Die ewige Legende: König Artus und seine Ritter in Film
Kaum eine Legende wurde in der Filmgeschichte so oft aufgegriffen wie die von König Artus, seinem Schwert Excalibur und natürlich seinen edlen Rittern von der Tafelrunde. In unserem dieswöchigen Special machen wir einen Schwenk durch 60 Jahre Filmgeschichte der wohl berühmtesten britischen Saga.
Legenden und Volksmythen sind in der Regel sehr alte Geschichten und tragen oftmals zur kulturellen Identität von Regionen oder ganzen Nationen bei. Bei den alten Griechen war es Homers Epos von der Ileas, bei den Römern einige Jahrhunderte später die Aeneis und wir Deutschen greifen gerne mal auf die Nibelungen-Sage zurück. Durch die Zeit und durch die Globalisierung noch verstärkt, haben regionale Märchen, Sagen und Legenden Publikum weltweit erreicht, das sich von den eigentümlichen Erzählungen faszinieren lässt, auch wenn es oftmals keinen persönlichen Bezug zu Region und oder Tradition des Ursprungslandes aufweist.
Somit ist es kaum verwunderlich, dass sich auch die Filmindustrie diesen Geschichten annahm, um aus deren Faszinationspotenzial Kapital schlagen zu können oder um es einmal blauäugig zu formulieren, zu deren Verbreitung beizutragen. So wurde zum Beispiel Troja im Jahr 2004 mit einem umfassenden Star-Ensemble auf die Kinoleinwände gebracht. Diverse Märchen fanden, vor allem aber nicht nur durch Disney, in verschiedenen Interpretationen ihren Weg in die Kinos. Und auch die deutschen Filmstudios nahmen sich dem nationalen Mythos um Siegfried und den Drachenschatz sowohl 1966 und 1967 als Zweiteiler, als auch 2004 als Spielfilm von Uli Edel und 2005 mit dessen Persiflage an.
Doch keine Sage wurde in der Filmindustrie so oft aufgegriffen wie die um König Artus und seine Ritter von der Tafelrunde. Namen wie der des edlen und gut aussehenden Ritters Lancelot, des alten und weisen Zauberer Merlin, der des mächtigen Schwertes Excalibur, der des sagenhaften Schlosses Camelot und natürlich der des legendären König Artus, sind heutzutage weltweit bekannt, beliebt und oft rezipiert. Was die Menschen an der britischen Legende so fasziniert ist wahrscheinlich nicht eindeutig zu beantworten. Vielleicht ist es die schöne Geschichte des jungen Artus, der unwissend seiner königlichen Abstammung, als einfacher Knappe das magische Schwert Excalibur aus einem Stein zieht und so zu einem der größten Könige aufsteigt. Vielleicht der Mythos um die Tafelrunde an der edle und gerechte Ritter als Gleiche ihren Platz finden und als ehrenhafte Gemeinschaft Abenteuer bestehen. Oder die Tragödie des Niedergangs, in welcher Artus mit seinem eifersüchtigen und machthungrigen Neffen Mordred und/oder seinem besten Freund Lancelot, der sich in Artus Gemahlin Guinevere verliebt, in Konflikt gerät und die edle Gemeinschaft der Ritter als Konsequenz im Zwist zugrunde geht.
Was auch immer das Geheimnis hinter dem Erfolg der Legende von Artus sein mag, in den Jahren wurde die Geschichte in Filmen beeindruckend oft aufgegriffen. Dabei nahm man sich entweder der Legendenerzählung als solches an oder exportierte zentrale Elemente der Sage in einen anderen Kontext. In unserem dieswöchigen Special möchten wir mit euch einen Schwenk durch die Filmgeschichte der Legende von König Artus machen.
Auf dieser Seite
- 1 Der Anfang eines Siegeszugs - "Die Ritter der Tafelrunde" (1953)
- 2 Zauberhafte Kindheit - "Die Hexe und der Zauberer" (1963)
- 3 Das Rittertum ist tot - "Lancelot, Ritter der Königin" (1974)
- 4 Die Geschichte eines Schwertes - "Excalibur" (1981)
- 5 Falsche Liebe aus guten Gründen - "Der 1. Ritter" (1995)
- 6 Die Wahrheit hinter der Legende? - "King Arthur" (2004)
- 7 Roms Erbe - "Die Letzte Legion" (2007)
- 8 Ein monumentales Fantasy Epos - "King Arthur: Legend of the Sword"(2017)
Der Anfang eines Siegeszugs - "Die Ritter der Tafelrunde" (1953)
Quelle: Warner
Die Ritter der Tafelrunde gelten oft als Sinnbild für Tugend und Ehre.
Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Sage um König Artus mit "Die Ritter der Tafelrunde" auf die großen Leinwände gebracht. Mit Filmprominenz wie Robert Taylor als Lancelot, Mel Ferrer als König Artus und Ava Gardner als Königin Guinevere wurde ein großes Stück des Unterhaltungskinos geschaffen, das 1954 sogar eine Oscarnominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild und Bester Ton erhielt. Im Zentrum der Handlung steht die Freundschaft zwischen Artus und seinem besten Recken Lancelot sowie Lancelots Liebe zu Königin Guinevere, an der die Freundschaft der beiden Helden zerbricht. Den Konflikt ausnutzend stürzt Mordred, der in dieser Version der Gemahl von Artus Halbschwester ist, das blühende Königreich ins Chaos. Im finalen Kampf finden Artus und Lancelot wieder zusammen und können Mordreds Ambitionen Einhalt gebieten, was aber auch das Leben des großen Königs fordert.
Zauberhafte Kindheit - "Die Hexe und der Zauberer" (1963)
Quelle: Disney
Im Zeichentrickfilm "Die Hexe und der Zauberer" wird der junge Artus von Merlin auf den großen Moment vorbereitet.
Es war ja klar, dass es sich Disney nicht nehmen lassen würde die bekannte Sage in den eigenen Canon märchenhafter Zeichentrickfilme aufzunehmen. Obwohl der Film stilistisch und in Bezug auf charakterliche Tiefe im Vergleich zu seinen Disney-Geschwistern hinter seinen Möglichkeiten bleibt, so ist doch der erzählerische Ansatz den das Zeichentrick-Studio wählte zumindest ungewöhnlich. Das Potenzial einer kitschigen Eigeninterpretation der Lancelot-Guinevere-Romanze komplett ignorierend, fokussiert sich "Die Hexe und der Zauberer" vollständig auf die Kindheit von Artus. Dieser wird von einem eher unbedeutenden Ritter als Diener und späterer Knappe seines Sohnes aufgezogen. Als er den Zauberer Merlin kennenlernt, bringt ihm dieser durch einige Abenteuer in Tiergestalt so manche Lebensweisheit näher und bereitet Artus somit auf den Moment vor Excalibur aus dem Stein zu ziehen und somit sein Schicksal als zukünftiger König zu erfüllen.
Das Rittertum ist tot - "Lancelot, Ritter der Königin" (1974)
Quelle: Artificial Eye
Pervertierung des Rittertums. In "Lancelot, Ritter der Königin" wird der Hof von Camelot durch Intrigen und Verrat entweiht.
Nach jahrelanger erfolgloser Suche nach dem heiligen Gral sind viele Ritter der Tafelrunde zu intrigierenden Raubrittern verkommen, die nur noch wenig auf die alten ritterlichen Tugenden geben. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, schließt König Artus den Saal der Tafelrunde und fordert von seinen Streitern Einkehr und Buße. Die Folge ist ein Schisma am Hof von Camelot. Ein Teil der Ritter schart sich um Mordred und fordert die Absetzung des, in ihren Augen schwachen, Königs. Die anderen scharen sich um Lancelot, der aber selbst in einem Gewissenskonflikt steckt, da er einerseits dem König weiterhin treu dienen möchte, andererseits aber eine Affäre mit dessen Frau Ginover unterhält. Als diese ans Licht kommt, muss Lancelot mit seiner Geliebten fliehen und sich vor Artus in einer Burg verschanzen. Mordred nutzt den Konflikt zwischen König und Ritter und rebelliert. Doch obwohl sich Lancelot und Artus als Folge dessen aussöhnen, nimmt die Geschichte eine tragische Wendung, als die treuen Ritter am Ende dem Hinterhalt von Mordreds Söldnern zum Opfer fallen, die mit ihren Bögen und leichter Rüstung den Rittern im Wald haushoch überlegen sind. Auch wenn hier erneut die Aufmerksamkeit auf der Beziehung zwischen König, Königin und bestem Ritter liegt, so konzentriert sich der Film doch vor allem auch auf das Ende und den Niedergang der einstmals strahlenden Helden. Ritterliche Tugenden scheinen nicht mehr zeitgemäß und genauso wie die Helden, stirbt das Rittertum am Ende des Films.
Die Geschichte eines Schwertes - "Excalibur" (1981)
Quelle: Warner
Wann kommt der nächste König? Nach Artus Tod nimmt die geheimnisvolle Herrin vom See das magische Schwert Excalibur, um es bis zum Erscheinen des nächsten würdigen Königs zu verwahren.
"Excalibur" war einer der erfolgreichsten Filme aus den 80er Jahren und wird von vielen als stilistisches Vorbild der späteren Verfilmung anderer bekannter Fantasy Werke wie "Der Herr der Ringe" und "Die Chroniken von Narnia" gesehen. Für heute bekannte Schauspieler-Größen wie Liam Neeson, Helen Mirren und Patrick Stewart war "Excalibur" ein wichtiger Schritt hin zum Durchbruch ihrer Karrieren. Zudem erhielt der Film die Nominierung zum Besten Film auf den internationalen Filmfestspielen von Cannes 1981. Die Story befasst sich in dem 135 Minuten-Epos mit der ganzen Geschichte der Legende von König Artus, beginnend mit dessen eher unehrenhaften Zeugung durch König Uther und endend mit seinem Tod, nach dem finalen Konflikt mit Mordred. Zentrales Element ist erneut der Bruch mit Lancelot, nach dessen Liaison mit Guinevere.
Falsche Liebe aus guten Gründen - "Der 1. Ritter" (1995)
Quelle: Sony
"Der 1. Ritter" Lancelot ist zwischen seiner Loyalität zu Artus und seiner Liebe zu Guinevere hin und her gerissen.
Das Reich von Königin Guinevere wird vom düsteren Prinzen Malagant bedroht. Um einen starken Verbündeten für den Kampf gegen den machthungrigen Prinzen zu gewinnen, heiratet die schöne Königin, eher aus taktischen Kalkül als denn aus wahrer Liebe, König Artus von Camelot. Als Lancelot einen Entführungsversuch der Königin von Prinz Malagant vereitelt, wird der junge Recke zum Dank von Artus zum Ritter der Tafelrunde geschlagen. Doch als sich der neue Ritter und Guinevere ineinander verlieben, ist es mit der Harmonie am Hofe zu Ende und Artus verstößt Geliebte und Freund. Im Schutz der Wirren nimmt Malagnt Camelot ein und Lancelot eilt Artus bei der Rückeroberung zur Hilfe. Im finalen Kampf wird Artus tödlich verwundet und vergibt Lancelot und Guinevere. Auch in der 1. Ritter steht im Mittelpunkt die Dreiecksbeziehung von Artus, Guinevere und Lancelot.
Die Wahrheit hinter der Legende? - "King Arthur" (2004)
Quelle: Disney
In "King Arthur" werden die Wurzeln von König Artus und seinen Rittern bei dem Römer Artorius und seinen elitären Sarmartischen Reitern gesucht.
Mit "King Arthur" wollte man einen Historienfilm schaffen, der durch den Einbezug bisher eher unbekannter historischer Thesen, einen Erklärungsansatz für den Ursprung der Artus-Sage liefern wollte. Damit reihte sich die Interpretation in eine ganze Kolonne von Historienfilmen ein, die am Anfang der Jahrtausendwende sehr beliebt waren (Gladiator 2000, Troja 2004, Alexander 2004, Königreich der Himmel 2005). So stellte man König Artus in den Kontext der römischen Besatzung von Britannien. Arthur ist der Sohn eines römischen Ritters und einer britannischen Frau, während es sich bei seinen Rittern um Sarmatische Kataphrakten handelt, die als Hilfstruppen in Roms Diensten stehen. Als die Römer sich im Zuge des Zusammenbruchs ihres Imperiums aus Britannien zurückziehen, bleiben Arthur und seine "Ritter" zurück, um mit den einheimischen Pikten eine Invasion der Sachsen zurückzuschlagen. Auch wenn hier Lancelot und Guinevere ebenfalls mit von der Partie sind, entfällt hier das brisante Liebesdreieck und der stolze Recke fällt anstelle seines Königs am Ende der Geschichte. Obwohl dabei einige der geschilderten Szenerien tatsächlich auf historischen Fakten beruhen, so leistete man sich doch eine Menge historischer Ungenauigkeiten, um die Handlung in einen spannenden Kontext zu bekommen, so dass "King Arthur" mehr als Unterhaltungs- denn als Aufklärungsmedium taugt.
Roms Erbe - "Die Letzte Legion" (2007)
Quelle: Universum
"Die letzte Legion" stellt sicher, dass aus dem Erbe Roms in Britannien König Artus hervorgehen kann.
Auch der Film "Die Letzte Legion" stellt drei Jahre nach "King Arthur" die Legende um Artus und sein Schwert Excalibur in den Kontext des römischen Reiches. Nachdem der junge designierte Kaiser des Weströmischen Reiches Romulus Augustulus von den Goten aus Italien vertrieben wird, suchen er, sein Berater Ambrosinus und sein Beschützer Aurelius die Unterstützung der in Britannien stationierten Neunten Legion. Zuvor gelangte Romulus aber noch auf Capri in den Besitz des Schwertes von Gaius Julius Caesar. In Britannien müssen sich die römischen Flüchtlinge gegen den angelsächsischen Herrscher Vortegern behaupten, den sie mit Hilfe der Legion in einer finalen Schlacht schlagen. Romulus entledigt sich des Schwertes, welches in einem Stein stecken bleibt und nach jahrelanger Zuwucherung durch Moos von seiner herrlichen Inschrift nur noch die Buchstaben E. S. Calibur Preis gibt. Mit Ambrosius, der sich als Merlin herausstellt und Romulus Sohn Artus schließt sich der Kreis zur Sage vollends und liefert eine sehr weit hergeholte Version des Ursprungs der Legende um König Artus und sein Schwert Excalibur.
Ein monumentales Fantasy Epos - "King Arthur: Legend of the Sword"(2017)
Quelle: Warner
In der neusten Version der Legende "King Arthur: Legend of the Sword" rückt der Fantasy Aspekt der Saga verstärkt in den Vordergrund.
Während im 20 Jahrhundert das Zentrum der Artus-Filme bei der tragischen Dreiecksbeziehung um Artus, Lancelot und Guinevere lag und man sich in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts eher um eine historische Positionierung der Sage bemühte, so liegt der Fokus bei Guy Ritchies Werk "King Arthur: Legend of the Sword" klar auf den mythischen Aspekten der Saga und dem Werdegang von Artus. König Uther Pendragon verteidigt sein Reich mit dem magischen Schwert Excalibur gegen den bösen Magier Mordred und dessen durch finstere Magie geschaffene Monster. Nach seinem Sieg wird er aber von seinem Bruder Vortigem verraten und ermordet, so dass sein Sohn Arthur, unwissend hinsichtlich seiner Abstammung, bei Prostituierten in Londinium aufwächst. Als er aber eines Tages das Schwert seines Vaters aus dem Stein zieht, ändert sich für Arthur alles und er muss sich entscheiden ob er sein Schicksal annehmen möchte. Die Neuinterpretation von Guy Ritchie widmet sich dem Aufstieg von Arthur und endet mit dessen Krönung und Etablierung der Tafelrunde, so dass eine Fortsetzung der Erzählung in weiteren Filmen durchaus möglich ist. Dabei lässt sich Ritchie weder von historischen Ansätzen, noch von der Sage selbst Fesseln anlegen und bedient sich dieser vornehmlich als Rahmen, um seine eigene Version der Geschichte zu erzählen. Das Ergebnis ist ein erfrischender Neuansatz, der witzig, cool und beeindruckend zugleich ist und beweist, dass die Sage um König Arthur auch nach über 60 Jahren Filmgeschichte noch das Potential zur Überraschung bietet.
Unten haben wir euch den Trailer für die diesjährige Version der einzigartigen Legende um König Artus "King Arthur: Legend of the sword" angehängt, die diesen Monat als Blu-ray und DVD auf den Markt kam.
Falls ihr noch andere sehenswerte Filme über Artus und seine Ritter kennt oder Verfilmungen von anderen Legenden empfehlen könnt, lasst es uns wissen.

Ob ich mir den Neuen antun werde weiß ich noch nicht, sieht irgendwie nicht so episch aus.
Achso, eine der beliebtesten modernen Adaptionen der Figur des King Arthur, zumindest in bestimmten Kreisen, die habt ihr aber vergessen, King Arthur aus der FATE Serie (den Disney Hexe & Zauberer habe ihr ja auch genannt). Da gibt es ja auch diverse Spiele. Im ersten Story-Durchlauf von FATE/Stay Night ist sie(!) ja die Hauptrolle. (Jupp, König Artus ist in FATE eine Frau, eine ziemlich toughe noch dazu). (Und 1000 Mal besser als diese Verballhornung der Figur das Artus in der 1. Ritter ..., Connerys schlechteste Rolle).