Von purer Action bis zum Disneyfilm: Die Adaptionen der Artussage im Überblick
Kaum ein Mythos ist wohl so oft - und vielseitig - verfilmt worden wie die Geschichte von Camelot und dem Schwert im Stein. In welchen Filmen kämpft König Artus nochmal?
Zum Kinostart von "King Arthur: Legend of the Sword" noch einmal ein kleiner Rückblick: Die Verfilmungen des mythischen Stoffs sind schließlich so zahlreich, dass man glatt den Überblick verlieren könnte. Aber die Adaptionen sind auch thematisch so vielfältig, dass kein Film wie der andere ist. Logisch, sonst gäbe es Copyright-Probleme. In bestimmte Kategorien lassen sich die meisten aber doch einteilen:
Auf dieser Seite
Der Hintergrund
Ganz genau so wie in den Filmen hat die Sage vom Schwert im Stein natürlich nicht stattgefunden. Erwähnt wurde der Herr der Tafelrunde aber tatsächlich von mehreren historischen Geschichtsschreibern. Der erste von ihnen war Nennius, der Artus im 9. Jahrhundert als britannischen Kriegsführer im Kampf gegen die Sachsen nennt. Später erst war von Arthur Pendragon als König die Rede. Der Brite Geoffrey von Monmouth verwuchte als Erster, die Bruchstücke zu einer zusammenhängenden Geschichte zusammen zu setzen, viele der mythologische-keltischen Einflüsse waren ihm allerdings noch unbekannt. Gegen Ende des 12. Jahrhundert erreicht der Stoff dann Europa und wurde von zahlreichen Dichtern immer wieder neu erzählt, angepasst und ausgeschmückt.
Allumfassend & Storylastig
Quelle: RTL II, Constantin
Links: Sam Neill als Protagonist in "Merlin" / Rechts: In "Excalibur" geht's blutig zur Sache
Diese Filme erzählen nicht nur die Abenteuer von König Artus und seinen Rittern der Tafelrunde, sondern lassen auch die Hintergründe nicht offen. Das Ergebnis sind sehr lange, aber insgesamt runde Filme, die eine vorne und hinten sinnvolle Geschichte präsentieren.
Den größten Anspruch auf eine allumfassende Story hat wohl die Verfilmung von Marion Zimmer Bradleys Roman "Die Nebel von Avalon". Artus oder Merlin selbst stehen hier weniger im Fokus, stattdessen wird die Geschichte aus der Perspektive der Lady Morgaine (oder Morgan, Morgane, Morgana, je nach Adaption) erzählt. In etwas mehr als drei Stunden berichtet der Zweiteiler die Hintergründe zur bekannten Artussage, seine uneheliche Zeugung, seinen Aufstieg und seine ungebührliche Affäre mit Halbschwester Morgaine, aus der Sohn Mordred hervorgeht. "Die Nebel von Avalon" bildet einen anderen Blickwinkel auf eine abgewandelte, aber dennoch bekannte Story.
Beinahe genauso lang ist der TV-Zweiteiler "Merlin". Die Handlung setzt schon bei Merlins (Sam Neill) Kindheit ein und erzählt zusätzlich zu Arthurs Werdegang auch den des mächtigen Zauberers. Sicher, in dieser Adaption steht nicht Artus im Fokus, die Zusammenhänge und Hintergründe seines Aufstieges erzählt jedoch kaum ein anderer Film ausführlicher. Hier ist es Mab, die Königin des Bösen, eine Gottheit des alten Glaubens Merlins erbitterte Feindin. Obwohl sie zu Beginn als seine Lehrerin auftritt, wendet der junge Magier sich voller Zorn von ihr ab, weil sie den Tod seiner Familie zu verantworten hat. Um ihre Macht zu sichern, will sie sowohl Artus als auch Merlin aus dem Weg räumen. Dazu bringt sie seine Halbschwester Morgana (Helena Bonham Carter) auf ihre Seite.
Sehr ähnlich erzählt auch "Excalibur" die Artussage nach - Die Handlung beginnt hier allerdings erst mit Artus Vater Uther Pendragon. Auch packt er das ganze Thema - zumindest zu Beginn - nicht ganz so mythologisch an. Anstatt durch Merlins Perspektive erleben die Zuschauer in "Excalibur" die Artussage im klassischen Sinn. Regisseur John Boorman wollte ursprünglich auch Tolkiens "Herr der Ringe" verfilmen. Das ist dem Film anzumerken: Er bietet epische Unterhaltung, Intrigen, Magie, Action und bekannte Darsteller wie Liam Neeson in frühen Rollen. Diese Version von 1981 galt lange als Maß aller Verfilmungen der Camelot-Sagen und hat sogar einen Oscar gewonnen.
Fokus Action
Quelle: Buena Vista, Warner
Sieg oder Niederlage? In "King Arthur" und "King Arthur: Legend of the Sowrd" hängt viel vom Ausgang des Kampfes ab
Leidenschaftliche Kämpfe, Heldenhafte Tode und epische Schlachten: Anstatt sich gefühlt tausend Namen merken zu müssen, konzentrieren sich manche Filme auf die leichter verdaulichen Teile der Artussage.
Camelot meets Rom: In "King Arthur" kämpft Clive Owen als namensgebender Held für den Einfluss des römischen Reichs. Das macht mehr Sinn, als man auf den ersten Blick denken könnte. Schließlich war Britannien tatsächlich lange Zeit unter römischer Hand. Im 6. Jahrhundert, die Zeit, zu der "King Arthur" spielt, waren deren Truppen jedoch bereits abgezogen. Das tut Jerry Bruckheimer jedoch keinen Abbruch: Er inszeniert Artus und seine Gefolgsleute auf einer heroischen Mission, während der sie gegen die Pikten und Sachsen kämpfen.
Dass viel Action einer guten Handlung keinen Abbruch tun muss, zeigt Guy Ritchies Version "King Arthur: Legend of the Sword", die am Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft. Ganz seinem Stil treu adaptiert Ritchie die Geschichte des Sagenkönigs neu: Durch eine Intrige wird König Uther Pendragon getötet. Was jedoch fast niemand weiß: Sein Sohn Arthur lebt. Ohne Kenntnis um seine hohe Abstamung wächst er in der Gosse auf. Erst, als das legendäre Schwert Excalibur ihn zu seinem rechtmäßigen Erben erwählt, wird er zur schicksalhaften Figur im Kampf gegen den Ursurpator Lord Vortigern.
Ein wenig freier interpretiert
Quelle: Disney, Filmwelt
An die Artussage angelehnt, aber bei Weitem nicht alles übernommen: Disney's "Die Hexe und der Zauberer" und Monty Pythons "Die Ritter der Kokosnuss"
Ein Pool all der Filme, die es mit der Sage nicht ganz so genau nehmen. Immer nur dasselbe zu erzählen, wird ja schließlich auch irgendwann langweilig ... Wir haben hier mal beispielhaft die zwei bekanntesten Varianten ausgewählt.
Die britische Truppe Monty Python erreichten mit ihren Filmen "Das Leben des Brian" und "Die Ritter der Kokosnuss" längst Kultstatus. König Artus ist auf der Suche nach Mitstreitern, doch niemand will ihn so recht ernst nehmen. Ein Pferd kann er sich leider auch nicht leisten, deswegen läuft hinter ihm immer ein Knappe her, der zwei Kokosnüsse aneinander schlägt, damit es wenigstens so klingt als ob. Nachdem sich ihm nun doch ein paar wackere - wenn auch recht trottelige - Recken angeschlossen haben, ziehen sie in den Kampf gegen beeindruckende Feinde - wie beispielsweise das Kaninchen des Todes und die französischen Ritter, immer auf der Suche nach dem legendären heiligen Gral.
In "Die Hexe und der Zauberer" wandelt Disney den mittelalterlichen Stoff in familienfreundliche Wohlfühl-Atmosphäre um, ganz wie man es erwartet. Der Hauptkonflikt besteht zwischen dem bärtigen Zauberer Merlin und der Hexe Madame Mim, die ständig darum konkurrieren, wer von ihnen nun der bessere Magier ist. Zwischen diese Fronten gerät der verwaiste Knappe Floh, als Merlin sich dessen Erziehung annimmt. Dass dieser ihn dafür ständig in Tiere verwandelt, nimmt der Junge mit Humor und lernt so ohne es zu merken, Lektionen fürs Leben. Später kehrt Floh zurück an den Hof seines Ziehvaters, wo sich sein Schicksal für immer mit dem Schwert im Stein verbinden soll.
Unter den freieren Interpretationen findet sich auch die Musical-Version "Camelot" aus dem Jahr 1967, die sich vor allem mit der Ehe von Artus und Guinevra beschäftigt - und deren wachsender Zuneigung zum ersten Ritter ihres Gemahls. Was uns gleich weiter bringt zur nächsten Kategorie:
Lancelot & Guinevere
Quelle: MGM, Columbia Tristar
Ihre Liebe steht unter keinem guten Stern: Lancelot und Guinevere (links in "Die Ritter der Tafelrunde", rechts in "Der erste Ritter"
Fast genauso bekannt wie sein Herr ist Lancelot, der erste Ritter der Tafelrunde. Seine unglückliche Liebe zur Königin Guinevere, Artus Ehefrau, ist selbst der Stoff zahlreicher Filme. Im Prinzip ist die Geschichte schnell erzählt: Die schöne Guinevere heiratet mehr aus politischen, vernünftigen Gründen den König Camelots. Ihr Herz aber gehört dessen erstem Ritter, Lancelot du Lac, der ihre Gefühle tief erwidert. Aufgrund ihrer beiden Treuegelöbnisse Artus gegenüber können die Beiden aber niemals ein Paar werden.
In Jerry Zuckers "Der erste Ritter" werden die politischen und mythologischen Hintergründe des Camelot-Epos stark vereinfacht oder gekürzt. Im Zentrum steht Lancelot (Richard Gere), der sich seinen Platz unter den Rittern Camelots erobert, indem er Guinevere mehrfach aus den Händen ihrer Freunde befreit. Während Lancelot sich auf den ersten Blick in die hübsche Adelige verguckt, dauert es bei ihr seine Zeit - aber als die wachsende Zuneigung auch König Artus auffällt, kommt es zum Bruch zwischen den zwei Männern.
Ein wenig mehr hin- und hergerissen ist Lancelot in "Die Ritter der Tafelrunde", als er beginnt, Gefühle für die Frau seines Herrschers zu entwickeln. Die Liebe zwischen dem Ritter und Genever (Ava Gardner) wollen Artus' Feinde ausnutzen, um den König ein für alle Mal zur Seite zu räumen.
Serien
Quelle: RTL, Wild Bunch
Die beiden bekanntesten Serien rund um Artus& Co: "Merlin" und "Camelot"
In der neueren Vergangenheit haben vor allem die Serien zum Thema König Artus von sich reden gemacht. Die bekannteste ist "Merlin - die neuen Abenteuer", deren finale fünfte Staffel im Jahr 2012 ausgestrahlt wurde. Sie richtet sich an ein jüngeres Publikum und begleitet Merlin und Arthur durch ihre Jugend. So ist Ersterer als Zauberer noch in der Ausbildung und begeht den ein oder anderen Fehler, während Letzterer mit der Verantwortung klar kommen muss, einmal die Verantwortung für gesamte Königreich auf seinen Schultern zu tragen. Zwischen den zwei sehr verschiedenen Jungs entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, sie gehen gemeinsam durch Kämpfe, Prophezeiungen und die erste Liebe.
Nicht ganz so populär war die starbesetzte Serie "Camelot" mit Jamie Campbell Bower als Artus, der sein Recht auf den Thron vor allem gegen Halbschwester Morgana (Eva Green) verteidigen muss. Den Merlin in dieser actionlastigen Serien-Adaption gibt Joseph Fiennes. Doch all die bekannten Namen reichten nicht aus: Nach nur einer Staffel wurde "Camelot" abgesetzt. Vielleicht war das Publikum 2011 noch zu sehr auf "Merlin" fixiert.
Was sagt ihr dazu? Haben wir noch Filme auf unserer Liste vergessen? Freut ihr euch auf "King Arthur: Legend of the Sword"?
