30 Jahre Joker-Manie - wer ist der bessere Joker? Der Gotham-Schurke im Wandel der Zeit
Sobald der Abspann des Joker-Films über die Leinwand geflimmert ist, beginnt die Diskussion: Wer ist nun der bessere Joker? Wir widmen uns in diesem Artikel den drei wohl bekanntesten Joker-Verkörperungen von Jack Nicholson, Heath Ledger und Joaquin Phoenix und stellen heraus, welche Charakteristiken sie einzigartig machen. Welcher Joker ist euer Favorit?
Todd Philipps' Killer-Psychogramm Joker (jetzt kaufen 9,99 € ) mit Joaquin Phoenix hat innerhalb weniger Tage über 900.000 Menschen in die Kinos gelockt. Überhaupt ist Deutschland ein Joker-Land: Sowohl Suicide Squad (1,6 Millionen Besucher), The Dark Knight (2,9 Millionen Besucher) als auch Batman von 1989 (1,9 Millionen Besucher) gehörten in ihren jeweiligen Startjahren zu den ganz großen Kassenschlagern. Daher widmen wir uns jenen drei Joker-Verkörperungen, die für den größten Wirbel gesorgt haben.
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Jack Nicholson: Der Wahnwitz
Shining-Superstar Jack Nicholson schlüpfte 1989 zwar nicht als aller erstes in die Rolle des Jokers, prägte das Verständnis für den (in dieser Story-Kontinuität) durch ein Säurebad verunstalteten Rächer-Clown jedoch maßgeblich. Erstmals in der bisherigen Batman-Adaptionsgeschichte für Leinwand und Fernsehschirm ließ Regisseur Tim Burton (Edward mit den Scherenhänden) das ikonische Grünhaar zu einem elementaren Teil der Batman-Entstehungsgeschichte werden: Hier ist der Joker nicht bloß Bruce Waynes Erzfeind, sondern obendrein der Mörder seiner Eltern - und hat den wohlhabenden Erben dadurch überhaupt erst zum Waisen gemacht, den es in das berühmt-berüchtigte Fledermauskostüm drängt.
Dieser Joker ist sich auch nicht zu fein, direkt an die Front des Geschehens zu gehen: Er sucht immer wieder gezielt die direkte Konfrontation - sowohl mit Batman, als auch den Einwohnern von Gotham -, liefert sich brutal-skurrile Duelle mit Polizei und Unterwelt, inszeniert sich selbst als Gesicht einer Bewegung, die auf Wahnwitz und Einschüchterung setzt.
Quelle: Warner Bros.
In die Rolle des Joker schlüpfte in Tim Burtons Batman (1989) niemand Geringeres als Jack Nicholson.
Und doch wirkt Nicholsons Verkörperung des Jokers für heutige Sehgewohnheiten - und insbesondere im Vergleich zu Ledger und Phoenix - regelrecht harmlos, aufgrund der karikaturesken Aufmachung fast schon nachdichtend. Jederzeit fest in der Comicvorlage verwurzelt, setzt Regisseur Tim Burton schon inszenatorisch auf satte Farben und Überstilisierung. Nicholson ergänzt dies mit einer wahnwitzigen Over-the-Top-Performance, die gleichsam fasziniert wie irritiert. Zweifel an Jokers Absichten hegt man nie; dafür inszeniert Burton Kills und Überfälle radikal genug, um erkennend zu machen, dass es dieser Mann ernst meint. Gleichzeitig darf Nicholsons Joker sich laut über sein brachliegendes Sexleben auslassen oder sich in kindlichem Überschwang an den "Spielsachen" seines geflügelten Widersachers erfreuen.
Überhaupt haben die Eskapaden des späten 80er-Jahre-Jokers stets etwas Verspielt-Provokatives; dafür genügt schon der Blick auf den wie eine Comedy-Kunstperformance ausgeübten Museumsüberfall, dessen Folgen der Joker mindestens genauso genießt wie die erschütterten Gesichter der von ihm bedrohten Opfer. Sicher auch aufgrund seiner hier erstmals voll ausgekosteten Vorgeschichte rund um die Entstellung infolge eines Sturzes in ein Säurefass, ist Nicholsons Joker - anders als Ledgers und Phoenix - ein ungenierter Genießer und Selbstdarsteller. Das ist sicher auch ein Grund, weshalb Batman von 1989 bis heute zu den bedeutsamsten und anerkanntesten Blockbustern der 80er gehört. Nicholson hat seine Figur auf einen Weg geführt, den man angesichts der tonalen Erdung von Comic-Adaptionen in einem Post-Christopher-Nolan-Filmmarkt so heute vermutlich kaum noch ernst nehmen könnte; sie funktioniert nur in diesem sehr comicbezogenen Universum, würde woanders als Parodie verkannt. Ein Joker voller Wahnwitz - das waren noch Zeiten ...
Quelle: Warner Bros.
In Burtons Batman-Interpretation legt sich der Joker unmittelbar mit dem Fledermausmann an.
Heath Ledger: Das Chaos
19 Jahre später übernahm Heath Ledger die Rolle des Jokers. Für The Dark Knight, den zweiten Teil seiner Dark-Knight-Trilogie, setzte Regisseur Christopher Nolan (Inception) auf eine weitere Steigerung in Sachen Düsternis. Schon Batman Begins aus dem Jahr 2005 eröffnete die Origin-Story rund um die Entstehung des Fledermaus-Rächers als düster-desolates Thrillerdrama, irgendwo in einer Stadt, in der das Verbrechen regiert und nur noch übermenschliche Helden versuchen können, dem Abschaum Einhalt zu gebieten. Polizei und Rechtsstaat werden zunehmend machtlos gegen das Aufbegehren von Schurken und Gangstern - und mit dem Joker ereilt sie im zweiten Teil noch etwas viel Größeres, als alles was bisher in Gotham dagewesen war.
Über die Hintergründe des Jokers erfährt man - anders als noch im Tim-Burton-Film - nichts Konkretes. Angedeutet wird lediglich die Herkunft seiner blutigen Mundwinkel als Folge des sogenannten Glasgow Smile, einer Form der rituellen Verstümmelung, bei der dem Opfer die Mundwinkel bis zu den Ohren aufgeschnitten werden. Welche der Andeutungen - Kindesmisshandlung durch den Vater oder selbstzugefügte Wunden - stimmen, das löst The Dark Knight allerdings nicht auf. Gleichzeitig verdichten diese verschiedenen Informationen die Aura rund um Ledgers Joker als einer der undurchsichtigsten Schurken des modernen Blockbuster-Kinos. Während bei Nicholson als klassischem Verbrecher der provokative Wahnwitz regiert, setzt der geistesgestörte, mit einer multiplen Persönlichkeit versehene Ledger auf die Effektivität von Chaos, lebt die Anarchie und "will die Welt einfach nur brennen sehen", wie es Batmans Butler Alfred ihm gegenüber einmal erläutert.
Quelle: Warner Bros.
The Dark Knight (2008) gilt bis heute als eine der besten Comic-Verfilmungen aller Zeiten.
Im Unterschied zu Nicholsons Joker ist Ledgers Joker jedoch weitaus weniger der Genießer aktiv ausgeübter Gewalttaten. Stattdessen schafft es ihm Befriedigung, Unschuldige selbst zu Tätern zu machen, sie in emotionale Ausnahmesituationen zu bringen und Gewalt zu provozieren. Anschließend lehnt er sich zurück, um das von ihm auf den Weg gebrachte Chaos aus nächster Nähe zu betrachten. Wie viel detailliert vorausgeplant war und wie viel auf diabolische Weise improvisiert, bleibt ähnlich offen wie seine ständig vorgetragenen, widersprüchlichen Herkunftsgeschichten. In die direkte Konfrontation mit seinen ärgsten Feinden geht Ledgers Joker daher weitaus seltener als Nicholson in Batman, er lässt lieber seine verworrenen Vorhaben sprechen als unmittelbare, körperliche Taten. Dennoch prägen beide Verkörperungen das Gesamtbild völlig unterschiedlicher Filme, die in letzter Instanz eben doch das Gleiche erzählen: vom Kampf zwischen einem Fledermausmann gegen einen irren Killer-Clown.
Joaquin Phoenix: Der Schmerz
2019 erscheint mit Joker nun also ein Film, der nicht den Titel des eigentlichen (Comic-)Helden, sondern jenen des Schurken trägt. Und trotzdem ist Todd Phillips' umstrittenes Killer-Psychogramm abseits der Frage, wie weit man mit einem Mörder sympathisieren darf, weniger ein Film über den Joker selbst, sondern über eine Gesellschaft, die es zulässt, dass es Gestalten wie den Joker überhaupt geben kann. Phoenix' bereits für den Oscar hoch gehandelte Performance des in diesem Film körperlich wie psychisch im Wrack-Zustand befindlichen Batman-Bösewichts ist als Tanz auf der Rasierklinge zwischen Opfer und Täter der unbestreitbare Höhepunkt von Joker. Insbesondere in der Anfangsphase zeichnet der Film seinen Titel(Anti-)Helden als Opfer der Umstände: Verprügelt, gedemütigt und vom Schicksal mit Krankheiten, neurologischen Störungen (unter anderem einer Art Tourette-Syndrom, in dessen Folge er bei emotionaler Anspannung unkontrolliert lachen muss) und einer schwierigen Vergangenheit gebeutelt, lassen die ersten Filmminuten gar keinen Zweifel daran, dass dieser unscheinbare Arthur Fleck ein ziemlich armes Würstchen ist.
Und trotzdem streut das Skript früh genug Zweifel an Dingen, die den Mann in eine alleinige Opferposition drängen könnten: Während einer Therapiesitzung etwa gibt Fleck deutlich zu verstehen, vollkommen unabhängig von den äußeren Umständen ständig von negativen Gedanken verfolgt zu sein. Wie viel an Arthurs Gemütszustand wirklich das Ergebnis von Misshandlung und Gewalt ist und wann er einfach nur vorgibt, für seine Situation nichts zu können, wird nach und nach immer unklarer. Und allerspätestens, wenn Arthur Fleck eine Waffe erhält, spricht Phillips ihn endgültig von seiner Opferrolle los und macht aus ihm einen potenziellen Täter, der eigene Entscheidungen ob eventueller Gewaltausübung trifft.
Quelle: Warner Bros.
Joaquin Phoenix verkörpert in Joker den todessehnsüchtigen Rache-Clown.
Arthur und das von Ungerechtigkeit und Gewalt geprägte Gotham bedingen einander. Ohne die brodelnd-hassgetränkte Umgebung, in der für Individualismus genauso wenig Platz ist wie für die Kranken und Schwachen, könnte sich eine Figur wie der Joker überhaupt nicht entwickeln. Gleichzeitig tragen Menschen wie er dazu bei, dass es in Gotham kontinuierlich brutaler zugeht, bis sich schließlich die Anarchie ihren Weg in die kollektiven Köpfe bahnt. Bei Überforderung wird aufgegeben (etwa, wenn die Psychotherapeutin selbst nicht weiterweiß und Arthur einfach aus der Behandlung entlässt, anstatt sich für eine weiterführende Therapie einzusetzen), bei Misshandlung weggesehen - und vor allem sich stets ans System geklammert, das es schon irgendwie regeln wird.
So wird es zur selbsterfüllenden Prophezeiung, dass früher oder später irgendjemand dieses System zum Einsturz bringen muss. Und so zeigt uns Joker eben nicht den Aufstieg eines Schurken, sondern den Fall einer Gesellschaft.
Und jetzt seid ihr dran: Welcher Schauspieler hat euch in der Rolle des Joker am besten gefallen?

Ich hatte nach dem Rausgehen und beim Quatschen mit den Freunden auch erst ne recht negative Einstellung dem Film gegenüber. Aber je mehr ich dann drüber nachdachte, desto dachte ich mir "F***, was ein genial guter Film, muss ich unbedingt wieder schauen!"
Schauspielerisch kann meiner Meinung nach nichts mit Phoenix mithalten. Was er hier geleistet hat, meine Fresse. Da ist auch Ledger (erst recht mit seinem Bonus, den er nunmal "genießt"...) ein feuchter Furz gegen.
Jack Nicholson mag zwar ein toller Schauspieler sein aber in der rolle fand ich ihn immer überschätzt.
Leto hatte leider nie eine echte Chance aber wie ich finde durchaus potenzial.
Und Joaquin Phoenix .... naja sagen wir es so: Seinen Joker-Film fand ich so"gut" das er bei mir in jedem Ranking auf dem letzten platz landen würde.
Beschränken wir uns nicht nur auf die Kinofilme dann wäre aber selbstverständlich Mark Hamills Joker der beste.