Antwort gibt's hier im Video oder hier auf Youtube - klicken auf eigene Gefahr!)
Livelock im Test: Effektreicher Blechschaden
Quelle: PC Games
Vanguards fühlen sich mitten im Schlachtgetümmel am wohlsten.
Blendet man die öde Story allerdings aus, entpuppt sich Livelock als grundsolider Top-Down-Shooter. Zu Beginn entscheiden wir uns für einen der drei Roboterhelden - zur Wahl stehen Hex, ein Scharfschütze, der Nahkämpfer Vanguard und Catalyst, eine Fernkämpferin, die sich und ihre Teammitglieder heilen kann. Auf Wunsch spielen wir die Kampagne alleine oder online im Koop-Modus mit zwei weiteren Spielern.
So ballerten wir uns für diesen Test mit allen drei Klassen durch die Kampagne, die sich über drei Akte mit insgesamt 21 kurzen Missionen erstreckt. Die Levels sind grundsätzlich linear, bieten aber immerhin unterschiedliche Ziele: Da sollen wir etwa eine Roboterartillerie vor Angriffen beschützen, einen Arena-Kampf gegen einen mysteriösen KI-Wächter bestehen oder mithilfe einiger Metall-Kumpels eine schwer befestigte Brücke stürmen.
Löblich: In jedem der drei Kapitel bekommen wir neue Umgebungen und Gegnertypen zu sehen. Sind wir im ersten Akt noch vorwiegend in tristen Stadtruinen unterwegs, erkunden wir in der Spielmitte deutlich schickere Levels, etwa ein futuristisches Insektennest, in dem sich Roboterspinnen und metallische Riesenkäfer eingenistet haben. Gegen Spielende setzt Livelock dann leider auf lieblos texturierte Eiswüsten und klobiges Geröll, das grafisch schlicht unzeitgemäß wirkt. Dafür entschädigen aber die netten Zerstörungseffekte ein wenig, viele Levelbestandteile lassen sich nämlich prachtvoll zerdeppern. Überhaupt ist die Action hübsch inszeniert, in Livelock knistert, brennt und explodiert es im Sekundentakt - wer auf sattbunte Schießereien mit hohem Krawallfaktor und jeder Menge Laserfeuer steht, bekommt in Livelock einiges geboten!
Quelle: PC Games
Koop-Spieler sind in der Regel schnell gefunden. Die Schwierigkeitsstufe wird im Multiplayer angepasst.
Livelock im Test: Eingeschränktes Klassenspiel
Zwar spielen sich die drei Klassen grundsätzlich unterschiedlich, allerdings bieten sie für sich genommen kaum Abwechslung. Das liegt am eingeschränkten Charaktersystem: Nach jeder Mission levelt unsere Spielfigur auf und schaltet dabei automatisch neue Verbesserungen frei. Darunter befinden sich auch für jede Klasse sechs Waffen, aus denen wir drei Stück tragen können - da manche Schießprügel jedoch deutlich nützlicher als andere ausfallen, fällt die Wahl leicht. Zusätzlich schalten wir pro Klasse ein paar Spezialkräfte frei, die wir alle paar Sekunden auslösen dürfen. Auf Wunsch erzeugt die Catalyst-Klasse dann beispielsweise ein automatisch feuerndes Geschütz oder sie beschwört holografische Klone, die selbstständig auf ihre Gegner losgehen. Gar nicht schlecht!
Quelle: PC Games
Schade: Unsere Helden leveln automatisch auf, wir haben kaum Freiheiten bei der Charaktergestaltung.
Zwar gibt es für jedes Talent noch zwei mögliche Upgrades, doch in der Summe sind das einfach zu wenig Möglichkeiten, um einen eigenen Spielstil zu finden. Ein Beutesystem sucht man auch vergebens, wir schalten lediglich neue kosmetische Items für unsere Helden frei - beispielsweise dürfen wir unsere Blechkrieger umlackieren oder ihnen einen wallenden Umhang verpassen. Spielerische Auswirkungen hat das allerdings nicht. Natürlich: Livelock will ein simpler Shooter sein, es wäre also falsch, ein vollwertiges Action-RPG mit komplexem Lootsystem zu erwarten. Ein klassischer Talentbaum und coolere Waffen, die wir in verschiedene Richtungen ausbauen könnten, hätten dem Spiel aber zweifellos gut getan.
Livelock im Test: Der Spaß hat ein Ende
Quelle: PC Games
Jede Klasse verfügt über ein Supertalent. Hier lässt Hex einen mächtigen orbitalen Laser aufs Schlachtfeld feuern.
Highlights und Überraschungen sind in Livelock rar gesät. Immerhin bekommen wir aber häufig besonders robuste Spezialgegner ins Fadenkreuz, erkennbar an ihrer bunten Färbung, die uns zusammen mit den zahlenmäßig überlegenen Feinden kräftig ins Schwitzen bringen. Wenn wir sterben, werden wir allerdings an Ort und Stelle wiederbelebt - der Anspruch tendiert daher gegen null. Viel zu entdecken gibt es leider auch nicht, neben Audioaufzeichnungen, die ein bisschen mehr über die Story verraten, finden wir nur blau schimmernde Kisten in den Levels. Die enthalten Upgrade-Material, das wir brauchen, um unsere kleine Waffensammlung aufzuwerten. Ab und zu konfrontiert uns Livelock außerdem mit ordentlichen Bosskämpfen, in denen vor allem geschicktes Ausweichen gefragt ist. Davon hätte es gerne mehr sein dürfen!
Hat man die Kampagne nach etwa sechs bis acht Stunden durchgeprügelt, hat man im Grunde alles gesehen. Es lockt kein forderndes Endgame, wir dürfen uns lediglich an höheren Schwierigkeitsgraden versuchen und unsere Helden auf die Maximalstufe 30 leveln. Außerdem gibt es noch einen Survival-Modus, in dem wir auf der Jagd nach dem Highscore möglichst lange überleben müssen - für Zwischendurch okay, auf Dauer aber einfach nicht motivierend genug.
Livelock ist für PC, PS4 und Xbox One als Download-Version erhältlich und kostet 20 Euro. Die PC-Version erfordert eine Steam-Anbindung.
