Filmkritik zu Gunpowder Milkshake: Girlpower Milfbabes
Für einen Gunpowder Milkshake nehme man grob dieselben Grundzutaten, die David Leitch und Chad Stahelski für Atomic Blonde und John Wick benutzen und mischt diese mit ein paar ordentlichen Löffeln Neon, Gags und poppig-ziellosem Pseudo-Feminismus. Zum Schluss wird er dann noch mit einer Prise routinierter Hollywood-Veteranen garniert, die dem Drink erst seine charakteristische Edeltrash-Note verleihen. Wird die intendierte Wirkung nicht erreicht, nach Belieben Alkohol hinzugeben.
Sam (Karen Gillan) arbeitet als Auftragskillerin für "die Firma", ein zwielichtiges Syndikat mit Verbindungen zu Verbrechern der legalen und illegalen Sorte. Bereits ihre Mutter Scarlet (Lena Headey) stand im Dienste der Organisation, musste jedoch nach einem verpatzten Job die Stadt verlassen. Damals ließ sie die zwölfjährige Sam zurück in der Obhut von Nathan (Paul Giamatti), dem HR-Leiter der Firma, der die Heranwachsende fortan als Killerin beschäftigte. Diese sieht sich nun mit einer ähnlichen Situation konfrontiert wie einst ihre Mutter: Bei einem Auftrag tötet die schießwütige Sam den Sohn des Gangsterbosses Jim McAllister (Ralph Ineson), der auf Rache schwört. Als sie dann auch noch ihren nächsten Job versemmelt und ihrem Arbeitgeber dadurch eine saftige Geldsumme kostet, kann sie Nathan nicht länger beschützen und gibt sie zum Abschuss frei. McAllister und zahlreiche Killer der Firma heften sich an ihre Fersen.
Zu allem Überfluss befindet sich plötzlich auch noch das kleine Mädchen Emily (Chloe Coleman) in ihrer Obhut. Mit der gesamten Unterwelt gegen sich, sucht Sam schließlich Zuflucht in einer alten Bibliothek, die von Kolleginnen ihrer Mutter (Carla Gugino, Michelle Yeoh, Angela Bassett) geleitet wird. Diese erscheint dann ebenfalls auf der Bildfläche, um ihrer Tochter aus der Patsche zu helfen. Gemeinsam rüsten sich die Frauen für das letzte Gefecht...
"Gunpowder Milkshake" ist wie der Drink, dessen Namen er trägt, simpel, voller künstlicher Süßungsmittel und nicht besonders nahrhaft - aber ab und zu genau das richtige zur Erfrischung. Die Kampfszenen, die mit Fäusten, Klingen, Schusswaffen und Fahrzeugen ausgetragen werden, sind anständig inszeniert, auch wenn sie nur selten das Niveau der Keanu-Reeves-Ballerorgie, die offensichtlich als Vorbild diente, erreichen. Lediglich eine Kampfszene beim Gangsterarzt (Michael Smiley), bei der Sam gegen drei schwer verletzte Killer und ein lähmendes Gift in ihrer Blutbahn ankämpfen muss, versprüht das gleiche Level an kreativer Energie.
Top-Ensemble in eindimensionalen Rollen
Die Schauspielerinnen versprühen eine Menge Charme und vor allem Lena Headey und Karen Gillan sehen aus als hätten sie in ihren Rollen den Spaß ihres Lebens. Bassett, Yeoh und Paul Giamatti sind in ihren Szenen hingegen stark unterfordert und bekommen nicht genügend Screentime, um wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Vor allem bei Giamattis Rolle könnte man auch von einem längeren Gastauftritt sprechen.
Die kleine Chloe Coleman komplettiert das Trio der Hauptdarstellerinnen und hält dabei durchaus mit den Erwachsenen mit, auch wenn es sich bei ihrer Rolle um ein typisches "Filmkind" handelt: Schlagfertig, vorlaut, trotz ihres jungen Alters hochkompetent, aber dennoch in entscheidenden Momenten der Rettung bedürftig und stets an der Grenze zur Nervigkeit.
Quelle: STUDIOCANAL
Filmkritik zu Gunpowder Milkshake: Girlpower Milfbabes (1)
Die Beziehung zwischen dem Drei-Generationen-Trio ist das Herzstück des Films und leider gleichzeitig seine größte Schwäche, was vor allem daran liegt, dass sich Regisseur und Drehbuchautor Navot Papushado anscheinend nicht festlegen kann, ob er auf eine erbauliche Message in seinem Film verzichten kann oder nicht.
Dass die Hauptfiguren einerseits als kaltblütige Killerinnen präsentiert werden, denen das Abschlachten von Gegnerhorden wonnige Ekstase auf die perfekt geschminkten Visagen schreibt, sie in anderen Szenen dann aber als moralisch gerechtfertigte strahlende Heldinnen herhalten müssen, lässt die Story noch alberner und beiläufiger wirken als sie es ohnehin schon ist. Sollen wir Karen Gillans Sam applaudieren, wenn sie im Beisein der kleinen Emily einen Typen nach dem anderen ins Jenseits befördert, wo sie doch selbst schwer unter der Karrierewahl ihrer Mutter zu leiden hatte? Oder sollen wir die Frauen als reine Opfer ihrer Umwelt sehen, die verzweifelt versuchen aus einer Spirale der Rache zu entkommen? Die Spannungen zwischen Scarlet und Sam sowie die Verantwortung der Hauptfiguren für ihre missliche Lage werden zum Ende hin einfach nicht mehr thematisiert. Wir sollen uns wohl einfach freuen, dass die Bösen ihr Fett weg bekommen.
Morden für Geld und eine bessere Welt
Dass die simple Erwähnung von Autorinnen wie Jane Austen oder Virgina Woolf in "Gunpowder Milkshake" als wichtiges "Female Empowerment" verkauft wird, wirkt außerdem schon reichlich herablassend gegenüber dem Publikum. Noch oberflächlicher und unehrlicher ist aber die Beziehung des Films zu Gewalt, in der er sich gerne und ausgiebig suhlt.
Töten ist schlecht, es sei denn, wenn es cool aussieht und Spaß macht, scheint hier die Message zu sein. Und sollte mal ein Unschuldiger ins Kreuzfeuer geraten und sein Leben verlieren, reicht es, wenn man sich dafür ganz lieb bei seiner Familie entschuldigt und zur Wiedergutmachung einfach noch mehr und noch aggressiver Bösewichte über den Haufen schießt. Dieser Zynismus wäre kein Problem, würde sich Papushado einfach damit zufriedengeben, dass sein Filmuniversum nicht an konventionelle Moralvorstellungen gebunden ist.
Quelle: STUDIOCANAL
Filmkritik zu Gunpowder Milkshake: Girlpower Milfbabes (2)
Weil er seinen Anti-Heldinnen aber tatsächlich Gewissensbisse gibt, erlegt er sich damit die Aufgabe auf, einen clevereren Film abliefern zu müssen, als er es in der Lage zu sein scheint. Sämtliche Zweifel, die die Figuren ob ihrer scheußlichen Taten haben, werden dann im Laufe der Handlung einfach weggeballert. Am Ende wird uns das als Happy End verkauft. Warum der Film unser Hirn mit irgendwelchen Fragen belastet, obwohl sie dem Drehbuchautor offensichtlich bereits egal waren, wird wohl sein Geheimnis bleiben.
Die selten dämlichen narrativen Entwicklungen mal außen vor, ist "Gunpowder Milkshake" aber dennoch ein spaßiger Actionfilm, der mit reichlich Brutalität und einer gut aufgelegten Hauptdarstellerin die meisten B-Movie-Fans zufriedenstellen sollte.
Der Film hat eine Freigabe ab 18 Jahren und erscheint am 2. Dezember 2021 in den deutschen Kinos.

Ich hab auf einen würdigen Nachfolger von Shoot' Em Up gehofft, der Trailer ging ja ein wenig in die Richtung. Der Film war mir persönlich zu lang, die Action zu "lahm" und die Geschichte war jetzt auch eher Banane.
Schade, vom Cast her hätte es durchaus Potential gehabt.
Schau mal auf imdb nach, zu welchem Zeitpunkt der Film in anderen Ländern lief.
Ansonsten auch die "Suchmaschine" wegen Netflix durchsuchen, Stichwort unogs (bin mir nicht sicher ob man den Link hier teilen darf).
Finde er sieht ganz gut aus, trotz der genannten Schwächen in der Kritik^^ Aber ich merke, dass es auch schön ist, einfach mal einen Film zu schauen, ohne danach die moralischen Aspekte des menschlichen Seins hinterfragt zu haben :D
*Ratlos den Kopf Schüttel*
Babe kann in dem Kontext als Heiße Frau oder heiße jüngere Frau verstanden werden. Es ist also nicht nur Doppelt-gemoppelt, sondern stellt in sich ein Paradoxon dar. Eine fantastische sprachliche Figur sozusagen :B
Aber ernsthaft. Wenn man so anfängt über ein Wortspiel zu diskutieren, kommt man vom hundertsten ins tausendste^^
Ich finde den Vergleich absolut nicht funktional. Das eine ist ein abwertend rassistischer Begriff, der aus der Kolonialzeit stammt und die Benutzung von einer Personengruppe untereinander ist (meines erachtens) grenzwertig. Milf ist kein diskriminierender Begriff und liegt auch keiner "wissenschaftlichen" Fehleinschätzung zu Grunde. Er ist nicht schön, aber für ein Wortspiel in diese Richtung ok. Das ist natürlich immer eine Einzelfall-Entscheidung und der Redakteur hat auch vorher gefragt, ob es ok ist.
Finde er sieht ganz gut aus, trotz der genannten Schwächen in der Kritik^^ Aber ich merke, dass es auch schön ist, einfach mal einen Film zu schauen, ohne danach die moralischen Aspekte des menschlichen Seins hinterfragt zu haben :-D
Es sollte sich aber keiner angegriffen fühlen müssen, daher kann man mir auch persönlich schreiben und wir ändern das ggf.