KI wird Spiele drastisch verändern - Google DeepMind macht mit EVE Online den Anfang

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Special Philipp Sattler - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
KI wird Spiele drastisch verändern - Google DeepMind macht mit EVE Online den Anfang
Quelle: Erzeugt mit ChatGPT

Die Kooperation zeigt, warum Gaming für Google ein wichtiges KI-Labor wird und welche Chancen daraus für Spiele entstehen.

CCP Games gibt es nicht mehr. Zumindest nicht unter diesem Namen. Das Studio hinter EVE Online heißt jetzt Fenris Creations. Gleichzeitig ist das Unternehmen nach der Trennung von Pearl Abyss endlich wieder unabhängig und unter isländischer Kontrolle. Für die konkrete Entwicklung von EVE Online und Co. bedeutet das zwar nicht viel, doch man spürt eine neue Motivation bei den Entscheidungsträgern.

Und das ist nicht das einzige, das neu ist in Island. Denn im Zuge der Trennung hat man sich mit Google zusammengetan. Genauer gesagt: Google hat im Zuge der Neuaufstellung eine Minderheitsbeteiligung an Fenris Creations übernommen. Dazu kommt eine Forschungskooperation mit Google DeepMind. Also mit dem KI-Labor, das schon mit Projekten wie AlphaGo gezeigt hat, dass Spiele mehr sein können als Unterhaltung.

Bei Google hat man nämlich schon vor längerer Zeit erkannt, dass Spiele die perfekten Testfelder für künstliche Intelligenz sein können.

Und EVE Online ist besonders interessant dafür. Denn EVE ist kein normales MMO. Es ist eine riesige, von Spielern geprägte Welt. Mit Kriegen, Märkten, Allianzen, Verrat, Politik und Geschichten, die nicht von Entwicklern geschrieben werden, sondern von den Spielern selbst. Genau das macht EVE für Google DeepMind offenbar so spannend.

Aus CCP wird Fenris Creations

Der Namenswechsel kommt nicht aus dem Nichts. Laut Fenris wurde schon seit Jahren darüber gesprochen, den alten Namen CCP Games abzulegen. Ein Grund: Der Name CCP war immer recht generisch. Dazu kommt, dass es weltweit auch andere bekannte Bedeutungen dieser Abkürzung gibt. Gerade mit Blick auf die stärkere Beschäftigung mit KI wollte man offenbar Missverständnisse vermeiden.

Fenris soll dagegen stärker zur Identität des Studios passen. In einem Interview wurde der Name mit Schöpfung und Zerstörung verbunden. Also genau mit dem, was EVE seit jeher ausmacht. In EVE werden Schiffe gebaut und zerstört. Imperien wachsen und fallen. Spieler erschaffen Strukturen, Märkte und Geschichten - und andere Spieler reißen sie wieder ein. Der ewige Kreislauf in EVE Online.

Auch die Trennung von Pearl Abyss scheint weniger ein harter Bruch im Alltag zu sein. Aus vielen Gesprächen mit den Entwicklern ging hervor, dass Pearl Abyss dem Studio offenbar viel Freiheit ließ. Für die laufende Entwicklung von Projekten wie EVE Vanguard soll sich durch die Trennung deshalb erst einmal wenig ändern. Die großen Veränderungen liegen eher auf Eigentümer- und Strategieebene.

Trotzdem ist der Moment wichtig. Fenris ist wieder unabhängig. Das Studio steht wieder auf eigenen Beinen. Und genau in diesem Moment steigt Google ein.

EVE Online ist wohl eines der komplexesten 'Spiele' überhaupt. Quelle: CCP EVE Online ist wohl eines der komplexesten "Spiele" überhaupt.

Google ist kein simpler "Investor"

Google hat nicht einfach nur Geld gegeben. Google ist als Minderheitsinvestor bei Fenris Creations eingestiegen. Noch wichtiger ist aber die Zusammenarbeit mit Google DeepMind. Die offizielle Beschreibung klingt zunächst recht trocken: Es geht um Forschung zu Intelligenz in komplexen, dynamischen und von Spielern geprägten Systemen. Das kann alles und nichts bedeuten.

Übersetzt heißt das so viel wie: DeepMind will erforschen, wie KI in einer Welt zurechtkommt, die nicht sauber und vorhersehbar ist.

In einem Spiel wie Schach oder Go gibt es klare Regeln. In EVE Online gibt es ebenfalls Regeln. Aber die wirklich spannenden Dinge passieren dazwischen. Spieler handeln miteinander. Sie täuschen sich gegenseitig. Sie gründen Allianzen. Sie führen Kriege. Sie manipulieren Märkte. Sie planen über Wochen oder Monate. Sie reagieren auf andere Spieler, die ebenfalls eigene Ziele haben. Das ist ein komplett anderes Umfeld für KI als ein klassisches Spielbrett.

Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Aus den Interviews, die wir im Rahmen des EVE Fanfests geführt haben geht hervor, dass die Entstehung der Kooperation weniger nach einem fertigen Masterplan heraus entstand, sondern eher aus einer Mischung aus Neugier, gutem Timing und gemeinsamen Interessen hervorging.

Entwickler von Fenris waren offenbar bei Google DeepMind in London zu Besuch. Dort ging es aber nicht um konkrete Features, sondern erst einmal um Ideen. DeepMind zeigte Fenris dabei ein paar ihrer Prototypen. Einer davon drehte sich darum, klassische Spiele per KI so umzubauen, dass sie statt mit Tastatur über Sprache gesteuert werden können. Das kann für Barrierefreiheit interessant sein, aber auch für neue Spielideen. Etwa wenn man einem Raumschiff einfach komplexe Befehle gibt, statt Tasten zu drücken.

Ein anderer Prototyp beschäftigte sich mit einem Sonnensystem samt Gravitation und Raumflug. Es ging also nicht nur um Chatbots oder Text-KI. Es ging um Spiele als Experimentierfeld. Um Simulationen, komplexe Systeme und verrückte Prototypen, die zeigen, was mit KI in Spielen möglich sein könnte.

Fenris brachte seinerseits eigene Ideen mit. Zum Beispiel smartere NPCs. Oder Figuren, die einen Spieler wiedererkennen. NPCs, die nicht einfach nur vorgefertigte Dialoge abspielen, sondern sich an frühere Begegnungen erinnern können. Noch ist das kein konkretes Feature. Aber es zeigt, in welche Richtung gedacht wird.

Der Fenris-CEO Hilmar Veigar Pétursson ist gezielt eine Partnerschaft mit Google DeepMind eingegangen. Quelle: CCP Der Fenris-CEO Hilmar Veigar Pétursson ist gezielt eine Partnerschaft mit Google DeepMind eingegangen.

Was erforschen Fenris und Google DeepMind konkret?

Wichtig ist zuerst: DeepMind wird nicht einfach auf den Live-Server von EVE Online losgelassen. Die Forschung läuft auf einer Offline-Kopie von EVE Online. Diese Version läuft auf einem lokalen Server und ist eine kontrollierte Umgebung. Die Spieler in New Eden sollen davon also nicht direkt betroffen sein.

Im Fokus stehen vor allem drei Bereiche:

  • Long-Horizon-Planning
  • Memory
  • Continual Learning

Long-Horizon-Planning bedeutet langfristige Planung. Eine KI soll also nicht nur auf den nächsten Schritt reagieren. Sie soll größere Ziele verfolgen können. In EVE wäre das extrem wichtig. Wer dort erfolgreich sein will, denkt oft nicht in Sekunden, sondern in Tagen, Wochen oder Monaten.

Memory bedeutet Gedächtnis. Eine KI muss sich merken können, was passiert ist. Wer hat sie angegriffen? Wer hat ihr geholfen? Welche Route war gefährlich? Welche Entscheidung hatte später Folgen?

Continual Learning bedeutet fortlaufendes Lernen. Die Welt verändert sich. Spieler ändern ihre Strategien. Märkte kippen. Allianzen zerbrechen. Eine KI müsste also lernen, ohne nach jedem Problem wieder bei null anzufangen.

Das alles klingt sehr theoretisch. Aber EVE ist für all diese Punkte geradezu wie geschaffen.

EVE Frontier ist ein einziger Spielplatz für innovative Features - von Blockchain bis KI? Quelle: CCP EVE Frontier ist ein einziger Spielplatz für innovative Features - von Blockchain bis KI?

Warum ist EVE Online für Google DeepMind so interessant?

EVE Online ist seit mittlerweile 23 Jahren online. Das Spiel ist berühmt dafür, dass seine größten Geschichten nicht aus klassischen Quests oder Aufgaben der Entwickler entstehen. Die Spieler und Allianzen schreiben ihre Geschichten selbst. Ob nun Spione, gewaltige Produktionsketten, systemweite Kriege, Vorherrschaft in einzelnen Regionen oder die dahinterstehende Logistik und Planung - kein Spiel ist so komplex in diesen Dingen wie EVE Online. Und dann kommt noch die menschliche Komponente obendrauf - Diplomatie, Verrat, Propaganda und gezielte Streuung von Fehlinformationen.

Für DeepMind ist das spannend, weil EVE wie eine lebende Welt funktioniert. Nicht perfekt und auf den ersten Blick auch nicht vorhersehbar.

Eine KI kann in so einer Welt nicht einfach eine perfekte Lösung ausrechnen. Sie muss mit Unsicherheit leben. Sie muss andere Akteure beobachten. Sie muss aus Fehlern lernen. Sie muss Ziele verfolgen, obwohl sich die Lage ständig ändert.

Im Interview mit uns wurde EVE deshalb immer wieder gerne als wirtschaftliche und sozioökonomische Simulation beschrieben und nicht als "Spiel". Genau das ist der Punkt. DeepMind interessiert sich nicht sonderlich für Raumschiffe. DeepMind interessiert sich für das Verhalten in komplexen Systemen.

EVE ist dafür ideal. Denn in EVE hängen viele Dinge zusammen. Wenn Spieler irgendwo Ressourcen abbauen, kann das Auswirkungen auf Märkte haben. Wenn eine Allianz Krieg führt, beeinflusst das den Handel, die Produktion und die Politik. Wenn neue Spieler dazukommen, verändern sie das Ökosystem. Alles greift ineinander.

Das ist für ein KI-Labor spannender als ein hübsches, aber starres Spiel.

<strong>KI </strong>wird Spiele drastisch verändern - <strong>Google DeepMind</strong> macht mit <strong>EVE Online</strong> den Anfang Quelle: Fenris Creations KI wird Spiele drastisch verändern - Google DeepMind macht mit EVE Online den Anfang

Was hat Google DeepMind davon?

Google DeepMind bekommt mit EVE eine Umgebung, in der KI auf Probleme trifft, die echten Problemen ähnlicher sind als viele klassische Spiele. Es geht nicht nur darum, einen Gegner zu besiegen. Es geht darum,...

  • ... Ziele zu verstehen.
  • ... Prioritäten zu setzen.
  • ... auf andere Akteure zu reagieren.
  • ... mit begrenzten Informationen zu handeln.
  • ... in einer Welt zu lernen, die sich ständig verändert.

Das kann für Spiele wichtig sein. Aber es kann auch darüber hinaus interessant werden. Wer KI in komplexen virtuellen Welten trainiert, lernt vielleicht auch etwas über Planung, Zusammenarbeit, Wirtschaft oder soziale Dynamik, das sich am Ende in die reale Welt übertragen lässt.

Genau deshalb ist die Kooperation für Google mehr als ein kurioses Gaming-Projekt. EVE Online ist ein Labor. Nur eben kein steriles Labor, sondern eines mit Spielern, Märkten, Kriegen und Chaos.

Auch in EVE Vanguard könnte die KI eine große Rolle spielen. Quelle: CCP Auch in EVE Vanguard könnte die KI eine große Rolle spielen.

Was hat Fenris Creations davon?

Für Fenris ist der Deal ebenfalls spannend. Das Studio bekommt nicht nur einen bekannten Partner und frisches Kapital. Es bekommt auch Zugang zu Wissen, Technik und Forschung, die für die Zukunft von Spielen sehr wichtig werden könnte. Kurzfristig sollte man aber keine Wunder erwarten.

Es wurde nicht angekündigt, dass EVE Online plötzlich voller DeepMind-NPCs steckt. Auch für EVE Vanguard gibt es noch keine konkreten Features. Im Interview wird klar gesagt, dass die Partnerschaft noch sehr frisch ist. Man wisse noch nicht genau, welche Türen sich dadurch öffnen. Aber genau diese Türen könnten langfristig wichtig werden.

EVE Online

Für EVE Online könnte KI zuerst bei Dingen helfen, die vielen Spielern gar nicht direkt auffallen.

Ein Beispiel ist die Spielerführung. EVE ist riesig. Viele neue Spieler wissen nicht, was sie tun sollen. Sie wissen nicht, wie sie einen Sinn in dieser Welt finden. Fenris arbeitet ohnehin daran, neue Spieler besser in Richtung sinnvoller Inhalte zu führen.

KI könnte dabei helfen. Nicht als billiger Chatbot, der Standardantworten ausspuckt. Sondern als System, das besser versteht, wo Spieler hängen bleiben. Ein System, das erkennt, welche Fragen immer wieder auftauchen. Ein System, das Spielern automatisch passendere Wege zeigt. An einer Basisversion eines solchen Features wird bereits aktiv gearbeitet.

Auch smartere NPCs wären denkbar. Nicht als Ersatz für Spieler, denn EVE lebt von Spielern. Aber als Ergänzung. NPC-Fraktionen könnten glaubwürdiger reagieren. Ereignisse könnten dynamischer wirken. Die Welt könnte lebendiger werden, ohne dass jedes Detail von Hand gebaut werden muss.

Langfristig könnte EVE dadurch eine Sandbox werden, in der nicht nur Spieler, sondern auch KI-Systeme komplexer aufeinander reagieren. Das wäre riskant. Aber es wäre auch sehr spannend.

EVE Vanguard

Bei EVE Vanguard ist der Nutzen noch offener. Das Spiel ist ein Shooter im EVE-Universum. Es soll kein reiner Arena-Shooter sein, sondern stärker mit New Eden verbunden werden. Die Entwickler sprechen davon, dass Vanguard langfristig mehr MMO-Elemente bekommen soll. Hier könnten KI-Systeme besonders sichtbar werden.

  • Gegner könnten taktischer handeln.
  • NPC-Kameraden könnten glaubwürdiger reagieren.
  • Squads könnten sich natürlicher steuern lassen.
  • Missionen könnten dynamischer werden.

Im Interview fällt sogar die Idee, dass man in einem Spiel mit NPC-Squadmitgliedern ganz natürlich reden könnte. Also nicht mehr nur: Taste drücken, Befehl auswählen. Sondern: "Sichere die Tür", "zieh dich zurück", "lenk sie ab". Das ist noch Zukunftsmusik. Aber es passt sehr gut zu einem Spiel wie Vanguard.

EVE Frontier

EVE Frontier ist noch einmal ein Sonderfall. Das Projekt arbeitet mit Blockchain-Technologie und will Spielern mehr Möglichkeiten geben, eigene Regeln und Systeme zu erschaffen. In den Interviews wird Frontier sogar als eine Art Spielwiese beschrieben. Ideen können dort getestet werden. Wenn sie funktionieren, könnten sie langfristig auch EVE Online helfen.

Mit KI könnte Frontier besonders interessant werden. Denn dort geht es ohnehin um autonome Systeme, digitale Regeln und Spielerfreiheit. Eine KI, die in solchen Welten handeln kann, müsste nicht nur kämpfen. Sie müsste verstehen, wie Regeln, Ressourcen und Spielerinteressen zusammenhängen.

Aber hier muss man vorsichtig bleiben. Eine direkte Verbindung zwischen Google DeepMind und EVE Frontier wurde nicht konkret angekündigt. Es ist eher ein naheliegender Ausblick.

Stellt euch mal vor, eure NPC-Begleiter würden auf eure geschrienen Kommandos hören! Quelle: CCP Stellt euch mal vor, eure NPC-Begleiter würden auf eure geschrienen Kommandos hören!

Was könnte daraus für die Spieleindustrie entstehen?

Der spannendste Teil der Kooperation liegt nicht in den kommenden Monaten. Er liegt in dem, was daraus entstehen könnte.

Seit Jahrzehnten wurden Spiele vor allem größer, schöner und technisch aufwendiger. Bessere Grafik. Größere Welten. Mehr Effekte. Mehr Details. KI könnte eine andere Richtung öffnen. Nicht nur schönere Welten, sondern klügere Welten.

NPCs könnten sich wirklich erinnern. Ein Händler könnte wissen, dass ihr ihm früher geholfen habt. Ein Feind könnte sich merken, dass ihr ihn schon einmal verraten habt. Eine Fraktion könnte auf eure Entscheidungen nicht nur mit einem Dialog reagieren, sondern mit echten Folgen. Bisher sind solche Dinge nur vereinzelt in Spielen - und dann sehr aufwendig von den Entwicklern geskriptet.

Begleiter könnten mehr sein als laufende Questmarker. Sie könnten eure Spielweise kennen. Sie könnten merken, ob ihr vorsichtig oder aggressiv spielt. Sie könnten eigene Vorschläge machen. Sie könnten Fehler machen. Sie könnten sich entwickeln.

Gegner könnten nicht mehr nur auf Skripte reagieren. Sie könnten lernen, wie Spieler vorgehen. Wenn alle immer denselben Eingang nutzen, könnte eine KI dort Fallen stellen. Wenn Spieler immer dieselbe Taktik verwenden, könnten Gegner darauf reagieren.

Quests könnten weniger starr sein. Statt einer festen Questreihe könnte ein KI-System Situationen erschaffen, die zur aktuellen Welt passen. Ein Dorf braucht Hilfe, weil eine andere Fraktion es wirklich unter Druck setzt. Ein Handelsweg wird gefährlich, weil Spieler oder NPCs ihn ausnutzen. Eine Mission entsteht, weil das System eine echte Lücke in der Spielwelt erkennt.

<strong>KI </strong>wird Spiele drastisch verändern - <strong>Google DeepMind</strong> macht mit <strong>EVE Online</strong> den Anfang Quelle: CCP KI wird Spiele drastisch verändern - Google DeepMind macht mit EVE Online den Anfang Auch Barrierefreiheit könnte profitieren. Wenn ein Spiel per Sprache bedient werden kann, hilft das nicht nur Menschen mit Einschränkungen. Es kann auch ganz neue Spielgefühle erzeugen. Ein Raumschiff per Sprachbefehl zu steuern, fühlt sich anders an als eine Taste zu drücken.

Für MMOs wäre noch mehr denkbar. KI könnte als eine Art Spielleiter im Hintergrund arbeiten. Nicht, um Spieler zu kontrollieren. Sondern um interessante Situationen zu erkennen. Wo entsteht Langeweile? Wo fehlt Spannung? Wo könnte ein kleines Ereignis eine große Geschichte auslösen?

Wirtschaftssysteme könnten realistischer werden. Fraktionen könnten eigene Ziele verfolgen. Städte könnten auf Knappheit reagieren. Märkte könnten sich glaubwürdiger entwickeln. Kriege könnten nicht nur durch Skripte entstehen, sondern aus echten Spannungen im System.

Das alles ist noch nicht angekündigt und kaum etwas davon werden wir in den kommenden paar Jahren in Spielen sehen. Aber die Richtung ist klar: Wenn KI in Spielen wirklich nützlich wird, dann nicht nur als Textgenerator. Sondern als Werkzeug für lebendigere Welten.

Gefährliche, offene Fragen

So spannend die Partnerschaft klingt, sie wirft auch Fragen auf.

  • Was passiert mit Spielerdaten?
  • Wie transparent wird Fenris erklären, was genau erforscht wird?
  • Bleibt die Forschung dauerhaft auf Offline-Server beschränkt?
  • Wann wird aus Forschung ein echtes Feature?
  • Wie verhindert man, dass KI die Spielbalance stört?
  • Und vor allem: Wie bleibt EVE eine Welt der Spieler?

Denn genau das ist der heikle Punkt. EVE Online ist nicht so besonders, weil Entwickler perfekte Inhalte bauen. EVE ist besonders, weil Spieler diese Welt prägen. Wenn KI irgendwann zu stark in diese Welt eingreift, könnte sie genau das beschädigen, was EVE einzigartig macht. Fenris muss also einen schwierigen Weg finden. KI darf helfen. KI darf die Welt vielleicht lebendiger machen. Aber sie darf den Spielern nicht die Bühne wegnehmen. Diese Fragen gelten natürlich nicht nur für Fenris und EVE Online, sondern generell für den Einsatz von KI in Spielen.

<strong>KI </strong>wird Spiele drastisch verändern - <strong>Google DeepMind</strong> macht mit <strong>EVE Online</strong> den Anfang Quelle: CCP Games KI wird Spiele drastisch verändern - Google DeepMind macht mit EVE Online den Anfang

Fazit: EVE wird zum Labor für die Zukunft virtueller Welten

Die Zusammenarbeit zwischen Fenris Creations und Google DeepMind ist mehr als eine normale Partnerschaft. Google bekommt Zugang zu einer der komplexesten Online-Welten der Spielebranche. Fenris bekommt Zugang zu einem der wichtigsten KI-Labore der Welt.

Kurzfristig wird daraus wohl noch kein großes Feature für EVE Online entstehen. Die ersten Tests laufen kontrolliert und offline. Das ist wichtig. Denn niemand will, dass eine experimentelle KI plötzlich die Wirtschaft oder Politik von New Eden durcheinanderbringt. Denn nach wie vor ist der Begriff "KI" in den Köpfen vieler Spieler eher negativ behaftet.

Langfristig könnte diese Kooperation aber sehr viel verändern. Noch ist vieles offen. Aber genau das macht die Sache so spannend. Fenris und Google DeepMind arbeiten nicht einfach daran, ein bisschen KI in EVE Online einzubauen. Sie testen, was passiert, wenn eine der komplexesten Spielwelten der Welt auf eines der spannendsten KI-Labore der Welt trifft. Und loten die Grenzen dessen, was bald möglich sein wird, neu aus.

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    • Kommentare (3)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von jensmachwitz_88 Spiele-Novize/Novizin
        Wir werden als "User" derart hart über den Boden gezogen. Und viele merken es nicht mal bzw. ist es einfach egal.
      • Von jensmachwitz_88 Spiele-Novize/Novizin
        Wir werden als "User" derart hart über den Boden gezogen. Und viele merken es nicht mal bzw. ist es einfach egal.
      • Von Janick Anwärter/in
        Zitat von Bonkic
        mit anderen worten: die eve-spieler "dürfen" (ob sie wollen oder nicht) googles ai-modell trainieren, während sie selbst sehr wahrscheinlich nicht das geringste davon haben. toll! :B
        Gut
      • Von Bonkic Mitglied
        mit anderen worten: die eve-spieler "dürfen" (ob sie wollen oder nicht) googles ai-modell trainieren, während sie selbst sehr wahrscheinlich nicht das geringste davon haben. toll! :B
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