Knights of Honor
Insbesondere in den Schlachten ist die 2D-Grafik so nützlich wie Rost an der Rüstung. Ohne Zoom- und Drehmöglichkeit sind die großen Armeen nur schlecht überschaubar, Massenschlachten werden zu Pixelbrei, einzelne Trupps sind gar nicht mehr erkennbar.
Tiefstes Mittelalter
Das sorgfältig umgesetzte Mittelalter-Szenario versetzt Sie mitten in die politische Landschaft Europas zur Zeit der Kleinstaaten. Die Original-Herrschernamen, authentische religiöse Führer oder einfach die Integration von historischen Ereignissen in den Spielablauf sorgen für Stimmung. Schlicht gestaltet sich indes die musikalische Untermalung. Mittelalterliche Klänge bürgen zwar für die nötige Atmosphäre, doch an den wenigen Stücken hat man sich schnell satt gehört. Landestypische Stücke finden sich nur vereinzelt.
Größtes Manko von Knights of Honor: die komplizierte Steuerung. Ewig lange Klickwege sind erforderlich, nur um beispielsweise einen Kaufmann anzuweisen, einen bestimmten Rohstoff zu importieren. Da sich die Entwickler jegliche Sicherheitsabfragen gespart haben, sind Frustmomente an der Tagesordnung. Löscht man beispielsweise ein Stadtgebäude, um am selben Platz ein anderes Bauwerk zu errichten, so werden alle davon abhängigen Einrichtungen ebenfalls dem Erdboden gleichgemacht, eine Warnung gibt es nicht.
Langzeitmotivation
Trotz dieser Frustmomente sorgen andere Spielfaktoren für langfristige Motivation - vor allem die vielen spannenden Ereignisse, die immer wieder für überraschende Wendungen in der Kampagne sorgen. So kann es passieren, dass mitten in einem groß angelegten Feldzug der Papst den mächtigsten Marschall samt Armee zum Kreuzzug anfordert. Eine Ablehnung dieser Bitte bringt Ihnen einen schlechten Ruf in sämtlichen katholischen Ländern ein. Eine Zustimmung kommt einer Kriegserklärung gegenüber dem angegriffenen Land gleich. Zudem ist der abgestellte Marschall mit seiner Armee für längere Zeit unterwegs, im schlimmsten Fall kehrt er gar nicht zurück. Fingerspitzengefühl ist auch bei der Festnahme feindlicher Spione gefragt. Foltert man hier ohne Skrupel drauflos, so führt das zu Missgunst beim eigenen Volk angesichts der tyrannischen Methoden. Verzichtet man jedoch auf die unsauberen Verhörmethoden, erfährt man nie, wer einen da ausspioniert hat. Rachsüchtige Herrscher dürfen ihre Gefangenen auch gleich exekutieren.
Neben der Eroberung Europas bleibt dem einsamen Ritter im Einzelspiel nur der Schlachten-Modus. Auf offenem Feld oder im Belagerungs-Modus wahlweise vor oder hinter den Toren einer Stadt kann man eine von zwei Armeen übernehmen und neue Taktiken ausprobieren.
Schlacht unter Freunden
Im Mehrspieler-Modus darf man sich ebenfalls entweder auf offenem Feld oder im Kampf um die Burg messen. Dazu kommen sechs historische Schlachten, die zu zweit nachgespielt werden können, etwa die schottische Unabhängigkeitsschlacht bei Bannockburn. Im Spiel-Modus "König der Türme" kämpfen zwei Parteien um vier auf dem Spielfeld angeordnete Türme. Der Kampf um die kontinentale Herrschaft lässt sich leider nicht mit Freunden nachspielen.
