Auf dem Klo mit Stalin: Bully landet als tollpatschiger Nazi-Flüchtling ausgerechnet im Geheimquartier der Russen.
Bully kann auch anders. Zwar lieben wir den Comedy-Visionär als lispelnden Homo-Häuptling und säuselnde Sissi-Kopie. Doch in Hotel Lux beweist Herr Herbig, dass er auch ernste Rollen glaubhaft spielen kann. "Ich stehe jetzt auf einer Stufe mit Colin Farrell und George Clooney", witzelte Bully beim Pressetermin zu seinem neuen Film. Er bezog sich damit auf die bisherigen Leinwandpartner seiner Lux-Kollegin Thekla Reuten. Die Holländerin war neben den genannten Stars in Brügge... Sehen und sterben sowie in The American zu sehen. Hollywood-Fachfrau trifft auf bayerischen Scherzkeks - kann das gut gehen? Für Leander Haußmann, Regisseur und Autor von Hotel Lux, gab es da keine Zweifel. Er schrieb Herbig sogar die Rolle auf den Leib.
Konspirative Sitzungen
Bully mimt - mit Clark-Gable-Schnurri und Pomaden-Wasserwelle - den gewitzten Schürzenjäger Hans Zeisig. Der hält sich im Nazi-Berlin des Jahres 1938 als Varieté-Komiker über Wasser. Seine Paraderolle: Mit seinem Kumpel Siggi (Jürgen Vogel) hat er eine freche Hitler-Stalin-Parodie perfektioniert. Die Führer-Gags sorgen bei den Braunen schnell für Unmut, doch Zeisig hält sich für
Quelle: Constantin
unangreifbar. "Ich bin ja nur ein harmloser Clown und zudem Pazifist", beharrt er. Mit dieser Einstellung kann er bei seiner Traumfrau, der schönen Kommunistin Frida (Thekla Reuten), so gar nicht punkten. Der Polit-Naivling wird von der überzeugten Aktivistin regelmäßig abgewimmelt. Frida verschwindet bald darauf im Untergrund und auch für Zeisig wird es in Berlin zu brenzlig. Mit gefälschten Papieren flieht er nach Moskau und landet dort im ominösen Hotel Lux - arglos glaubend, dass er von dort schnurstracks nach Hollywood weiterreisen kann. Doch sein Quartier entpuppt sich als verwanzter Hexenkessel kommunistischer Fanatiker. Walter Ulbricht, Herbert Wehner und auch Stalins mordlüsterne Schergen tummeln sich in dem Hotel. Aufgrund einer Verwechslung halten die Genossen ausgerechnet den unbedarften Zeisig für einen einflussreichen Informanten. Stalin höchstpersönlich lädt den geheimnisvollen Fremden zu Audienzen auf dem Klo. So nimmt eine Reihe konspirativer "Sitzungen" fortan ihren sagenhaften Lauf ...
Märchen zum Schmunzeln
Charlie Chaplins Der große Diktator und Roberto Benignis Das Leben ist schön sind die wohl brillantesten Beispiele für Filme, in denen mittels tragikomischer Fantastik die Absurdität von Schreckensdiktaturen vorgeführt wird. Leander Haußmann (Sonnenallee) gelingt das mit Hotel Lux ebenfalls sehr gut. Der Regisseur schöpft dabei aus eigener Erfahrung: Als Kind der DDR trotzte er einst selbst dem
Quelle: Constantin
ideologischen Irrsinn. Die Figur des Hans Zeisig ist somit durchaus als sein Alter Ego zu verstehen. Erfreulich: Haußmann stichelt nicht polternd und klamottig, sondern mit feinsinniger Situationskomik. Sein Humor verlässt sich auf ironietriefende Bilder, die etwa einen gelangweilten Walter Ulbricht beim Auftürmen von Zuckerwürfeln (als Vorbote des Mauerbaus) zeigen. Bemerkenswertes präsentiert Haußmann auch in Sachen Ausstattung: Die Räumlichkeiten des Hotel Lux wurden atmosphärisch nachempfunden. Ein Manko des Streifens ist jedoch seine mangelnde inhaltliche Dichte. Die Handlung tingelt manchmal beinahe episodenhaft dahin und wirkt mitunter unentschlossen, ob sie nun Groteske, Abenteuerfilm oder sogar Romanze sein will. Irgendwie ist der Streifen von allem etwas. Am besten lässt es sich wohl so formulieren: Hotel Lux ist ein Märchen zum Schmunzeln - nicht so rund wie die großen Vorbilder von Chaplin und Benigni, aber äußerst unterhaltsam und stets niveauvoll.
Fazit: Liebenswerte Komödie über einen Clown, der Kommunismus und Faschismus ad absurdum führt.
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