Krautfunding: Korrumpiert Kartoffelsalat Kickstarter?
Welche Auswirkungen auf Videospielprojekte hat die erfolgreiche Spendenkampagne des berüchtigten Kartoffelsalats? Droht Kickstarter im Sumpf der absurden Spaßprojekte an Bedeutung zu verlieren? Redakteur Peter Bathge hat die Antworten in seiner Kolumne.
Zack Brown hatte Lust auf Kartoffelsalat. Um ihn anzurichten, bat er auf Kickstarter.com um zehn Dollar – am Ende seiner einmonatigen Spendenkampagne Anfang August hatten ihm bereitwillige Spender satte 55.492 US-Dollar zugesichert. Für einen Kartoffelsalat. Zack Brown kann man keinen Vorwurf machen - unwahrscheinlich, dass er mit so einem Erfolg gerechnet hat. Tatsächlich war seine Kickstarter-Kampagne ein Musterbeispiel für Crowdfunding: Als der Spendenberg immer höher anwuchs, meldete sich Brown mit regelmäßigen Updates zu Wort, erfand neue Stretch Goals und Pledge-Levels und nutzt das Geld letztendlich dazu, um eine riesige Kartoffelsalat-Party am 27. September zu organisieren. Der dabei erzielte Gewinn soll dem Kampf gegen Arbeitslosigkeit im US-Bundesstaat Ohio zugute kommen.
Was das mit Videospielen zu tun hat? Nicht viel. Und dennoch liefen die Meldungen zur Kartoffelsalat-Kampagne und den unvermeidlichen Nachahmern (zum Beispiel Bier, gebackene Bohnen und Guacamole) auch bei den einschlägigen Spiele-Webseiten wie PCGames.de rauf und runter. Der Grund: Wir Spieler haben uns an Kickstarter als Finanzierungshilfe für Videospiele gewöhnt und sind daher irritiert, wenn solch frivol-absurde Projekte wie Zack Browns Kartoffelsalat mehr Aufmerksamkeit erfahren als der jüngste 2D-Platformer oder das neueste Pixel-Adventure.
Dabei war Kickstarter noch nie Videospiel-exklusiv. Aber der Trend zu schrägen Späßen könnte eine Gefahr für andere Kickstarter-Kampagnen darstellen. Was passiert, wenn Rohdiamanten, die durch das Geld der Fans Feinschliff verpasst bekommen sollen, zwischen all dem Quatsch untergehen? Aktuell sucht auf Kickstarter etwa ein Starcraft 2-Spieler nach Sponsoren, die ihm seinen Weg in den Profi-E-Sport finanzieren sollen. Es gibt Let's Player, die mit bis zu 1.000 britischen Pfund ihren eigenen Youtube-Kanal aufbauen wollen. Kickstarter droht zum Sammelbecken für Quatsch und Faulenzer auf der Suche nach Almosen zu werden.
Schon jetzt fällt es dem gelegentlichen Kickstarter-Unterstützer ohne gut geschultes Auge schwer, zwischen all diesem Blödsinn interessante Videospielkonzepte auszumachen. Abhilfe schafft das sehr empfehlenswerte Tool Kicktraq. Glücklicherweise erreichen die meisten der Müllprojekte nicht ihr Ziel und verschwinden schnell wieder. Ausnahmen wie Zack Browns Kartoffelsalat bestätigen die Regel. Spannende Videospiel-Projekte wie aktuell Wolfe: The Red Hood Diaries, Mighty Tactical Shooter, Fritz oder Jotun müssen derweil hauptsächlich mit der geringeren Spendenbereitschaft während der Sommermonate kämpfen und nicht mit Kartoffelsalat & Co. Hoffentlich bleibt das so.
Ein Gutes hat die Sache ja: Das erste Kartoffelsalat-Spiel ist auch schon finanziert ...

ausgerechnet bei broken age, also dem eigentlichen startschuss, frag ich mich aber schon, was mit dem geld passiert ist. 4 mios oder so für ein halbes adventure? na ja...
Ich stehe der ganzen Sache noch sehr skeptisch gegenüber, auch wenn Shadownrun Returns erfolgreich war. Aber auch das erst seit dem Addon. Pillars of Eternity, Torment und Wasteland 2 werden es zeigen und mich vielleicht etwas zuversichtlicher auf die Sachen blicken lassen.