Harte Action, smarter Witz und ein Hauch von Nostalgie: James Bond präsentiert sich zum 50-jährigen Jubiläum in Bestform!
Herzlichen Glückwunsch, Mr. Bond! Zum 50-jährigen Leinwandjubiläum bekommt 007 ein prächtiges Filmfeuerwerk spendiert, das Lust auf das nächste halbe Jahrhundert mit dem Filmagenten macht. Regisseur Sam Mendes (American Beauty) hat sich zum feierlichen Anlass richtig ins Zeug gelegt und einen Film inszeniert, der den Vorgänger Ein Quantum Trost locker in die Tasche steckt und es auch mit Casino Royale aufnehmen kann.
Quelle: Sony
Dabei sieht es nach der rasanten Eröffnungssequenz in Istanbul schlecht für Bond (Daniel Craig) aus: Der Geheimdienst hält ihn für tot – doch kaum hat M (Judy Dench) ihren Nachruf auf den Agenten verfasst, da meldet sich 007 unrasiert und staubig zum nächsten Einsatz zurück: Das Hauptquartier des MI6 wurde von Cyberterroristen angegriffen und in die Luft gesprengt. Bond muss die Drahtzieher des Anschlags jagen, obwohl er nach seinem Beinahe-Tod nicht gerade in guter körperlicher Verfassung ist und beim Schießtest elendig versagt. Aber es steht viel auf dem Spiel: Die Terroristen sind an Informationen über die wahre Identität zahlreicher Undercover-Agenten gekommen, die nun aufzufliegen drohen – mit tödlichen Folgen! M muss sich außerdem gegen die Angriffe des Geheimdienstbosses Mallory (Ralph Fiennes) wehren, der wegen dieses Datenfiaskos an ihrem Stuhl sägt. Unterstützt von Agentin Eve (Naomie Harris), die immer wieder für eine Überraschung gut ist, bricht Bond unter anderem nach Shanghai und Macao auf. Dort trifft er auf den teuflischen Blondschopf Raoul Silva (herrlich exzentrisch: Javier Bardem), ehe es ihn zurück nach Großbritannien verschlägt. Dort spitzen sich die Ereignisse zu - denn Silva hat noch eine ganz persönliche Rechnung mit dem MI6 offen!
Quelle: Sony
Was zunächst nach einem gewöhnlichen Bond-Plot mit exotischen Locations und einem fiesen Bösewicht klingt, entpuppt sich auf der Leinwand als erstaunlich komplex: Sam Mendes und seine Drehbuchautoren vermischen geschickt Anspielungen auf aktuelle Ereignisse wie die WikiLeaks-Enthüllungen mit einem unerwartet berührenden Abstecher in Bonds familiäre und emotionale Vergangenheit. Die Actionsequenzen sind zwar wie immer prächtig choreografiert und von Kameramann Roger Deakins grandios gefilmt (insbesondere ein Zweikampf in einem Shanghaier Hochhaus im Gegenlicht blauer Neonreklamen), aber die Charakterentwicklung und die Dialoge nehmen in Skyfall mehr Raum ein als sonst. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder der Kontrast zwischen alt und neu, Tradition und Moderne – ein Thema also, das gut zum 50sten Geburtstag passt: Bonds neuer Gadget-Lieferant Q (Ben Whishaw) ist beispielsweise ein junger Technikfreak, der den in die Jahre gekommenen Agenten zunächst für ein Auslaufmodell hält, bald aber eines besseren belehrt wird. Auch Bond selbst wird sich im Laufe des Films immer wieder auf alte Werte zurückbesinnen – sei es auf ein einfaches Messer, eine Schrotflinte, oder aber auf einen eleganten Aston Martin, der in einer von zahlreichen Anspielung auf die Bond-Filme der 60er-Jahre einen starken Auftritt hat. Das lässt sich auch von Daniel Craig sagen, der zunächst als unrasierter Überlebender die unbändige Wut aus seinen vorherigen Filmen mitnimmt, im Laufe der Zeit aber den Witz und die Lebensfreunde wiederentdeckt. So viel Spaß hat Bond lange nicht gemacht!
Fazit: Smarte Action mit viel Witz und mehr Emotion als gewohnt: Der neue Bond ist komplexer und anspruchsvoller als seine Vorgänger.
(Frank Geissler)
