Lifeless Planet im Test: Stümperhafte Exkursion ins All
Nicht jedes Indie-Spiel ist ein Geheimtipp. Lifeless Planet schickt euch durch eine öde Folge von Geschicklichkeitstests mit schlechter Steuerung. Da schützt auch die gefällige Atmosphäre des Planeten-Erkundungs-Spiel nicht vor dem Wertungsklatsche. Unser Test plus Video-Review deckt erbarmungslos alle Schwächen auf.
Alles begann mit ein paar Fruchtfliegen.
Vor der bemannten Raumfahrt waren es Tiere, die im Namen der Menschheit ins All vordrangen - ob sie wollten oder nicht. Affen, Mäuse, Hunde bereiteten den Weg für den ersten Menschen im Weltraum, Yuri Gargarin, 1961. Viele Jahre später, in der fiktiven Zukunft von Lifeless Planet, ist es zwar auch ein Mensch, der als Teil einer Nasa-Mission auf einem bislang unerforschten Planeten landet. Aber wenn wir ehrlich sind, hätte sich Entwickler Stage 2 Studios genauso gut für einen Affen als Protagonisten entscheiden können. Der würde sich bei den ständigen Hüpfeinlagen im Geschicklichkeits-Spiel mit Adventure-Anstrich zumindest pudelwohl fühlen und nicht ständig durch eigenes Unvermögen in Abgründe stolpern.
Zu leicht, zu langweilig, zu schwammig
Quelle: PC Games
Solche hübschen Areale sind sehr selten; die erste Hälfte des Spiels besteht fast nur aus Sand- und Felswüsten sowie Betongemäuern.
Kickstarter, Early Access - Lifeless Planet ist ein Musterbeispiel für die neue Art, Videospiele zu entwickeln. Leider ist es auch ein Musterbeispiel für schlechtes Spieldesign. In der Rolle eines US-Astronauten seid ihr ohne Kollegen auf euch gestellt und müsst 19 strunzlineare Levels durchqueren. Die sind besonders in der ersten Spielhälfte recht öde gestaltet und bieten kaum Raum für Erkundungsgänge, meist folgt ihr einfach einer übedeutlichen grünen Spur auf dem Boden. Unterwegs löst ihr simple Rätsel, bei denen ihr per Greifarm außerirdische Batterien in Stromgeneratoren befördert oder mit Dynamit Hindernisse sprengt. Wieder und immer wieder. Lifeless Planet ist gerade einmal vier Stunden lang und bietet null Wiederspielwert, doch die knappe Spielzeit fühlt sich durch ständige Wiederholungen der gleichen Handlungsabläufe gut zehn Mal so lang an.
Der extrem niedrige Schwierigkeitsgrad steigert sich nur in den häufigen Sprungsequenzen. Euer Astronaut hüpft über Steinformationen oder vermeidet durch Sprünge tödliche Lavaflüsse. Das Layout dieser Hüpfpassagen ist zwar stets simpel, doch die schwammige Steuerung macht Lifeless Planet besonders zu Beginn zur Geduldsprobe. Mit der Zeit gewöhnt man sich an die unpräzise Steuerung, die den Astronauten sowohl per Maus und Tastatur als auch Gamepad immer wieder ein Stückchen zu weit nach vorne befördert und ihn so in Abgründe stürzen lässt oder in die Reichweite tödlicher Dornen bringt, welche die einzigen Gegner im Spiel darstellen. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich auch an Mundgeruch.
Quelle: PC Games
Wenig unterhaltsam: minutenlang auf Stromkabeln balancieren.
Für Abwechslung in den Akrobatikeinlagen sorgt das Jetpack. Das ist normalerweise auf eine einzelne Zündung nach einem Sprung beschränkt. Jedoch findet ihr gelegentlich einen Treibstofftank, mit dem ihr mehrere solcher Zündungen aneinanderreihen könnt, um höhere Ebenen zu erreichen oder weite Schluchten zu überwinden. Das Problem: Den Treibstoff gibt es nur an sehr wenigen, von den Entwicklern bestimmten Stellen. Sobald ihr die entsprechende Sektion bewältigt habt, versiegt der Treibstoff auf magische Weise, unabhängig davon, wie stark ihr das Jetpack zuvor in Anspruch genommen habt. Wo andere Spiele eure Palette der Handlungsmöglichkeiten nach und nach erweitern und euch kreative Problemlösungen mit den zur Verfügung gestellten Werkzeugen abverlangen, nimmt euch Lifeless Planet eure erhöhte Mobilität regelmäßig wieder weg und packt das verstärkte Jetpack nur dann wieder aus, wenn es den Entwicklern gerade recht ist. Schwach!
Ähnlich aufgesetzt wirkt der Umgang des Spiels mit der Ressource Sauerstoff. Euer Astronaut ist das ganze Spiel über in einem Raumanzug unterwegs. An bestimmten, per Skripts festgelegten Stellen (unabhängig von der im Anzug verbrachten Zeit) geht dem Kerlchen die Atemluft aus. Ihr müsst schnellstmöglich Nachschub finden. Was wie ein spannender Survival-Aspekt klingt, entpuppt sich als geradezu lachhaft vorhersehbar: Die nächste Auffüllstation ist stets nur wenige Schritte entfernt von dem Ort, an dem der Astronaut das erste Mal um Atem ringt. So wirkt dieses "Feature" furchtbar aufgesetzt und trägt nichts zum Spielspaß bei. Entweder ganz oder gar nicht, liebe Entwickler!
Einsamkeit als Pluspunkt
Quelle: PC Games
Das komplexeste Rätsel des ganzen Spiels. Und selbst das ist nicht sonderlich fordernd.
Was uns im Test besonders frustriert hat, ist die Tatsache, dass Lifeless Planet fernab seines eintönigen, viel zu seichten Spielablaufs und den nervigen Geschicklichkeitstests über gute Ansätze verfügt. Zum Beispiel bei der Atmosphäre: Ihr seid ganz allein auf einem fremden Planeten und die Stille wird nur von sparsam eingesetzter, aber guter Musik sowie vereinzelten Wortmeldungen des ansonsten gesichtslosen Protagonisten unterbrochen. Dazu findet ihr immer wieder auf Russisch vorgelesene Logbüchern anderer Personen. Die darin versteckten Informationen darüber, was auf dem Planeten geschehen ist und woher die Zeichen einer vergangenen Zivilisation in dieser lebensfeindlichen Umgebung stammen, müsst ihr nachlesen. Die Texte sind ebenso wie die Menüs auf Deutsch übersetzt, deutsche Sprachausgabe gibt es aber keine.
Meinung
Nach dem Absturz eurer Raumkapsel zu Beginn des Spiels füttert euch das Spiel langsam mit Hinweisen zu den Hintergründen der Erzählung an - das Erzähltempo ist auch aufgrund der künstlich gestreckten Spielzeit sehr behäbig. Die Inszenierung kommt mit wenigen Zwischensequenzen aus, die durch den Einsatz der Unity-Engine nicht eben durch packende Kamerafahrten glänzen. Dialoge und andere Figuren sind aufgrund des Szenarios zudem Mangelware. Die Auflösung des Plots enttäuscht derweil nach dem spannenden Beginn - zu vorhersehbar und gleichzeitig abgedreht wird die Geschichte.
Dennoch: Die Story ist noch die größte Stärke von Lifeless Planet. Das sagt eigentlich schon alles.
Lifeless Planet gibt es nur als Download, etwa auf Gog.com (ohne Kopierschutz) oder Steam. Kostenpunkt: Zwischen 15 und 20 Euro.

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Die Atmosphäre fand ich sehr gut; die Grafik sicherlich etwas 3D old Style, aber hey, ist ein Indie game für ein paar Euro. Die Steuerung hat mich auch nicht gestört - da gewöhnt man sich dran. Die Story fand ich für ein Indie-Game gut. Ich würde das Spiel jederzeit wieder kaufen . Da muss man schon eine ganze Weile nachdenken, um auf so viele Negativpunkte zu kommen ;-)